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Förderung alltagsintegrierter Sprachbildung in den Kitas - Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Oberhaching |
| Datum | 2026-02-03 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Gemeinde Oberhaching
Amt Allgemeine Verwaltung
Drucksache
Sachbearbeiter/in Volz, Sandro
Aktenzeichen
Bezug-Nr.
DS-04/2026
Datum 23.01.2026
Verantwortliche/r Volz, Sandro
Gremium: am: Beratungsstatus: Öffentlichkeitsstatus: TOP-Nr.
Gemeinderat 03.02.2026 beschließend öffentlich
Be tre ff: Förderung alltagsintegrierter Sprachbildung in den Kitas - Antrag der
Fraktion DIE GRÜNEN
Mit Schreiben vom 23.07.2025 beantragt die Fraktion DIE GRÜNEN, dass die Gemeinde
Oberhaching die alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kindertageseinrichtungen vor Ort gezielt
stärkt, weiterentwickelt und ausbaut.
Im Antrag wird die Verwaltung aufgefordert:
- ein Konzept zur Stärkung alltagsintegrierter Sprachbildung vorzustellen bzw. dem
Gemeinderat zur Verfügung zu stellen,
- darzustellen, was bereits zu diesem Thema in Oberhaching getan wird
- die bereits vorhandenen Stunden umfangreich erhöhen
- Geld in den Haushalt einzustellen bzw. sich über Fördermöglichkeiten für den Ausbau der
bestehenden Stellen zu informieren
Die sprachliche Bildung in den gemeindlichen Kindergärten kann wie folgt dargestellt werden:
Pädagogischer Auftrag
Die sprachliche Bildung ist ein zentraler Bildungsbereich der pädagogischen Arbeit im
Kindergarten und orientiert sich am Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP). Ziel ist
es, alle Kinder in ihrer individuellen Sprachentwicklung alters- und entwicklungsgerecht zu
begleiten und zu fördern. Sprache wird dabei als Schlüsselkompetenz für Bildung, Teilhabe und
soziale Entwicklung verstanden.
Grundverständnis von Sprachbildung
Sprachentwicklung erfolgt im sozialen Miteinander und ist eng mit Beziehung, Handlung und
Emotion verbunden. Die Kita verfolgt einen alltagsintegrierten Ansatz, bei dem Sprachbildung
nicht isoliert, sondern kontinuierlich im Tagesablauf stattfindet.
Zentrale Umsetzungsschwerpunkte
Beziehungsarbeit als Grundlage
Verlässliche, wertschätzende Beziehungen zwischen Fachkräften und Kindern schaffen
Sicherheit und bilden die Basis für Sprachfreude und Sprechbereitschaft.
Praxisbeispiel:
• Eine pädagogische Fachkraft nimmt sich morgens bewusst Zeit für jedes Kind beim
Ankommen. Sie begrüßt das Kind namentlich, stellt offene Fragen („Wie war dein
Morgen?“) und greift Erzählungen auf.
= Das Kind erlebt Wertschätzung und wird zum Sprechen eingeladen.
Alltagsintegrierte Sprachförderung
Sprachliche Impulse werden in allen Alltagssituationen gesetzt (z. B. beim Spielen, Essen,
Anziehen oder Forschen). Sprachhandlungen werden begleitet, kommentiert und erweitert.
Praxisbeispiele:
• Beim Anziehen: „Du ziehst zuerst die Jacke an und danach den Reißverschluss hoch.“
• Beim Essen: Gespräche über Geschmack, Konsistenz und Herkunft der Speisen.
• Beim Wickeln: Benennen von Handlungen und Körperteilen in ruhiger Atmosphäre.
= Sprache wird mit konkreten Handlungen verknüpft und dadurch nachhaltig gelernt.
Sprachfördernde Methoden
Praxisbeispiele:
• Singen: Tägliche Lieder im Morgenkreis zur Sprachrhythmik
• Reime und Klatschspiele: Förderung von Sprachmelodie und phonologischer
Bewusstheit
• Wiederholen und Nachsprechen: bei neuen Wörtern oder Versen
= Spielerische Unterstützung von Aussprache, Wortschatz und Sprachgefühl.
Sprachfördernde Lernumgebung
Eine bewusst gestaltete Umgebung mit Büchern, Rollenspielmaterialien und
Kommunikationsanlässen unterstützt selbstständiges sprachliches Handeln.
Praxisbeispiel:
• Im Rollenspielbereich stehen Telefone, Einkaufskörbe und Verkleidungsmaterial bereit.
Kinder spielen „Einkaufen“ oder „Familie“ und übernehmen unterschiedliche Rollen.
= Wortschatz, Satzbau und kommunikative Fähigkeiten werden spielerisch erweitert.
Nonverbale Kommunikation
Gestik, Mimik und Körpersprache werden gezielt eingesetzt, um Sprachverständnis zu
unterstützen und Übergänge zu erleichtern.
Praxisbeispiel:
• Bei neuen Liedern oder Reimen werden Gesten und Bewegungen eingesetzt.
• Kinder verstehen Inhalte leichter und trauen sich schneller mitzusprechen.
= Sprache wird durch Körpersprache unterstützt und vertieft.
Wertschätzung von Mehrsprachigkeit und Dialekt
Sprachliche Vielfalt wird anerkannt und positiv aufgegriffen. Mehrsprachigkeit und Dialekte
stärken Identität, Selbstwertgefühl und interkulturelle Kompetenzen.
Praxisbeispiel:
• Ein Kind benennt einen Gegenstand in seiner Herkunftssprache. Die Fachkraft greift das
Wort auf und ergänzt die deutsche Bezeichnung.
= Die Familiensprache wird wertgeschätzt und Brücken zwischen den Sprachen werden
gebaut.
Zusammenarbeit mit Eltern
Die Sprachentwicklung der Kinder wird in enger Kooperation mit den Erziehungsberechtigten
begleitet. Regelmäßige Gespräche ermöglichen Transparenz über Entwicklungsstände,
Beobachtungen und Förderansätze.
Die Familie ist für die Sprachentwicklung des Kindes wesentlich. Für pädagogische Fachkräfte
wichtig sind:
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• Eine Haltung des Interesses und der Wertschätzung gegenüber den Sprachen und
Sprachgewohnheiten in der Familie des Kindes
• Die fortlaufende Information der Eltern über die Sprachentwicklung ihres
Kindes und über das Sprachbildungskonzept der Einrichtung; Nutzung von
Beobachtungsunterlagen zur Sprachentwicklung im Elterngespräch
• Das aktive Einbeziehen der Familie in Prozesse und Aktivitäten der Sprach-
und Literacy-Bildung
Systematische Entwicklungsbegleitung
Prozessorientierte Beobachtung von Sprache und Literacy
Bedeutung der systematischen Beobachtung
Eine qualitätsvolle sprachliche Bildung basiert auf der frühzeitigen, kontinuierlichen und
prozessorientierten Beobachtung der Sprach- und Literacyentwicklung aller Kinder. Ziel ist es,
Entwicklungsverläufe zu erkennen, Ressourcen sichtbar zu machen und pädagogische
Angebote gezielt auszurichten – nicht erst bei Auffälligkeiten oder kurz vor der Einschulung.
Beobachtungsverfahren in der Kita
Zur systematischen Begleitung der Sprachentwicklung nutzt die Kita standardisierte,
wissenschaftlich fundierte Beobachtungsbögen des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP):
• Liseb – für Kinder von ca. 2 bis 4 Jahren
• Sismik – für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte bis zum Schuleintritt
• Seldak – für deutschsprachig aufwachsende Kinder bis zum Schuleintritt
• Selsa – für Kinder im Grundschulalter (Hort)
Diese aufeinander aufbauenden Verfahren ermöglichen eine durchgängige Dokumentation der
Sprachentwicklung von der frühen Kindheit bis ins Schulalter.
Mehrdimensionales Verständnis von Sprachentwicklung
Alle vier Beobachtungsbögen erfassen Sprache in mehreren, für Bildung und Schule relevanten
Dimensionen:
• Sprachkompetenz im engeren Sinne (z. B. Wortschatz, Grammatik, Artikulation)
• Literacy-Entwicklung (Interesse an Büchern, Erzählen, Reimen, Schriftkultur)
• Sprachliche Motivation und kommunikative Beteiligung
• Umgang mit der Familiensprache und sprachliche Praxis im familiären Alltag
Dieses umfassende Verständnis ermöglicht eine ressourcenorientierte Sicht auf das Kind.
Beobachtung in konkreten pädagogischen Situationen
Die Sprachbeobachtung erfolgt situationsbezogen im pädagogischen Alltag, z. B.:
• im Einzel- oder Gruppengespräch
• bei Bilderbuchbetrachtungen
• beim dialogischen Vorlesen
• in Spielsituationen oder Gesprächsrunden
Dadurch ist die Beobachtung eng mit der praktischen Sprachbildung verknüpft. Die Fachkräfte
erhalten konkrete Hinweise, wie sie die sprachliche Entwicklung einzelner Kinder sowie die
gesamte Sprachbildungspraxis gezielt unterstützen können.
Pädagogische Einordnung – keine Diagnostik
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Die Beobachtungsbögen dienen der pädagogischen Entwicklungsbegleitung, nicht der
Diagnostik von Sprachstörungen. Bei begründetem Verdacht auf eine Sprachstörung werden in
Absprache mit den Eltern externe Fachdienste zur weiteren Abklärung hinzugezogen.
Teamarbeit und Qualitätssicherung
Die Bögen sind modular aufgebaut und können arbeitsteilig im Team bearbeitet werden.
Einheitliche Beobachtungsraster fördern:
• den professionellen Austausch im Team
• eine gemeinsame fachliche Sprache
• transparente Dokumentation von Lern- und Entwicklungsprozessen
• kontinuierliche Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität
Sprachbildung in den gemeindlichen Kindergärten – Aktuelle Situation
In den Kindergärten (und auch in den Krippen und Horten) findet bereits umfangreiche und
qualitativ hochwertige Sprachbildung statt. Durch die gesunkenen Kinderzahlen und den daraus
resultierenden guten Betreuungsschlüssel können die pädagogischen Fachkräfte intensiv auf
die einzelnen Kinder eingehen.
Die Einrichtungen verfügen über ein systematisches, fachlich fundiertes Konzept zur
Entwicklungsbegleitung von Sprache und Literacy. In Verbindung mit alltagsintegrierter
Sprachbildung, guten Rahmenbedingungen und qualifiziertem Personal entsteht eine
nachhaltige und kindorientierte Förderung.
Sprachbildung ist dabei fester Bestandteil im Alltag und kein zusätzliches Förderangebot. In
alltäglichen Situationen wie Spielen, Essen, Anziehen, Wickeln oder im Morgenkreis entstehen
kontinuierlich Sprachanlässe. Die Fachkräfte nutzen diese bewusst, um Sprache zu begleiten,
zu erweitern und zu vertiefen.
Der gute Betreuungsschlüssel ermöglicht:
• mehr Zeit für Gespräche und Dialoge
• gezielte Beobachtung sprachlicher Entwicklung
• individuelle sprachliche Impulse im Alltag
• eine ruhige, beziehungsorientierte Atmosphäre
Kinder erleben Sprache als selbstverständlich, sinnvoll und positiv, eingebettet in Beziehung
und Handlung. Dadurch entstehen viele natürliche Lerngelegenheiten, die die
Sprachentwicklung nachhaltig unterstützen.
Betreuungsschlüssel Stand 01.12.2025:
Einrichtung Fachkraftquote Anstellungsschlüssel
Bajuwarenring 84,85 % 6,67
Bienenkorb 92,61 % 6,40
Kastanienallee 64,58 % 7,90
Villa Kunterbunt 95,50 % 7,44
Villa Regenbogen 64,34 % 7,95
Kinder mit Migrationshintergrund und sprachlicher Auffälligkeit, die von externen Fachstellen
betreut werden müssen.
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Einrichtung Aktuell betreute Kinder Kinder mit Kinder mit
in den Migrationshintergrund Sprachauffälligkeiten
Kindergartengruppen
Bajuwarenring 72 von 75 Kindern 6 Kinder 5 Kinder
Bienenkorb 45 von 50 Kindern 0 Kinder 6 Kinder
Kastanienallee 66 von 75 Kindern 14 Kinder
Villa Kunterbunt 84 von 100 Kindern 14 Kinder 10 Kinder
Villa Regenbogen 69 von 75 Kindern 10 Kinder 10 Kinder
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Aus fachlicher Sicht ist die Erstellung eines neuen Konzepts zur sprachlichen Bildung derzeit
nicht notwendig.
In den Kindergärten wird Sprachbildung bereits umfassend, systematisch und alltagsintegriert
umgesetzt. Sie ist fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit und im bestehenden Konzept
verankert. Durch einen guten Betreuungsschlüssel, gesunkene Kinderzahlen und qualifizierte
Fachkräfte können sprachliche Bildungsprozesse individuell begleitet werden.
Die systematische Entwicklungsbegleitung erfolgt bereits mithilfe anerkannter
Beobachtungsverfahren (z. B. Liseb, Sismik, Seldak, Selsa). Diese ermöglichen eine
kontinuierliche, prozessorientierte Beobachtung und gezielte pädagogische Unterstützung,
ohne dass ein zusätzliches Konzept erforderlich ist.
Statt einer Neuerarbeitung ist es fachlich sinnvoll,
• die bestehenden Strukturen weiterzuführen,
• bewährte Maßnahmen regelmäßig zu reflektieren und anzupassen,
• und die Qualität der Sprachbildung im Alltag kontinuierlich zu sichern.
Fazit:
Die alltagsintegrierte Sprachbildung ist bereits seit Jahren verbindlicher Bestandteil der
pädagogischen Arbeit in allen gemeindlichen Kindertageseinrichtungen und wird im Einklang
mit den gesetzlichen Vorgaben sowie dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan
konsequent umgesetzt und deckt diese voll und ganz ab.
Die Forderung nach der Erstellung eines zusätzlichen Konzepts ist vor diesem Hintergrund
weder fachlich begründet noch sachlich erforderlich und würde zu vermeidbarem
Verwaltungsaufwand ohne erkennbaren Mehrwert führen. Ebenso bleibt der Antrag eine
konkrete Bedarfsdarstellung schuldig, die eine pauschale und „umfangreiche“ Erhöhung der
bereits vorhandenen Stunden rechtfertigen könnte.
Be s c hl uss vor s c hl a g :
Der Gemeinderat nimmt vom Inhalt der Drucksache sowie vom Antrag der Fraktion DIE
GRÜNEN vom 23.07.2025 Kenntnis. Der Gemeinderat beschließt, den Antrag nicht weiter
zu verfolgen, da aus fachlicher und organisatorischer Sicht kein zusätzlicher Bedarf
besteht.
Sandro Volz Stefan Schelle
Leiter d. Allg. Verwaltung Erster Bürgermeister
Anlagen:
1. Anlage 1 zu DS 04_2026
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