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Bürgerschaftsbeschluss zum Antrag der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Teilhabe stärken: Sprach- und kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte ausbauen“ (Drucksache 21/608 S) Bürgerschaftsbeschluss zum Dringlichkeitsantrag der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke „Verbesserung der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“ (Drucksache Landtag 21/1334)
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Bremen |
| Datum | 2026-04-16 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Die Senatorin für Arbeit, Soziales,
Jugend und Integration
Abt. 3/ Ref. 34
Auskunft erteilt:
Corinna Flentge
Tel. 361 89929
Datum:
9. April 2026
Vorlage VL 21/7193
- öffentlich -
Beratungsfolge
Gremium Termin Beratungsaktion
Staatliche Deputation für Soziales, Jugend
16. April 2026 Kenntnisnahme
und Integration
Städtische Deputation für Soziales, Jugend
16. April 2026 Kenntnisnahme
und Integration
Titel der Vorlage
Bürgerschaftsbeschluss zum Antrag der Fraktionen der SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Teilhabe stärken: Sprach-
und kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit
Migrationsgeschichte ausbauen“ (Drucksache 21/608 S)
Bürgerschaftsbeschluss zum Dringlichkeitsantrag der Fraktionen
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke „Verbesserung
der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“
(Drucksache Landtag 21/1334)
Wirtschaftlichkeit: Keine WU
VL-Nummer Senat:
Sachdarstellung
A. Problem
Die Bremische Bürgerschaft beschloss am 10. und 11.09.2025 den
Dringlichkeitsantrag der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke „Verbesserung der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“
sowie am 11.11.2025 den Antrag derselben Fraktionen „Teilhabe stärken: Sprach- und
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kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte
ausbauen“.
Der Beschluss sieht vor, der staatlichen und städtischen Deputation für Soziales,
Jugend und Integration über den Stand der Umsetzung der Beschlusspunkte zu
berichten.
B. Lösung
Der vorliegende Bericht dient der Bestandsaufnahme sowie der Identifikation von
Optimierungspotenzialen innerhalb der bestehenden Strukturen. Vor dem Hintergrund
der Haushaltslage im Land Bremen liegt der Fokus dabei auf der interkulturellen
Öffnung der bestehenden Systeme sowie der Hebung von Synergieeffekten durch eine
engere Vernetzung vorhandener Angebote.
Es erfolgt eine Berichterstattung zu den prioritären Handlungsfeldern. Ein Folgebericht
über die eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen der verfügbaren Ressourcen ist für
Februar 2027 vorgesehen
1. Demografische Datengrundlage und soziodemografische Lage
In Bremen leben ältere Menschen mit Migrationshintergrund (Personen über 65
Jahren, die selbst oder deren Eltern eingebürgert wurden) aus ca. 100
Herkunftsländern. Biografien von zum Beispiel ehemaligen „Gastarbeiter:innen“,
(Spät-)Aussiedler:innen und Geflüchteten bringen mitunter völlig unterschiedliche
sprachlich-kulturelle Prägungen und Voraussetzungen, distinkte sozio-ökonomische
Lagen sowie beobachtbar andere Vertrauensverhältnisse gegenüber staatlichen
Stellen mit, als etwa Bürger:innen ohne Migrationsbiografie. Quantitativ wird der Anteil
an älteren und pflegebedürftigen Personen mit Migrationshintergrund im Land Bremen
in den nächsten zehn Jahren deutlich zunehmen. Für Institutionen der öffentlichen
Daseinsvorsorge sind diese Verhältnisse entsprechend relevant und in die
Ausgestaltung einzubeziehen.
Dabei ist wichtig zu sehen, dass diese Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen
mitbringen. Während viele seit Jahrzehnten fest in Bremen verwurzelt sind, stehen
andere vor der Herausforderung, auch im Alter neue Zugänge zur Gesellschaft zu
finden. Es zeigt sich, dass soziale Teilhabe im Alter kein Selbstläufer ist. Wenn
vertraute Netzwerke kleiner werden oder Sprachbarrieren bestehen bleiben, wächst
das Risiko, dass sich ältere Menschen aus dem öffentlichen Leben in ihren Stadtteilen
zurückziehen. Ziel ist es daher, bestehende Freizeit- und Beratungsangebote so zu
öffnen, dass sie für alle Bremer:innen – unabhängig von ihrer Herkunft – einladend
und leicht erreichbar sind. Soziale Teilhabe im Quartier ist der Schlüssel, um
Einsamkeit zu verhindern und die Lebensqualität im vertrauten Wohnumfeld so lange
wie möglich zu erhalten.
Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 2 von 16
a. Bremen
Während zum 31.12.2024 in der Stadt Bremen 29.237 Menschen im Alter von 65
Jahren oder älter einen Migrationshintergrund haben, ist die Zahl in der
Bevölkerungsgruppe der 50- bis 65-Jährigen mit 36.973 deutlich höher. Das entspricht
in dieser Altersgruppe einem Anteil von Personen mit Migrationshintergrund von 31,8
% für die gesamte Stadt Bremen in dieser Altersgruppe. Erwartbar ist deshalb, dass
gerade in Stadtteilen mit hohen Anteilen an Migrationsbevölkerung zukünftig der Anteil
von älteren (65 +) Migrant:innen nahe oder über 50 % an allen Älteren im Stadtteil
liegen wird.
Schon heute sprechen die Zahlen in den fünf Stadtteilen mit dem höchsten Anteil von
älteren Migrant:innen im Alter von 65 Jahren oder mehr stark für einen Fokus auf die
Bedarfe und Bedürfnisse dieser heterogenen Gruppe (vgl. Tabelle 1).
Tab. 1: Stadtteile nach Anteilen von Menschen mit Migrationshintergrund (MmM) im
Alter von 65 Jahren und mehr (65 +) an der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe
Gesamtzahl Menschen 65 Anteil MmM 65
Rang Stadtteil Anzahl MmM 65 +
+ +
1 Vahr 2.555 6.043 42,3%
2 Osterholz 3.272 8.464 38,7%
3 Gröpelingen 2.077 6.166 33,7%
4 Huchting 1.991 6.497 30,6%
5 Obervieland 2.253 8.995 25,0%
6 Blumenthal 1.666 6.670 25,0%
7 Hemelingen 2.162 8.796 24,6%
8 Vegesack 1.972 8.219 24,0%
9 Walle 1.223 5.251 23,3%
10 Woltmershausen 635 2.839 22,4%
11 Burglesum 1.859 8.405 22,1%
12 Neustadt 1.580 7.507 21,0%
13 Mitte 641 3.069 20,9%
14 Horn-Lehe 1.163 6.382 18,2%
15 Oberneuland 661 3.849 17,2%
16 Findorff 942 5.767 16,3%
17 Östliche
923 6.039 15,3%
Vorstadt
18 Schwachhausen 1.352 9.558 14,1%
(Quelle: StaLa Bremen, Stand 31.12.2024, Zugriff am 09.03.2026)
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Die räumliche Konzentration in Quartieren wie der Vahr oder Gröpelingen unterstreicht
die Bedeutung einer interkulturellen Ausrichtung der bestehenden Infrastruktur. Ein
besonderes Augenmerk gilt dabei der Lebenssituation älterer Frauen mit
Migrationsgeschichte. Aufgrund oft geringerer Rentenanwartschaften und spezifischer
familiärer Rollenbilder ist hier die Prävention von sozialer Isolation ein zentraler Aspekt
der quartiersbezogenen Arbeit.
Wie erwähnt sind ältere Menschen mit Migrationsbiografie nicht nur eine quantitativ
wachsende Gruppe, sondern auch in ihrer sozio-ökonomisch sowie -kulturell distinkte
Gruppe. So verweist etwa die Betrachtung des Armutsrisikos dieser
Bevölkerungsgruppe auf ihre individuellen prekären Lebenslagen. Gemessen am
Landesmedian ist das Armutsrisiko unter über 65jährigen von 15,7% in 2021 auf
16,4% in 2024 gestiegen. Unter Personen mit Migrationsbiografie liegt die
Armutsrisikoquote hier bei 28,0% in 2024 (33,9 in 2021) und damit konstant über der
von Personen ohne Migrationsbiografie (12,8 in 2021; 12,4 in 2024).
Einen weiteren Anhaltspunkt zur sozialen Lage von Personen mit
Migrationsgeschichte kann der Bezug von Grundsicherung sein. Eine Auswertung der
Leistungsbeziehenden ist nach ausländischer Staatsangehörigkeit möglich, nicht aber
nach Migrationshintergrund. Somit sind hier annähernd die Hälfte der Menschen mit
Migrationsgeschichte nicht statistisch erfasst. Im Land Bremen bezogen Ende 2024
3.940 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Alter von 65 Jahren und
älter Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Das entspricht einem Anteil
von 31,8 Prozent der über 65-jährigen Personen mit ausländischer
Staatsangehörigkeit im Land Bremen. Der Anteil liegt in der Stadt Bremen mit 32,7
Prozent über dem in der Stadt Bremerhaven (27,0 Prozent). Zum Vergleich beziehen
8.345 Personen und damit 6,2% der deutschen Bevölkerung über 65 Jahren
Grundsicherung.
In der Fachpraxis wird zudem das Phänomen thematisiert, dass die Betroffenen die
Inanspruchnahme sozialer Leistungen vermeiden wollen. Sprachliche Hürden oder die
Sorge vor bürokratischen Prozessen können dazu führen, dass bestehende
Ansprüche nicht vollumfänglich geltend gemacht werden. Die Stärkung der
Informationsweitergabe im vertrauten Wohnumfeld erweist sich daher als ein
wirksamer Hebel, um soziale Teilhabe zu sichern.
b. Bremerhaven
Für Bremerhaven liegen keine stadtteilbezogenen Daten nach Altersgruppen zum
Migrationshintergrund vor. Da lt. Zensus 2022 der Bevölkerungsanteil mit
Einwanderungsgeschichte in Bremerhaven (33,8 %) über dem Bremer Wert (32,1 %)
lag, ist davon auszugehen, dass der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund
in Bremerhaven mindestens auf vergleichbarem Niveau wie in Bremen liegt. Zum
Jahresende 2025 betrug der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft
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bei den ab 65-Jährigen in Bremerhaven 8,2 % - bei den 50- bis 65-Jährigen dagegen
schon 17,9 %.
c. Gesamt
Eine Ursache für die größere Betroffenheit von schwierigen sozialen Lagen unter
älteren Personen mit Migrationsbiografie oder ausländischer Staatsangehörigkeit sind
unterbrochene Erwerbsbiografien im Niedriglohnsektor – sowohl aufgrund schwieriger
Ankommensbedingungen als auch deshalb, weil die sozioökonomischen
Rahmenbedingungen während des Migrationsprozesses und die anschließende
berufliche Integration maßgeblich die spätere Absicherung im Alter beeinflussen. Viele
Betroffene ziehen sich aus der Gesellschaft zurück. Trotz einer Aufenthaltsdauer von
oft über 30 Jahren bleiben sie „systemfern“ und nehmen Regeldienste aufgrund von
Sprachbarrieren, Scham oder fehlender kultursensibler Ansprache nicht in Anspruch.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Situation bei beginnenden
Demenzerkrankungen, wenn häufig die Zweitsprache verloren geht. Hier zeigt sich die
Relevanz muttersprachlicher und kultursensibler Begleitung, um eine Überlastung der
pflegenden Angehörigen zu vermeiden. Die Herausforderung besteht darin,
bestehende Regelangebote so weiterzuentwickeln, dass sie für diese Zielgruppe
niedrigschwellig erreichbar bleiben.
Besonders im Bereich der Pflege stößt das Bremer System an kulturelle Grenzen. Da
die häusliche Pflege durch Angehörige in manchen Kulturkreisen moralisch tief
verankert ist, wird externe Hilfe oft als Schande empfunden. In Kombination mit
Unwissenheit über rechtliche Ansprüche bleiben klassische „Komm-Strukturen“ der
Beratungsstellen ungenutzt. Um diese Menschen zu erreichen, müssen Angebote
daher gezielt aufsuchend gestaltet sein und die sprachliche sowie kulturelle Diversität
dieser wachsenden Klientel widerspiegeln.
Ein wesentlicher Faktor für gelingende Teilhabe ist zudem die engere Vernetzung von
klassischen Angeboten der Altenhilfe mit bereits bestehenden „migrationsorientierten“
Strukturen im Quartier, wie etwa Migrantenselbstorganisationen oder religiösen
Gemeinden. Diese Orte fungieren für viele ältere Menschen mit
Zuwanderungsgeschichte als vertraute Anlaufpunkte und "Brückenbauer" in die
Gesellschaft. Fachlich rückt daher die Frage in den Vordergrund, wie die
Zusammenarbeit zwischen diesen Akteuren und den bestehenden Angeboten der
Städte Bremen und Bremerhaven ohne großen bürokratischen Aufwand gestärkt
werden kann, um Isolation gemeinsam entgegenzuwirken.
In der praktischen Arbeit der sozialen Akteure zeigt sich jedoch eine beständige
Herausforderung: Trotz vielfältiger Bemühungen und kreativer Ansätze bleibt die
Resonanz aus der Zielgruppe oft hinter den Erwartungen zurück. Viele ältere
Menschen mit Migrationsgeschichte verbleiben in ihren vertrauten, oft informellen
Netzwerken innerhalb ihrer Community. Diese Tendenz, „unter sich“ zu bleiben, ist
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häufig ein Ausdruck von Sicherheitsbedürfnis und tief verwurzelten biografischen
Erfahrungen. Für die Akteure vor Ort bedeutet dies einen hohen zeitlichen und
personellen Aufwand: Vertrauen muss oft über Jahre hinweg mühsam aufgebaut
werden, da klassische Informationswege (Flyer, Internet, Briefpost) in ihren
Lebenswelten kaum greifen. Es ist daher festzustellen, dass eine erfolgreiche
Ansprache weniger über neue Großprojekte, sondern vielmehr über die kleinteilige,
beharrliche Beziehungsarbeit an den Orten gelingt, an denen sich die Menschen
bereits sicher fühlen.
2. Aktuelle Angebots- und Beratungslandschaft (IST-Zustand)
a. Bremen
Bremen verfügt über ein Netz an spezialisierten und allgemeinen Diensten, die die
Zielgruppe unterschiedlich stark ansprechen:
• „Bremer Hausbesuche“: Dieses neue konzipierte Instrument der
aufsuchenden Hilfe wurde gezielt weiterentwickelt. Um die Zielgruppe direkt
zu erreichen, wurden Flyer und Briefe über QR-Code in 11 Sprachen
(darunter Türkisch, Russisch, Arabisch, Polnisch, Kurdisch etc.) erstellt. Die
Berater:innen der Träger (AWO, DRK, Caritas, PGSD) gehen auf Wunsch in
die Haushalte, insbesondere zum 80. Geburtstag, um über Leistungen wie
Grundsicherung, Wohngeld oder Pflegeberatung aufzuklären und
Einsamkeit entgegenzuwirken. Sie sind mit Übersetzungsgeräten
ausgestattet und werben gezielter als zuvor in den Quartieren an Orten der
Zielgruppe. Das Angebot läuft seit dem 01.01.2026, so dass belastbare
Zahlen noch nicht vorliegen. Das neue strukturierte Instrument der
aufsuchenden Hilfe ist fachlich deshalb so wertvoll, weil es die "Komm-
Struktur" aufbricht. Es ist zu vermuten, dass die schriftliche Einladung via
QR-Code oft erst durch die Bestätigung von Vertrauenspersonen im Quartier
(z.B. Enkelkinder oder Nachbarn) wirksam wird. Die Hausbesuche fungieren
bei dieser Zielgruppe weniger als Lückenfüller, sondern können ein wichtiger
"Türöffner" in das bestehende Regelsystem sein, was langfristig
Fehlsteuerungen und Vereinsamung vermeidet.
Das Angebot verfügt über eine tragfähige Grundstruktur, die bei einer
Aufstockung der Ressourcen eine sinnvolle, nahtlose Erweiterung
ermöglicht.
Kultursensible Fachberatungsstellen:
• Netzwerk für Beratungsstellen: Über das im Frühjahr 2024 durch die
Landesbeauftragte für Migration und Integration etablierte Beratungsnetz
Migration wird in regelmäßigen Abständen digital auch über Angebote für ältere
Menschen im Land Bremen informiert. Zum Netzwerk gehören rund 80
Beratungsstellen in Bremen und Bremerhaven, darunter die
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Migrationsberatungsstellen für Erwachsene, Ankommen im Quartier, LIGA
sowie Beratungsangebote im Rahmen von verschiedenen Projekten wie Zebra,
Stadtteileltern oder #yourturn.
• ZIS e.V. (Zentrum für Interkulturelle Studien e.V.): Das ZIS e.V. fungiert
bereits seit vielen Jahren mit der Selbsthilfekontaktstelle „Köprü“ (türkisch für
„Brücke“) als entscheidende Brücke für ältere und pflegebedürftige
Migrant:innen in verschiedenen Stadtteilen. Es ist eine Selbsthilfekontaktstelle
für pflegebedürftige Menschen mit Migrationsbiographie und ihre pflegenden
An- und Zugehörigen. Es bietet muttersprachliche Seniorenbegleitung und
Beratung für pflegebedürftige Migrant:innen und deren pflegende Angehörige
an. Das Angebot wurde in 2025 auf insgesamt vier Standorte in der Stadt
Bremen ausgeweitet (Osterholz, Obervieland, Gröpelingen und Vegesack). Das
ZIS e.V. bietet daneben eine hohe Vielfalt weiterer interkultureller
Begegnungsmöglichkeiten. Der sprachlich-kulturelle Schwerpunkt des ZIS e.V.
liegt im Bereich der türkisch-arabischen Herkunftsländer, jedoch sind daneben
auch russische, ukrainische, bulgarische, englische und deutsche Sprach- und
Kulturkenntnisse vorhanden. Im Jahr 2024 hatte „Köprü“ 400 Kontakte zu
Ratsuchenden.
• SILA „Stark im Quartier“: Der Verein Familie im Hilfenetz e.V. ist mit der
Selbsthilfekontaktstelle „SILA-Stark im Quartier“, eine wichtige, auf Menschen
mit Migrationshintergrund spezialisierte Beratungsstelle für Ältere und
Pflegebedürftige im Stadtteil Vahr. Hier liegen die sprachlich-kulturellen
Kompetenzen im Bereich russischsprachiger Herkunftsländer und der Ukraine.
Grundsätzlich kann auch auf Deutsch oder Englisch beraten werden. Auch
einige Selbsthilfegruppen werden vom Träger angeboten. Der Träger kooperiert
mit dem großen Pflegestützpunkt (PSP) im Einkaufszentrum Berliner Freiheit
und einer Vielzahl anderer Träger in der pflegerischen
Unterstützungslandschaft im Stadtteil Vahr. Die Kontaktstelle SILA hatte 2024
624 Kontakte zu ratsuchenden Bewohner:innen im Stadtteil.
• Demenz Informations- und Koordinationsstelle (DIKS e.V.): Die DIKS e.V.
ist im Bereich Menschen mit demenziellen Veränderungen zentrale
Beratungsstelle in der Stadt Bremen. Im Rahmen der Nationalen
Demenzstrategie (Projektbereich „DeMigranz“) ist die Koordinationsstelle für
Ehrenamtliche für Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund aktiv. Das
Angebot wird sprachlich-kulturell u.a türkisch-arabisch, englisch und deutsch
betreut.
Damit verfügen bereits fünf Stadtteile mit dem hohen Anteil an Migrant:innen im Alter
von 65 Jahren oder darüber über spezialisierte sprachlich-kulturelle
Beratungsangebote für die Zielgruppe. In Falle einer Erweiterung wohnortnaher
kultursensibler Beratung wären der Tabelle 1 zufolge v.a. die Stadtteile Huchting,
Blumenthal und Hemelingen vorrangig zu empfehlen.
Niedrigschwellige Angebote in den Quartieren:
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Die Erfahrung zeigt, dass soziale Teilhabe dort am besten gelingt, wo Angebote nicht
„für" sondern mit Migrant:innen gestaltet werden. Ein entscheidender Faktor ist hierbei
die Nutzung vorhandener Räumlichkeiten für bereits bestehende, informelle Gruppen
(z.B. Teestuben, Handarbeitszirkel). Es wird deutlich: Teilhabe braucht keine teuren
Spezialprogramme, sondern eine interkulturelle Öffnung und verlässliche Absicherung
der Orte, die bereits eine hohe Akzeptanz in der Nachbarschaft genießen.
• Seniorenbegegnungszentren: Die Zentren verfolgen die Ziele, Förderung
sozialer Teilhabe älterer Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte,
Vorbeugung von Einsamkeit und Altersarmut sowie Schaffung eines offenen,
niedrigschwelligen Treffpunkts im Stadtteil. Sie sind für alle Menschen geöffnet
und möchten den interkulturellen Austausch und gegenseitiges Verständnis
fördern. In den Bremer Seniorenbegegnungszentren besteht eine deutliche
Unterrepräsentanz älterer Migrant:innen. Der Erfolg der interkulturellen Öffnung
hängt in der Praxis meist an einzelnen Schlüsselpersonen. Sie gelingt in den
Zentren gut, wo eine Leitung selbst eine Migrationsgeschichte hat oder aktive
Netzwerke zu Moscheegemeinden und Migrantenorganisationen pflegt. In
diesen Orten sinkt die Hemmschwelle zur Teilnahme deutlich. Ohne diesen
persönlichen „Türöffner-Effekt“ und eine gezielte Einbindung in die Community-
Strukturen bleiben die Angebote für viele Senior:innen fremd, da sprachliche
Barrieren und die vorhandene Programmgestaltung der Vielfalt im Quartier oft
nicht gerecht werden.
• Quartierszentren: Seit 2020 finanziert Bremen über das Landesprogramm
Lebendige Quartiere (LLQ) ca. 20 Quartierszentren in besonders belasteten
Gebieten. Neben Veranstaltungen aller Art sind hier auch Beratungsangebote
unterschiedlicher Träger angesiedelt. Die niedrigschwelligen und offenen
Angebote umfassen oft auch ein Café oder ansprechende Räume zum Treffen
und Verweilen, die i. d. R. kostenfrei auch für Seniorinnen und Senioren zu
nutzen sind. Die lebendige Vielfalt in den Quartierszentren ist oft das Ergebnis
einer langjährigen WiN-Förderung. Um die entstandenen Zentren dauerhaft
abzusichern, wurde mit dem Landesprogramm "Lebendige Quartiere" im Jahr
2020 die Förderschiene "Quartierszentren" ins Leben gerufen. Aus diesen
Mitteln werden Quartierszentren und -verbünde in den aktiven und
ehemaligen WiN-Gebieten, aber auch in anderen Gebieten mit besonderen
Bedarfen gefördert. Einige der Quartierszentren werden als Verbund mehrerer
Träger oder mehrerer Einrichtungen ganz neu eingerichtet. Andere bestehen
bereits seit längerer Zeit, können durch das neue Landesprogramm aber mit
wesentlich größerer finanzieller Sicherheit in die Zukunft planen.
• Dienstleistungszentren: Die 17 Dienstleistungszentren (DLZ) in der Stadt
Bremen gibt es in fast jedem Stadtteil. Sie werden von der Stadt Bremen seit
über 50 Jahren gefördert und leisten insbesondere für ältere, chronisch kranke
und von Behinderung betroffene Menschen in ihren Stadtteilen Information,
Beratung und organisieren preiswerte Alltagshilfen durch geschulte
Ehrenamtliche. Außerdem vernetzen sie sich lokal im jeweiligen Stadtteil mit
allen anderen Akteuren der Altenhilfe, Pflege etc. Fast 90 % der Kund:innen mit
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Alltagsassistenz sind pflegebedürftig. Denn die DLZ sind als „Angebot zur
Unterstützung im Alltag“ nach den Kriterien der Pflegeversicherung anerkannt.
Über 450 Kund:innen (9,9 % mit steigender Tendenz) sind Migrant:innen. Und
hinzuweisen ist auch darauf, dass lt. DLZ-Angaben auch viele jüngere
Menschen mit Migrationshintergrund als ehrenamtliche
(Aufwandsentschädigung 9,50 Euro pro Stunde steuerfrei)
Alltagsassistent:innen tätig werden.
• Gesundheitsfachkräfte im Quartier: Sie sind oft die ersten
Ansprechpartner:innen vor Ort, die durch ihre Mehrsprachigkeit den Zugang zu
tiefergehenden Beratungsangeboten der Altenhilfe erst ermöglichen. Mehrere
der Gesundheitsfachkräfte haben eine eigene familiäre Migrationsgeschichte.
Besonders hervorzuheben ist ihre Lotsenfunktion. Da Gesundheit oft das erste
akzeptierte Thema für ein Gespräch ist, öffnen sie den Weg für Fragen der
sozialen Teilhabe und der rechtlichen Absicherung. Sie sind damit oft der erste
Kontakt zum Unterstützungssystem und ermöglicht Ratsuchende im komplexen
Angebot einen Zugang und Überblick.
• Das Gesundheitszentrum LIGA in Bremen Gröpelingen bietet neben der
Beratung zu allen Themen rund um die Gesundheit eine Kooperation mit dem
Pflegestützpunkt, der mehrmals in der Woche in der Beratungsstelle direkt
ansprechbar ist. Darüber hinaus bietet LIGA ein VitalCafe „Gesund durchs
Alter“ mit wechselnden Themen. Durchgeführt in einer Kooperation zwischen
LIGA und den Gesundheitsfachkräften im Quartier. Mehrsprachigkeit wird durch
mehrsprachige Mitarbeiter:innen und Übersetzungstools täglich praktiziert.
• AiQ „Ankommen im Quartier“ (AiQ) ist ein Beratungsangebot für Geflüchtete in
eigenem Wohnraum, das seit 2026 besteht und inzwischen auf neun Quartiere
ausgeweitet wurde.
Die Finanzierung erfolgte bis Ende 2025 aus Mittel des Programms „Soziale
Stadt“ und seit 1.1.2026 im Kernhaushalt des Amtes für Soziale Dienste.
Die Beratungsstelle AiQ bietet Menschen mit Migrationsgeschichte und
Fluchterfahrung eine allgemeine Beratung aber auch individuelle
Unterstützungsmöglichkeiten. Dieses Angebot gilt für sowohl für erwachsene,
volljährige Menschen als auch für Familien und ältere Menschen.
Ratsuchende können dort Informationen über mögliche
Unterstützungsmöglichkeiten im Stadtteil, Hilfen bei Antragstellungen
bekommen. Gemeinsam mit den Ratsuchenden wird der individuelle
Unterstützungsbedarf sowie weitere Schritte besprochen. Dabei liegt der Fokus
drauf, die Ratsuchenden mit den Möglichkeiten ihres Quartiers und der Nutzung
vorhandener Angebote vertraut zu machen.
In einzelnen Quartieren werden Informationsveranstaltungen für Menschen mit
Migrationsgeschichte und/ oder Fluchterfahrung organisiert oder selber
durchgeführt. Beispielsweise werden in einzelnen Quartieren „Sprach-Cafés“
durchgeführt, u.a. als Möglichkeit sich kennenzulernen, auszutauschen und
quasi ganz nebenbei Deutsch zu lernen. Zu konkreten alltagspraktischen
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Themen, wie z.B. Wohnungssuche, werden gezielt
Informationsveranstaltungen organisiert.
Ziel des Beratungsangebots AiQ ist, das Ankommen der Menschen im Quartier
zu unterstützen und ihre Integration zu fördern.
• Sozialdienst Erwachsene (SDE): Der Sozialdienst Erwachsene in den
Sozialzentren 1, 2, 4 und 5 bietet allen Bürger:innen Bremens eine kostenfreie
Beratung. Das beinhaltet auch die Beratung von Menschen mit
Migrationsgeschichte und/ oder Fluchthintergrund.
Im Rahmen eines Beratungsgesprächs in dem jeweiligen Sozialzentrum oder
bei einem Hausbesuch werden die Anliegen der Bürger:innen und mögliche
Unterstützungsbedarfe gemeinsam besprochen. Der SDE vermittelt im
Weiteren an geeignete Stellen oder Angebote im Quartier und unterstützt bei
der Planung, Durchführung und Finanzierung individueller
Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. Hilfen zur Aufrechterhaltung des
Haushalts, Hilfe zur Pflege oder anderen Hilfen nach SGB XII.
• Digitale Angebote: Zur Stärkung der digitalen Teilhabe älterer Menschen gibt
es im Land Bremen die Netzwerke Digital-Fit-60+ (Bremen) und Netzwerk
Digitalambulanzen (Bremerhaven), die die dezentralen Angebote wie
Tabletschulungen, Smartphone-Sprechstunden oder Digital-Beratungen
vernetzen, qualifizieren und stabilisieren. Die Angebote sprechen auch
Menschen mit Migrationsgeschichte an. Zur gezielten Ansprache von älteren
Bürger:innen mit Migrationsbiografie werden Migrant:innen-Organisationen
einbezogen und an einem Ausbau mehrsprachiger Angebote gearbeitet.
• Pflegestützpunkte Bremen: Die stadtbremischen Pflegestützpunkte (PSP)
sind in den Stadtteilen Vahr und Vegesack vertreten, sowie mit ihren
Außenstellen in den Stadtteilen Huchting, Gröpelingen, Huckelriede. Ihre
Beratung rund um alle Themen der Pflege ist kostenlos, neutral und umfassend.
Es gibt teils multilinguales Informationsmaterial und Websiteinformationen in
einfacher Sprache.
Eine Übersicht über Angebotsträger für pflegebedürftige Menschen mit
Migrationshintergrund bietet nachfolgende Tabelle 2:
Tab. 2 Angebotsträger Stadt Bremen für pflegebedürftige Menschen mit
Migrationshintergrund (MmM)
Angebot für MmM und Seit Nach Ge-
Träger Sprachen Stadtteile
pflegende An-/Zugehörige wann schlecht?
ZIS e.V. Türkisch, Köprü-Selbsthilfekontaktstelle/ Gröpelingen 2009 für alle
Zentrum für arabisch, Niedrigschwellige Beratung im
Migranten und deutsch, SGB XI-Bereich
Interkulturelle englisch, Köprü-Erweiterung Vegesack 2024 für alle
Studien ukrainisch, Köprü-Erweiterung Obervieland 2025 für alle
russisch Köprü-Erweiterung Osterholz 2025 für alle
Türkisch, Seniorenbegleiter:innen Gröpelingen, 2019 für alle
arabisch (Hausbesuche, soziale Vegesack,
Teilhabe) Obervieland
Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 10 von 16
deutsch,
englisch
Türkisch, Selbsthilfegruppen für ältere Gröpelingen, Seit mind. für Frauen,
deutsch, Menschen (Förderung von Obervieland, 2017 für Männer,
englisch, Soziales - kein Pflegebedarf Osterholz, für alle
ukrainisch, vorausgesetzt) Vegesack
russisch
Bulgarisch, Familienkompass ((integrative) Gröpelingen Seit mind. für alle
deutsch, Beratung für Bulgarische 2017 (EU-
englisch Nachbarn) – kein Pflegebedarf Projekt)
Vorausgesetzt
Türkisch, Virtuelles Museum Online, aber Seit 2020 für alle
arabisch, Gröpelingen
deutsch im Zentrum
WiN- Projekt (Soziales), Gröpelingen Seit 2022 für alle
Gemeinsamkeiten entdecken
Win-Projekt (Soziales), Osterholz Seit? für alle
Zentrum der Integration (Schweizer
Viertel)
Familie im Russisch, SILA-Stark im Quartier - Vahr & umzu Seit 2020 für alle
Hilfenetz e.V. deutsch, Selbsthilfekontaktstelle
ukrainisch,
englisch
Russisch, Selbsthilfegruppen (Förderung Vahr & umzu Seit 2021 für alle
deutsch, bei Soziales)
ukrainisch,
englisch
AWO Türkisch, u.a. Tagespflege, Gröpelingen Seit 1974 für alle
arabisch, Senior:innentafel (Hanna- (Ella-Ehlers- (Sozial-
deutsch, Harder-Haus), Kooperationen Haus), zentrum
russisch, mit Angebotsträgern im Pflege- Vahr (Hanna- Bremer
ukrainisch, und Teilhabebereich im Harder- Westen),
englisch Stadtteil Haus) seit 2019
(Senior:in
nentafel)
PSP Über Ggf. mit Sprinter Vahr, Seit 2009 für alle
Sprinter: (Übersetzer:innen) Vegesack,
Russisch, Mehrsprachiges Bremerhaven
ukrainisch, Informationsangebot, Außenstellen Seit 2024
polnisch, Broschüren :
türkisch, Huchting,
englisch, Gröpelingen,
deutsch Neustadt
DIKS - Türkisch, Koordinierungsstelle für Mitte, bzw. Seit für alle
Demenz arabisch, Ehrenamtliche im Sinne der stadtweit 2021/202
Informations- deutsch, Nationalen Demenzstrategie/ (Bremen) 2
und englisch DeMigranz
Koordinationss
telle e.V.
Bremer Türkisch, Tagespflege, ausgewiesen Gröpelingen Seit 2017 für alle
Heimstiftung arabisch, auch für Menschen mit
(BHS) deutsch
Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 11 von 16
muslimisch geprägten
Biographien
(Quelle: eigene Auswertung, Ref. 31 SGFV)
b. Bremerhaven
Auch Bremerhaven verfügt über ein Netz von Angeboten, die die Zielgruppe
unterschiedlich stark ansprechen:
• BerTA - Beratung für Teilhabe im Alter
Das Angebot beinhaltet präventive Hausbesuche für Menschen ab 55 Jahren
stadtweit.
Durch systematische Anschreiben in fünf Ortsteilen (Grünhöfe, Goethestraße
Klushof, Twischkamp und Leherheide-West) zum 70sten Geburtstag mit dem
Angebot eines Hausbesuchs wird versucht, auch schwer erreichbare Menschen
anzusprechen. Bei den Beratungen, die durch Anschreiben zustande kommen,
geben ca. 30 % der Beratenen an eine Migrationsgeschichte zu haben. Im
Vergleich zu dem stadtweiten Angebot, bei denen die Beratungen von den
Bürger:innen angefordert werden, haben 9 % der Beratenen eine
Migrationsgeschichte. Da zu den Beratungen ausdrücklich Vertrauenspersonen
eingeladen werden, werden sprachliche Barrieren häufig durch Übersetzungen
von Familien-angehörigen bewältigt. In den Beratungen wird über verschiedene
Themen wie bspw. Grundsicherung, Wohngeld oder Pflegeberatung aufgeklärt
aber auch über Freizeitangebote beraten, um Einsamkeit entgegenzuwirken.
• Seniorentreffpunkte
Die sechs kommunalen Seniorentreffpunkte bieten ein vielseitiges Programm
mit Informationen, Beratungen, Bewegungsangeboten und Gelegenheiten zur
Geselligkeit. Die Nutzung von älteren Menschen mit Migrationsgeschichte fällt
im Allgemeinen geringer aus, als von Menschen ohne Migrationsgeschichte und
ist auch vom Standort abhängig.
• Gesundheitsfachkräfte im Quartier
Die Gesundheitsfachkräfte im Quartier sind in Bremerhaven in Ortsteilen aktiv,
die einen großen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte haben
(Grünhöfe, Goethestraße, Geestendorf und Leherheide). Sie sind über
Gesundheitsthemen oft Ansprechpartner:innen, die den Zugang zu
tiefergehenden Beratungsangeboten der Altenhilfe ermöglichen.
• Pflegestützpunkt Bremerhaven
Der Pflegestützpunkt Bremerhaven bietet auch für Menschen mit
Migrationsgeschichte
eine kostenlose, unabhängige und umfassende Beratung zu allen Fragen rund
um Pflege und Unterstützung im Alltag. Die Beratung ist wohnortnah,
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trägerübergreifend und neutral. Allerdings wird das Angebot von Menschen mit
Migrationsgeschichte selten nachgefragt.
• Bremerhavener Formularlotsen
Das Projekt „Bremerhavener Formularlotsen“ bietet an sechs Standorten in
Bremerhaven Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen an. Dazu zählen
unter anderem Anträge auf Grundsicherung und Wohngeld. Das Angebot steht
allen in Bremerhaven lebenden Personen kostenlos zur Verfügung. Im Jahr
2025 waren rund 10 % der Unterstützungssuchenden über 65 Jahre alt und 70
% aller Unterstützungssuchenden hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Ausfüllhilfen erfolgten in insgesamt 12 Sprachen. Bei vier Sprachen, die die
Ehrenamtlichen nicht fließend sprechen, wurde die Sprachmittlung mithilfe
eines Sprachcomputers unterstützt.
3. Ausblick – Perspektiven und kontinuierliche Weiterentwicklung
Die älteren und pflegebedürftigen Menschen mit Migrationsgeschichte sind eine sehr
heterogene Gruppe. Aufgrund ihrer enorm vielfältigen biographischen, ethnischen,
sprachlichen und kulturellen Prägung können spezialisierte Angebote nicht für alle
Gruppen aufgebaut und vorgehalten werden. Das primäre Ziel sollte deshalb in der
Fortsetzung der Interkulturellen Öffnung (IKÖ) der Regelversorgung in den Bereichen
Altenhilfe, Pflege, Gesundheitsversorgung, Sozialberatung etc. liegen. In diesem
Bereich sind Anbieter zum Teil bereits engagiert unterwegs. Zum Beispiel sind die
AWO (Ella-Ehlers-Haus, Gröpelingen, Hanna-Harder-Haus, Vahr) und die Bremer
Heimstiftung (Tagespflege im Stiftungsdorf Gröpelingen) mit pflegerischen und
Teilhabe-Angeboten für pflegebedürftige Menschen mit Migrationsgeschichte
besonders sensibel.
Die IKÖ ist ein Teil der umfassenden Bemühungen, mit wachsender gesellschaftlicher
Diversität in allen Lebensbereichen angemessen umzugehen. Dies ist in einem
Einwanderungsland wie Deutschland notwendige Voraussetzung für Zusammenhalt
und gesellschaftlichen Fortschritt.
Trotzdem sind Angebote für besonders große migrantische Communities sinnvoll und
richtig. Insbesondere für selbst zugewanderte ältere Migrant:innen
(„Gastarbeiter:innen“ der ersten Generation, Aussiedler:innen, ältere Geflüchtete). Sie
haben häufiger als in Deutschland geborene Migrant:innen erheblichen sprachlich-
kulturellen Vermittlungsbedarf.
Die im Datenteil beschriebene Zuwachsrate bei der Zielgruppe für die Zukunft
verdeutlicht, dass die bestehenden spezialisierten Angebote der Altenhilfe und Pflege
künftig eine steigende Relevanz besitzen. Die Heterogenität der älteren und
pflegebedürftigen Migrant:innen setzt aber selbstverständlich Grenzen für ethnisch-
kulturell spezialisierte Strukturen. Auch kleine Zuwanderergruppen haben das gleiche
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Recht auf Information, Beratung und Unterstützung wie z.B. türkisch- und
russischsprachige Migrant:innen. Vor dem Hintergrund der begrenzten personellen
und finanziellen Ressourcen liegt das Augenmerk deshalb auch darauf, bestehende
Strukturen noch effizienter zu vernetzen, moderne Sprachmittlungsmöglichkeiten zu
nutzen und durch punktuelle, niedrigschwellige Anpassungen die Regelangebote
zugänglicher zu gestalten. Ziel ist es, die Schwellenängste gegenüber dem „System“
abzubauen und die Menschen dort abzuholen, wo sie ihren Alltag verbringen. Dazu
können folgende gezielte (zusätzliche) Maßnahmen beitragen.
a. Bremen
• Bremer Hausbesuche (BHB): Mit den Bremer Hausbesuchen wurde ein
Instrument geschaffen, das strukturell sehr gut geeignet ist, auch Menschen mit
Migrationsbiografie in ihrem gewohnten Umfeld zu erreichen. Die aktuelle
Struktur ist tragfähig und fachlich so konzipiert, dass sie bei einer künftigen,
verbesserten Mittelerhöhung nahtlos und effektiv ausgeweitet werden könnte.
Die BHB sind aufsuchend und niedrigschwellig. Damit werden zentrale
Forderungen für die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund
aufgenommen. In Kombination mit den eingeführten Dolmetschergeräten (vgl.
Punkt „Unterstützung der Kommunikation“ unten) und mehrsprachigen Flyern,
Geburtstagsbriefen, Internetseite, QR-Codes ist eine personelle Ausweitung
von Teilzeit- auf Vollzeitkräfte stadtweit in den sechs Regionen zu empfehlen.
• SILA (Stark im Quartier): Das Projekt dient als wertvoller Impulsgeber. Hier
soll vor allem geprüft werden, wie die dort erprobten Methoden der
kultursensiblen Ansprache im Sinne eines Wissenstransfers auch anderen
Akteuren der Altenhilfe zugänglich gemacht werden können. Hier könnte zudem
perspektivisch eine Ausweitung auf den Stadtteil Huchting sinnvoll sein, da
Huchting den vierthöchsten Anteil an älteren Migrant:innen im Alter von 65
Jahren und älter hat, aber bisher keine Beratungsstelle. Weitere bzw.
alternative Standorte wären auch Blumenthal und Hemelingen mit hohen
Anteilen an migrantischer Bevölkerung in der älteren Bevölkerung (65+).
• Unterstützung der Kommunikation: Um Sprachbarrieren im Beratungsalltag
(z.B. in Dienstleistungszentren oder beim Pflegestützpunkt) effizienter zu
begegnen, wird aktuell die Bereitstellung digitaler Übersetzungshilfen geprüft.
Solche Dolmetschergeräte könnten helfen, den Einsatz aufwändiger, z.T.
kostenintensiver und immer im Voraus zu planender Sprach- und
Kulturmittlungen auf besonders komplexe Fälle zu konzentrieren und so die
vorhandenen Ressourcen der Fachstellen zu entlasten. Dolmetschergeräte
übersetzen ad hoc bis zu 100 Sprachen, sind internetunabhängig und bringen
keine Folgekosten nach Anschaffung mit sich. Konzediert werden muss, dass
sie nicht die bestmögliche Lösung sind, weil grds. neben sprachlicher
Verständigung die Kulturmittlung im Gespräch wichtig ist. Diese fachlich richtige
Forderung ist im Gesundheits- und Sozialwesen jedoch jahrzehntealt und
wurde politisch nie ausreichend erfüllt. Sie ist auch absehbar personell und
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finanziell nicht darstellbar. Deshalb sind diese Geräte ein sinnvoller
Zwischenschritt. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf das wichtige
und persönliche Übersetzungsangebot der Bremer „Sprinter“.. Institutionen mit
Sprach- und Kulturmittlungsbedarf in Bremen können die Sprinter anfordern.
• Netzwerk-Fokus: Das Beratungsnetz Migration könnte künftig noch stärker für
die spezifischen Belange älterer Menschen sensibilisiert werden. Dabei steht
die bessere Verzahnung vorhandener Angebote im Vordergrund, um
Doppelstrukturen zu vermeiden. Besonders die Kooperation mit migrantischen
Vereinen und religiösen Gemeinden soll intensiviert werden, da diese oft den
direkten Zugang zu bisher isoliert lebenden Senior:innen haben.
• Interkulturelle Öffnung: In den Seniorenbegegnungszentren wird weiterhin
darauf gesetzt, durch die Einbindung von ehrenamtlichen Schlüsselpersonen
aus den Communities die Hemmschwellen zu senken. Dieser Weg ist
ressourcenschonend und stärkt gleichzeitig die Selbsthilfe im Quartier. Indem
ältere Migrant:innen nicht nur als Nutzer:innen, sondern auch als aktive
Mitgestalter:innen gewonnen werden, wird ihre Rolle im Stadtteil gestärkt.
b. Stadtgemeinde Bremerhaven
• BerTA - Beratung für Teilhabe im Alter (Präventive Hausbesuche)
Eine Übersetzung des Angebotsflyers in verschiedenen Sprachen über QR-
Code ist in Planung, um den Zugang für nicht-deutschsprachige Haushalte zu
erleichtern und die präventive Wirkung des Angebots zu erhöhen.
• Heidjer Hilfe - Nebenan im Einsatz
Die Stadt Bremerhaven beabsichtigt mit einem Modellvorhaben in Leherheide,
die niedrigschwelligen Hilfen für Pflegebedürftige und die Entlastung von
pflegenden Angehörigen auszubauen. Als Vorbild der „Heidjer Hilfe“ dienen die
Dienstleistungszentren in Bremen. Die Annahme des Angebots von Menschen
mit Migrationsgeschichte wird im Modellprojekt beobachtet und durch
gesonderte Ansprache in den betreffenden Bevölkerungsgruppen gefördert.
Angesichts der Haushaltslage im Land Bremen liegt die Priorität nicht auf dem Aufbau
neuer, kostenintensiver Strukturen. Vielmehr soll durch eine stetige interkulturelle
Öffnung der aufgebauten Angebote und den gezielten Einsatz von Technik
(Übersetzungshilfen) sichergestellt werden, dass die vorhandene Infrastruktur für alle
Bürger:innen – unabhängig von ihrer Herkunft – gleichermaßen nutzbar bleibt.
C. Alternativen
Werden nicht empfohlen.
D. Finanzielle, personalwirtschaftliche und genderbezogene Auswirkungen
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Der Bericht hat keine finanziellen, personalwirtschaftlichen und genderbezogenen
Auswirkungen.
E. Beteiligung und Abstimmung
Die Abstimmung mit der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz und
dem Magistrat Bremerhaven ist eingeleitet.
Beschlussempfehlung
1. Die staatliche Deputation für Soziales, Jugend und Integration nimmt den Bericht
der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration zum Bürgerschaftsantrag
der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drucksache
Landtag 21/1334) zur Kenntnis.
2. Die städtische Deputation für Soziales, Jugend und Integration nimmt den Bericht
der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration zum Bürgerschaftsantrag
Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drucksache
21/608 S) zur Kenntnis.
Anlage(n):
- keine
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