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Bürgerschaftsbeschluss zum Antrag der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Teilhabe stärken: Sprach- und kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte ausbauen“ (Drucksache 21/608 S) Bürgerschaftsbeschluss zum Dringlichkeitsantrag der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke „Verbesserung der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“ (Drucksache Landtag 21/1334)

Ergebnis unbekannt
TypAntrag
GemeindeBremen
Datum2026-04-16
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Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration Abt. 3/ Ref. 34 Auskunft erteilt: Corinna Flentge Tel. 361 89929 Datum: 9. April 2026 Vorlage VL 21/7193 - öffentlich - Beratungsfolge Gremium Termin Beratungsaktion Staatliche Deputation für Soziales, Jugend 16. April 2026 Kenntnisnahme und Integration Städtische Deputation für Soziales, Jugend 16. April 2026 Kenntnisnahme und Integration Titel der Vorlage Bürgerschaftsbeschluss zum Antrag der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Teilhabe stärken: Sprach- und kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte ausbauen“ (Drucksache 21/608 S) Bürgerschaftsbeschluss zum Dringlichkeitsantrag der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke „Verbesserung der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“ (Drucksache Landtag 21/1334) Wirtschaftlichkeit: Keine WU VL-Nummer Senat: Sachdarstellung A. Problem Die Bremische Bürgerschaft beschloss am 10. und 11.09.2025 den Dringlichkeitsantrag der Fraktionen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Verbesserung der Lebenssituation von Senior:innen mit Migrationsgeschichte“ sowie am 11.11.2025 den Antrag derselben Fraktionen „Teilhabe stärken: Sprach- und 1 von 16 kultursensible Angebote im Quartier für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte ausbauen“. Der Beschluss sieht vor, der staatlichen und städtischen Deputation für Soziales, Jugend und Integration über den Stand der Umsetzung der Beschlusspunkte zu berichten. B. Lösung Der vorliegende Bericht dient der Bestandsaufnahme sowie der Identifikation von Optimierungspotenzialen innerhalb der bestehenden Strukturen. Vor dem Hintergrund der Haushaltslage im Land Bremen liegt der Fokus dabei auf der interkulturellen Öffnung der bestehenden Systeme sowie der Hebung von Synergieeffekten durch eine engere Vernetzung vorhandener Angebote. Es erfolgt eine Berichterstattung zu den prioritären Handlungsfeldern. Ein Folgebericht über die eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen der verfügbaren Ressourcen ist für Februar 2027 vorgesehen 1. Demografische Datengrundlage und soziodemografische Lage In Bremen leben ältere Menschen mit Migrationshintergrund (Personen über 65 Jahren, die selbst oder deren Eltern eingebürgert wurden) aus ca. 100 Herkunftsländern. Biografien von zum Beispiel ehemaligen „Gastarbeiter:innen“, (Spät-)Aussiedler:innen und Geflüchteten bringen mitunter völlig unterschiedliche sprachlich-kulturelle Prägungen und Voraussetzungen, distinkte sozio-ökonomische Lagen sowie beobachtbar andere Vertrauensverhältnisse gegenüber staatlichen Stellen mit, als etwa Bürger:innen ohne Migrationsbiografie. Quantitativ wird der Anteil an älteren und pflegebedürftigen Personen mit Migrationshintergrund im Land Bremen in den nächsten zehn Jahren deutlich zunehmen. Für Institutionen der öffentlichen Daseinsvorsorge sind diese Verhältnisse entsprechend relevant und in die Ausgestaltung einzubeziehen. Dabei ist wichtig zu sehen, dass diese Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen mitbringen. Während viele seit Jahrzehnten fest in Bremen verwurzelt sind, stehen andere vor der Herausforderung, auch im Alter neue Zugänge zur Gesellschaft zu finden. Es zeigt sich, dass soziale Teilhabe im Alter kein Selbstläufer ist. Wenn vertraute Netzwerke kleiner werden oder Sprachbarrieren bestehen bleiben, wächst das Risiko, dass sich ältere Menschen aus dem öffentlichen Leben in ihren Stadtteilen zurückziehen. Ziel ist es daher, bestehende Freizeit- und Beratungsangebote so zu öffnen, dass sie für alle Bremer:innen – unabhängig von ihrer Herkunft – einladend und leicht erreichbar sind. Soziale Teilhabe im Quartier ist der Schlüssel, um Einsamkeit zu verhindern und die Lebensqualität im vertrauten Wohnumfeld so lange wie möglich zu erhalten. Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 2 von 16 a. Bremen Während zum 31.12.2024 in der Stadt Bremen 29.237 Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter einen Migrationshintergrund haben, ist die Zahl in der Bevölkerungsgruppe der 50- bis 65-Jährigen mit 36.973 deutlich höher. Das entspricht in dieser Altersgruppe einem Anteil von Personen mit Migrationshintergrund von 31,8 % für die gesamte Stadt Bremen in dieser Altersgruppe. Erwartbar ist deshalb, dass gerade in Stadtteilen mit hohen Anteilen an Migrationsbevölkerung zukünftig der Anteil von älteren (65 +) Migrant:innen nahe oder über 50 % an allen Älteren im Stadtteil liegen wird. Schon heute sprechen die Zahlen in den fünf Stadtteilen mit dem höchsten Anteil von älteren Migrant:innen im Alter von 65 Jahren oder mehr stark für einen Fokus auf die Bedarfe und Bedürfnisse dieser heterogenen Gruppe (vgl. Tabelle 1). Tab. 1: Stadtteile nach Anteilen von Menschen mit Migrationshintergrund (MmM) im Alter von 65 Jahren und mehr (65 +) an der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe Gesamtzahl Menschen 65 Anteil MmM 65 Rang Stadtteil Anzahl MmM 65 + + + 1 Vahr 2.555 6.043 42,3% 2 Osterholz 3.272 8.464 38,7% 3 Gröpelingen 2.077 6.166 33,7% 4 Huchting 1.991 6.497 30,6% 5 Obervieland 2.253 8.995 25,0% 6 Blumenthal 1.666 6.670 25,0% 7 Hemelingen 2.162 8.796 24,6% 8 Vegesack 1.972 8.219 24,0% 9 Walle 1.223 5.251 23,3% 10 Woltmershausen 635 2.839 22,4% 11 Burglesum 1.859 8.405 22,1% 12 Neustadt 1.580 7.507 21,0% 13 Mitte 641 3.069 20,9% 14 Horn-Lehe 1.163 6.382 18,2% 15 Oberneuland 661 3.849 17,2% 16 Findorff 942 5.767 16,3% 17 Östliche 923 6.039 15,3% Vorstadt 18 Schwachhausen 1.352 9.558 14,1% (Quelle: StaLa Bremen, Stand 31.12.2024, Zugriff am 09.03.2026) Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 3 von 16 Die räumliche Konzentration in Quartieren wie der Vahr oder Gröpelingen unterstreicht die Bedeutung einer interkulturellen Ausrichtung der bestehenden Infrastruktur. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Lebenssituation älterer Frauen mit Migrationsgeschichte. Aufgrund oft geringerer Rentenanwartschaften und spezifischer familiärer Rollenbilder ist hier die Prävention von sozialer Isolation ein zentraler Aspekt der quartiersbezogenen Arbeit. Wie erwähnt sind ältere Menschen mit Migrationsbiografie nicht nur eine quantitativ wachsende Gruppe, sondern auch in ihrer sozio-ökonomisch sowie -kulturell distinkte Gruppe. So verweist etwa die Betrachtung des Armutsrisikos dieser Bevölkerungsgruppe auf ihre individuellen prekären Lebenslagen. Gemessen am Landesmedian ist das Armutsrisiko unter über 65jährigen von 15,7% in 2021 auf 16,4% in 2024 gestiegen. Unter Personen mit Migrationsbiografie liegt die Armutsrisikoquote hier bei 28,0% in 2024 (33,9 in 2021) und damit konstant über der von Personen ohne Migrationsbiografie (12,8 in 2021; 12,4 in 2024). Einen weiteren Anhaltspunkt zur sozialen Lage von Personen mit Migrationsgeschichte kann der Bezug von Grundsicherung sein. Eine Auswertung der Leistungsbeziehenden ist nach ausländischer Staatsangehörigkeit möglich, nicht aber nach Migrationshintergrund. Somit sind hier annähernd die Hälfte der Menschen mit Migrationsgeschichte nicht statistisch erfasst. Im Land Bremen bezogen Ende 2024 3.940 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Alter von 65 Jahren und älter Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Das entspricht einem Anteil von 31,8 Prozent der über 65-jährigen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Land Bremen. Der Anteil liegt in der Stadt Bremen mit 32,7 Prozent über dem in der Stadt Bremerhaven (27,0 Prozent). Zum Vergleich beziehen 8.345 Personen und damit 6,2% der deutschen Bevölkerung über 65 Jahren Grundsicherung. In der Fachpraxis wird zudem das Phänomen thematisiert, dass die Betroffenen die Inanspruchnahme sozialer Leistungen vermeiden wollen. Sprachliche Hürden oder die Sorge vor bürokratischen Prozessen können dazu führen, dass bestehende Ansprüche nicht vollumfänglich geltend gemacht werden. Die Stärkung der Informationsweitergabe im vertrauten Wohnumfeld erweist sich daher als ein wirksamer Hebel, um soziale Teilhabe zu sichern. b. Bremerhaven Für Bremerhaven liegen keine stadtteilbezogenen Daten nach Altersgruppen zum Migrationshintergrund vor. Da lt. Zensus 2022 der Bevölkerungsanteil mit Einwanderungsgeschichte in Bremerhaven (33,8 %) über dem Bremer Wert (32,1 %) lag, ist davon auszugehen, dass der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund in Bremerhaven mindestens auf vergleichbarem Niveau wie in Bremen liegt. Zum Jahresende 2025 betrug der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 4 von 16 bei den ab 65-Jährigen in Bremerhaven 8,2 % - bei den 50- bis 65-Jährigen dagegen schon 17,9 %. c. Gesamt Eine Ursache für die größere Betroffenheit von schwierigen sozialen Lagen unter älteren Personen mit Migrationsbiografie oder ausländischer Staatsangehörigkeit sind unterbrochene Erwerbsbiografien im Niedriglohnsektor – sowohl aufgrund schwieriger Ankommensbedingungen als auch deshalb, weil die sozioökonomischen Rahmenbedingungen während des Migrationsprozesses und die anschließende berufliche Integration maßgeblich die spätere Absicherung im Alter beeinflussen. Viele Betroffene ziehen sich aus der Gesellschaft zurück. Trotz einer Aufenthaltsdauer von oft über 30 Jahren bleiben sie „systemfern“ und nehmen Regeldienste aufgrund von Sprachbarrieren, Scham oder fehlender kultursensibler Ansprache nicht in Anspruch. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Situation bei beginnenden Demenzerkrankungen, wenn häufig die Zweitsprache verloren geht. Hier zeigt sich die Relevanz muttersprachlicher und kultursensibler Begleitung, um eine Überlastung der pflegenden Angehörigen zu vermeiden. Die Herausforderung besteht darin, bestehende Regelangebote so weiterzuentwickeln, dass sie für diese Zielgruppe niedrigschwellig erreichbar bleiben. Besonders im Bereich der Pflege stößt das Bremer System an kulturelle Grenzen. Da die häusliche Pflege durch Angehörige in manchen Kulturkreisen moralisch tief verankert ist, wird externe Hilfe oft als Schande empfunden. In Kombination mit Unwissenheit über rechtliche Ansprüche bleiben klassische „Komm-Strukturen“ der Beratungsstellen ungenutzt. Um diese Menschen zu erreichen, müssen Angebote daher gezielt aufsuchend gestaltet sein und die sprachliche sowie kulturelle Diversität dieser wachsenden Klientel widerspiegeln. Ein wesentlicher Faktor für gelingende Teilhabe ist zudem die engere Vernetzung von klassischen Angeboten der Altenhilfe mit bereits bestehenden „migrationsorientierten“ Strukturen im Quartier, wie etwa Migrantenselbstorganisationen oder religiösen Gemeinden. Diese Orte fungieren für viele ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als vertraute Anlaufpunkte und "Brückenbauer" in die Gesellschaft. Fachlich rückt daher die Frage in den Vordergrund, wie die Zusammenarbeit zwischen diesen Akteuren und den bestehenden Angeboten der Städte Bremen und Bremerhaven ohne großen bürokratischen Aufwand gestärkt werden kann, um Isolation gemeinsam entgegenzuwirken. In der praktischen Arbeit der sozialen Akteure zeigt sich jedoch eine beständige Herausforderung: Trotz vielfältiger Bemühungen und kreativer Ansätze bleibt die Resonanz aus der Zielgruppe oft hinter den Erwartungen zurück. Viele ältere Menschen mit Migrationsgeschichte verbleiben in ihren vertrauten, oft informellen Netzwerken innerhalb ihrer Community. Diese Tendenz, „unter sich“ zu bleiben, ist Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 5 von 16 häufig ein Ausdruck von Sicherheitsbedürfnis und tief verwurzelten biografischen Erfahrungen. Für die Akteure vor Ort bedeutet dies einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand: Vertrauen muss oft über Jahre hinweg mühsam aufgebaut werden, da klassische Informationswege (Flyer, Internet, Briefpost) in ihren Lebenswelten kaum greifen. Es ist daher festzustellen, dass eine erfolgreiche Ansprache weniger über neue Großprojekte, sondern vielmehr über die kleinteilige, beharrliche Beziehungsarbeit an den Orten gelingt, an denen sich die Menschen bereits sicher fühlen. 2. Aktuelle Angebots- und Beratungslandschaft (IST-Zustand) a. Bremen Bremen verfügt über ein Netz an spezialisierten und allgemeinen Diensten, die die Zielgruppe unterschiedlich stark ansprechen: • „Bremer Hausbesuche“: Dieses neue konzipierte Instrument der aufsuchenden Hilfe wurde gezielt weiterentwickelt. Um die Zielgruppe direkt zu erreichen, wurden Flyer und Briefe über QR-Code in 11 Sprachen (darunter Türkisch, Russisch, Arabisch, Polnisch, Kurdisch etc.) erstellt. Die Berater:innen der Träger (AWO, DRK, Caritas, PGSD) gehen auf Wunsch in die Haushalte, insbesondere zum 80. Geburtstag, um über Leistungen wie Grundsicherung, Wohngeld oder Pflegeberatung aufzuklären und Einsamkeit entgegenzuwirken. Sie sind mit Übersetzungsgeräten ausgestattet und werben gezielter als zuvor in den Quartieren an Orten der Zielgruppe. Das Angebot läuft seit dem 01.01.2026, so dass belastbare Zahlen noch nicht vorliegen. Das neue strukturierte Instrument der aufsuchenden Hilfe ist fachlich deshalb so wertvoll, weil es die "Komm- Struktur" aufbricht. Es ist zu vermuten, dass die schriftliche Einladung via QR-Code oft erst durch die Bestätigung von Vertrauenspersonen im Quartier (z.B. Enkelkinder oder Nachbarn) wirksam wird. Die Hausbesuche fungieren bei dieser Zielgruppe weniger als Lückenfüller, sondern können ein wichtiger "Türöffner" in das bestehende Regelsystem sein, was langfristig Fehlsteuerungen und Vereinsamung vermeidet. Das Angebot verfügt über eine tragfähige Grundstruktur, die bei einer Aufstockung der Ressourcen eine sinnvolle, nahtlose Erweiterung ermöglicht. Kultursensible Fachberatungsstellen: • Netzwerk für Beratungsstellen: Über das im Frühjahr 2024 durch die Landesbeauftragte für Migration und Integration etablierte Beratungsnetz Migration wird in regelmäßigen Abständen digital auch über Angebote für ältere Menschen im Land Bremen informiert. Zum Netzwerk gehören rund 80 Beratungsstellen in Bremen und Bremerhaven, darunter die Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 6 von 16 Migrationsberatungsstellen für Erwachsene, Ankommen im Quartier, LIGA sowie Beratungsangebote im Rahmen von verschiedenen Projekten wie Zebra, Stadtteileltern oder #yourturn. • ZIS e.V. (Zentrum für Interkulturelle Studien e.V.): Das ZIS e.V. fungiert bereits seit vielen Jahren mit der Selbsthilfekontaktstelle „Köprü“ (türkisch für „Brücke“) als entscheidende Brücke für ältere und pflegebedürftige Migrant:innen in verschiedenen Stadtteilen. Es ist eine Selbsthilfekontaktstelle für pflegebedürftige Menschen mit Migrationsbiographie und ihre pflegenden An- und Zugehörigen. Es bietet muttersprachliche Seniorenbegleitung und Beratung für pflegebedürftige Migrant:innen und deren pflegende Angehörige an. Das Angebot wurde in 2025 auf insgesamt vier Standorte in der Stadt Bremen ausgeweitet (Osterholz, Obervieland, Gröpelingen und Vegesack). Das ZIS e.V. bietet daneben eine hohe Vielfalt weiterer interkultureller Begegnungsmöglichkeiten. Der sprachlich-kulturelle Schwerpunkt des ZIS e.V. liegt im Bereich der türkisch-arabischen Herkunftsländer, jedoch sind daneben auch russische, ukrainische, bulgarische, englische und deutsche Sprach- und Kulturkenntnisse vorhanden. Im Jahr 2024 hatte „Köprü“ 400 Kontakte zu Ratsuchenden. • SILA „Stark im Quartier“: Der Verein Familie im Hilfenetz e.V. ist mit der Selbsthilfekontaktstelle „SILA-Stark im Quartier“, eine wichtige, auf Menschen mit Migrationshintergrund spezialisierte Beratungsstelle für Ältere und Pflegebedürftige im Stadtteil Vahr. Hier liegen die sprachlich-kulturellen Kompetenzen im Bereich russischsprachiger Herkunftsländer und der Ukraine. Grundsätzlich kann auch auf Deutsch oder Englisch beraten werden. Auch einige Selbsthilfegruppen werden vom Träger angeboten. Der Träger kooperiert mit dem großen Pflegestützpunkt (PSP) im Einkaufszentrum Berliner Freiheit und einer Vielzahl anderer Träger in der pflegerischen Unterstützungslandschaft im Stadtteil Vahr. Die Kontaktstelle SILA hatte 2024 624 Kontakte zu ratsuchenden Bewohner:innen im Stadtteil. • Demenz Informations- und Koordinationsstelle (DIKS e.V.): Die DIKS e.V. ist im Bereich Menschen mit demenziellen Veränderungen zentrale Beratungsstelle in der Stadt Bremen. Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie (Projektbereich „DeMigranz“) ist die Koordinationsstelle für Ehrenamtliche für Menschen mit Demenz und Migrationshintergrund aktiv. Das Angebot wird sprachlich-kulturell u.a türkisch-arabisch, englisch und deutsch betreut. Damit verfügen bereits fünf Stadtteile mit dem hohen Anteil an Migrant:innen im Alter von 65 Jahren oder darüber über spezialisierte sprachlich-kulturelle Beratungsangebote für die Zielgruppe. In Falle einer Erweiterung wohnortnaher kultursensibler Beratung wären der Tabelle 1 zufolge v.a. die Stadtteile Huchting, Blumenthal und Hemelingen vorrangig zu empfehlen. Niedrigschwellige Angebote in den Quartieren: Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 7 von 16 Die Erfahrung zeigt, dass soziale Teilhabe dort am besten gelingt, wo Angebote nicht „für" sondern mit Migrant:innen gestaltet werden. Ein entscheidender Faktor ist hierbei die Nutzung vorhandener Räumlichkeiten für bereits bestehende, informelle Gruppen (z.B. Teestuben, Handarbeitszirkel). Es wird deutlich: Teilhabe braucht keine teuren Spezialprogramme, sondern eine interkulturelle Öffnung und verlässliche Absicherung der Orte, die bereits eine hohe Akzeptanz in der Nachbarschaft genießen. • Seniorenbegegnungszentren: Die Zentren verfolgen die Ziele, Förderung sozialer Teilhabe älterer Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, Vorbeugung von Einsamkeit und Altersarmut sowie Schaffung eines offenen, niedrigschwelligen Treffpunkts im Stadtteil. Sie sind für alle Menschen geöffnet und möchten den interkulturellen Austausch und gegenseitiges Verständnis fördern. In den Bremer Seniorenbegegnungszentren besteht eine deutliche Unterrepräsentanz älterer Migrant:innen. Der Erfolg der interkulturellen Öffnung hängt in der Praxis meist an einzelnen Schlüsselpersonen. Sie gelingt in den Zentren gut, wo eine Leitung selbst eine Migrationsgeschichte hat oder aktive Netzwerke zu Moscheegemeinden und Migrantenorganisationen pflegt. In diesen Orten sinkt die Hemmschwelle zur Teilnahme deutlich. Ohne diesen persönlichen „Türöffner-Effekt“ und eine gezielte Einbindung in die Community- Strukturen bleiben die Angebote für viele Senior:innen fremd, da sprachliche Barrieren und die vorhandene Programmgestaltung der Vielfalt im Quartier oft nicht gerecht werden. • Quartierszentren: Seit 2020 finanziert Bremen über das Landesprogramm Lebendige Quartiere (LLQ) ca. 20 Quartierszentren in besonders belasteten Gebieten. Neben Veranstaltungen aller Art sind hier auch Beratungsangebote unterschiedlicher Träger angesiedelt. Die niedrigschwelligen und offenen Angebote umfassen oft auch ein Café oder ansprechende Räume zum Treffen und Verweilen, die i. d. R. kostenfrei auch für Seniorinnen und Senioren zu nutzen sind. Die lebendige Vielfalt in den Quartierszentren ist oft das Ergebnis einer langjährigen WiN-Förderung. Um die entstandenen Zentren dauerhaft abzusichern, wurde mit dem Landesprogramm "Lebendige Quartiere" im Jahr 2020 die Förderschiene "Quartierszentren" ins Leben gerufen. Aus diesen Mitteln werden Quartierszentren und -verbünde in den aktiven und ehemaligen WiN-Gebieten, aber auch in anderen Gebieten mit besonderen Bedarfen gefördert. Einige der Quartierszentren werden als Verbund mehrerer Träger oder mehrerer Einrichtungen ganz neu eingerichtet. Andere bestehen bereits seit längerer Zeit, können durch das neue Landesprogramm aber mit wesentlich größerer finanzieller Sicherheit in die Zukunft planen. • Dienstleistungszentren: Die 17 Dienstleistungszentren (DLZ) in der Stadt Bremen gibt es in fast jedem Stadtteil. Sie werden von der Stadt Bremen seit über 50 Jahren gefördert und leisten insbesondere für ältere, chronisch kranke und von Behinderung betroffene Menschen in ihren Stadtteilen Information, Beratung und organisieren preiswerte Alltagshilfen durch geschulte Ehrenamtliche. Außerdem vernetzen sie sich lokal im jeweiligen Stadtteil mit allen anderen Akteuren der Altenhilfe, Pflege etc. Fast 90 % der Kund:innen mit Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 8 von 16 Alltagsassistenz sind pflegebedürftig. Denn die DLZ sind als „Angebot zur Unterstützung im Alltag“ nach den Kriterien der Pflegeversicherung anerkannt. Über 450 Kund:innen (9,9 % mit steigender Tendenz) sind Migrant:innen. Und hinzuweisen ist auch darauf, dass lt. DLZ-Angaben auch viele jüngere Menschen mit Migrationshintergrund als ehrenamtliche (Aufwandsentschädigung 9,50 Euro pro Stunde steuerfrei) Alltagsassistent:innen tätig werden. • Gesundheitsfachkräfte im Quartier: Sie sind oft die ersten Ansprechpartner:innen vor Ort, die durch ihre Mehrsprachigkeit den Zugang zu tiefergehenden Beratungsangeboten der Altenhilfe erst ermöglichen. Mehrere der Gesundheitsfachkräfte haben eine eigene familiäre Migrationsgeschichte. Besonders hervorzuheben ist ihre Lotsenfunktion. Da Gesundheit oft das erste akzeptierte Thema für ein Gespräch ist, öffnen sie den Weg für Fragen der sozialen Teilhabe und der rechtlichen Absicherung. Sie sind damit oft der erste Kontakt zum Unterstützungssystem und ermöglicht Ratsuchende im komplexen Angebot einen Zugang und Überblick. • Das Gesundheitszentrum LIGA in Bremen Gröpelingen bietet neben der Beratung zu allen Themen rund um die Gesundheit eine Kooperation mit dem Pflegestützpunkt, der mehrmals in der Woche in der Beratungsstelle direkt ansprechbar ist. Darüber hinaus bietet LIGA ein VitalCafe „Gesund durchs Alter“ mit wechselnden Themen. Durchgeführt in einer Kooperation zwischen LIGA und den Gesundheitsfachkräften im Quartier. Mehrsprachigkeit wird durch mehrsprachige Mitarbeiter:innen und Übersetzungstools täglich praktiziert. • AiQ „Ankommen im Quartier“ (AiQ) ist ein Beratungsangebot für Geflüchtete in eigenem Wohnraum, das seit 2026 besteht und inzwischen auf neun Quartiere ausgeweitet wurde. Die Finanzierung erfolgte bis Ende 2025 aus Mittel des Programms „Soziale Stadt“ und seit 1.1.2026 im Kernhaushalt des Amtes für Soziale Dienste. Die Beratungsstelle AiQ bietet Menschen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung eine allgemeine Beratung aber auch individuelle Unterstützungsmöglichkeiten. Dieses Angebot gilt für sowohl für erwachsene, volljährige Menschen als auch für Familien und ältere Menschen. Ratsuchende können dort Informationen über mögliche Unterstützungsmöglichkeiten im Stadtteil, Hilfen bei Antragstellungen bekommen. Gemeinsam mit den Ratsuchenden wird der individuelle Unterstützungsbedarf sowie weitere Schritte besprochen. Dabei liegt der Fokus drauf, die Ratsuchenden mit den Möglichkeiten ihres Quartiers und der Nutzung vorhandener Angebote vertraut zu machen. In einzelnen Quartieren werden Informationsveranstaltungen für Menschen mit Migrationsgeschichte und/ oder Fluchterfahrung organisiert oder selber durchgeführt. Beispielsweise werden in einzelnen Quartieren „Sprach-Cafés“ durchgeführt, u.a. als Möglichkeit sich kennenzulernen, auszutauschen und quasi ganz nebenbei Deutsch zu lernen. Zu konkreten alltagspraktischen Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 9 von 16 Themen, wie z.B. Wohnungssuche, werden gezielt Informationsveranstaltungen organisiert. Ziel des Beratungsangebots AiQ ist, das Ankommen der Menschen im Quartier zu unterstützen und ihre Integration zu fördern. • Sozialdienst Erwachsene (SDE): Der Sozialdienst Erwachsene in den Sozialzentren 1, 2, 4 und 5 bietet allen Bürger:innen Bremens eine kostenfreie Beratung. Das beinhaltet auch die Beratung von Menschen mit Migrationsgeschichte und/ oder Fluchthintergrund. Im Rahmen eines Beratungsgesprächs in dem jeweiligen Sozialzentrum oder bei einem Hausbesuch werden die Anliegen der Bürger:innen und mögliche Unterstützungsbedarfe gemeinsam besprochen. Der SDE vermittelt im Weiteren an geeignete Stellen oder Angebote im Quartier und unterstützt bei der Planung, Durchführung und Finanzierung individueller Unterstützungsmaßnahmen wie z.B. Hilfen zur Aufrechterhaltung des Haushalts, Hilfe zur Pflege oder anderen Hilfen nach SGB XII. • Digitale Angebote: Zur Stärkung der digitalen Teilhabe älterer Menschen gibt es im Land Bremen die Netzwerke Digital-Fit-60+ (Bremen) und Netzwerk Digitalambulanzen (Bremerhaven), die die dezentralen Angebote wie Tabletschulungen, Smartphone-Sprechstunden oder Digital-Beratungen vernetzen, qualifizieren und stabilisieren. Die Angebote sprechen auch Menschen mit Migrationsgeschichte an. Zur gezielten Ansprache von älteren Bürger:innen mit Migrationsbiografie werden Migrant:innen-Organisationen einbezogen und an einem Ausbau mehrsprachiger Angebote gearbeitet. • Pflegestützpunkte Bremen: Die stadtbremischen Pflegestützpunkte (PSP) sind in den Stadtteilen Vahr und Vegesack vertreten, sowie mit ihren Außenstellen in den Stadtteilen Huchting, Gröpelingen, Huckelriede. Ihre Beratung rund um alle Themen der Pflege ist kostenlos, neutral und umfassend. Es gibt teils multilinguales Informationsmaterial und Websiteinformationen in einfacher Sprache. Eine Übersicht über Angebotsträger für pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund bietet nachfolgende Tabelle 2: Tab. 2 Angebotsträger Stadt Bremen für pflegebedürftige Menschen mit Migrationshintergrund (MmM) Angebot für MmM und Seit Nach Ge- Träger Sprachen Stadtteile pflegende An-/Zugehörige wann schlecht? ZIS e.V. Türkisch, Köprü-Selbsthilfekontaktstelle/ Gröpelingen 2009 für alle Zentrum für arabisch, Niedrigschwellige Beratung im Migranten und deutsch, SGB XI-Bereich Interkulturelle englisch, Köprü-Erweiterung Vegesack 2024 für alle Studien ukrainisch, Köprü-Erweiterung Obervieland 2025 für alle russisch Köprü-Erweiterung Osterholz 2025 für alle Türkisch, Seniorenbegleiter:innen Gröpelingen, 2019 für alle arabisch (Hausbesuche, soziale Vegesack, Teilhabe) Obervieland Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 10 von 16 deutsch, englisch Türkisch, Selbsthilfegruppen für ältere Gröpelingen, Seit mind. für Frauen, deutsch, Menschen (Förderung von Obervieland, 2017 für Männer, englisch, Soziales - kein Pflegebedarf Osterholz, für alle ukrainisch, vorausgesetzt) Vegesack russisch Bulgarisch, Familienkompass ((integrative) Gröpelingen Seit mind. für alle deutsch, Beratung für Bulgarische 2017 (EU- englisch Nachbarn) – kein Pflegebedarf Projekt) Vorausgesetzt Türkisch, Virtuelles Museum Online, aber Seit 2020 für alle arabisch, Gröpelingen deutsch im Zentrum WiN- Projekt (Soziales), Gröpelingen Seit 2022 für alle Gemeinsamkeiten entdecken Win-Projekt (Soziales), Osterholz Seit? für alle Zentrum der Integration (Schweizer Viertel) Familie im Russisch, SILA-Stark im Quartier - Vahr & umzu Seit 2020 für alle Hilfenetz e.V. deutsch, Selbsthilfekontaktstelle ukrainisch, englisch Russisch, Selbsthilfegruppen (Förderung Vahr & umzu Seit 2021 für alle deutsch, bei Soziales) ukrainisch, englisch AWO Türkisch, u.a. Tagespflege, Gröpelingen Seit 1974 für alle arabisch, Senior:innentafel (Hanna- (Ella-Ehlers- (Sozial- deutsch, Harder-Haus), Kooperationen Haus), zentrum russisch, mit Angebotsträgern im Pflege- Vahr (Hanna- Bremer ukrainisch, und Teilhabebereich im Harder- Westen), englisch Stadtteil Haus) seit 2019 (Senior:in nentafel) PSP Über Ggf. mit Sprinter Vahr, Seit 2009 für alle Sprinter: (Übersetzer:innen) Vegesack, Russisch, Mehrsprachiges Bremerhaven ukrainisch, Informationsangebot, Außenstellen Seit 2024 polnisch, Broschüren : türkisch, Huchting, englisch, Gröpelingen, deutsch Neustadt DIKS - Türkisch, Koordinierungsstelle für Mitte, bzw. Seit für alle Demenz arabisch, Ehrenamtliche im Sinne der stadtweit 2021/202 Informations- deutsch, Nationalen Demenzstrategie/ (Bremen) 2 und englisch DeMigranz Koordinationss telle e.V. Bremer Türkisch, Tagespflege, ausgewiesen Gröpelingen Seit 2017 für alle Heimstiftung arabisch, auch für Menschen mit (BHS) deutsch Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 11 von 16 muslimisch geprägten Biographien (Quelle: eigene Auswertung, Ref. 31 SGFV) b. Bremerhaven Auch Bremerhaven verfügt über ein Netz von Angeboten, die die Zielgruppe unterschiedlich stark ansprechen: • BerTA - Beratung für Teilhabe im Alter Das Angebot beinhaltet präventive Hausbesuche für Menschen ab 55 Jahren stadtweit. Durch systematische Anschreiben in fünf Ortsteilen (Grünhöfe, Goethestraße Klushof, Twischkamp und Leherheide-West) zum 70sten Geburtstag mit dem Angebot eines Hausbesuchs wird versucht, auch schwer erreichbare Menschen anzusprechen. Bei den Beratungen, die durch Anschreiben zustande kommen, geben ca. 30 % der Beratenen an eine Migrationsgeschichte zu haben. Im Vergleich zu dem stadtweiten Angebot, bei denen die Beratungen von den Bürger:innen angefordert werden, haben 9 % der Beratenen eine Migrationsgeschichte. Da zu den Beratungen ausdrücklich Vertrauenspersonen eingeladen werden, werden sprachliche Barrieren häufig durch Übersetzungen von Familien-angehörigen bewältigt. In den Beratungen wird über verschiedene Themen wie bspw. Grundsicherung, Wohngeld oder Pflegeberatung aufgeklärt aber auch über Freizeitangebote beraten, um Einsamkeit entgegenzuwirken. • Seniorentreffpunkte Die sechs kommunalen Seniorentreffpunkte bieten ein vielseitiges Programm mit Informationen, Beratungen, Bewegungsangeboten und Gelegenheiten zur Geselligkeit. Die Nutzung von älteren Menschen mit Migrationsgeschichte fällt im Allgemeinen geringer aus, als von Menschen ohne Migrationsgeschichte und ist auch vom Standort abhängig. • Gesundheitsfachkräfte im Quartier Die Gesundheitsfachkräfte im Quartier sind in Bremerhaven in Ortsteilen aktiv, die einen großen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte haben (Grünhöfe, Goethestraße, Geestendorf und Leherheide). Sie sind über Gesundheitsthemen oft Ansprechpartner:innen, die den Zugang zu tiefergehenden Beratungsangeboten der Altenhilfe ermöglichen. • Pflegestützpunkt Bremerhaven Der Pflegestützpunkt Bremerhaven bietet auch für Menschen mit Migrationsgeschichte eine kostenlose, unabhängige und umfassende Beratung zu allen Fragen rund um Pflege und Unterstützung im Alltag. Die Beratung ist wohnortnah, Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 12 von 16 trägerübergreifend und neutral. Allerdings wird das Angebot von Menschen mit Migrationsgeschichte selten nachgefragt. • Bremerhavener Formularlotsen Das Projekt „Bremerhavener Formularlotsen“ bietet an sechs Standorten in Bremerhaven Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen an. Dazu zählen unter anderem Anträge auf Grundsicherung und Wohngeld. Das Angebot steht allen in Bremerhaven lebenden Personen kostenlos zur Verfügung. Im Jahr 2025 waren rund 10 % der Unterstützungssuchenden über 65 Jahre alt und 70 % aller Unterstützungssuchenden hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Ausfüllhilfen erfolgten in insgesamt 12 Sprachen. Bei vier Sprachen, die die Ehrenamtlichen nicht fließend sprechen, wurde die Sprachmittlung mithilfe eines Sprachcomputers unterstützt. 3. Ausblick – Perspektiven und kontinuierliche Weiterentwicklung Die älteren und pflegebedürftigen Menschen mit Migrationsgeschichte sind eine sehr heterogene Gruppe. Aufgrund ihrer enorm vielfältigen biographischen, ethnischen, sprachlichen und kulturellen Prägung können spezialisierte Angebote nicht für alle Gruppen aufgebaut und vorgehalten werden. Das primäre Ziel sollte deshalb in der Fortsetzung der Interkulturellen Öffnung (IKÖ) der Regelversorgung in den Bereichen Altenhilfe, Pflege, Gesundheitsversorgung, Sozialberatung etc. liegen. In diesem Bereich sind Anbieter zum Teil bereits engagiert unterwegs. Zum Beispiel sind die AWO (Ella-Ehlers-Haus, Gröpelingen, Hanna-Harder-Haus, Vahr) und die Bremer Heimstiftung (Tagespflege im Stiftungsdorf Gröpelingen) mit pflegerischen und Teilhabe-Angeboten für pflegebedürftige Menschen mit Migrationsgeschichte besonders sensibel. Die IKÖ ist ein Teil der umfassenden Bemühungen, mit wachsender gesellschaftlicher Diversität in allen Lebensbereichen angemessen umzugehen. Dies ist in einem Einwanderungsland wie Deutschland notwendige Voraussetzung für Zusammenhalt und gesellschaftlichen Fortschritt. Trotzdem sind Angebote für besonders große migrantische Communities sinnvoll und richtig. Insbesondere für selbst zugewanderte ältere Migrant:innen („Gastarbeiter:innen“ der ersten Generation, Aussiedler:innen, ältere Geflüchtete). Sie haben häufiger als in Deutschland geborene Migrant:innen erheblichen sprachlich- kulturellen Vermittlungsbedarf. Die im Datenteil beschriebene Zuwachsrate bei der Zielgruppe für die Zukunft verdeutlicht, dass die bestehenden spezialisierten Angebote der Altenhilfe und Pflege künftig eine steigende Relevanz besitzen. Die Heterogenität der älteren und pflegebedürftigen Migrant:innen setzt aber selbstverständlich Grenzen für ethnisch- kulturell spezialisierte Strukturen. Auch kleine Zuwanderergruppen haben das gleiche Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 13 von 16 Recht auf Information, Beratung und Unterstützung wie z.B. türkisch- und russischsprachige Migrant:innen. Vor dem Hintergrund der begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen liegt das Augenmerk deshalb auch darauf, bestehende Strukturen noch effizienter zu vernetzen, moderne Sprachmittlungsmöglichkeiten zu nutzen und durch punktuelle, niedrigschwellige Anpassungen die Regelangebote zugänglicher zu gestalten. Ziel ist es, die Schwellenängste gegenüber dem „System“ abzubauen und die Menschen dort abzuholen, wo sie ihren Alltag verbringen. Dazu können folgende gezielte (zusätzliche) Maßnahmen beitragen. a. Bremen • Bremer Hausbesuche (BHB): Mit den Bremer Hausbesuchen wurde ein Instrument geschaffen, das strukturell sehr gut geeignet ist, auch Menschen mit Migrationsbiografie in ihrem gewohnten Umfeld zu erreichen. Die aktuelle Struktur ist tragfähig und fachlich so konzipiert, dass sie bei einer künftigen, verbesserten Mittelerhöhung nahtlos und effektiv ausgeweitet werden könnte. Die BHB sind aufsuchend und niedrigschwellig. Damit werden zentrale Forderungen für die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund aufgenommen. In Kombination mit den eingeführten Dolmetschergeräten (vgl. Punkt „Unterstützung der Kommunikation“ unten) und mehrsprachigen Flyern, Geburtstagsbriefen, Internetseite, QR-Codes ist eine personelle Ausweitung von Teilzeit- auf Vollzeitkräfte stadtweit in den sechs Regionen zu empfehlen. • SILA (Stark im Quartier): Das Projekt dient als wertvoller Impulsgeber. Hier soll vor allem geprüft werden, wie die dort erprobten Methoden der kultursensiblen Ansprache im Sinne eines Wissenstransfers auch anderen Akteuren der Altenhilfe zugänglich gemacht werden können. Hier könnte zudem perspektivisch eine Ausweitung auf den Stadtteil Huchting sinnvoll sein, da Huchting den vierthöchsten Anteil an älteren Migrant:innen im Alter von 65 Jahren und älter hat, aber bisher keine Beratungsstelle. Weitere bzw. alternative Standorte wären auch Blumenthal und Hemelingen mit hohen Anteilen an migrantischer Bevölkerung in der älteren Bevölkerung (65+). • Unterstützung der Kommunikation: Um Sprachbarrieren im Beratungsalltag (z.B. in Dienstleistungszentren oder beim Pflegestützpunkt) effizienter zu begegnen, wird aktuell die Bereitstellung digitaler Übersetzungshilfen geprüft. Solche Dolmetschergeräte könnten helfen, den Einsatz aufwändiger, z.T. kostenintensiver und immer im Voraus zu planender Sprach- und Kulturmittlungen auf besonders komplexe Fälle zu konzentrieren und so die vorhandenen Ressourcen der Fachstellen zu entlasten. Dolmetschergeräte übersetzen ad hoc bis zu 100 Sprachen, sind internetunabhängig und bringen keine Folgekosten nach Anschaffung mit sich. Konzediert werden muss, dass sie nicht die bestmögliche Lösung sind, weil grds. neben sprachlicher Verständigung die Kulturmittlung im Gespräch wichtig ist. Diese fachlich richtige Forderung ist im Gesundheits- und Sozialwesen jedoch jahrzehntealt und wurde politisch nie ausreichend erfüllt. Sie ist auch absehbar personell und Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 14 von 16 finanziell nicht darstellbar. Deshalb sind diese Geräte ein sinnvoller Zwischenschritt. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf das wichtige und persönliche Übersetzungsangebot der Bremer „Sprinter“.. Institutionen mit Sprach- und Kulturmittlungsbedarf in Bremen können die Sprinter anfordern. • Netzwerk-Fokus: Das Beratungsnetz Migration könnte künftig noch stärker für die spezifischen Belange älterer Menschen sensibilisiert werden. Dabei steht die bessere Verzahnung vorhandener Angebote im Vordergrund, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Besonders die Kooperation mit migrantischen Vereinen und religiösen Gemeinden soll intensiviert werden, da diese oft den direkten Zugang zu bisher isoliert lebenden Senior:innen haben. • Interkulturelle Öffnung: In den Seniorenbegegnungszentren wird weiterhin darauf gesetzt, durch die Einbindung von ehrenamtlichen Schlüsselpersonen aus den Communities die Hemmschwellen zu senken. Dieser Weg ist ressourcenschonend und stärkt gleichzeitig die Selbsthilfe im Quartier. Indem ältere Migrant:innen nicht nur als Nutzer:innen, sondern auch als aktive Mitgestalter:innen gewonnen werden, wird ihre Rolle im Stadtteil gestärkt. b. Stadtgemeinde Bremerhaven • BerTA - Beratung für Teilhabe im Alter (Präventive Hausbesuche) Eine Übersetzung des Angebotsflyers in verschiedenen Sprachen über QR- Code ist in Planung, um den Zugang für nicht-deutschsprachige Haushalte zu erleichtern und die präventive Wirkung des Angebots zu erhöhen. • Heidjer Hilfe - Nebenan im Einsatz Die Stadt Bremerhaven beabsichtigt mit einem Modellvorhaben in Leherheide, die niedrigschwelligen Hilfen für Pflegebedürftige und die Entlastung von pflegenden Angehörigen auszubauen. Als Vorbild der „Heidjer Hilfe“ dienen die Dienstleistungszentren in Bremen. Die Annahme des Angebots von Menschen mit Migrationsgeschichte wird im Modellprojekt beobachtet und durch gesonderte Ansprache in den betreffenden Bevölkerungsgruppen gefördert. Angesichts der Haushaltslage im Land Bremen liegt die Priorität nicht auf dem Aufbau neuer, kostenintensiver Strukturen. Vielmehr soll durch eine stetige interkulturelle Öffnung der aufgebauten Angebote und den gezielten Einsatz von Technik (Übersetzungshilfen) sichergestellt werden, dass die vorhandene Infrastruktur für alle Bürger:innen – unabhängig von ihrer Herkunft – gleichermaßen nutzbar bleibt. C. Alternativen Werden nicht empfohlen. D. Finanzielle, personalwirtschaftliche und genderbezogene Auswirkungen Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 15 von 16 Der Bericht hat keine finanziellen, personalwirtschaftlichen und genderbezogenen Auswirkungen. E. Beteiligung und Abstimmung Die Abstimmung mit der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz und dem Magistrat Bremerhaven ist eingeleitet. Beschlussempfehlung 1. Die staatliche Deputation für Soziales, Jugend und Integration nimmt den Bericht der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration zum Bürgerschaftsantrag der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drucksache Landtag 21/1334) zur Kenntnis. 2. Die städtische Deputation für Soziales, Jugend und Integration nimmt den Bericht der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration zum Bürgerschaftsantrag Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drucksache 21/608 S) zur Kenntnis. Anlage(n): - keine Beschlussvorlage Ausschüsse/Deputationen VL 21/7193 16 von 16

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