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Eine Kiezkantine in unserem Bezirk

Ergebnis unbekannt
TypAntrag
GemeindeNeukölln (Berlin)
Datum2026-06-24
DatenstufeNur Dokumente
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Die Bezirksverordnetenversammlung möge beschließen: Das Bezirksamt wird beauftragt, sich gegenüber dem Senat von Berlin dafür einzusetzen, dass ein Förderprogramm für Kiezkantinen aufgelegt wird. Damit sollen in jedem Berliner Bezirk soziale Orte gefördert und eröffnet werden, die gesunde und warme Mahlzeiten anbieten, von denen die günstigste Mahlzeit für 3 Euro angeboten wird. Kiezkantinen sollen vorzugsweise in landeseigenen Liegenschaften entstehen. Das Bezirksamt soll prüfen, ob und inwiefern sich der Standort der Rathauskantine Neukölln für den Betrieb einer Kiezkantine eignet. Zudem sollen weitere Standorte untersucht werden. Bei der Standortsuche sollen insbesondere Quartiere in den Blick genommen werden, denen es an sozialer Infrastruktur besonders fehlt, die besonders von Armut und Einsamkeit betroffen sind bzw. an denen ein besonders großer Bedarf für Kantinen für Beschäftigte besteht. Begründung: Gesundes und warmes Essen darf kein Luxus sein. Doch immer mehr Menschen in Berlin können sich nicht mehr jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten. In den letzten fünf Jahren sind die Preise für Grundnahrungsmittel um mehr als 35 Prozent gestiegen[1]. Die Angebotsmieten in Berlin sind im selben Zeitraum um fast 100 Prozent erhöht worden[2]. Bundesweit sind es über 10 Millionen Menschen, die nicht einmal jeden zweiten Tag eine ausgewogene Mahlzeit bezahlen können. Die Tafel unterstützt in Berlin monatlich 165.000 Menschen[3]. In Berlin lebt fast jedes vierte Kind in Armut[4]. Die Armutsgefährdungsquote liegt in Berlin bei 19,1 Prozent[5]. In Berlin grassiert eine Epidemie der Einsamkeit: 14 Prozent der Menschen in unserer Stadt geben laut einer aktuellen Studie[6] der Techniker-Krankenkasse an, sich „manchmal“ oder „häufig“ einsam zu fühlen. Weitere 43 Prozent kennen ebenfalls das Gefühl der Einsamkeit. Fast 56 Prozent der Berliner*innen leben in Singlehaushalten. Besonders viele von ihnen sind über 65 Jahre alt: Über 300.000 ältere Menschen leben allein, darunter mehr als zwei Drittel Frauen. Einsamkeit und Altersarmut hängen eng zusammen: Mehr als jeder dritte Rentner bezieht eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Und alleinlebende Rentner*innen sind besonders häufig von Altersarmut betroffen. Armut führt dazu, dass ältere Menschen kaum mehr öffentliche Angebote nutzen können. Es fehlt an öffentlichen Räumen, an denen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen zusammenkommen können. Die braucht es nicht nur für eine lebenswerte Gesellschaft, sondern auch für eine funktionierende Demokratie. Zu wenige Kantinen in Berlin Öffentliche Kantinen haben schon immer günstiges Essen für alle angeboten. Die durchschnittlichen Kosten pro Mahlzeit liegen in Berliner Kantinen seit Jahren stabil zwischen 5,50 Euro und 8,50 Euro. Das macht sie zu einem beliebten Ort für die Mittagspause von Arbeiter*innen und Angestellten, aber auch von Rentner*innen und Menschen aus der Nachbarschaft. Kantinen waren immer auch soziale Orte, die Menschen zusammenbringen. Viele Kantinen in Berlin mussten jedoch in den letzten Jahren aufgrund steigender Mieten schließen. Auch die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und für Energie machen vielen Betreibern zu schaffen. Um gegenüber Supermärkten und Lieferdiensten konkurrenzfähig zu bleiben, können viele Kantinen die Kostenexplosion nicht durch höhere Preise abfedern. Und einige nicht-gewinnorientierte Nachbarschaftsküchen mussten in den letzten Jahren aufgrund der Kürzungspolitik des schwarz-roten Senats schließen, weil ihnen die Räume und die notwendigen Förderungen genommen wurden. Für viele Beschäftigte, ob in der öffentlichen Verwaltung, bei der BSR oder auf Baustellen, ist das Kantinensterben ein großes Problem. Sie müssen häufig auf andere, teurere gastronomische Angebote zurückgreifen. Außerdem ist die Anzahl an öffentlich zugänglichen Kantinen in Berlin sehr ungleich verteilt: Während es in Mitte (16) und Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow (jeweils acht) besonders viele sind, liegen in den Bezirken mit der höchsten Armutsgefährdungsquote jeweils nur eine (Marzahn-Hellersdorf, Neukölln, Spandau). Öffentliche Kantinen fehlen also gerade da, wo sie am meisten gebraucht werden. Kiezkantinen in unserem Bezirk Eine gerechte und lebenswerte Stadt ist auf eine funktionierende soziale Infrastruktur angewiesen. Aus gutem Grund haben Arbeiter*innen und linke Bewegungen im Lauf der Geschichte eine öffentliche Daseinsvorsorge für die wichtigsten Grundbedürfnisse erkämpft – Gesundheit, Bildung, Mobilität, Wohnen. Das Grundbedürfnis nach einer warmen, gesunden Mahlzeit sollte keine Ausnahme sein. Deshalb wollen wir in jedem Bezirk eine öffentlich finanzierte Kiezkantine aufbauen – als Teil der sozialen Infrastruktur, wie Bibliotheken oder Schwimmbäder. Dort gibt es gesundes, regionales Essen zu bezahlbaren Preisen. Durch den Aufbau eines Netzwerks dieser Kantinen schaffen wir für alle Menschen die Möglichkeit, täglich eine gute, gesunde und preisgünstige Mahlzeit zu bekommen. Damit stärken wir auch den sozialen Zusammenhalt und sichern das Recht auf ein gutes und bezahlbares Essen für alle Berlinerinnen und Berliner. Es gibt viele erfolgreiche Beispiele für öffentliche und kommunale Küchen: Von den britischen Gemeinschaftsküchen der 1950er Jahre oder den heute noch existierenden Milchbars in Polen und die neuen Istanbuler Kommunalkantinen bis zur Kampagne des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani. Öffentliche Gemeinschaftsküchen, die solidarisch oder kommunal finanziert werden, gibt es heute zum Beispiel in Paris, Amsterdam, Kopenhagen. Auch in Berlin gibt es historische Vorbilder: 1868 gründete die Berlinerin Lina Morgenstern, die eine führende Rolle sowohl in der Frauen- als auch in der Arbeiterbewegung ihrer Zeit hatte, den “Volksküchenverein”, der gesunde Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis anbot. Später, in der Hungersnot des Ersten Weltkriegs, versorgten städtische Küchen über 20 Prozent der Berliner Bevölkerung. Und seit den 1970ern entstanden in Berlin Dutzende “Volksküchen” und “Küfas” (Küchen für alle), von denen viele bis heute existieren. Auch in der Agrarpolitik können Kiezkantinen eine wichtige Rolle spielen. Indem sie langfristig auskömmliche Mengen an Lebensmitteln von regionalen Erzeuger*innen oder Erzeugergemeinschaften direkt beziehen, ohne den Umweg über Großmarkt und Einzelhandel, schaffen sie stabile Perspektiven für die Höfe rund um Berlin – und machen gleichzeitig frische, saisonale Lebensmittel für alle in der Stadt zugänglich. Als Linke wollen wir sicherstellen, dass alle Menschen in Berlin sich frische und leckere Lebensmittel leisten können und gleichzeitig diejenigen gerecht entlohnt werden, die diese Lebensmittel in harter Arbeit produzieren. Und schließlich sollen die Kiezkantinen auch einladende öffentliche Räume sein, in denen die unterschiedlichsten Nachbarinnen und Nachbarn zusammenkommen und sich gerne aufhalten. Wie in einer kreativen Stadt auch mit wenig Geld wunderschöne Kantinen entstehen können, zeigt zum Beispiel das Refettorio Ambresiano in Mailand, in dem namhafte Künstler*innen ihre Arbeiten ausstellen. Wer in den Kiezkantinen isst, soll sich auch an ihrer Gestaltung beteiligen können – und zum Beispiel über die Gerichte mitentscheiden dürfen, die angeboten werden. Vor allem sollen die Kantinen aber auch als öffentliche Räume von der Berliner Zivilgesellschaft genutzt werden können. In einer Zeit, in der Vereinzelung und Einsamkeit den Rechtsruck der Gesellschaft antreibt, sind solche Räume wichtiger denn je. [1]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/steigende-lebensmittelpreise-fakten-ursachen-tipps-71788#:~:text=In%20den%20letzten%20Jahren%20sind,praktische%20Tipps%20f%C3%BCr%20den%20Einkauf.&text=Das%20Wichtigste%20in%20K%C3%BCrze:,sich%20also%20mehr%20denn%20je. [2]https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2025/11/berlin-mieten-angebotsmieten-wohnungsmarkt-mietpreisbremse-amtsblatt.html [3]https://www.berliner-tafel.de/uber-uns/stiftung?utm [4]https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/DruckSachen/d19-2085.pdf [5]https://www.statistikportal.de/de/nachhaltigkeit/ergebnisse/ziel-1-keine-armut/armutsgefaehrdungsquote [6]https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/einsamkeitsreport-2024-2186772 14 Besucher seit dem 01.06.2021 CC e-gov GmbH ALLRIS®net

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