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"RuheForst Hohenfels", OT Kalkofen
Angenommen8 Ja · 0 Nein · 2 Enthaltung
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Hohenfels |
| Datum | 2026-07-29 |
| Datenstufe | Nur Ergebnisse |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Zusammenfassung (KI, experimentell)
Die Gemeinde Hohenfels beabsichtigt, auf etwa 6 Hektar Waldfläche in Kalkofen einen Bestattungswald („RuheForst") anzulegen, um Urnenbeisetzungen im Wurzelbereich von Bäumen zu ermöglichen. Die geplante Nutzung erstreckt sich über 99 Jahre und soll mit einem 2 Hektar großen Abschnitt beginnen. Der Gemeinderat stimmte der Umsetzung grundsätzlich zu und beauftragte die Verwaltung, die Vertragsgrundlagen mit Eigentümer und RuheForst GmbH auszuarbeiten sowie die Genehmigung beim Landratsamt Konstanz zu beantragen.
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Dokument
Extrahierter Text
Gemeinde Hohenfels
Sitzungsvorlage 2026/062
Gremium Datum Status
Gemeinderat 29.07.2026 öffentlich Entscheidung
"RuheForst Hohenfels", OT Kalkofen
1. Beratung und Beschlussfassung zur Umsetzung eines Bestattungswaldes
2. Beratung und Beschlussfassung zur Vorbereitung der Vertragsgrundlagen
3. Beratung und Beschlussfassung über die Beantragung der Genehmigung
Die Gemeinde beabsichtigt in Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer und der RuheForst
GmbH (Erbach) einen Bestattungswald für die Beisetzung von Urnen im Wurzelbereich von Bäumen
anzulegen. Der Bestattungswald (Waldfriedhof) im Folgenden „RuheForst“ genannt, erstreckt sich
überdieforstwirtschaftlichgenutzteca.6hagroßeTeilflächenderFlurstücke282,407,416,417,der
Gemeinde Hohenfels, Gemarkung Kalkofen. Begonnen werden soll mit einem ca. 2 ha großen
Abschnitt.
Bild:VorentwurfvonBeateSchirmerFreiraumplanung(Hilzingen)
Die geplante Nutzung der Waldfläche als „RuheForst Hohenfels“ umfasst einen Zeitraum von 99
Jahren und beruht auf vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Gemeinde Hohenfels und dem
Grundstückseigentümer.
DerRuheForst bleibtdabei weiterhinauch inübergeordneten Planvorgabenals Waldfläche erhalten.
An der Einstufung als „Wald“ auch im forstlichen Sinne ändert sich durch das Vorhaben nichts. Eine
offizielleWaldumwandlungerfolgtnicht.FürdieNutzungderWaldflächealsFriedhofwirdgleichzeitig
eine Friedhofssatzung erforderlich, in der die wesentlichen Grundsätze der Nutzung verbindlich
geregelt werden.
RuheForste bieten die Möglichkeit, die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen in
Wäldernbeizusetzen. Als RuheForste werdennaturnahe, standorttypische Mischwälder ausgewählt,
deren Charakter durch die Nutzung als Waldbestattungsfläche weitgehend unverändert bleibt. Als
GrabstellendienensogenannteRuheBiotope.DiessindausgewählteWaldbäume,aberauchandere
Naturelemente wie zum Beispiel Gehölzgruppen, Findlinge oder Baumstümpfe, an denen bis zu 18
einzelne Urnengrabstellen zur Verfügung stehen.
In einem RuheBiotop können einzelne Personen, Familienmitglieder, Freunde oder im Leben
verbundene Menschen ihre letzte Ruhestätte finden. Der „Kunde“ erwirbt mit dem Nutzungsvertrag
einLiegerechtaneinerGrabstättevonbiszu99Jahren.EinenamentlicheNennungdesVerstorbenen
am RuheBiotop auf einer Namenstafel (kleine unscheinbare schwarze Metalltafel) ist möglich, muss
aber nicht in Anspruch genommen werden.
DieexakteVermessungundDokumentationdesUrnenplatzesineinemBiotopregistergewährleisten
dessen Wiederauffindbarkeit. Damit haben die Angehörigen, anders als bei einer anonymen
Urnenbeisetzung oder Seebestattung, einen konkreten Platz zum Trauern. Ein Grab im RuheForst
benötigt keine Pflege, da es Teil des natürlichen Waldes ist.
Der als RuheForst vorgesehene Teil des Waldes wird nicht mehr im Sinne der klassisch forstlichen
Bewirtschaftung genutzt. Die als Mittelpunkt der Urnenkreise ausgewählten Bäume/Naturelemente
werden so lange wie möglich erhalten. Sie können sich deutlich über ihr traditionell forstliches
Nutzungsalter hinaus entwickeln.
Die aktiv mit RuheBiotopen ausgewiesenen Bereiche des RuheForstes sind befriedete Fläche, hier
ruht die Jagd.
Begründung
Die Gesellschaft unterliegt gerade in den letzten Jahrzehnten starken Veränderungen. Die Bürger
fordern zunehmend mehr Individualität und Vielfalt, auch über ihr Leben hinaus und möchten ihre
letzte Ruhestätte nach eigenen Wünschen und ihrer Persönlichkeit wählen. Hinzu kommen die
Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen. Die Menschen wohnen auf Grund von Partner-
und Berufswahl nicht mehr im Familienverband in der Region, in der sie aufgewachsen sind. Eine
Grabpflege auf herkömmlichen Friedhöfen ist deshalb oftmals ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich.
Nicht zuletzt spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Im Vordergrund stehen allerdings Anfragen
von Bürgern nach einer alternativen Bestattung, insbesondere die einer Waldbestattung. Der Wald
verkörpertdenWunschderMenschennachFriedenundgiltfürvieleals dieStättederewigenRuhe.
Bedarf
Der Bedarf einer alternativen Bestattung im Wald resultiert aus den gesellschaftlichen
Veränderungen, die wie oben beschrieben, ein größtmögliches Maß an Entscheidungsfreiheit über
den Tod hinaus fordert. Belegt wird dies z.B. durch Umfragen der Verbraucherinitiative Aeternitas im
Jahr2024.24ProzentderBefragtengebenhieralsBestattungswunschdieUrnenbeisetzungineinem
Begräbniswald.
Im Herbst 2014 wurde ermittelt, dass bundesweit zu diesem Zeitpunkt schon 5 Prozent aller
Beisetzungen in solchen Begräbniswäldern stattfanden. Auch in Baden-Württemberg ist ein
verstärktes Interessean einerWaldbestattung festzustellen.Derwachsende Anteil an Kremierungen
kann hier auch als Hinweis für die generelle Zunahme an Urnenbeisetzungen wahrgenommen
werden.
Die derzeit angelegten Friedhöfe erfüllen in der Regel nicht die Voraussetzungen für eine naturnahe,
imEinklangmitFloraundFaunastehendeUrnenbestattungineinemWaldbiotop.Siekönnenauchin
ihrer Anlage, teilweise aufgrund der gegebenen Bebauung oder öffentlichen Straßen, nicht so
geändert werden, um nur annähernd ähnliche Voraussetzungen zu schaffen. Derzeit müssen
InteressententeilsweiteWegeinKaufnehmen,umeinensolchenBegräbniswaldnutzenzukönnen.
Flächenbedarf
Der Flächenbedarf ergibt sich unmittelbar aus der Nachfrage sowie der Anzahl der geeigneten
„Grabplätze“ innerhalb der genutzten Waldfläche. Hierbei ist sowohl die tatsächliche Anzahl an
Bestattungen wie auch der vorsorglichen Nutzungsrechtserwerbe zu berücksichtigen. In einigen
Fällenwerdenauchsogenannte„Familien-oderFreundschaftsBiotope“langfristigreserviert,sodass
mit einem Vertrag bereits ein RuheBiotop vollständig „belegt“ wird.
Wenn in der ersten Fläche nicht mehr genügend freie Urnenplätze angeboten werden können, wird
ein weiterer Teilbereich hinzugenommen. Es ist geplant ca. 80 -100 RuheBiotope je Hektar in der für
den RuheForst nutzbaren Fläche auszuweisen. Für Interessenten werden regelmäßig informative
Gruppenführungenangeboten.ZurVorbereitungeinesVertragsabschlusseswerdenEinzelführungen
nach Absprache vereinbart.
Jeder Urnenplatz wird dabei nur einmal für eine Laufzeit vergeben, die 99 Jahre nach Eröffnung des
RuheForstesendet.Soweitnochvorhandenwerdenindenletzten15Jahren(Mindestruhezeit)keine
neuen Begräbnisstätten mehr verkauft. Betretungszeiten werden durch die Friedhofssatzung
geregelt.
Besucherfrequenz
Hinsichtlich der Besucherfrequenz ist mit ca. 80-100 Beisetzungen im Jahr mit im Schnitt ca. 5
Angehörigen (ca. 400 - 500 Personen im Jahr) selten mal 20 Personen und mehr (drei Mal im Jahr),
zwei Mal im Monat eine Gruppenführung mit im Schnitt 15 Personen je Führung (ca. 360 im Jahr),
zusätzlichca. 4(2-6) Einzelführungenmit 1-2Personen (200-max.300 imJahr) inder Wochefür die
Vertragsabschlüsse zu rechnen. Witterungsbedingt wird es zu Schwankungen kommen.
Hinsichtlich neuer Vertragsabschlüsse werden z. B. an Sonn- und Feiertagen keine Aktivitäten zu
erwarten sein. Insgesamt ist somit nach Angabe der RuheForst GmbH – je nach
Bestattungshäufigkeit und Frequentierung mit etwa knapp 1.000 bis 2.000 Personen im Jahr, an
Werktagen also mit durchschnittlich 4-8 Personen zu rechnen.
HinzukommtnocheinenichtnäherbestimmbareAnzahlanAngehörigen,diedieGräberaufsuchen–
mutmaßlich mit einem Schwerpunkt am Wochenende.
Kennzeichnung und Urnenmaterial
EsistausschließlichdasBeisetzenbiologischabbaubarerUrnenmöglich.DieUrnenwerdenz.B.aus
Cellulose-bzw.-LigninhaltigemMaterialoderHolzgefertigt.AufWunschkönnendieRuheBiotopemit
einer Namenstafel versehen werden. Die Beschriftung wird gefräst. Diese Schilder werden mit einer
Schraube befestigt, die einmal im Jahr kontrolliert wird, um ein Einwachsen zu verhindern. Jedem
Vertragsnehmer wird eine Karte der Lage des RuheBiotopes als Bestandteil des Vertrages zur
Verfügung gestellt.
Bauliche Anlagen
Das für den „RuheForst Hohenfels“ ausgewählte Waldstück wird nicht umfriedet. Es ist für Besucher
undSpaziergängerfreizugänglichundbleibtfürdieimWaldlebendenTiereeinTeilihresnatürlichen
Lebensraumes. Durch eine deutliche Ausschilderung wird aber darauf hingewiesen, dass man einen
RuheForst betritt. Durch befestigte Zufahrten sowie Parkmöglichkeiten am RuheForst ist eine
problemlose Erreichbarkeit für den Besucher oder eine Trauergesellschaft gewährleistet. Eine
Informationstafel im Eingangsbereich gibt Hinweise auf die besondere Nutzung des Waldes als
Bestattungsort, ausführliche Informationen zum RuheForst-Standort sowie Angaben zur
Kontaktaufnahme.
Lediglich ein lockeres Wegenetz durchzieht die Waldbestattungsfläche. Parkähnliche Strukturen
werdenbewusstnichtgeschaffen.SosindFußwege,wennnötigmaximalmitHolzschnitzelbefestigt.
Die zur Auswahl stehenden Biotope sind für den Besucher durch kleine, runde Metallplättchen mit
einem Namenskürzel und einer Nummer und unterlegten farbigen runden Scheibe am Stamm
erkennbar. Bestandteil eines jeden RuheForstes ist ein zentral gelegener Andachtsplatz mit einem
schlichten christlichen Kreuz, einem Urnenabstellplatz aus natürlichen Materialien und wenigen
einfachen Sitzgelegenheiten. Hier können Trauerfeiern und Andachten abgehalten werden.
Auf Wunsch der Gemeinde Hohenfels kann im Bereich des Parkplatzes eine mobile Komposttoilette
(nachMöglichkeitinHolzoptikgehalten)imRahmenvonBeisetzungenundFührungenzurVerfügung
gestellt werden.
Erschließung
Zur Erschließung wird in erster Linie der waldseitig vorhandene Weg genutzt, ebenso wie die
vorhandenen forstwirtschaftlichen Rückegassen, soweit vorhanden.
Die für den zukünftigen RuheForst geplanten Parkplätze werden im „Eingangsbereich“ des
RuheForstes zum Parken für z.B. Bestatter und einzelne Fahrzeuge in forstüblicher Ausbauweise
(wassergebundene Decke) ertüchtigt.
Anlagen:
Beschlussvorschlag:
Der Gemeinderat erteilt folgenden Punkten das Einvernehmen:
1.DerUmsetzungdes„RuheForstHohenfels“,OTKalkofenaufFlst.Nrn.282,407,416und417,
Gemarkung Kalkofen wird grundsätzlich zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt die Vertragsgrundlagen mit Eigentümer und RuheForst GmbH
auszuarbeiten und zur Beschlussfassung vorzulegen.
3.DieVerwaltungwirdbeauftragtdieGrundlagenzurGenehmigungzuerarbeitenunddiesebeim
Landratsamt Konstanz zu beantragen.
Erstellt von:
Florian Zindeler
Bürgermeister
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