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GR-Antrag Nr. 14/2026 - SPD-Fraktion - Entzug der Ehrenbürgerwürde für Paul von Hindenburg
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Stadt Herrenberg |
| Datum | 2026-06-22 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
DRUCKSACHE - NR. 2026-074
ÖFFENTLICH
Anlagen: 1
GR-Antrag Nr. 14/2026 - SPD-Fraktion – Entzug der Ehrenbürgerwürde für Paul von
Hindenburg
Kontakt: Herr Sebastian Lazar I Büro des Oberbürgermeisters
Tel: 07032-924-4119 I E-Mail: [email protected]
Bezug: Nr. Termin Ö/N Art
Verwaltungsausschuss 2026-074 22.06.2026 Ö Zur Vorberatung
Gemeinderat 2026-074 28.07.2026 Ö Zur Beschlussfassung
I. Beschlussantrag
1. Der Gemeinderat stimmt dem Antrag Nr. 14/2026 der SPD-Fraktion zu und entzieht die
Ehrenbürgerwürde für Paul von Hindenburg.
2. Als Beitrag einer kritischen Aufarbeitung werden Straßenschilder mit dem unter „2.
Umsetzung“ aufgeführten Zusatzhinweis zur Rolle Hindenburgs in der deutschen
Geschichte versehen.
II. Das Wesentliche im Überblick
➢ Mit Antrag Nr. 14/2026 schlägt die SPD-Fraktion vor, Paul von Hindenburg die
Ehrenbürgerwürde der Stadt Herrenberg zu entziehen.
➢ Die Ehrenbürgerwürde wurde Hindenburg im Jahr 1933 im Kontext der nationalsozialistischen
Machtübernahme verliehen.
➢ Als Reichspräsident ernannte Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler
und trug damit zur Zerstörung der Weimarer Demokratie und der Etablierung der NS-
Gewaltherrschaft bei.
➢ Frühere Anträge zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde sowie zur Umbenennung der Straße
wurden 1997 und 2013 mehrheitlich abgelehnt.
➢ Die Verwaltung schlägt vor, dem SPD-Antrag stattzugeben, die Ehrenbürgerwürde für Paul von
Hindenburg zu entziehen und die Straßenschilder der Hindenburgstraße mit einem
Zusatzhinweis zur kritischen historischen Einordnung zu versehen. Damit soll ein Beitrag zu
einer verantwortungsvollen und verantwortungsbewussten Erinnerungskultur geleistet werden.
DS-Nr. 2026-074
Notizen
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III. Sachverhalt
1. Erläuterungen zum Sachverhalt
Mit Antrag Nr. 14/2026 vom 24. März 2026 beantragt die SPD-Fraktion, dass sich der Gemeinderat der
Stadt Herrenberg von der am 24. März 1933 erfolgten Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Paul von
Hindenburg distanziert und ihm diese aberkennt. Der Antrag zielt insbesondere darauf ab, dass
Hindenburgs historische Rolle eine weitere Aufrechterhaltung der Ehrenbürgerwürde nicht rechtfertigt.
Zudem wird ausgeführt, dass ein besonderer Bezug Hindenburgs zur Stadt Herrenberg nicht erkennbar
sei.
Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Herrenberg wurde am 24. März 1933 an Paul von Hindenburg und an
weitere führende Repräsentanten des nationalsozialistischen Regimes, u.a. Adolf Hitler und Wilhelm
Murr, verliehen. Zudem wurde die damalige Gartenstraße in Hindenburgstraße umbenannt. Nach 1945
wurden zahlreiche NS-belastete Straßennamen wieder geändert, jedoch blieb Hindenburg davon
ausgenommen.
1946 wurden Adolf Hitler und Wilhelm Murr die Ehrenbürgerwürde aberkannt, obwohl sie bereits
verstorben waren. Die Ehrung Hindenburgs wurde in diesem Fall der Aberkennung ausgenommen. Dies
wurde damals damit begründet, dass seine Ehrung „gerechterweise bestehen“ bleiben solle. Diese
Entscheidung gilt heute als Ausdruck einer nur begrenzten Bereitschaft zur Entnazifizierung in der
Nachkriegszeit in Herrenberg.
Die Diskussion um die Ehrenbürgerwürde von Paul von Hindenburg sowie die Hindenburgstraße in der
Stadt Herrenberg wurde auch in der Vergangenheit regelmäßig im Gemeinderat und in der
Öffentlichkeit (u.a. verschiedene Leserbriefe) geführt.
In der Stadt Herrenberg wurde das Thema mehrfach im Gemeinderat behandelt, die entsprechenden
Anträge wurden mehrheitlich abgelehnt:
➢ 1997: Antrag auf Aberkennung und Umbenennung
➢ 2013: Antrag auf Umbenennung der Hindenburgstraße in Willy-Brandt-Straße
Historische Einordnung und Bewertung:
Paul von Hindenburg (1847–1934) war als Reichspräsident der Weimarer Republik eine zentrale
politische Figur in der Endphase der ersten deutschen Demokratie. Nach übereinstimmender
historischer Bewertung trug er durch die Etablierung präsidialer Notverordnungsregierungen sowie
durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 maßgeblich zur Aushöhlung
der noch jungen parlamentarischen Demokratie und zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
bei. Nach der Machtübernahme Hitlers folgte die systematische Zerstörung der Demokratie, die
Etablierung einer nationalsozialistischen Gewaltdiktatur und ab 1939 der Beginn des Zweiten
Weltkrieges mit über 60 bis 70 Millionen Toten. Zu dieser Zeit gehört auch das dunkelste Kapitel
deutscher Geschichte, als durch die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden
sowie anderer Gruppen das Menschheitsverbrechen des Holocaust begangen wurde.
Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hindenburg in zahlreichen deutschen Städten – so auch in
Herrenberg – erfolgte überwiegend im Jahr 1933 und damit im unmittelbaren zeitlichen und politischen
Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtübernahme. In der kommunalhistorischen
Forschung wird dieser Kontext regelmäßig als prägend für die Bewertung dieser Ehrungen
hervorgehoben.
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In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Städte, darunter Oldenburg, Kiel, Landau in der Pfalz,
Bergisch Gladbach oder Potsdam, entsprechende Ehrungen überprüft und aberkannt bzw. sich
ausdrücklich von ihnen distanziert.
Es lassen sich folgende Bewertungskriterien erkennen:
➢ Historischer Kontext: Die Ehrenbürgerwürde wurde vielfach im Jahr 1933 unter den
Bedingungen der nationalsozialistischen Machtübernahme verliehen. Die Ehrung erfolgte damit
im Zusammenhang mit der propagierten „Wiedergeburt des Reiches“ und unter politischen
Rahmenbedingungen, die nicht mehr den Grundsätzen einer freien demokratischen
Willensbildung entsprachen.
➢ Politische Verantwortung Hindenburgs: Es ist historisch anerkannt, dass Hindenburg durch die
Unterstützung autoritärer Regierungsformen und seine Ernennung Hitlers eine zentrale Rolle
beim Übergang von der jungen Demokratie der Weimarer Republik hin zur NS-Diktatur spielte.
➢ Fehlender kommunaler Bezug: Mehrere Kommunen stellen fest, dass die Ehrenbürgerwürde
nicht auf konkreten Verdiensten für die jeweilige Stadt beruhte, sondern vornehmlich politisch
motiviert war. Auch im vorliegenden Fall ist ein spezifischer Bezug Hindenburgs zur Stadt
Herrenberg nicht ersichtlich.
➢ Historisch verantwortungsbewusste Erinnerungskultur: Aberkennung bzw. Distanzierung wird
als Bestandteil einer aktiven kommunalen Erinnerungskultur verstanden. Ziel ist es, historische
Ehrungen im Lichte heutiger Erkenntnisse und Wertmaßstäbe kritisch zu überprüfen und
gegebenenfalls zu korrigieren.
➢ Symbolischer Charakter der Aberkennung: Formal kann darauf hingewiesen werden, dass die
Ehrenbürgerwürde rechtlich mit dem Tod erlischt. Gleichwohl hat eine ausdrückliche politische
Distanzierung einen symbolischen Wert, um eine eindeutige historische Neubewertung
vorzunehmen.
Aus Sicht der Verwaltung ist eine fortdauernde Ehrenbürgerwürde Paul von Hindenburgs vor dem
Hintergrund seiner historischen Rolle sowie des Kontextes der Verleihung nicht mit den heutigen
demokratischen Grundwerten vereinbar.
Die Verwaltung schlägt deshalb vor, dem GR-Antrag Nr. 14-2026 der SPD-Fraktion stattzugeben und
Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde zu entziehen.
2. Umsetzung
Es gibt verschiedene Optionen, die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Hindenburgs auch symbolisch
umzusetzen. Diese sind beispielsweise:
➢ Umbenennung der Straße
➢ Beibehaltung mit kritischer Einordnung (z. B. Zusatzschild)
Der Umgang ist in zahlreichen Kommunen unterschiedlich. Die Stadt Freiburg beschloss nach einer
umfassenden Überprüfung sämtlicher Straßennamen im Jahr 2020, die dortige Hindenburgstraße in
Otto-Wels-Straße umzubenennen. In der Stadt Ravensburg wurde 2015 eine Erläuterungstafel an der
Hindenburgstraße angebracht. Ein Beispiel für ein Zusatzschild gibt es auch in der Stadt Weinstadt,
Strümpfelbach (siehe Bild unten).
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Die Verwaltung schlägt vor, die Bezeichnung der Hindenburgstraße beizubehalten und die
entsprechenden Straßenschilder mit Zusatzhinweisen zu versehen. Auf diesen Zusatzschildern soll eine
kritische Einordnung der Rolle Hindenburgs vorgenommen werden. Die Maßnahme soll einen Beitrag zu
einer historisch verantwortungsbewussten Erinnerungskultur in Herrenberg leisten, die kritische
Aspekte nicht ausblendet, sondern historisch einordnet.
Es wird vorgeschlagen, folgenden Text auf den Zusatzschildern anzubringen:
"1933 wurde die bisherige Gartenstraße nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten vom
Herrenberger Gemeinderat zur Hindenburgstraße umbenannt. Hindenburg war als Anhänger der
Monarchie Gegner der demokratischen Weimarer Republik. Er leitete als Reichspräsident mit der
Ernennung der Präsidialkabinette von 1930-1932 den Abbau der Demokratie ein und ernannte Adolf
Hitler am 30.1.1933 zum Reichskanzler. Hindenburg stimmte dem Ermächtigungsgesetz im März
1933 zu, mit dem der Reichstag entmachtet wurde. Damit trägt er eine entscheidende
Mitverantwortung für die Zerstörung der Weimarer Demokratie und die Errichtung der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Entrechtung, Verfolgung und Ermordung von
Millionen Menschen und die Entfesselung des 2. Weltkrieges sind die Folge."
3. Ressourceneinsatz
Die Anbringung der Zusatzschilder erfordert einen geringen Aufwand an Sachmitteln. Dieser soll aus
bereits eingestellten HH-Mitteln bestritten werden.
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IV. Anlagen:
1 Ö SPD-Antrag Nr. 14-2026
Nico Reith Sebastian Lazar
Oberbürgermeister Büroleiter
Büro des Oberbürgermeisters
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