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Alte Bäume erhalten und damit Menschen im Straßenraum schützen
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Spandau (Berlin) |
| Datum | 2026-06-24 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Antrag aus der Gruppe der Senioren zur 048/XXI (BVV) am 24.06.2026
Das Bezirksamt wird ersucht zu prüfen, ob eine Standortverbesserung der kranken Platanen, Baum-Nr. 1106 - 1108 an der Heerstraße / Ecke Alt Pichelsdorf durchgeführt werden kann mit Hilfe
a) einer Erweiterung der Baumscheibe von Nr. 1107 um ca. 20m² durch Entsiegelung,
b) Bepflanzung der gewonnenen Fläche zur Flächenversickerung von Regenwasser und
c) zusätzliche Wässerung während der Sommermonate sowie regelmäßige Entsorgung der abgefallenen Blätter und Äste.
Bilder: Antragstellerin
Brüning
Einwohnerin (Gruppe der Senioren)
Beschlussvorschlag ...
Begründung
Alte Platanen auf den Straßen sind unbedingt erhaltenswert. Sie bieten hohe Effekte der Beschattung und Kühlung. Sie sind sehr hitze- und trockenheitsresistent und leben lange. Ihre Co2-Speicherung wächst mit zunehmendem Alter – sogar bei 90-prozentigem Versiegelungsgrad ihres Standortes, was auf unser Areal etwa zutrifft.1 Auf dieser Fläche, wo drei Bäume stehen, findet jedoch eine Versickerung aus Niederschlägen kaum mehr statt. Auch die Kühlleistung der Böden dort gehört zur zweitschlechtesten Kategorie.
67, 90 und 98 Jahre lang sind die Bäume am Standort. Die vergangenen Hitze- und Dürreperioden, in denen auch der Grundwasserspiegel gesunken ist2; haben sie geschädigt, und heute haben sie dünne Kronen, fallende Blätter und Äste. Es handelt sich um die Krankheiten Anthraknose und Massaria, was jüngst durch den Baumschutz-Experten vom B.U.N.D. bestätigt wurde3; ebenso vom Berliner Pflanzenschutzamt4. Es sind Krankheiten, die bei wiederholtem Auftreten zum Absterben der Bäume führen können – meist aber zu ihrer vorzeitigen Fällung wegen Verkehrsgefährdung.
Man bekämpft das mit regelmäßigem Rückschnitt, was aber die Ökoleistung der Bäume und ihre sozialen und gesundheitlichen Funktionen für die Menschen jedes Mal stark herabsetzt, vor allem aber eine Neuinfektion der Bäume nicht verhindert. Dagegen empfiehlt das Berliner Pflanzenschutzamt neuerdings, „dass eine verbesserte Wasserversorgung von Platanenbeständen während der Sommermonate das Risiko einer Neuinfektion deutlich reduzieren kann.“5 Weiterhin führt regelmäßige Entsorgung der befallenen Blätter und Äste auf der Straße zur Eindämmung der Neuinfektion.
Die erforderliche bessere Wasserversorgung ist durch Entsiegelung des angrenzenden Plattenweges zu erreichen. Das bedeutet eine Vergrößerung der Baumscheibe von Baum Nr. 1107 um ca. 20m². Es handelt sich um folgende grün markierte Fläche:
Hier könnte Regenwasser im Sinne des Abschn. 2, § 4 (4) Klimaanpassungsgesetzes genutzt werden, das von den beidseitigen gepflasterten Fußwegen abfließt und in die neu geschaffene Grünfläche einsickert. Auch zusätzliche Wassergaben fänden über diese Fläche Eingang ins Erdreich. So würden alle drei Bäume die Chance erhalten, ihre Krankheiten nachhaltig einzudämmen, denn ihr Wurzelwerk ist untereinander verflochten. Die Schaffung einer Flächenversickerung – so urteilt die Regenwasseragentur – ist an dieser Stelle möglich, sinnvoll und sogar genehmigungsfrei.6
Wegetechnisch ergeben sich durch eine Abpflasterung keine Schwierigkeiten. Der schmale, öffentliche Fußweg neben dem Fahrradweg wird kaum genutzt, die zu entsiegelnden 20 m² noch viel weniger, während aber der Hauptstrom der Fußgänger an den Gebäuden entlanggeht. Die Wegebreite dort entspricht den Ausführungsvorschriften zu § 7 des Berliner Straßengesetzes über Geh- und Radwege. Auf die grün markierte gepflasterte Fläche kann man also getrost verzichten, denn es gibt Durchgänge durch die Hecke in Verlängerung des Straßenübergangs hin zum Café wie auch hin zu Netto.
Die drei Bäume schützen einen Verkehrs- und Versorgungsknotenpunkt. Zusammen mit den Grünflächen beeinflussen sie das Mikroklima dort entscheidend positiv. Ohne sie wären Luftqualität und Feinstaubaufkommen rund um das Einkaufszentrum Alnatura – Kiosk – Netto – Café Rösler und die BVG-Haltestelle unerträglich, denn die Heerstraße ist eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt, wo 50.000-70.000 Fahrzeuge / Tag entlangdonnern. Insbesondere für Kinder und die ältere Generation der Fußgänger - sind bei der hohen thermischen und Schadstoffbelastung dieser Straßenkreuzung vitale, alte Bäume unverzichtbar. Das Platanen-Ensemble beschattet vormittags durchgehend Fuß- und Radweg sowie die Bushaltestelle Alt-Pichelsdorf. Und nachmittags liegt der andere Fußweg im Baumschatten, der direkt vor den Geschäften entlangläuft. Einkaufende, Cafébesucher wie auch Wartende profitieren von dieser feucht-schattigen Atmosphäre.
Etwa 2000 EUR sollten uns die Entsiegelung wert sein7. Dazu kämen Kosten für Bepflanzung, Entsorgung infektiöser Blätter und Äste sowie für zusätzliches Wasser – Kosten, wie sie auch das Spandauer Klimaschutzkonzept im Beschluss A.5 einkalkuliert8. Investiert man sie nicht, riskiert man für lange Zeit ein von Abgasen, Feinstaub und CO2 kontaminiertes, kahles, lebensfeindliches Areal, auf dem es selbst neu gepflanzte Bäume extrem schwer haben dürften.
Abschließend das Gutachten einer Firma für zukunftsorientierte Stadtraumplanung9:
„Die vorgeschlagene Entsiegelung ist sinnvoll und eine Umsetzung grundsätzlich unproblematisch.“ „Eine klassische Entsiegelung, Auffüllen mit neuem Substrat auf die ursprüngliche Höhe und eine trockenheitsresistente Bepflanzung des Oberbodens erscheinen mir am sinnvollsten. Durch die Unterpflanzung wird der Boden vor Erosion geschützt und verschattet. Zusätzlich wirkt es sich vorteilhaft auf das lokale Mikroklima aus. Verwendet werden sollte eine trockenheitsresistente Pflanze, die gut mit wenig Nährstoffen auskommt und nicht in Konkurrenz mit dem Baum steht.“
Hinweise zur Ausschreibung
„Es ist sicherzustellen, dass bei den Arbeiten behutsam mit der Fläche umgegangen wird. Ganz wichtig ist es, eine Verdichtung des Bodens, Beschädigungen des Wurzelwerks und des Stammes zu verhindern und Schadstoffeinträge zu vermeiden. Eine Befahrung des Bereiches und Arbeiten mit schweren Geräten sind zu verhindern (maximal mit Minibagger). Besonderes Augenmerk sollte man bei der Ausführung auf die neue Randeinfassung der Fläche legen, da diese vermutlich in Beton eingefasst wird und dafür ein tieferer Bodenaushub notwendig ist.“10
Bilder: Antragstellerin
Quellen
1 https://www.zsk.tum.de/fileadmin/w00bqp/www/_my_direct_uploads/2024- Digitaler_Leitfaden_online.pdf
2 https://www.bund-berlin.de/service/presse/detail/news/das-wasser-wird- knapp-bund-stellt-grundwasserstudie-vor/ 16.06.25
3 Uwe Bahr, Gespräch und E-Mails an UB am 26. und 28.05.2026
4 siehe auch der aktueller Fach-Newsletter des Pflanzenschutzamtes Berlin, Mai 2026
5 https://www.berlin.de/pflanzenschutzamt/_assets/service/merkblaetter- ratgeber-und-broschueren/massaria_an_platane.pdf
6 Beratung durch Regenwasseragentur, 26.05.26. und https://www.berlin.de/sen/ uvk/_assets/umwelt/wasser-und-geologie/publikationen-und-merkblaetter/hinweisblatt2-versick.pdf
7 Rechner für Entsiegelungsprojekte https://regenwasseragentur.berlin/planen- und-umsetzen/szenarien-kosten-regenwasserbewirtschaftung/
8 Nachhaltige Grünpflege und Unterhaltung für klimaresiliente Bepflanzungen, naturnahe Pflegekonzepte und die Berücksichtigung von Pflegekosten
9 Dipl.Ing. Veronika Findeisen-Wählt an Antragstellerin, 28.05.26
10 Ebd.
Carl-Schurz-Straße 2/6
13597 Berlin
Raum:
208
Tel.: (030) 90 279 2204
E-Mail E-Mail an das BVV-Büro
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