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Antrag der Fraktion Volt: Risikomanagement – Planbarkeit und Haushaltsvorsorge stärken
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Oelde |
| Datum | 2026-11-02 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Stadt Oelde
Die Bürgermeisterin
Sitzungsvorlage
B 2026/011/0342
öffentliche Sitzungsvorlage
Federführung
Fachdienst Rats- und Öffentlichkeitsarbeit
Auskunft erteilt Frau Mona Hooge
Telefon 02522 / 72-215
E-Mail [email protected]
Antrag der Fraktion Volt:
Risikomanagement – Planbarkeit und Haushaltsvorsorge stärken
Beratungsfolge Zuständigkeit Termin
Rat Entscheidung 02.11.2026
Beschlussvorschlag
Die Fraktion Volt beantragt folgende Beschlussfassungen:
Die Verwaltung wird beauftragt, ein jährliches präventives Risikomanagement für wesentliche
kommunale Aufgabenbereiche einzuführen.
Hierzu sollen die Fachdienste und relevanten städtischen Eigenbetriebe einmal jährlich die
wesentlichen absehbaren Risiken ihres Verantwortungsbereiches identifizieren und in einer
kurzen, standardisierten Form darstellen. Berücksichtigt werden sollen insbesondere Risiken,
die innerhalb der kommenden Jahre erhebliche finanzielle, organisatorische oder infrastruk-
turelle Auswirkungen für die Stadt Oelde entfalten können.
Der Bericht soll insbesondere folgende Angaben enthalten:
• Beschreibung des wesentlichen Risikos,
• zeitlicher Horizont,
• Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit,
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• mögliche finanzielle Auswirkungen bzw. eine Größenordnung, soweit seriös abschätzbar,
• mögliche präventive Maßnahmen oder Handlungsoptionen
• sowie eine Einschätzung der Relevanz für die kommenden Haushaltsjahre.
Die Ergebnisse werden dem Rat einmal jährlich im nichtöffentlichen Teil der letzten Ratssitzung
vor der Sommerpause in einem zusammenfassenden Risikobericht vorgestellt. Dadurch sollen
relevante Erkenntnisse rechtzeitig vor Beginn der Haushaltsberatungen vorliegen.
Bestehende Berichte, Zustandsbewertungen, Investitionsplanungen und gesetzlich vorge-
schriebene Risikobetrachtungen sollen hierfür genutzt und möglichst nicht doppelt erhoben
werden.
Beschlussvorschlag der Verwaltung:
Der Rat der Stadt Oelde lehnt den Antrag der Fraktion Volt ab.
Sachverhalt
Am 26.09.2026 stellte die Fraktion Volt den der Vorlage beigefügten Antrag (Anlage1).
Stellungnahme der Verwaltung
Mittelfristige Finanzplanung und Haushaltsplanung
Das primäre Instrument zur Risikosteuerung in einer Kommune ist die Haushaltsplanung. Diese
wird nicht allein für ein einzelnes Haushaltsjahr aufgestellt, sondern umfasst zudem eine
mittelfristige Finanzplanung. Diese Finanzplanung ermöglicht es, anstehende Projekte,
Verpflichtungen und finanzielle Entwicklungen über einen längeren Zeitraum zu prognostizie-
ren. Durch diese Vorausschau werden finanzielle Risiken bereits im Planungsprozess antizipiert
und angemessen berücksichtigt. Der Haushaltsplan enthält zudem einen ausführlichen
Vorbericht, der die Entwicklungen und möglichen Risiken darstellt.
Unterjähriges Monitoring
Um auf unvorhergesehene Entwicklungen unterjährig reagieren zu können, hat die Verwaltung
im Jahre 2012 das System der Finanzstatusberichte etabliert. Diese Berichte dienen als
„Frühwarnsystem“ und ermöglichen eine präzise Überwachung der Soll-Ist-Abweichungen. Seit
einigen Jahren bietet dieses Instrument eine effektive Möglichkeit zur unterjährigen
Gegensteuerung, wodurch finanzielle Engpässe oder Fehlentwicklungen zeitnah erkannt und
korrigiert werden können.
Zudem obliegt die laufende Haushaltsüberwachung den Fachdienstleitungen. Risikomanage-
ment kann nicht alleine durch die Analyse von Finanzzahlen – insbesondere nicht im Rahmen
einer kämmereiinternen Datenanalyse – erfolgen, weil viele Haushaltsansätze Sammel-
positionen beinhalten, deren Effekte sich – insbesondere im Jugendamt innerhalb der
Gesamt-ansatzentwicklung – aufheben können.
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Dies wurde beispielhaft für die Produktgruppen 06.02.04. und 06.02.07 im Rahmen der letzten
Jugendhilfeausschusssitzung vorgestellt. Risikofaktoren, die aus Gesetzesänderungen,
Urteilen, anderen externen Vorgaben oder Fallzahlenentwicklungen herrühren, erfordern eine
fachlich tiefgreifende und fortlaufende Bewertung durch die zuständigen Fachdienste.
Daher existieren bereits spezialisierte Fachkräfte im Finanzcontrolling in den Bereichen
Gebäudewirtschaft und Jugendamt, die sich unterjährig eng mit der Kämmerei abstimmen.
Die fachspezifischen Risikoberichte erfolgen bereits heute im Rahmen der jeweiligen
Fachausschusssitzungen – einschließlich der sich daraus ergebenden finanziellen Chancen und
Risiken. Dies wird als hinreichend und effektiv erachtet.
Die fachlichen Bewertungen der Gesamtverwaltung fließen zudem in die bereits angeführten
Finanzstatusberichte ein, die zweimal pro Jahr einen Abgleich der erwarteten Mittelbedarfe
mit der tatsächlichen Entwicklung sicherstellen. Dies stellt ein sachgerechtes und bewährtes
Instrument des Risikomanagements dar.
Der letzte und die künftigen Finanzstatusberichte werden aus der neuen Software Axians IKVS
erstellt. Diese Software kann nach deren Etablierung verwaltungsintern für Analysen und
interkommunale Vergleiche genutzt werden und erweitert insofern die bewährten
Mechanismen im Bereich des Risikomanagements.
Abgrenzung zu unvorhersehbaren Ereignissen
Ein systematisches Risikomanagement kann kalkulierbare Risiken adressieren. Es gibt jedoch
eine Kategorie von Ereignissen, die per Definition als nicht „beherrschbar“ oder „vorhersehbar“
zu bewerten sind. Ereignisse wie der plötzliche Flüchtlingszustrom, die Corona-Pandemie oder
akute, nicht absehbare Investitionsbedarfe an kommunalen Immobilien (z. B. durch plötzliche
oder unvermutet bekannt gewordene Bausubstanzschäden) lassen sich durch ein formelles
Risikomanagement nicht vermeiden. In diesen Fällen greifen nicht präventive Risikoanalysen,
sondern die bereits implementierten reaktiven Steuerungsinstrumente (z. B. Haushaltssperre,
Nachtragshaushalt).
Beschlussempfehlung der Verwaltung
Nach eingehender Prüfung der Anforderungen an ein mit dem Antrag intendiertes System
kommt die Verwaltung zu dem Ergebnis, dass die wesentlichen Funktionen eines Risiko-
managements bereits integraler Bestandteil der bestehenden haushaltsrechtlichen und
organisatorischen Steuerungsinstrumente sind.
Die Verwaltung ist durch die Kombination aus mehrjähriger Finanzplanung und unterjähriger
Statusberichterstattung bereits in der Lage, die finanziellen und operativen Risiken der Stadt
Oelde verantwortungsvoll zu steuern, den Rat hierüber umfassend in Kenntnis zu setzen und
gegebenenfalls erforderliche Beschlüsse herbeizuführen.
Eine weitere, gesonderte Risikobewertungsstelle würde daher einen redundanten Abstim-
mungsbedarf erfordern, ohne dass Synergieeffekte oder Mehrwerte erwartbar wären. Aus
diesen Gründen wird empfohlen, den Antrag der Fraktion Volt abzulehnen.
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Anlage
Anlage 1 – Antrag der Fraktion Volt vom 26.09.2026
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