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"Vorsorge für zukünftige Hitzewellen – Erster Maßnahmenkatalog", Antrag der Fraktionen SPD, B90/Grüne, Die Linke
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Griesheim |
| Datum | 2026-10-29 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Eingegangen
Stadtverordnetenvorsteher AG / 2026 / 0027
13.10.2026
Griesheim
Herrn
Stadtverordnetenvorsteher
Sebastian Schecker
Rathaus – Parlamentarisches Büro
64347 Griesheim 13.10.2026
Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
bitte nehmen Sie den nachfolgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten
Stadtverordnetenversammlung.
Der Antrag soll im Wirtschafts- und Finanzausschuss vorberaten werden.
Vorsorge für zukünftige Hitzewellen – Erster Maßnahmenkatalog
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird beauftragt,
1. zu prüfen, in welchen Räumen dezentral im Stadtgebiet sog. öffentliche
Kühlinseln (kühle Räume) eingerichtet werden können, welche Infrastruktur
dafür geschaffen werden muss, welche Kosten anfallen und welche
Kooperationspartner es gibt,
2. Angebote für den Kauf/die Anmietung einer mobilen Gradieranlage
einzuholen,
3. eine Initiative für Refill-Stationen zu starten und die Kosten für die
Bereitstellung in Geschäften, bei Gewerbetreibenden u.a. zu ermitteln,
4. die Möglichkeiten zur Errichtung von sog. Sprühnebelanlagen im Stadtgebiet
zu prüfen.
Entsprechende Bundes- oder Landesprogramme zur Förderung der Maßnahmen
sollen zur Finanzierung herangezogen werden.
Über die Ergebnisse soll bis zur Stadtverordnetenversammlung am 28.01.2027
berichtet werden.
Begründung:
Die diesjährigen Hitzewellen werden nicht die letzten gewesen sein. Es muss damit
gerechnet werden, dass zukünftige Hitzewellen tendenziell noch heißer sein und
noch länger andauern werden.
Zu 1. Die Bereitstellung von sog. „öffentlichen kühlen Räumen“ ist in weiter südlich
gelegenen Ländern längst Teil des Hitzeschutzes für die Bevölkerung,
insbesondere von vulnerablen Gruppen und Menschen, die keinen Zugang zu
gekühlten Räumen haben.
Ein „kühler Raum“ öffnet, wenn eine festgelegte obere Temperaturschwelle
überschritten wird, und schließt, nachdem eine untere Temperaturschwelle einige
Tage nicht mehr überschritten wurde, und auch ungekühlte private Räume wieder
entsprechend abgekühlt sind.
Ein „öffentlicher kühler Raum“ muss nicht nur dauerhaft eine erträgliche
Maximaltemperatur halten und eine gewisse Aufnahmekapazität besitzen. Weitere
Voraussetzungen sind Toiletten, eine Aufsichtsperson, eine tägliche Reinigung und
die Bereitstellung von Trinkwasser, wünschenswert ist ein kostenloser
Internetzugang.
Kirchen, Vereine und der Eigenbetrieb Haus Waldeck könnten, neben städtischen
Räumen, mögliche Dienstleister/Partner für solche zeitlich flexiblen und begrenzt
öffnenden „öffentlichen kühlen Raum“ sein.
Vor weitergehenden Überlegungen und Entscheidungen soll der Magistrat deshalb
mit möglichen Partnern in den Austausch gehen und Angebote für eventuell
notwendige Investitionen und den Betrieb einholen.
Zu 2. Inzwischen gibt es Anbieter, die mobile Gradierwerke zur Anmietung und/oder
zum Kauf anbieten.
Eine mobile Gradieranlage (oder ein mobiles Gradierwerk) ist eine transportable, oft
auf einem Anhänger montierte Saline, die nach dem Prinzip historischer
Gradierwerke feinen Sole-Nebel in der Umgebungsluft verteilt.
Viele moderne mobile Anlagen arbeiten energieautark über Solarpumpen und führen
die Sole in einem geschlossenen, umweltfreundlichen Kreislauf zurück.
Eine solche mobile Anlage wäre an unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet
einsetzbar. Über mit Sole (Salzlösung) benetzte Zweige (meist Schwarzdorn)
verdunstet Wasser, wodurch feine Salzpartikel und Feuchtigkeit an die
Umgebungsluft abgegeben werden. Die salzhaltige Luft befreit die Atemwege und
sorgt an warmen Tagen zusätzlich für einen Kühleffekt. Die Sole wird in
geschlossenen Kreisläufen aufgefangen, gefiltert und wiederverwendet.
Zu 3. Bundesweit gibt es bereits rund 7.000 Refill-Stationen, an denen mitgebrachte
Trinkflaschen kostenlos mit Leitungswasser aufgefüllt werden können. Das vermeidet
Plastikmüll. Refill-Stationen sind an einem blauen Aufkleber an Türen und
Schaufenstern von teilnehmenden Geschäften, Cafés, Praxen oder Büros erkennbar.
Das Auffüllen ist grundsätzlich kostenlos und unabhängig davon möglich, ob jemand
Kundin bzw. Kunde ist, die Abgabe erfolgt zu den jeweiligen regulären
Öffnungszeiten der Einrichtungen.
Mit städtischer Unterstützung sollen weitere Einrichtungen in Griesheim eine
Erstausstattung erhalten.
Zu 4. Sprühnebelanlagen sind bereits in vielen Städten und Gemeinden ein Mittel zur
Abkühlung. Dort, wo bereits entsprechende Wasseranschlüsse/-leitungen vorhanden
sind, kann eine Errichtung auch in Griesheim sinnvoll sein.
Gabriele Winter Judith Gehler Sabrina Klamm
SPD-Fraktion Fraktion B90/ Die Grünen Fraktion Die Linke
Text aus PDF extrahiert