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Künstliche Intelligenz in der Verwaltung und in der Gesellschaft (Antrag der Fraktion der Linken und der PARTEI)
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Herdecke |
| Datum | 2026-10-01 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Zusammenfassung (KI, experimentell)
Die Fraktionen Die Linke und Die PARTEI beantragen für die Ratssitzung am 01.10.2026 zwei Maßnahmen zu künstlicher Intelligenz: (1) einen Verwaltungsbericht zu vier Leitfragen — wie KI die Stadtverwaltung, Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Schulen in Herdecke verändert, welche Probleme entstehen und welche Vorsorgemaßnahmen möglich sind — mit Zwischenstand im Dezember 2026 und Abschlussbericht im ersten Halbjahr 2027; (2) Bildung einer KI-Kommission als Unterausschuss zur Begleitung des Berichts und Erarbeitung verbindlicher Regeln. Ein Beschluss ist im Text nicht dokumentiert.
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Dokument
Extrahierter Text
Fraktion Die Linke und Die PARTEI im Rat der Stadt Herdecke
An die
Bürgermeisterin der Stadt Herdecke
Frau Iris Stalzer
Rathaus
58313 Herdecke
Fraktion Die Linke und Die PARTEI
Rostesiepen 4
Vladimir Munk & Nico Fischer
Herdecke, den 13.09.2026
Antrag zum Tagesordnungspunkt: Künstliche Intelligenz in
der Verwaltung und in der Gesellschaft
für die Sitzung des Rates der Stadt Herdecke am 01.10.2026
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Iris Stalzer,
die Fraktion Die Linke und Die PARTEI beantragt gemäß § 2 Abs. 1 der Geschäftsordnung des
Rates der Stadt Herdecke in Verbindung mit § 48 Abs. 1 der Gemeindeordnung für das Land
Nordrhein-Westfalen die Aufnahme des folgenden Tagesordnungspunktes:
„Künstliche Intelligenz in der Verwaltung und in der Gesellschaft"
Beschlussvorschlag
1. Bericht der Verwaltung zu vier Leitfragen.
Die Verwaltung wird gebeten, dem Rat einen Bericht zum Umgang mit künstlicher Intelligenz
in Herdecke vorzulegen. Der Bericht soll sich an vier Fragen ausrichten:
a) Wie verändert künstliche Intelligenz die Arbeit der Stadtverwaltung?
Welche Aufgaben, Verfahren und Tätigkeiten sind betroffen — heute und absehbar. Was
wird leichter, was fällt weg, was wird schwieriger. Was bedeutet das für die
Beschäftigten und für die Menschen, die mit der Verwaltung zu tun haben. In welchen
Bereichen des Hauses und der städtischen Beteiligungen werden solche Verfahren bereits
eingesetzt, erprobt oder beschafft — einschließlich der Funktionen, die in vorhandene
Software nachträglich eingebaut wurden.
b) Wie verändert sie die Gesellschaft in Herdecke?
Soweit für eine Kommune überhaupt erkennbar: Arbeitsmarkt und Ausbildung, Schulen,
Handwerk, Einzelhandel und ortsansässige Unternehmen, Vereine, örtliche Öffentlichkeit
und Meinungsbildung — und die daraus folgende Entwicklung der städtischen Einnahmen.
c) Welche Probleme treten dabei typischerweise auf?
Nicht spekulativ, sondern anhand dessen, was in anderen Kommunen, Behörden und
Unternehmen bereits vorgekommen ist: falsche oder erfundene Auskünfte, unklare
Verantwortung für Entscheidungen, Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, ungewollter
Abfluss von Daten, Verlust von Fachwissen im Haus, Täuschung durch nachgeahmte Stimmen
und Bilder, neue Betrugsmaschen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.
d) Welche Gefahren sind darüber hinaus denkbar — und wogegen kann eine Stadt heute
schon
Vorsorge treffen?
Dabei ist zu trennen zwischen dem, was in kommunaler Zuständigkeit liegt, und dem, was
nicht. Zwei Beispiele für das, was in kommunaler Zuständigkeit liegt: die
Handlungsfähigkeit der Verwaltung — bleibt die Stadt arbeitsfähig und erreicht sie
ihre eigenen Akten, wenn ein eingesetztes System ausfällt, verkauft, verteuert oder
abgeschaltet wird? — und die Datenhoheit — welche Daten der Stadt und ihrer
Bürgerinnen und Bürger werden wo, von wem und auf wessen Servern verarbeitet, und wer
könnte darauf zugreifen außer der Stadt selbst?
In Aufbau und Arbeitsweise — nicht im Umfang — soll sich der Bericht an dem Bericht
„Umgang mit Wildgänsen in Herdecke" (Stand 17.08.2026, Umwelt- und Klimaausschuss am
10.09.2026) orientieren: Anlass und Ausgangslage, Analyse des Gegenstands, Benennung der
Betroffenen, Beteiligung der fachlich zuständigen Stellen, Prüfung möglicher Maßnahmen
mit Abwägung von Wirkung und Aufwand, Empfehlung zum weiteren Vorgehen. Zu beteiligen
wären insbesondere Personalrat, Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter, der
kommunale IT-Dienstleister, der Ennepe-Ruhr-Kreis, die Nachbarkommunen sowie Schulen
und
die örtliche Wirtschaftsförderung.
Ein Zwischenstand wird dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am 03.12.2026
vorgelegt, der Bericht dem Rat im ersten Halbjahr 2027.
2. Bildung einer KI-Kommission.
Der Rat spricht sich für die Bildung einer KI-Kommission aus — als Unterausschuss HS-A in
derselben Form und in vergleichbarer Größe wie die am 12.02.2026 einstimmig gebildete
Verkehrskommission (Vorlage 2026/0010, TOP 10.2). Die Verwaltung wird gebeten, dem Rat
dafür bis zur Sitzung am 10.12.2026 eine Beschlussvorlage vorzulegen.
Aufgabe der Kommission wäre, den Bericht nach Ziffer 1 zu begleiten und auszuwerten, die
vier Leitfragen fortlaufend zu bearbeiten, sachkundige Dritte und Betroffene anzuhören und
dem Rat und den Fachausschüssen Empfehlungen vorzulegen — auch für verbindliche Regeln
zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Stadtverwaltung, sobald die Lage das trägt.
Begründung
Niemand weiß, wie das ausgeht. Die Spannweite dessen, was Fachleute für möglich
halten, reicht von großer Entlastung über den Wegfall von Millionen Arbeitsplätzen bis
zu einem Risiko für den Bestand der Zivilisation. Diese Unsicherheit ist der Grund für
den Antrag, nicht der Einwand dagegen.
Unsicherheit ist der klassische Anlass für Vorsorge. Hochwasserschutz, Brandschutz
und Seuchenvorsorge betreibt man auch ohne Kenntnis des Eintrittsdatums. Bei künstlicher
Intelligenz geschieht das bisher auf keiner Ebene — von den Stadträten bis zum
Bundestag.
Deshalb zuerst Fragen, nicht Regeln. Regeln sind das Ergebnis einer Lagebeurteilung,
nicht ihr Ersatz.
Das Vorbild liegt im eigenen Haus. Der Bericht zu den Wildgänsen zeigt die richtige
Reihenfolge: Ausgangslage, Betroffene, Beteiligung, Abwägung — und erst am Ende eine
Empfehlung. Wir beantragen nichts Neues, sondern dieselbe Sorgfalt für ein größeres
Thema.
Warum eine Kommission. Das Thema betrifft Personal, Haushalt, Datenschutz,
Beschaffung, Schule und Soziales gleichzeitig und passt in keinen einzelnen
Fachausschuss.
Der Unterausschuss ist ein bekanntes Instrument — Verkehrskommission und Kommission
für
Inklusion wurden einstimmig gebildet, ohne Stelle und ohne Haushaltstitel.
Warum gerade eine Stadt dieser Größe. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer
war
2024 mit 16,6 Mio. € die größte Steuerposition; mit der Gewerbesteuer (10,7 Mio. €)
hängen rund 71 % aller Steuererträge an Löhnen und Unternehmensgewinnen. Wie schnell
das kippt, zeigt der Einbruch der Gewerbesteuer 2024 um 11,6 % bei gleichzeitig um
848.000 € gestiegener Kreisumlage. Eine Entwicklung, die Erwerbsarbeit im großen
Umfang
betrifft, ist hier keine weltanschauliche Frage, sondern eine Haushaltsposition.
Herdecke wird diese Entwicklung nicht aufhalten. Herdecke entscheidet aber, ob es sie
kommen sieht.
Die weitere Begründung erfolgt mündlich.
Mit freundlichen Grüßen
Fraktion Die Linke und Die PARTEI | Vladimir Munk & Nico Fischer
Text aus PDF extrahiert