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Hitzeschutz und Hitzeaktionsplanung als Bestandteil des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Korschenbroich hier: Antrag der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 03.09.2026
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Korschenbroich |
| Datum | 2026-09-24 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Zusammenfassung (KI, experimentell)
Bündnis 90/Die Grünen beantragen, dass die Verwaltung einen Baustein „Hitzeschutz und Hitzeaktionsplanung" in das Klimaschutzkonzept integriert. Dieser soll lokale Hitzebelastung analysieren, vulnerable Bevölkerungsgruppen schützen, Maßnahmen in städtischen Einrichtungen und im öffentlichen Raum prüfen sowie Kommunikation und behördliche Abläufe regeln. Die Verwaltung soll Erfahrungen anderer Kommunen und Arbeitshilfen des Landesamtes für Gesundheit NRW nutzen und anschließend einen priorisierten Maßnahmenkatalog mit Ressourcenabschätzung vorlegen. Ein Beschluss ist im Text nicht dokumentiert.
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Dokument
Extrahierter Text
Antrag
Hitzeschutz und Hitzeaktionsplanung als Bestandteil des
Klimaschutzkonzeptes der Stadt Korschenbroich
Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen der Fortschreibung bzw. Weiterentwicklung
des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Korschenbroich einen eigenständigen Baustein
„Hitzeschutz und Hitzeaktionsplanung“ zu entwickeln und in das Klimaschutzkonzept zu
integrieren.
Dabei sollen insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt werden:
1. Ermittlung und Bewertung der lokalen Hitzebelastung
Identifikation besonders hitzegefährdeter Bereiche und Orte im Stadtgebiet
sowie Betrachtung der zukünftigen Entwicklung von Hitzeperioden und
tropischen Nächten, soweit nicht schon vorhanden.
2. Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen
Berücksichtigung insbesondere von älteren Menschen, Kindern,
Pflegebedürftigen, Menschen mit Behinderungen sowie Personen mit besonderen
gesundheitlichen Risiken.
3. Hitzeschutz in städtischen Einrichtungen
Entwicklung bzw. Prüfung von Maßnahmen für Schulen,
Kindertageseinrichtungen, Jugend- und Senioreneinrichtungen sowie weitere
Einrichtungen in städtischer Trägerschaft.
4. Hitzeschutz im öffentlichen Raum
Prüfung konkreter Maßnahmen wie zusätzliche Verschattung, Begrünung,
Baumpflanzungen, Entsiegelung, wassersensible Gestaltung sowie die Schaffung
bzw. Sicherung kühler Aufenthaltsorte.
5. Trinkwasserversorgung im öffentlichen Raum
Prüfung und Berücksichtigung eines bedarfsgerechten Ausbaus öffentlicher
Trinkwasserangebote, insbesondere an stark frequentierten Orten und in
Bereichen mit hoher Hitzebelastung.
6. Information und Warnung der Bevölkerung
Entwicklung geeigneter Kommunikations- und Informationsmaßnahmen für
Hitzeperioden sowie Prüfung, wie die bestehenden Hitzewarnungen des
Deutschen Wetterdienstes in kommunale Abläufe eingebunden werden können.
7. Organisation innerhalb der Verwaltung
Festlegung von Zuständigkeiten und Abläufen für länger andauernde
Hitzeperioden sowie Prüfung einer geeigneten Zusammenarbeit mit Feuerwehr,
Rettungsdiensten, Gesundheitswesen, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas und
weiteren relevanten Akteuren.
8. Verknüpfung mit anderen kommunalen Planungen
Der Hitzeschutz soll insbesondere mit der Stadtentwicklung, Bauleitplanung,
Verkehrs- und Freiraumplanung, Grünflächenplanung, dem Starkregen- und
Wassermanagement sowie dem bestehenden bzw. fortzuschreibenden
Klimaschutzkonzept verknüpft werden.
Bei der Erarbeitung sind vorhandene Arbeitshilfen und Erfahrungen anderer Kommunen
zu nutzen. Insbesondere sollen die „Arbeitshilfen zur kommunalen Hitzeaktionsplanung“
des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW)
sowie die im Forschungsprojekt PROLOK – Prozessschema für lokalspezifische
Hitzeanpassung in kleinen Kommunen entwickelten Ansätze berücksichtigt werden.
Die Verwaltung wird gebeten, dem zuständigen Ausschuss anschließend einen
priorisierten Maßnahmenkatalog einschließlich Zuständigkeiten, zeitlicher
Umsetzungsperspektive sowie einer Einschätzung der erforderlichen personellen und
finanziellen Ressourcen vorzulegen.
Begründung
Hitze ist auch in unserer Region angekommen
Hitzeschutz ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe mehr. Die Folgen zunehmender Hitze
und Trockenheit sind auch im Rhein-Kreis Neuss und unmittelbar in unserer Region
erkennbar.
Der Rhein-Kreis Neuss hat im April 2026 (Pressemitteilung Rhein-Kreis Neuss) selbst
darauf hingewiesen, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels bereits in der Region
bemerkbar machen. Insbesondere Hitze und Starkregen hätten bereits heute erhebliche
Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Infrastruktur. Der Kreis erstellt deshalb aktuell
ein eigenes Klimaanpassungskonzept, mit dem unter anderem die Risiken durch Hitze
und Trockenheit systematisch bewertet und Maßnahmen entwickelt werden sollen.
Wie konkret die zunehmende Trockenheit bereits in diesem Sommer ist, zeigte sich im
August 2026 unmittelbar vor unserer Haustür: Entlang der Bahnstrecke zwischen Kaarst
und Krefeld kam es zu mehreren Böschungsbränden. Der Kreisbrandmeister des Rhein-
Kreises Neuss verwies dabei ausdrücklich auf die anhaltende Trockenheit und die
weiterhin hohe Gefahr von Vegetations-, Grasland- und Waldbränden.
Auch die Feuerwehr Korschenbroich war in diesem Sommer mit den Folgen extremer
Trockenheit und Hitze konfrontiert. Einsatzkräfte aus Korschenbroich unterstützten
gemeinsam mit weiteren Feuerwehren des Rhein-Kreises Neuss die Bekämpfung des
Waldbrandes in Hürtgenwald.
Der Rhein-Kreis Neuss selbst hat zudem im Juni 2026 einen Hitzeaktionstag
durchgeführt und dabei ausdrücklich auf die zunehmenden gesundheitlichen Risiken
extremer Hitzeperioden hingewiesen. Als besonders gefährdete Gruppen nennt der Kreis
unter anderem ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte und Pflegebedürftige.
Diese Entwicklungen machen deutlich: Korschenbroich muss nicht warten, bis eine
extreme Hitzewelle zu konkreten gesundheitlichen Notlagen führt. Vorsorge ist
kommunale Daseinsvorsorge.
Hitzeschutz ist mehr als ein Sonnenschirm
Kommunaler Hitzeschutz umfasst sowohl kurzfristige Maßnahmen während akuter
Hitzeperioden als auch langfristige Anpassungen des Stadtgebietes. Dazu gehören
beispielsweise Schattenplätze und Trinkwasserangebote ebenso wie Baumpflanzungen,
Entsiegelung, Begrünung und eine klimaangepasste Gestaltung von Straßen und
Plätzen.
Das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW) weist
ausdrücklich darauf hin, dass kommunale Hitzeaktionsplanung ein systematisches und
umfassendes Vorgehen im lokalen Kontext darstellt. Sie umfasst sowohl akute als auch
mittel- und langfristige Maßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Gefährdung
durch Hitze.
Das LfGA NRW hat gemeinsam mit Kommunen und Akteuren aus dem
Gesundheitswesen konkrete Arbeitshilfen zur kommunalen Hitzeaktionsplanung
entwickelt. Diese sollen Kommunen bei der Konzeption und Umsetzung entsprechender
Planungen unterstützen.
Damit muss Korschenbroich das Rad nicht neu erfinden.
Vorhandene Erfahrungen nutzen statt zusätzliche Parallelstrukturen schaffen
Gerade für eine Kommune unserer Größe ist es sinnvoll, auf vorhandene Erfahrungen
und Werkzeuge zurückzugreifen.
Das Forschungsprojekt PROLOK des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der
Universität Freiburg beschäftigt sich ausdrücklich mit der Frage, wie kleine Kommunen
trotz begrenzter personeller und finanzieller Ressourcen wirksame Maßnahmen zur
Hitzeanpassung entwickeln können. In der ersten Projektphase wurde gemeinsam mit
der Gemeinde Ihringen ein entsprechendes Prozessschema entwickelt und praktisch
erprobt. In der aktuellen zweiten Phase wird dieser Ansatz weiterentwickelt und auf
weitere kleine Kommunen übertragen. Vorgesehen sind unter anderem Leitfäden,
Musterpläne und Checklisten, die Kommunen bei der eigenständigen Erstellung von
Hitzeaktionsplänen unterstützen sollen.
Das Projekt zeigt: Auch kleinere, ländlich geprägte Kommunen können mit
überschaubarem Aufwand eine systematische Hitzeaktionsplanung aufbauen.
Für Korschenbroich bietet sich deshalb an, die vorhandenen Arbeitshilfen des Landes
und die Erfahrungen aus anderen Kommunen auf die örtlichen Gegebenheiten zu
übertragen, statt ein vollständig neues Konzept von Grund auf zu entwickeln.
Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zusammen
Klimaschutz und Klimaanpassung sind zwei Seiten derselben kommunalen Aufgabe.
Klimaschutz begrenzt, wie stark sich die Situation künftig verschärft. Klimaanpassung
sorgt dafür, dass die Stadt mit den Folgen des bereits eingetretenen und nicht mehr
vollständig vermeidbaren Klimawandels umgehen kann.
Ein Hitzeschutzbaustein sollte deshalb nicht als zusätzliches isoliertes Konzept neben
dem Klimaschutzkonzept stehen. Vielmehr sollte er dort verankert und mit bereits
bestehenden Planungen verbunden werden.
So können Maßnahmen gleichzeitig mehrere Ziele erfüllen: Ein neu gepflanzter Baum
spendet Schatten, verbessert die Aufenthaltsqualität, bindet CO₂ und trägt zur
ökologischen Aufwertung des Stadtgebietes bei. Entsiegelte und begrünt gestaltete
Flächen können Hitze reduzieren und gleichzeitig zur Regenwasserrückhaltung
beitragen.
Der Antrag verfolgt daher bewusst einen integrierten und pragmatischen Ansatz:
vorhandene Strukturen nutzen, bestehende Planungen miteinander verbinden und
konkrete Maßnahmen für die Menschen in Korschenbroich entwickeln.
Wir sollten nicht erst handeln, wenn die nächste Hitzewelle gesundheitliche Schäden
verursacht. Wir sollten jetzt dafür sorgen, dass Korschenbroich auch bei zunehmender
Hitze eine lebenswerte und widerstandsfähige Stadt bleibt.
Quellen:
• LfGA NRW – Hitzeaktionsplanung: Die zentrale Einstiegsseite mit Informationen
zur kommunalen Hitzeaktionsplanung, Beratung und den Arbeitshilfen. LfGA NRW
– Hitzeaktionsplanung
• LfGA NRW – Arbeitshilfen zur kommunalen Hitzeaktionsplanung: Das eigentliche
Arbeitshilfen-Dokument, das wir im Antrag als Grundlage nennen können.
Arbeitshilfen zur kommunalen Hitzeaktionsplanung (PDF)
• KIT – PROLOK: Gute offizielle Projektbeschreibung, insbesondere mit dem
Argument, dass PROLOK ausdrücklich für kleinere Kommunen mit begrenzten
personellen und finanziellen Ressourcen entwickelt wird. KIT – Forschung für
mehr Hitzeschutz in kleinen Kommunen
• KIT – aktuelle zweite Projektphase von PROLOK: Besonders interessant, weil
inzwischen konkrete Werkzeuge, Musterpläne und Checklisten für kleine
Kommunen vorgesehen sind. KIT – Hitzeaktionsplanung für kleine Kommunen
stärken
Text aus PDF extrahiert