Startseite › Borken › Antrag

Antrag der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ zur Einführung eines digitalen E-Lastenradverleihsystems

Ergebnis unbekannt
TypAntrag
GemeindeBorken
Datum2026-09-23 geplant
DatenstufeNur Dokumente
QuelleQuelldokument herunterladen →

Zusammenfassung (KI, experimentell)

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragte die Einführung eines digitalen E-Lastenradverleihsystems in Borken und den Ortsteilen. Die Verwaltung untersuchte bestehende Modelle in Nachbarkommunen und analysierte vorhandene Verleihangebote sowie eine LEADER-Bedarfsanalyse. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die hohe private Fahrradverfügbarkeit (2,95 Räder pro Haushalt), die bereits umfangreichen Verleihangebote und deren moderate Nutzung keinen ausreichenden Bedarf rechtfertigen. Stattdessen empfiehlt die Verwaltung, bestehende Angebote besser zu vernetzen und zu vermarkten.

Automatisch aus dem Quelldokument zusammengefasst. Wichtige Details bitte immer im Originaldokument unten prüfen.

Dokument

Extrahierter Text

S t a d t v e r w a l t u n g Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Klimaschutz Vorlage A Vorlage-Nr: V 2026/0025 Status: öffentlich TOP: Datum: 04.02.2026 Antrag der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen„ zur Einführung eines digitalen E- Lastenradverleihsystems Federf. Fachbereich: Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Klimaschutz Beteiligte FB Kultur, Weiterbildung und Städtepartnerschaften Fachbereiche: Verfasser/in: Wendholt, Uschi Beratungsfolge Sitzungsdatum Gremium 23.09.2026 Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, erneuerbare Energien, Landwirtschaft und Digitalisierung Erläuterung: 1. Kurzzusammenfassung: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hatte die Einführung eines digitalen E- Lastenradverleihsystems für Borken und die Ortsteile angeregt. Die Verwaltung hat daraufhin bestehende Modelle in Nachbarkommunen, die bereits vorhandenen Verleihangebote in Borken sowie die Ergebnisse einer LEADER-Bedarfsanalyse geprüft. Die Untersuchung zeigt, dass in Borken bereits mehrere Fahrrad- und Lastenradverleihangebote bestehen und zugleich sehr viele Haushalte über eigene Fahrräder oder E-Bikes verfügen. Da die vorhandenen Angebote teilweise nur moderat bzw. saisonal genutzt werden, sieht die Verwaltung aktuell keinen ausreichenden Bedarf für ein weiteres System. Stattdessen sollen die bestehenden Verleihangebote besser vernetzt, sichtbarer gemacht und stärker vermarktet werden. V 2026/0025 Seite 1 von 6 2. Ausgangslage Mit Schreiben vom 22.06.2025 hat die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ beantragt, ein digitales E-Lastenradverleihsystem in der Stadt Borken sowie in den Ortsteilen einzuführen (vgl. Anlage 1). Hierbei solle eine Orientierung an bereits erfolgreich umgesetzten Modellen in den Nachbarkommunen im Kreis Coesfeld erfolgen. Der Rat der Stadt Borken hat in seiner Sitzung am 09.07.2025 die Verwaltung beauftragt, sich mit dem Antragsanliegen zu beschäftigen und die Ergebnisse in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Umwelt, Klima, Landwirtschaft und Digitalisierung zu präsentieren (vgl. V 2025/0094). Die Verwaltung hat die bestehenden E-Lastenrad-Sharing-Angebote in den Nachbarkommunen eruiert und gleichzeitig die bereits vorhandenen Fahrrad- und Lastenradverleihangebote in Borken ausgewertet. Darüber hinaus liegen aktuell die Ergebnisse der im Rahmen des LEADER-Projektes „Bedarfs- und Standortanalyse für ein interkommunales Fahrradverleihsystem in der LEADER-Region Bocholter Aa“ erhobenen Daten vor. Nachstehend werden die einzelnen Prüfergebnisse dargestellt: 3. Sachstand digitales E-Lastenrad-Sharing im Kreis Coesfeld Seit 2022 wird das digitale E-Lastenrad-Sharing im Keis Coesfeld als interkommunales Kooperationsprojekt mit mittlerweile acht kreisangehörigen Kommunen umgesetzt und von der Digitalagentur Kreis Coesfeld koordiniert. Dabei stehen die E-Lastenräder vorrangig an verschiedenen, meist wohnortnahen Standorten zur Verfügung und können digital über eine App gemietet werden. Das Ausleihen eines E-Lastenrades kostet einheitlich 1,00 Euro pro Stunde. Für das digitale E-Lastenradsharing stellt jede beteiligte Kommune eine eigene Internetplattform bereit. Beispielhaft werden die Erfahrungen der Stadt Coesfeld beschrieben: Die Stadt Coesfeld verfügt über vier E-Lastenräder, davon zwei in der Kernstadt und zwei im Ortsteil Lette. Die Räder stehen in Metallboxen und werden grundsätzlich über Photovoltaik geladen. Das Angebot wird saisonal von März bis Oktober betrieben, weil überwiegend in diesem Zeitraum eine Nachfrage besteht. Zudem werden die Boxen über Photovoltaik betrieben. In den Wintermonaten reicht der Ertrag aus der Photovoltaik nicht für den Betrieb aus. Einzige Ausnahme ist die Stadt Lüdinghausen, die die Boxen mittels Stromanschluss versorgt. Für die vier Lastenräder entstanden Anschaffungskosten von rund 20.000 Euro, die über das Programm „progres.nrw – Emissionsarme Elektromobilität“ zu 70 % gefördert wurden; der Eigenanteil der Stadt Coesfeld betrug rund 5.600 Euro. Die Kosten für die Lastenradboxen von rund 18.200 Euro sind seinerzeit vollständig über ein spezielles Klimaschutzförderprogramm des Landes finanziert worden. Ende Juli 2026 waren rund 420 Personen registriert, wobei nicht alle aktive Nutzerinnen und Nutzer sind. Für den laufenden Betrieb entstehen jährlich circa rund 2.700 € Kosten (Versicherung, Inspektion, Reparaturen, Buchungsplattform etc.) Demgegenüber stehen Einnahme von rund 1.000 Euro im Jahr 2025. Für jedes V 2026/0025 Seite 2 von 6 Lastenrad gibt es einen ehrenamtlichen Paten, der kleinere Arbeiten übernimmt; größere Reparaturen und technische Probleme koordiniert die Stadt mit einem externen örtlichen Anbieter. Vergleichbare Erfahrungen bestehen auch in den anderen Kommunen des Kreises Coesfeld (zum Beispiel Stadt Lüdinghausen). Ebenfalls bietet die Stadt Velen im Ortsteil Ramsdorf seit September 2025 eine vergleichbare Lösung an. Die Erfahrungen decken sich mit denen der Kommunen im Kreis Coesfeld. 4. Bestehende Angebote und Förderungen in der Stadt Borken Die Verwaltung begrüßt den Antrag der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ ausdrücklich und verfolgt bereits seit mehreren Jahren das Ziel, den Radverkehr und nachhaltige Mobilitätsformen zu stärken. In Borken werden aktuell bereits mehrere Formen von Radverleihsystemen angeboten. 4.1 Verleih von Tourenrädern, E-Bikes und E-Lastenrädern Über die Tourist-Information werden seit vielen Jahren Tourenräder und E-Bikes ganzjährig kostenpflichtig zu den regulären Öffnungszeiten verliehen. Ergänzend stehen mit „KonRad“ und „FietseRieke“ seit 2019 bzw. 2020 zwei E-Lastenräder kostenlos allen Borkener Bürgerinnen und Bürgern zum Verleih zur Verfügung. Die bisherigen Erfahrungen zeigen insbesondere in den Monaten April bis Oktober sowie an Sommerwochenenden eine gute Auslastung, während die Nachfrage in den Wintermonaten deutlich geringer ausfällt. Aktuell wird verwaltungsseits ein digitaler Verleih der vorhandenen Räder mit der städtischen IT-Infrastruktur geprüft, um das Verleihangebot unabhängig von den Öffnungszeiten der Tourist-Information anzubieten zu können. Für die beiden E-Lastenräder soll ab Oktober 2026 eine Leihgebühr in Höhe von 10 Euro pro Tag erhoben werden. Die hierdurch erzielten Einnahmen sollen dazu beitragen, die gestiegenen Instandhaltungs- und Unterhaltungskosten sowie perspektivisch erforderliche Ersatzbeschaffungen anteilig zu kompensieren. Aufgrund des Alters und der zunehmenden Reparaturanfälligkeit der vorhandenen Lastenräder ist in absehbarer Zeit eine Ersatzbeschaffung vorgesehen. Darüber hinaus ermöglicht die Erhebung einer Leihgebühr der Stadt Borken die Möglichkeit, bei den Anschaffungs- und Folgekosten die Vorsteuer- abzugsberechtigung in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Leihgebühr zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Lastenrädern sowie zu einer höheren Verbindlichkeit bei Reservierungen beiträgt. Ergänzend besteht die Möglichkeit, bei einer nicht wahrgenommenen Reservierung eine Stornogebühr zu erheben. Zudem besteht in Weseke seit Jahren die Möglichkeit, eine Rollfiets sowie in Borken und Gemen bei verschiedenen Senioreneinrichtungen Paralleltandems auszuleihen. V 2026/0025 Seite 3 von 6 4.2 Mietfiets Seit Oktober 2019 bieten die Stadtwerke Borken das Bikesharingsystem „Mietfiets“ an. Mietfiets ist ein digitales und stationsgebundenes Fahrradverleihsystem, bei dem die Pedelecs rund um die Uhr kostenpflichtig ausgeliehen werden können. Mietfiets- Stationen befinden sich unter anderem am Bahnhof Borken, bei den Stadtwerken Borken und am Bahnhaltepunkt Marbeck-Heiden. Das System ist zudem mit weiteren Standorten in den Nachbarkommunen Coesfeld, Heiden und Reken einschließlich verschiedener Rekener Ortsteile vernetzt. Der größte Vorteil für den Radtourismus ist die Möglichkeit, dass man ein Pedelec direkt an einer Station ausleihen und an einer beliebigen Mietfietsstation innerhalb des Verleihsystems wieder abgeben kann. Die Mietfiets-Station am Bahnhaltepunkt Marbeck-Heiden verfügt über eine Dockingstation mit vier Pedelecs und wird gemeinsam durch die Gemeinde Heiden und die Stadt Borken refinanziert. Die Stadtwerke Borken übernehmen hierbei im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages die organisatorische Abwicklung einschließlich Registrierung, Wartung und Instandhaltung. Die bisherigen Erfahrungen der Stadt Borken am Bahnhaltepunkt Marbeck-Heiden zeigen eine geringe Nutzung des Mietfiets-Angebotes und das vorhandene Angebot wird nicht kostendeckend betrieben. 4.3 Lastenrad-Förderung durch die Stadt Borken Der private Erwerb von Lastenrädern und Lastenanhängern wird seit 2020 durch die Stadt Borken finanziell unterstützt (vgl. Vorlage V 2020/216). Insgesamt wurden bis zum Stichtag Ende Juli 2026 Zuschüsse für 48 E-Lastenräder und acht Lastenanhänger gewährt. Diese Förderung wird von den Borkener Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen. 5. Ergebnisse des LEADER-Projekts „Bedarfs- und Standortanalyse für ein interkommunales Fahrradverleihsystem in der LEADER-Region Bocholter Aa“ Im Rahmen des LEADER-Projektes „Bedarfs- und Standortanalyse für ein interkommunales Fahrradverleihsystem in der LEADER-Region Bocholter Aa“ (Projektlaufzeit 05.05.2025 bis 15.10.2026) wurden die Bedarfspotenziale in den Kommunen Bocholt, Rhede, Velen und Borken untersucht. Ziel des Projektes war es, eine Bedarfs- und Standortanalyse durchzuführen, um eine belastbare Grundlage zu erhalten, ob und in welcher Form ein Ausbau der Fahrradverleihangebote sinnvoll erscheint. Im August 2026 wurde der Ergebnisbericht fertiggestellt und dieser ist als Anlage 2 beigefügt (38 Seiten). Für die Stadt Borken ergeben sich aus diesem Ergebnisbericht insbesondere folgende drei Erkenntnisse: 5.1 Hohe Fahrradverfügbarkeit begrenzt zusätzlichen Bedarf Die Stadt Borken weist eine ausgeprägte Fahrradkultur auf und das Fahrrad nimmt einen festen Platz im Mobilitätsalltag ein. Der Radverkehrsanteil am Modal Split beträgt rund 30 % und rund 93 % der Haushalte verfügen über mindestens ein V 2026/0025 Seite 4 von 6 Fahrrad. Mehr als die Hälfte der Haushalte besitzt drei oder mehr Fahrräder. Dies entspricht einer durchschnittlichen Ausstattung von 2,95 Fahrrädern je Haushalt. Dabei verfügen etwa 56 % der Haushalte über ein E-Bike. Die hohe Bedeutung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel spiegelt sich zudem in der Fahrraddichte wider. Mit 1.179 Fahrrädern je 1.000 Einwohner liegt Borken über dem Durchschnitt des Kreises Borken, der bei 1.153 Fahrrädern je 1.000 Einwohnern liegt (vgl. Seite 16 ff.). Diese hohe private Verfügbarkeit reduziert den zusätzlichen Bedarf für ein öffentliches Verleihsystem deutlich. 5.2 Umfangreiches bestehendes Angebot trifft auf moderate Nachfrage Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die Stadt Borken über die umfangreichsten Fahrradverleihangebote im Untersuchungsgebiet verfügt. Neben dem digitalen und interkommunalen Mietfiets-System bestehen Verleihangebote der Tourist-Information sowie privater Anbieter. Zusätzliche Potenziale sieht die Studie daher vor allem bei Gästen ohne eigenes Fahrrad sowie bei spontanen Freizeit- und touristischen Nutzungen, nicht jedoch in einem flächendeckenden Alltagsangebot für die Borkener Bevölkerung. 5.3 Vernetzung statt Ausbau neuer Verleihkapazitäten Die Bedarfsanalyse empfiehlt, derzeit keine zusätzlichen Verleihkapazitäten zu priorisieren (vgl. Seite 30). Angesichts der bisherigen geringen Nachfrage bei Mietfiets wird der finanzielle Aufwand für weitere Mietfiets-Standorte als nicht verhältnismäßig bewertet. Stattdessen empfiehlt die Studie, die bestehenden Angebote mit Fahrradverleiher, Fahrradhändler, touristische Einrichtungen, Campingplätze, Hotels, etc. besser zu vernetzen, sichtbar zu machen und zu vermarkten. Hierbei soll insbesondere auf die bereits bestehende Informationsplattform des Münsterland e.V. zurückgegriffen und diese stärker in die kommunalen und touristischen Internetauftritte eingebunden werden. 6. Bewertung und Fazit der Verwaltung Die Verwaltung unterstützt weiterhin das Ziel, nachhaltige und emissionsarme Mobilitätsangebote in Borken zu stärken. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse zeigen jedoch, dass aufgrund der hohen privaten Fahrrad- und E-Bike-Verfügbarkeit, der bereits bestehenden Verleihangebote sowie deren bislang moderater und überwiegend saisonaler Nutzung nur ein begrenztes zusätzliches Nachfragepotenzial besteht. Vor diesem Hintergrund stehen die mit einem zusätzlichen digitalen E- Lastenradverleihsystem verbundenen Investitions-, Betriebs- und Personalaufwendungen derzeit nicht in einem angemessenen Verhältnis zum erwartbaren Bedarf. Die Verwaltung schlägt daher vor, auf die Einführung eines zusätzlichen Verleihsystems zu verzichten und stattdessen die Vernetzung, Sichtbarkeit und Vermarktung der bestehenden Angebote zu stärken. V 2026/0025 Seite 5 von 6 Entscheidungsalternative/n: Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, erneuerbare Energien, Landwirtschaft und Digitalisierung befürwortet den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und beauftragt die Verwaltung, ein digitales E-Lastenradverleihsystem anzuschaffen, die erforderlichen Haushaltsmittel bereitzustellen sowie die dafür erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Finanzielle Auswirkungen: Seitens der Stadt Borken wird die Etablierung eines digitalen E- Lastenradverleihsystems abgelehnt, sodass keine finanziellen Auswirkungen zu erwarten sind. Klimafolgenabschätzung: Die Nutzung von emissionsfreien und -armen Mobilitätsformen trägt erheblich zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei und ist aus Gründen des Klimaschutzes zu begrüßen. Durch die stärkere Vernetzung, Sichtbarkeit und Vermarktung der bereits bestehenden Fahrradverleihangebote in Borken wird die Nutzung klimafreundlicher Mobilitätsformen weiterhin gezielt unterstützt. Gleichzeitig werden vorhandene Strukturen effizient genutzt und zusätzliche Ressourcen für ein nur begrenzt nachgefragtes Verleihsystem vermieden. Daher ist die vorgeschlagene Vorgehensweise positiv im Sinne einer bedarfsgerechten und ressourcenschonenden Mobilitätsförderung zu bewerten. Beschlussvorschlag: Der Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, erneuerbare Energien, Landwirtschaft und Digitalisierung nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und weist auf die bestehenden Fahrradverleihangebote und die hohen Fahrradbesitzquoten hin, eine Ausweitung dieses Angebotes ist derzeit nicht geboten. Der AUKLED beauftragt die Verwaltung, das bestehende Angebot stärker zu vernetzen, sichtbar zu machen und das Marketing auszubauen. V 2026/0025 Seite 6 von 6

Text aus PDF extrahiert