Startseite › Rodenbek › Antrag
Prüfung einer Wiedervernässung von Moorflächen (SV) - Antrag der Fraktion der AKWG Rodenbek
Ergebnis unbekannt
| Typ | Antrag |
| Gemeinde | Rodenbek |
| Datum | 2024-03-26 |
| Datenstufe | Nur Dokumente |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Finanzielle Auswirkungen: Zu jetzigem Zeitpunkt noch nicht kalkulierbar. Es bestehen verschiedene Fördermöglichkeiten: -> Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein - Biologischer Klimaschutz: Planung, Entwicklung und Durchführung von Projekten Die Zuwendung wird im Wege der Projektförderung als Voll- oder Anteilfinanzierung bereitgestellt und als nicht rückzahlbarer Zuschuss bewilligt. Die Höhe des Fördersatzes richtet sich nach einem erkennbaren Eigeninteresse der Antragstellerin oder des Antragstellers, ihrer oder seiner Leistungsfähigkeit und dem Interesse des Zuwendungsgebers an der zu fördernden Maßnahme. Bemessungsgrundlage sind die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben, die der Antragstellerin oder dem Antragsteller unter Anlegung eines strengen Maßstabs für eine sparsame und zweckmäßige Ausführung des jeweiligen Projektes nach Abzug von Leistungen Dritter aufgrund besonderer Verpflichtungen im Bewilligungszeitraum entstehen. Notwendige Voruntersuchungen, wie z. B. Machbarkeitsstudien, sollen in der Regel max. 10 von Hundert der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben betragen. - Klimapunkte-System: Flächeneigentümer*innen bekommen die Klimawirksamkeit vergütet, wenn sie einer Vernässung der Fläche zustimmen. Sie verkaufen die Vernässungsrechte, können aber Eigentümer der Fläche bleiben. Der Preis richtet sich nach den ermittelten Klimapunkten. -> Kreis Rendsburg-Eckernförde - Förderung von investiven Maßnahmen zum Klimaschutz (Klimaschutzfonds): Die Förderung erfolgt durch einen Zuschuss in Höhe von bis zu 30 % der von Drittmittelgebern als förderfähig anerkannte Kosten. Die maximale Höhe der Förderung beträgt 300.000 Euro. -> Vertragsnaturschutzprogramm der Landgesellschaft Schleswig-Holstein
Zu beachtende Ziele und Grundsätze: Zu beachtende Ziele und Grundsätze:
Zukunftskonzept: Zukunftskonzept:
A Sachverhalt: Schleswig-Holstein ist ein moorreiches Bundesland. Rund 10 % der Landesfläche werden von kohlenstoffreichen Böden (Moorböden und Anmoorböden) eingenommen. Das entspricht rund 152.800 ha kohlenstoffreicher Böden, davon rund 129.800 ha Moorböden (Hoch- und Niedermoor) und 23.000 ha Anmoorböden (Anmoorgleye und Moorgleye). Niedermoore machen mit rund 103.200 ha den größten Flächenanteil der kohlenstoffreichen Böden in Schleswig-Holstein aus. Hochmoore machen rund 26.600 ha aus. Der Großteil der Moorböden wurde in den vergangenen Jahrzehnten entwässert, um eine landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Die Kultivierung von Mooren zur landwirtschaftlichen Nutzung und damit einhergehend der Ernährung der Bevölkerung, aber auch zu Siedlungszwecken geht bis ins 12. Jahrhundert zurück und hat den Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft in Schleswig-Holstein in vielen Regionen maßgeblich geprägt. Heute werden mehr als 81 % der Moorflächen in Schleswig-Holstein landwirtschaftlich genutzt. Den größten Anteil nimmt die Grünlandnutzung mit rund 57 % ein. Dies entspricht rund 26 % der genutzten Grünlandflächen in Schleswig-Holstein. Insbesondere für viehhaltende Betriebe spielt die Grünlandnutzung auf Moorstandorten eine große Rolle. Moore entstehen in wassergeprägten Landschaften. Abgestorbenes Pflanzenmaterial wird in den wassergesättigten Bodenzonen unter Ausschluss von Sauerstoff nur langsam zersetzt. In nassen Mooren wird durch Photosynthese torfbildender Pflanzen mehr gebundener Kohlenstoff im Boden als Torf gespeichert als durch Zersetzungsprozesse abgebaut wird. So wird der Atmosphäre auf natürliche Weise Kohlenstoff entzogen und es wird ein direkter Klimaschutzbeitrag geleistet. Über lange Zeiträume haben intakte Moore so große Mengen an Kohlenstoff im Torf gespeichert. Weltweit bedecken Moore nur 3 % der Landfläche. In ihren Böden ist etwa doppelt so viel Kohlenstoff gebunden wie in der Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. Entwässerungsmaßnahmen vergangener, aber auch gegenwärtiger Landnutzungen führen jedoch zu einem Anstieg der Torfmineralisation. Im Zuge dieser Eingriffe in den Wasserhaushalt verlieren Moore die Fähigkeit, CO2 zu speichern. Zusätzlich wird der über einen langen Zeitraum gebundene Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Kohlenstoffreiche Böden sind für rund 17 % der THG-Emissionen Schleswig-Holsteins verantwortlich. Die Reduzierung von THG-Emissionen durch die Wiedervernässung von Mooren ist in Schleswig-Holstein deshalb - insbesondere mit Blick auf die Klimaschutzziele des Landes (Energiewende- und Klimaschutzgesetz) - von großer Bedeutung. Zeitgleich können durch Wiedervernässungsmaßnahmen wertvolle Lebensräume wiederhergestellt werden. Durch die AKWG Rodenbek wurde die Aufnahme des Tagesordnungspunktes „Prüfung einer Wiedervernässung von Moorflächen" für die Sitzung der Gemeindevertretung am 26. März 2024 beantragt. In der Gemeinde Rodenbek gab es verschiedene Flächen, die als Moore ausgewiesen waren. In der Zwischenzeit sind diese Gebiete teilweise versandet oder trockengelegt. Derzeit ist unklar, ob eine Renaturierung überhaupt möglich ist. Die Fraktion der AKWG schlägt daher vor, eine mögliche Wiedervernässung solcher Flächen zu untersuchen, um dann das weitere Vorgehen zu beraten. Bisher ist nur eine kurze Ortsbegehung von Teilflächen des großen Torfmoores mit Mitarbeiterinnen der lokalen Aktion des Naturpark Westensee - Obere Eider e. V. erfolgt. Hierbei wurde diskutiert, dass dort Naturschutz auch in abgestufter Form denkbar wäre: Von Nutzungsextensivierungen ohne Vernässungen zu Vernässung von Einzelflächen bis hin zu einer Wiedervernässung des gesamten Moorbestands. Der Antrag ist dieser Sitzungsvorlage als Anlage beigefügt.
B Stellungnahme der Verwaltung: Da jedes Moor anders ist, gehört jede Vernässung einzeln vor Ort geplant. Im Zuge der Voruntersuchungen sind u.a. folgenden Aspekte zu betrachten: - Feststellung von Schutzgebieten / geschützten Arten - Untersuchung der Torfschicht - Technische Umsetzbarkeit der Anhebung des Wasserspiegels (Prüfung Vorfluter, keine Vernässung umliegender Flächen, Infrastruktur in den Straßenverkehrsflächen, da Wasserstand auf bestimmtem Niveau festgesetzt ist) - Ermittlung, welche Wasserstände angestrebt werden (Welche Vegetationstypen stellen sich ein?), Regulierungsmöglichkeiten durch Stauer) Die Eigentümer der potentiellen Moorflächen sowie die Eigentümer der umliegenden Flächen sind zunächst zu informieren und in die Planung einzubeziehen. Anschließend sind die erforderlichen Zustimmungen der Eigentümer für die Untersuchungen einzuholen. Die „Lokale Aktion Naturpark Westensee“ sowie die „Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein“ sind mit der grundsätzlichen Projektidee bereits vertraut und stehen beratend zur Seite. Die Zielsetzung der Wiedervernässung der Moorflächen als solche sowie die Darstellung und Entwicklung des „Großen Torfmoores“ ist in den in Aufstellung befindlichen Flächennutzungsplan der Gemeinde Rodenbek aufzunehmen. Derzeit läuft die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie die frühzeitige Beteiligung der Behörden, sonstigen Träger öffentlicher Belange und der Nachbargemeinden. Der Entwurf ist hiernach entsprechend des Beratungsverlaufes bezüglich der Wiedervernässung von Moorflächen zu ergänzen. Für die weiteren Beratungen ist der Bau-, Wege- und Umweltausschuss der Gemeinde Rodenbek gern. Hauptsatzung zuständig.
C Beschlussvorschlag: Die Gemeindevertretung der Gemeinde Rodenbek beschließt die Fortführung des Projektes der Wiedervernässung von Moorflächen (Großes Torfmoor) in der Gemeinde Rodenbek. In einem nächsten Schritt sollen alle Eigentümer der potentiellen Moorflächen sowie der umliegenden Flächen im Rahmen einer Informationsveranstaltung informiert und um Einverständnis gebeten werden, dass auch auf ihren Flächen Untersuchungen stattfinden könnten. Dazu gehören auch Untersuchungen zu den möglichen Auswirkungen einer solchen Maßnahme auf Ober- und Unterlieger im betroffenen Entwässerungssystem. gez. S. Dreier am 15.03.2024
Diskussionsverlauf: GV Frau Menne erläutert den Antrag der Fraktion zum Thema Wiedervernässung der Moore. Es soll zunächst nur ermittelt werden, ob die Ausgangssituation gegeben ist. Aus der sich anschlie ßenden Aussprache geht hervor, dass das Projekt durchaus positiv gesehen wird, aber hinsichtlich der Vorgehensweise ein mit den Eigentümern der Flächen abgestimmter Weg gefunden werden muss.
Text aus PDF extrahiert