Startseite › Friedrichshafen › Dokument
Bebauungsplan Nr. 215 „Fallenbrunnen Nordost“ – Forschungsvorhaben „Einfach Stadt bauen - Klimarobuste Siedlungsstrukturen“: Kooperation mit der TU München, Prof. Thomas Auer
Beschlussvorlage
| Typ | Beschlussvorlage |
| Gemeinde | Friedrichshafen |
| Datum | 2026-11-10 |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
STADT FRIEDRICHSHAFEN Ausfertigungen:
Amt für Stadtplanung und Umwelt, AVL, BSO,
Sitzungsvorlage SBV, STP
Drucksache-Nr. 2026 / V 00169
Dienststelle: Amt für Stadtplanung und Umwelt 18.08.2026, Unterschrift:
Aktenzeichen: SU 611-13, Nr. 215/Ke/Ur
Mitzeichnung (Datum, Kurzzeichen):
BM Stauber __:____________ BM Mihm __:____________
EBM Hein __:____________ OB Blümcke __:_____________
Betreff: Bebauungsplan Nr. 215 „Fallenbrunnen Nordost„ –
Forschungsvorhaben „Einfach Stadt bauen - Klimarobuste
Siedlungsstrukturen“: Kooperation mit der TU München, Prof. Thomas Auer
Anlage(n): Anlage 1: Forschungsexposé
Anlage 2: Abgrenzungsplan Baufelder
Medien: Bitte ankreuzen. Alles, was präsentiert werden soll, muss mindestens 3 Arbeitstage vor den
jeweiligen Sitzungen der Geschäftsstelle des Gemeinderates zugeleitet werden, damit die Präsentation
gewährleistet werden kann.
MSOffice .pdf-,htm- DVD
Dateien(inkl.ppt, Dateien
.mpp)
Referent und Zeitdauer: Rosol, Adam; Auer, Thomas, Prof.; Ca. 30 Minuten, davon ca. 20 Minuten
Sachvortrag
Gremium: Datum: Zuständigkeit: Öffentlichkeitsstatus:
Ausschuss für Planen, Bauen und 10.11.2026 Vorberatung öffentlich
Umwelt / Betriebsausschuss SE
Gemeinderat 23.11.2026 Beschluss öffentlich
Ggf. Hinweis auf frühere Behandlung des Beratungsgegenstandes (Gremium, Datum, Drucksache-Nr.):
Bebauungsplan Nr. 215 "Fallenbrunnen Nordost" – Sachstandsbericht, PBU 07.10.2025,
2026/V00169 Seite1von8
DS-Nr. 2025 / V 00162
Klimaquartier Fallenbrunnen Nordost -Potenzialstudie zur klimaneutralen Quartiersversorgung,
GR 27.03.2023, DS-Nr. 2022 / V 00354
Bebauungsplan Nr. 215 "Fallenbrunnen Nordost"- Zwischenstand Überarbeitung Siegerentwurf,
PBU 05.07.2022, DS-Nr. 2022 / V 00097
Bebauungsplan Nr. 215 „Fallenbrunnen Nordost“ - Aufstellungsbeschluss, GR 25.10.2021,
DS-Nr. 2021 / V 00236
Entwicklung Fallenbrunnen Nordost - Ergebnis des städtebaulichen und freiraumplanerischen
Ideenwettbewerbs, PBU 12.10.2021, DS-NR. 201 / V 00225
FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN ja
nein
120.000
Kosten: einmaliger Aufwand (konsumtiv) Betrag:
EUR
bis zu
Zuschüsse einmalige Einzahlung Betrag:
45.000 EUR
MITTELBEREITSTELLUNG IM HAUSHALT:
5110000001 /
Stadt Ergebnis-HH Finanz-HH Kontierungen:
42710000
Stadtentw./Städtebaul. Plan./-erneu. / Besondere Verwaltungs- und Betriebsaufw.
Zur Verfügung stehende Mittel
120.000
Planansatz im lfd. Jahr (für Maßnahme):
EUR
Ermächtigungsübertrag aus dem Vorjahr (für Maßnahme): 0 EUR
Noch bereitzustellen in 2027: 90.000 EUR
Noch bereitzustellen in 2028: 30.000 EUR
Ermächtigungsübertrag von 2026 nach
Deckungsvorschlag: 2027 bzw. 2028 für nicht
verausgabte Mittel
2026/V00169 Seite2von8
FN!-CHECK wurde durchgeführt:
ja (der FN!-Check liegt der DS als Anlage bei)
Zusammenfassende Einschätzung und Hinweise zur weiteren Planung:
nein
Begründung: Wurde bereits im Vorfeld des Ideenwettbewerbs durchgeführt.
Check nicht erforderlich lt. Ausschlusskatalog
_____________________________________________________________________________
KLIMAWIRKUNG wurde geprüft:
ja (der Klima-Check liegt der DS als Anlage bei):
Zusammenfassende Einschätzung und Hinweise zur weiteren Planung:
nein
Begründung: Wurde bereits im Vorfeld des Ideenwettbewerbs durchgeführt.
Check nicht erforderlich lt. Ausschlusskatalog bzw. FN!-Check
Beschlussantrag:
1. Die Entwicklung der in Anlage 2 für Wohnnutzung vorgesehenen Baufelder wird in Kooperation mit
der TU München auf Basis des Forschungsvorhabens “ Einfach Stadt bauen - Klimarobuste
Siedlungsstrukturen” fortgeführt. Der in der Begründung beschriebenen Vorgehensweise der
Verwaltung wird zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, dem Gremium die Ergebnisse der Arbeitsbereiche des
Forschungsvorhabens begleitend vorzustellen und für die Vergabe der in Anlage 2 abgegrenzten
Baufelder ein auf die Aufgabe zugeschnittenes Vergabeverfahren zu entwickeln.
Begründung:
Ausgangssituation
Die Entwicklung von Fallenbrunnen Nordost als komplexes Projekt mit einer Vielzahl an sich stetig
verändernden und weiterentwickelnden Rahmenbedingungen und erforderlichen Fachplanungen ist
planerisch bereits relativ weit fortgeschritten, jedoch ohne vertiefte Berücksichtigung des Belanges
der Klimaanpassung von baulichen Strukturen auf der städtebaulichen Ebene.
Fallenbrunnen Nordost soll gemäß dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) als
energetisch vorbildliches und möglichst CO₂-neutrales „Klimaquartier“ entwickelt werden. Neben dem
2026/V00169 Seite3von8
Klimaschutz sind die Folgen des Klimawandels, insbesondere zunehmende sommerliche
Hitzeperioden und Starkregenereignisse, in der Planung zu berücksichtigen. Diese Ziele wurden im
städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerb von Juli 2021 aufgegriffen.
Klimaschutz und Klimaanpassung werden dabei getrennt betrachtet. Im Bereich Klimaschutz stehen
eine möglichst klimaneutrale Energieversorgung mit Wärme, Kälte und Strom sowie ein CO₂-armer
Bauprozess im Vordergrund. Auf Grundlage des überarbeiteten Siegerentwurfs wurde zur
Energieversorgung eine Potenzialstudie erstellt, die Energieversorgung wird weiter geprüft.
Die Klimaanpassung umfasst die Hitzevorsorge und ein nachhaltiges Regenwassermanagement.
Beide Themen werden im Grünordnungsplan und im Konzept zur wassersensiblen Quartiersplanung
behandelt. Die Auswirkungen von Starkregen auf den Bestand wurden bereits ermittelt. Für die
weitere Analyse sind der Abschluss des städtebaulichen Entwurfs sowie Berechnungen zum
anfallenden Regenwasser und dessen Ableitung im Rahmen der Erschließungsplanung erforderlich.
Die Hitzevorsorge soll vorrangig durch eine naturnahe Gestaltung gewährleistet werden.
Ansatz und Konzeptionierung Forschungsvorhaben
Ergänzend zu den bereits geplanten Maßnahmen im Bereich der Klimaanpassung soll angesichts
zunehmender Hitzeperioden eine Betrachtung der städtebaulichen Strukturen hinsichtlich ihrer
Klimarobustheit vorgenommen werden. Aufgrund zunehmender Hitzeperioden und der angestrebten
Klimaziele im Gebäudesektor müssen robuste Gebäude und Siedlungsstrukturen entwickelt werden,
die sowohl im Winter als auch im Sommer aus sich heraus funktionieren. Neubauten müssen deshalb
robusten Nutzerkomfort bei minimalen Betriebsemissionen in der Gebäudestruktur selbst verankern,
damit sichere Lebensräume entstehen, die wieder Generationen überdauern können.
Die Betrachtung der Klimarobustheit ist bei der vorliegenden städtebaulichen Planung, die in
überarbeiteter Form das Wettbewerbsergebnis von 2021 darstellt, bisher nicht vertieft erfolgt und
sollte im Sinne des Paradigmenwechsels hinsichtlich der integrierten Klimaanpassung im Städtebau
erfolgen. Erstmals soll daher aus eigener Verantwortung der Stadt heraus die Klimaanpassung
baulicher Strukturen bereits auf Quartiersebene erfolgen. Dies soll bewusst im Zukunftsquartier
Fallenbrunnen erfolgen, da das Projekt relativ weit fortgeschritten ist und mit einer früheren baulichen
Realisierung als bei anderen städtischen Planungen, wie z.B. dem „Langen Feld“ gerechnet werden
kann. Wie robuste Siedlungsstrukturen realisiert werden können, soll in Fallenbrunnen Nordost
untersucht und demonstriert werden, gemeinsam mit grundsätzlich bestandhaltenden Bauherren und
ausgewählten Architekturbüros.
Das Gebiet Fallenbrunnen lag bereits 2016 gemäß der damals durchgeführten Thermalkartierung in
einem Bereich, welcher bereits eine leicht höhere Temperatur als die mittlere Temperatur an einem
üblichen Sommerabend aufwies. Dies zeigt auch die 2020, im Rahmen der Erstellung des
Klimaanpassungskonzeptes, durchgeführte Klimaanalyse. Der Bereich Fallenbrunnen zeigte bereits
eine thermische Belastung und eine geringe Durchlüftung. Durch die zusätzliche Bebauung und
damit einhergehende Versiegelung wird sich der Effekt grundsätzlich verstärken. Um diesem Effekt
entgegenzuwirken, ist es daher sinnvoll, dass die Gestaltung des Quartiers die
Temperaturentwicklung im Tagesverlauf berücksichtigt.
Beispielhafte Maßnahmen auf der städtebaulichen Ebene können daher sein:
- Ausrichtung der Gebäude
- Verschattete Innen- und Außenräume durch die Gebäude selbst oder Nachbargebäude
- thermische Zonierung (Staffelung unterschiedlich temperierter Bereiche während allen
Jahreszeiten: vom verschatteten, entsiegelten Freiraum über Übergangsräume wie Höfe,
Arkaden und Loggien bis zu einem speicherfähigen, nachts durchlüfteten Gebäudekern)
Herr Prof. Thomas Auer leitet den Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an
der TU München. Als international anerkannter Experte für Gebäudetechnologie, Energieeffizienz
und klimagerechtes Bauen hat er das im Anhang befindliche Forschungsexposé konzipiert und wird
2026/V00169 Seite4von8
es im Rahmen der Sitzung erläutern.
Dem Vorhaben liegt die Hypothese zugrunde, dass sommerlicher Wärmeschutz nur dann wirksam
ist, wenn er auch städtebaulich-strukturell auf Quartiersebene beginnt und konsequent auf den
architektonischen Entwurf übertragen wird. Statt Überhitzung raumweise nachzuweisen und
nachträglich zu optimieren, untersucht das Projekt, wie Ausrichtung, thermische Zonierung und
Bauweise anhaltende Hitzeperioden passiv abpuffern. Heizwärmebedarf und Tageslicht spielen
hierbei aber keine untergeordnete Rolle. Ziel ist es, gegenläufige Anforderungen im Entwurf zu
integrieren. Robustheit bedeutet, dass der Komfort auch dann gegeben sein muss, wenn ein
Mechanismus ausfällt, etwa die Nachtlüftung wegen Lärm oder der Sonnenschutz wegen
Fehlbedienung. Das Ziel ist nicht, bestandene Nachweise zu erfüllen, sondern innerhalb der
Spielräume des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplans das Quartier architektonisch so zu
gestalten, dass auch während zukünftigen Hitzewellen eine sichere Wohn- und Arbeitsumgebung bei
minimalen Betriebsemissionen garantiert ist.
Das Vorhaben überträgt den Ansatz der u.a. von Prof. Auer durchgeführten Forschungsreihe „Einfach
Bauen", bei der ganzheitliche Strategien für energieeffizientes, einfaches Bauen durch die
Untersuchung der Wechselwirkung von Raum, Technik, Material und Konstruktion untersucht
wurden, vom Einzelgebäude auf die Quartiersebene und stellt die Hitzeresilienz ins Zentrum. In
Anlehnung an die bereits abgeschlossene Forschung zum Thema „Einfach Bauen" wird auch hier
Grundlagenforschung mit realer Umsetzung und entwerferischer Beratung über einen mehrstufigen
Forschungsprozess verbunden. Inhaltlich folgt das Vorgehen einer maßstabsübergreifenden Logik
vom Quartier bis zum Raum und gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Arbeitsbereiche:
1. Quartiersebene – Baukörper und Freiraum: Stellung, Höhen und Abstände der Baukörper
untereinander sowie den Baukörper selbst evaluieren und optimieren; minimale Versiegelung,
Außenraumgestaltung und Verschattung im Sinne der Schwammstadt; passive Leitstrategien als
Grundlage für die Entwürfe
2. Gebäudeebene – Morphologie und Konstruktion: Entwurfsphase (LPH 1-2 im Hochbau)
begleiten Leitstrategien in robuste Gebäudetypologien übersetzen; der Fokus liegt auf thermischer
Zonierung, Selbstverschattung, Bauweise, Quer- und Nachtlüftung etc.
3. Raumebene – Architektonische Ausgestaltung: Prinzipien in die Detailebene überführen;
Raumproportion, Fensterflächenanteil und Öffnungskonzept werden so ausgelegt, dass
Verschattung, Tageslicht und Nachtlüftung im Betrieb tatsächlich zusammen funktionieren
4. Verknüpfung – Monitoring und Fortschreibung: Koppelt Quartiers- und Gebäudeevaluation zu
einer durchgängigen Bewertungskette; übertragbaren Leitfaden erarbeiten; ggf. Ergebnisse in einem
Monitoring validieren
In einer ersten Grundlagenphase (Arbeitsbereich 1) werden die klimatischen Randbedingungen
analysiert. Es folgt eine Status-quo-Analyse, in welcher der bestehende Planstand mittels
Mikroklimaanalyse und Gebäudesimulation geprüft wird. Mittels einer Parameterstudie werden
unterschiedliche städtebauliche Konfigurationen – bei gleicher baulicher Dichte – auf ihre
Klimaresilienz, Belichtung und Besonnung bewertet.
In die oben genannten Arbeitsbereiche wird eine städtebaulich-typologische Machbarkeitsstudie
integriert, unterstützt durch den Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren der TU München (Prof.
Nagler). Die Klimastrategie für das neue Quartier soll von Anfang an auch auf Grundlage
städtebaulicher, typologischer und konstruktiver Fragestellungen entwickelt werden. Der Lehrstuhl für
Entwerfen und Konstruieren bringt diese Aspekte in Form von abstrahierten Testentwürfen und
vergleichenden Testserien in das Forschungsprojekt ein. Die Testentwürfe werden mit den bisher
beteiligten Büros im Hinblick auf die Anforderungen aus dem B-Planverfahren abgestimmt. Die
Testserien werden so aufgebaut, dass sie unmittelbar in die Mikroklimaanalysen und
Gebäudesimulationen eingehen können. Umgekehrt fließen die Simulationsergebnisse in weitere
Entwurfsiterationen zurück. So entsteht ein wechselseitiger Prozess, in dem bauphysikalische
Wirksamkeit und architektonische Qualität gemeinsam bewertet werden. Die Ergebnisse dienen den
2026/V00169 Seite5von8
begleitend in den Prozess zu integrierenden Bauträgern mit den beteiligten Architekturbüros als
Referenz und Diskussionsgrundlage.
Das angestrebte Ergebnis ist übertragbares Planungswissen. Es soll Kommunen, Bauträger und
Planende befähigen, klima-robuste Quartiere gezielt und ohne aufwendige Technik umzusetzen. Da
sich das Projekt an realen Gebäuden orientiert, bedeutet es für Bauherren und Stadt nicht nur
wissenschaftliche Begleitung, sondern konkrete Verbesserungen im eigenen Quartier. Davon
profitieren unmittelbar die künftigen Nutzerinnen und Nutzer. Die Erkenntnisse lassen sich
anschließend auf weitere Neubauquartiere übertragen und perspektivisch in Bauleitplanung und
Regelwerke einbringen. Denn um die angestrebten Klimaziele zu erreichen und eine langfristig
sichere und robuste Lebensumgebung für kommende Generationen zu schaffen, wird eine Baupraxis
benötigt, die redundanten Komfort in der Gebäudestruktur verankert statt in Technik, damit Gebäude
nutzbar bleiben, auch wenn sich das Klima ändert. Weitere Details sind dem Forschungsexposé in
Anlage 1 zu entnehmen.
Das Forschungsvorhaben soll durch ein Kuratorium begleitet werden, welches unter anderem mit ca.
3-4 potentiellen Bauherren (Bauträgern) und einer Schnittstelle zur Kompetenz der Bauindustrie
besetzt werden soll, um die Wirtschaftlichkeit und technische Realisierbarkeit der entwickelten
Lösungen bereits in den Arbeitsbereichen mitbetrachten zu können.
Weiterhin wurde das Vorhaben in den Strategiedialog „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen"
Baden-Württemberg eingebracht. Es soll dort als Modellvorhaben akkreditiert werden. Die Leiterin
der Geschäftsstelle, Frau Prof. Dr.-Ing. Anke Karmann-Woessner, wird entsprechend im Rahmen des
geplanten Kuratoriums, das den Forschungsprozess begleiten soll, eingebunden, um das Projekt zu
unterstützen.
Integration in das Gesamtverfahren Entwicklung „Fallenbrunnen Nordost“
Zu Arbeitsbereich 1. Quartiersebene: Für die klimatische Optimierung auf Quartiersebene stehen die
Punkte Evaluierung und Optimierung der Stellung, Höhen und Abstände der Baukörper zur
Diskussion, wobei die Optimierung innerhalb der bereits definierten Baufelder erfolgt. Ohne das
Ergebnis zu kennen ist festzuhalten, dass sich hierbei maßgebliche Bestandteile der bisherigen
Planung verändern könnten. Auswirkungen können sich hier insbesondere ergeben auf:
- Bei höherer oder niedriger baulicher Dichte auf die Anzahl der Wohneinheiten und den
Versiegelungsgrad
- Auswirkungen auf diverse erforderliche Fachplanungen und -gutachten: Infrastruktur,
Mobilitätsaspekte, Verkehrsaufkommen, Entwässerung, Artenschutz
- Angebot an privaten Freiflächen
- Zukünftige Grundstückswerte, die maßgeblich durch die bauliche Ausnutzbarkeit definiert
werden
Aufgrund potentieller maßgeblicher Veränderungen am bisherigen städtebaulichen Konzept durch die
klimatische Optimierung soll das Ergebnis des Arbeitsbereiches 1 dem Gremium vorgestellt werden.
Ein städtebaulicher Gesamtplan ist erforderlich als Grundlage für den zu erstellenden
Bebauungsplan, sowie die Freianlagen- und Erschließungsplanung und sollte daher sobald als
möglich fixiert werden. Aktuell kann mit den Ergebnissen des Arbeitsbereiches 1 im Laufe des Jahres
2027 gerechnet werden.
Zu Arbeitsbereich 2 Gebäudeebene – Morphologie und Konstruktion, sowie den Schritten 3 und 4:
Arbeitsbereich 2 fußt darauf, dass die Anforderungen potenzieller Bauherren
(Wohnungsunternehmen) einfließen. Eine Mitwirkung potentieller Bauherren wird daher realistisch
nur erfolgen, wenn begleitend zu den Arbeitsbereichen ein Vergabeverfahren für Baugrundstücke
bzw. Erbbaugrundstücke eingeleitet wird.
2026/V00169 Seite6von8
Die Durchführung eines Vergabeverfahrens parallel zum Bebauungsplanverfahren ist prinzipiell
möglich, sofern die Vergabe die Inhalte des Bebauungsplanes nicht vorentscheidet, sprich die
öffentlichen und privaten Belange gem. BauGB nach wie vor gerecht abgewogen werden. Für das
Vergabeverfahren sind insbesondere noch die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären, aber auch
möglichst belastbare Parameter für die Bebauung zu definieren.
Daher ist es aus Sicht der Verwaltung wichtig, Rahmenbedingungen für die Vergabe zu definieren,
auch damit die bisherige städtebauliche Zielsetzung Berücksichtigung findet. Die
Rahmenbedingungen sind im Weiteren noch abzustimmen und könnten u.a. folgende Punkte
umfassen:
- Grundsätzliche Beibehaltung der Anzahl der Wohneinheiten, eine gewisse Neujustierung im
Rahmen der Überarbeitung soll jedoch möglich sein. Hinweis: Die Größenordnung von 400-
450 Wohneinheiten war mitentscheidend für die Aufnahme in das Programm „Wachstum und
nachhaltige Erneuerung“ für Sanierungsgebiete, sowie den Zuwendungsbetrag von 2,7 Mio.
€.
- Zielrichtung hinsichtlich Dichte und Höhe (kein exakter Wert)
- Aufrechterhaltung des Erschließungsprinzips: Wohnbauquartiere als MIV-freier Bereich
- Mindestmaß an Grünflächen auch auf dem Baufeld selbst, klimaangepasste Gestaltung
dieser, in Wechselwirkung mit den Freibereichen in den Waldabstandsflächen
- Einbindung der Baufelder in das städtebauliche Gesamtgefüge: Die Baufelder sind in die
übergeordnete städtebauliche Gesamtidee sowie in das Freiraum- und Erschließungssystem
eingebunden und stehen mit diesen in einem räumlichen Zusammenhang
- Integration der Prinzipien der Klimaanpassung und auch des Klimaschutzes in die Planung
(Klimaquartier Fallenbrunnen): Starkregenrisikomanagement und Hitzevorsorge – insbes. im
öffentlichen Raum, Energieversorgung (Wärme, Kälte, Strom)
- Ökolog. Kriterien (z.B.: Baumateralien)
- Quote für geförderten Wohnraum (Beschlusslage: Entweder 80 % gefördert, oder 50%
gefördert + 30% gem. Häfler WoPro)
- Ggf. Angaben zum Energiestandard
- Ggf. Voraussichtlicher Kaufpreis, Kaufpreisverbilligung bei Übererfüllung der Quote
- Aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb entwickelte Ansätze zu zukunftsorientierten
Wohnmodellen
- Vergabe ggf. nur im Erbbaurecht, bei Veräußerung entsteht Ausgleichsbeitragspflicht gem. §
154 BauGB für Bodenwertsteigerung im Sanierungsgebiet, dafür fallen keine
Erschließungsbeiträge an
Ausblick
Durch die skizzierte Vorgehensweise soll der städtebauliche Entwurf „Fallenbrunnen Nordost“ als
Basis für den Bebauungsplanentwurf und die Erschließungsplanung (verkehrliche Erschließung, Ver-
und Entsorgung, insbesondere Entwässerung) einer erneuten Überarbeitung und Konkretisierung zur
Schaffung klimarobuster Siedlungsstrukturen unterzogen, aber auch klimarobuste Strukturen für die
Objektplanung entwickelt werden.
Die integrierte Betrachtung der Klimaanpassung auf städtebaulicher Ebene sowie auf der
nachfolgenden Objekt- bzw. Hochbauebene bietet die Möglichkeit, entsprechende Planungsansätze
frühzeitig und aufeinander abgestimmt in den Planungsprozess einzubinden. Die damit verbundenen
zusätzlichen Planungsschritte sowie die erforderliche Abstimmung mit relevanten Fachgutachten,
insbesondere zum Artenschutz und zum Mobilitätskonzept, sind bei der zeitlichen Planung zu
berücksichtigen und können zu einer Anpassung des Planungszeitraums führen. Durch eine
geeignete Strukturierung und zeitliche Verzahnung der Arbeitsbereiche lässt sich der
Planungsprozess jedoch vorausschauend gestalten. So kann auf Grundlage der Arbeitsbereiche
begleitend ein Bebauungsplanentwurf mit ausreichend flexiblen Festsetzungen erarbeitet werden, der
bereits als Grundlage für die Träger- und Öffentlichkeitsbeteiligung dient. Sollten sich aus den
Ergebnissen der Arbeitsbereiche städtebaulich begründete Anpassungserfordernisse ergeben,
können diese im weiteren Verfahren aufgegriffen und bei Bedarf durch eine erneute Auslegung
2026/V00169 Seite7von8
berücksichtigt werden.
Die Verwaltung schlägt vor, dass das Gremium im Jahr 2027 nach Durchführung des
Arbeitsbereiches 1 über die Ergebnisse informiert und ein konkreter Vorschlag zur Ausgestaltung des
Vergabeverfahrens mit Integration der Arbeitsbereiche 2 und 3 vorgelegt wird.
Das Mobilitätskonzept für den gesamten Fallenbrunnen ist momentan in der finalen Phase der
Bearbeitung. Es ist vorgesehen, das Mobilitätskonzept und die sich daraus ergebenden planerischen
Ansätze und Maßnahmen dem Gremium vorzustellen.
Finanzielle Auswirkungen
Durch das Forschungsvorhaben kann für zukünftige Gebietsentwicklungen und Neubauvorhaben wie
oben beschrieben ein wertvoller planerischer Mehrwert generiert werden. Die Stadtverwaltung
möchte aus den dargelegten fachlichen Gründen in die planerische Vorleistung gehen und kann
erlangtes Wissen und erprobte Prozesse der dringenden Aufgabe der Klimaanpassung und
Schaffung klimarobuster Siedlungsstrukturen auf zukünftige Entwicklungen übertragen. Die Kosten
für das Forschungsvorhaben (Arbeitsbereiche 1-3) betragen voraussichtlich rund 120.000 EUR,
wobei voraussichtlich 90.000 EUR in 2027 und 30.000 EUR in 2028 anfallen werden. Die
erforderlichen Mittel stehen im Jahr 2026 zur Verfügung und werden nach 2027 und 2028 übertragen.
Eine Prüfung der Förderung über Mittel der Städtebauförderung bzw. alternativ das Förderprogramm
Klimopass bzw. das mögliche Förderprogramm „Zukunft Bauen 2027“ wurde initiiert, der aktuelle
Stand hierzu wird in der Sitzung mitgeteilt.
Durch die Forschungsleistung und klimatische Optimierung der Gebäudestrukturen entfallen bei der
Hochbauplanung der einzelnen Gebäude voraussichtlich teilweise ansonsten anfallende Kosten für
die bauphysikalische Fachplanung, welche bei der Vergabe möglicher Erbbaurechte bzw. ggf.
Baugrundstücke an Bauherren gegengerechnet werden können. Hier kann mit späteren
Kompensationen von ca. 45.000 EUR gerechnet werden.
2026/V00169 Seite8von8
Text aus PDF extrahiert