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Arbeitsbericht Jugendzentrum Karo

Beschlussvorlage
TypBeschlussvorlage
GemeindeWesel
Datum2026-11-05
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FB 5/422/26 Vorlage Nr.: Der Bürgermeister Arbeitsbericht Jugendzentrum Karo Beratungsfolge: Jugendhilfeausschuss 05.11.2026 (zur Kenntnis, öffentlich) Berichterstattung: Dez. II Herr Dr. Markus Postulka Sachdarstellung/Begründung zur Kenntnis: Seit 1998 ist das städtische Jugendzentrum Karo am Herzogenring eine zentrale An­ laufstelle für Kinder und Jugendliche in der Weseler Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen. Gemeinsam mit seiner Außenstelle, dem Jugendcafé (JuCa) Schepers­ feld, bietet es jungen Menschen wohnortnahe Räume für Begegnung, Bildung, Betei­ ligung und Unterstützung. Für viele junge Menschen ist das Karo ein fester Bezugspunkt in Wesel: ein Ort, an dem sie willkommen sind, ihre Fähigkeiten entdecken und Menschen finden, die ihnen zuhören und sie begleiten. Diese über Jahre gewachsene Verlässlichkeit macht das Haus zu einem unverzichtbaren Baustein der sozialen Infrastruktur in der Innenstadt und der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Wesel. Mit dem JuCa Schepersfeld reicht dieser Auftrag unmittelbar in einen weiteren Stadtteil hinein. Zugleich laufen im Karo viele Fäden der Weseler Jugend-, Bildungs- und Kulturarbeit zusammen. Hier werden aus Kontakten gemeinsame Projekte, aus den Anliegen jun­ ger Menschen Impulse für den Sozialraum und aus verfügbaren Räumen Möglichkei­ ten zur Begegnung. Das Haus bringt junge Menschen, Schulen, Jugendhilfe und Kul­ turschaffende zusammen und trägt damit weit über die eigentlichen Öffnungszeiten hinaus zum Zusammenhalt der Stadt bei. Das pädagogische Team besteht aus vier Vollzeitstellen aufgeteilt auf fünf Stellen, von denen eine halbe Stelle für die aufsuchende Jugendarbeit genutzt wird. Ergänzt wird das Team durch nebenamtlich Mitarbeitende, Bundesfreiwilligendienstler*innen, Jah­ respraktikant*innen in Ausbildung und duale Studierende. Seit dem 1. März 2026 leitet Hendrik Müseler die Gesamteinrichtung. 1. Fachliche Konzeption und Arbeitsprinzipien Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) ist ein eigenständiges Handlungsfeld der Kin­ der- und Jugendhilfe und außerschulischer Bildungsort. Nach § 11 SGB VIII fördert sie Selbstbestimmung, Mitgestaltung und gesellschaftliche Mitverantwortung. § 12 KJFöG NRW konkretisiert den offenen Zugang sowie zielgruppenspezifische Förderung und Prävention. Das fachliche Konzept im Jugendzentrum Karo und im JuCa Schepersfeld orientiert sich dabei eng an den Arbeitsprinzipien der OKJA : Seite 1 von 4 • Offenheit, Niedrigschwelligkeit und Freiwilligkeit • Beteiligung/Partizipation und Demokratiebildung • Lebenswelt- und Sozialraumorientierung • Inklusion und Chancengerechtigkeit und entsprecht zugleich den Schwerpunkten des Weseler Kinder- und Jugendförder­ plans. 2. Offene Tür Die Offene Tür (OT) ist die Kernaufgabe des Karo. Regulär öffnet das Haus dienstags von 15.00 bis 17.30 Uhr und mittwochs bis sonntags von 15.00 bis 20.30 Uhr: insge­ samt 30 Wochenstunden an sechs Tagen. Zusätzliche Öffnungen für Schulklassenbe­ suche oder andere Kooperationen und Projekte kommen hinzu. Täglich besuchen etwa 30 bis 100 junge Menschen das Karo. Nachmittags richtet sich das Angebot an Sieben- bis Zwölfjährige, abends an Jugendliche ab 13 Jahren; dienstags ist der Treff altersübergreifend. Für Ferien und besondere Veranstaltungen gelten gesonderte Zei­ ten. Beim Billard, Kochen, Sport, Musikmachen oder kreativen Gestalten bestimmen die Besucherinnen und Besucher ihre Freizeit mit. Spiel-, Sport-, Kreativ- und Musi­ kräume, Werkstatt und Rückzugsbereiche bieten dafür Platz. Aus ihren Interessen ent­ stehen Aktionen und Projekte. Aufgaben verteilen, Regeln aushandeln und Konflikte lösen gehören zum Alltag junger Menschen. Dabei erfahren sie Selbstwirksamkeit, Anerkennung und Zugehörigkeit und entwickeln soziale Fähigkeiten. Über die niederschwelligen Angebote der Offenen Tür bauen die Fachkräfte durch die regelmäßige Begegnungen Vertrauensbeziehungen auf. Darüber erfolgt bei Bedarf Einzelfallhilfe bei schulischen, familiären oder persönlichen Fragen und die Vermittlung bei weitergehendem Hilfebedarf an Fachdienste. Ferienangebote mit Workshops, Ausflügen, Sport, Kreativität und Erlebnispädagogik, auch im Rahmen des Kulturrucksacks, erweitern diese Lern- und Erfahrungsräume. Sie ermöglichen gemeinsame Erlebnisse auch bei begrenzten finanziellen Möglichkei­ ten der Familien. 3. Kooperationen und Netzwerkarbeit Das Karo verbindet die unmittelbare Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit einem breiten Netzwerk aus Schulen, Jugendhilfe, Beratungsstellen, Kultur und Stadtteilar­ beit. Diese Zusammenarbeit erschließt Fachwissen, Räume und zusätzliche Ange­ bote. Zugleich können Anliegen junger Menschen aus dem Einrichtungsalltag in die gemeinsame Arbeit im Sozialraum eingebracht werden. Ein Schwerpunkt sind die Kooperationen mit der Ida-Noddack-Gesamtschule und der Gemeinschaftsgrundschule Innenstadt. Im kulturpädagogischen Projekt „INGE trifft Karo“ lernt ein gesamter achter Jahrgang die Einrichtung in einer Projektwoche ken­ nen. 2026 nahmen 123 Jugendliche an elf Workshops teil. Wahlworkshops beispiels­ weise zu Tanz, Theater, Sport, Werken, Töpfern oder Musik ermöglichen neue Zu­ gänge zu eigenen Fähigkeiten und fördern soziales Lernen. Der präventive Ansatz setzt auf Kooperation, Anerkennung und konstruktive Konfliktbearbeitung. Die Friedenswoche „Stay together!“ mit der GGS Innenstadt verbindet kulturelle Bil­ dung mit den Themen Frieden, Respekt und Gemeinschaft. 2026 erarbeiteten rund 100 Kinder einer Jahrgangsstufe in zehn Workshops gemeinsame Ergebnisse. Bei der Abschlusspräsentation im städtischen Bühnenhaus erlebten etwa 400 bis 500 Gäste die Ergebnisse der Projektwoche. Die Kinder erhielten eine öffentliche Bühne für ihre Stärken und erfuhren Anerkennung für das gemeinsam Erarbeitete. Vorlage zur Kenntnis FB 5/422/26 Seite 2 von 4 Mit HAPS besteht darüber hinaus ein achtwöchiges kriminalpräventives Projekt für 14- bis 21-Jährige mit ersten Gesetzeskonflikten oder erhöhtem Risiko weiterer Straftaten. Karo und Streetwork arbeiten dabei unter anderem mit der Jugendhilfe im Strafverfah­ ren, der Polizei Wesel, der JVA Geldern und dem Familienorientierten Suchthilfezen­ trum zusammen. Die Jugendlichen sollen über Einblicke in das Strafverfahren und pädagogisch begleitete Reflexion in ihrer Verantwortungsübernahme gefördert werden und persönliche Handlungsalternativen entwickeln. Weitere Verbindungen bestehen unter anderem zu Beratungs- und Projektangeboten verschiedener Träger und selbstständigen Kulturschaffenden. Auch der Wasserturm, in dem bereits eine Kunstausstellung von Werken, die im Karo von Kindern und Ju­ gendlichen geschaffen wurden, stattfand, und das Bühnenhaus Wesel gehören zu den Kooperationspartnern. Diese Zusammenarbeit eröffnet jungen Menschen Zugänge zu städtischen Kulturorten und macht ihre kreativen Leistungen öffentlich sichtbar. In der AG Sozialraum Innenstadt, der Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII (AG 78), dem Weseler Präventionsnetzwerk (PrävNet) und in städtischen Netzwerkrunden zur Kul­ turarbeit werden Bedarfe besprochen, Angebote abgestimmt und Kooperationen ent­ wickelt. Auch außerhalb der eigenen Räume beteiligt sich das Karo am Stadtleben, z.B. bei EselRock, dem CSD Wesel, dem Adventsmarkt und dem School’s Out Day. Als mit­ wirkende Einrichtung knüpft es dort Kontakte über die eigene Stammbesucherschaft hinaus und eröffnet jungen Menschen Zugänge zu gemeinschaftlichen und kulturellen Aktivitäten. So kommen im Karo Perspektiven aus Jugendhilfe, Schule, Kultur und Stadtgesellschaft zusammen. 4. Jugendkultur & Konzerte Jugendkulturarbeit gibt jungen Menschen Raum für eigene Ausdrucksformen, Identi­ tätsentwicklung und kulturelle Teilhabe. Das Karo veranstaltet mehrere Konzerte im Jahr für Jugendliche und junge Erwachsene mit unterschiedlichen musikalischen Aus­ richtungen. Dazu gehören „Hinterland Mucke“ und die Beteiligung an der Nacht der Jugendkultur. Die Zusammenarbeit mit der lokalen Musikszene eröffnet jungen Bands Auftrittsmöglichkeiten und macht jugendkulturelle Vielfalt in Wesel sichtbar. Darüber hinaus können Bands im Haus kostenlos proben. Der Zugang zu Räumen und Instrumenten ermöglicht gemeinsames Musikmachen auch ohne eigene Probe­ räume oder umfangreiche private Ausstattung. Im Rahmen größerer Projekte arbeitet das Karo mit Künstlerinnen, Künstlern und weiteren Kulturschaffenden zusammen, beispielsweise in Töpfern, Beatbox, Graffiti, Tanz und Theater. Vom ersten Ausprobie­ ren bis zur gemeinsamen Präsentation entstehen Möglichkeiten, kreative Fähigkeiten zu entwickeln, sich auszudrücken und Anerkennung zu erfahren. 5. Geschlechterspezifische und geschlechtersensible Arbeit Kinder und Jugendliche sollen im Karo eigene Interessen und Lebensentwürfe entwi­ ckeln können, ohne durch geschlechtsbezogene Erwartungen eingeschränkt zu wer­ den. In allen Angeboten werden unterschiedliche Erfahrungen und Benachteiligungen berücksichtigt und es erfolgt eine geschlechtersensible Begleitung der Besucher*in­ nen. Themen in speziellen Projekten sind unter anderem Rollenbilder, Freundschaften und Beziehungen, Körperbilder, Selbstbehauptung und persönliche Grenzen. Besondere Angebote der Jugendarbeit sind Projekte zum Boysday und Girlsday. Regelmäßige Mädchen- und Jungenübernachtungen sowie der Mädchenraum als ge­ schützter Rückzugsort ermöglichen vertiefende Gespräche und gemeinsame Erfah­ rungen. Sport, Kreativität, Ausflüge und erlebnispädagogische Aktivitäten richten sich Vorlage zur Kenntnis FB 5/422/26 Seite 3 von 4 nach den Interessen der jeweiligen Gruppe. Entscheidend sind Selbstbestimmung, ein respektvolles Miteinander und die Anerkennung unterschiedlicher geschlechtlicher Identitäten. 6. Jugendcafé Schepersfeld Das JuCa Schepersfeld ergänzt das Karo durch eine wohnortnahe Anlaufstelle im Stadtteil und wird von Markus Krieft betreut. Es erreicht insbesondere Kinder und Ju­ gendliche aus der unmittelbaren Umgebung und bietet damit auch denen einen Zu­ gang zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit, für die der Weg in die Innenstadt eine Hürde darstellt. Die Außenstelle direkt im Sozialraum ermöglicht persönliche Kontakte, kontinuierliche Beziehungsarbeit und eine enge Orientierung an den Interessen der Besucherinnen und Besucher. Gemeinsames Kochen, Gesellschaftsspiele, Kreativangebote und Gespräche verbin­ den Freizeitgestaltung mit sozialem Lernen. Besondere Schwerpunkte bilden Demo­ kratiebildung und Medienpädagogik. Gesellschaftliche Fragen, Ausgrenzung und das Zusammenleben werden aufgegriffen; zugleich wird ein bewusster und verantwortli­ cher Umgang mit digitalen Medien und der eigenen Darstellung in sozialen Netzwer­ ken gefördert. Die Zusammenarbeit mit dem Karo verbindet die Stadtteilnähe des JuCa mit den wei­ terführenden Projekt-, Kultur- und Ferienangeboten der Gesamteinrichtung. Die Einrichtungsleitung Hendrik Müseler wird die Arbeit beider Standorte in der Sitzung vorstellen und für Rückfragen zur Verfügung stehen. Finanzielle Auswirkungen: Vorlage zur Kenntnis FB 5/422/26 Seite 4 von 4

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