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Parkraum-Moratorium jetzt: Stellplatzabbau aussetzen und tragfähige Parkraumkonzepte entwickeln
Beschlussvorlage
| Typ | Beschlussvorlage |
| Gemeinde | Bremen |
| Datum | 2026-11-10 |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Landtag der Freien Hansestadt Bremen
Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen
Stadtbürgerschaft Drucksache 21/846 S
21. Wahlperiode
24. Juni 2026
Antrag der Fraktion der CDU
Parkraum-Moratorium jetzt: Stellplatzabbau aussetzen und tragfähige
Parkraumkonzepte entwickeln
Die Diskussion um das Gehwegparken und den Umgang mit öffentlichem Parkraum
beschäftigt viele Stadtteile Bremens seit Jahren. Dabei stehen die berechtigten
Anforderungen an Barrierefreiheit und Rettungssicherheit einerseits sowie die
Mobilitätsbedürfnisse von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Besuchern andererseits
nicht im Widerspruch. Vielmehr müssen und können reale Barrierefreiheit,
Rettungssicherheit und Mobilität als verbundener Dreiklang gemeinsam betrachtet und in
ausgewogene Lösungen überführt werden.
Der derzeitige Kurs des Senats Bovenschulte führt jedoch vielerorts zu erheblichen
Verunsicherungen. Statt zunächst tragfähige Gesamtkonzepte zu entwickeln, werden
vielfach einzelne Maßnahmen umgesetzt, deren Auswirkungen auf die betroffenen
Quartiere nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Besonders deutlich wird dies aktuell am Beispiel des Pilotclusters in der Neustadt. Nach
Angaben des Senats Bovenschulte wurden dort insgesamt 3.657 Stellplätze erfasst. Im
Zuge der geplanten Umgestaltungsmaßnahmen sollen jedoch rund 20 Prozent dieser
Parkmöglichkeiten entfallen, sodass künftig lediglich noch 2.891 Stellplätze zur Verfügung
stehen werden.
Gleichzeitig zeigen die vom Senat Bovenschulte selbst erhobenen Auslastungszahlen,
dass die vorhandenen Parkflächen bereits heute in den Abend- und Nachtstunden
weitgehend ausgelastet sind. Im Quartier Hohentor wurde eine Auslastung von 108
Prozent festgestellt, im Quartier Neustadt von 102 Prozent. Selbst im Bereich Alte
Neustadt liegt die Auslastung bei 80 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der
Parkdruck bereits heute erheblich ist. Ein weiterer, vom Senat Bovenschulte politisch
motivierter Abbau von Stellplätzen droht die Situation für Anwohnerinnen und Anwohner
deutlich zu verschärfen, Parkplatzsuchverkehre zusätzlich zu erhöhen und angrenzende
Quartiere zu belasten.
Hinzu kommt, dass die bauliche Umsetzung der Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026
beginnen soll ohne dass gleichzeitig Alternativen geschaffen werden. Dies erschwert nicht
nur die Akzeptanz der Maßnahmen erheblich, sondern verstärkt den Eindruck, dass die
Betroffenen nicht ausreichend in die Planungen einbezogen wurden. Am Ende werden die
Menschen nicht nur nicht mitgenommen, vielmehr werden vollendete Tatsachen
geschaffen ohne Alternativen und Lösungen für die Mobilität im Alltag der Menschen.
Auch die geplante Einführung des Bewohnerparkens wirft Fragen auf. Vielen
Anwohnerinnen und Anwohnern ist nicht bewusst, dass mit einem Bewohnerparkausweis
kein Anspruch auf einen Stellplatz verbunden ist. Der Ausweis gewährt lediglich die
Berechtigung, innerhalb des jeweiligen Gebietes zu parken, sofern dort überhaupt ein
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Landtag der Freien Hansestadt Bremen
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freier Parkplatz vorhanden ist. Bewohnerparken kann daher fehlende Stellplätze nicht
ersetzen und löst das Problem eines bereits bestehenden Parkplatzmangels nicht.
Es bedarf daher eines Moratoriums für den weiteren Abbau öffentlicher Stellplätze, bis ein
gesamtstädtisches Parkraumkonzept vorliegt. Ziel muss es sein, Parkplätze nicht nur zu
streichen, sondern alternative Park- und Mobilitätslösungen zu schaffen.
Beschlussempfehlung:
Die Stadtbürgerschaft möge beschließen:
Die Stadtbürgerschaft fordert den Senat auf,
1. ein sofortiges Parkraum-Moratorium nach Hamburger Vorbild für die Stadtgemeinde
Bremen umzusetzen. Bis zur Vorlage eines gesamtstädtischen Parkraumkonzeptes
sollen keine weiteren öffentlichen Parkplätze abgebaut oder dauerhaft umgewidmet
werden. Maßnahmen zum Abbau oder zur Umwidmung öffentlicher Stellplätze
bedürfen während des Parkraum-Moratoriums vor ihrer Umsetzung der
Zustimmung der Stadtbürgerschaft.
2. ein quartiersbezogenes Parkraumkonzept für die Stadt Bremen zu erarbeiten.
Dabei sind die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort, die Bedürfnisse von
Anwohnern und von Gewerbetreibenden zu berücksichtigen und mit den
Anforderungen von realer Barrierefreiheit und Rettungssicherheit im Konzept
zusammen zu bringen.
3. den Parkraum in Bremen systematisch zu erfassen und darauf aufbauend die
Auswirkungen bereits erfolgter, z.B. durch das Aufstellen von Fahrradbügeln, sowie
geplanter Parkraumreduzierungen systematisch zu erfassen und der Deputation für
Mobilität, Bau und Stadtentwicklung darüber zu berichten.
4. dort, wo die uneingeschränkte Rettungssicherheit und reale Barrierefreiheit
gewährleistet werden die Anordnung von Gehwegparken nach den Möglichkeiten
der Straßenverkehrs-Ordnung aktiv umzusetzen.
5. der Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung regelmäßig über die
Ergebnisse der Parkraumanalysen und entwickelter Konzepte sowie deren
Umsetzung zu berichten.
Michael Jonitz, Dr. Wiebke Winter und Fraktion der CDU
Anlage(n):
- keine
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