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Sicherung der ärztlichen Versorgung der Stadt Steinheim
Sonstiges
| Typ | Sonstiges |
| Gemeinde | Steinheim |
| Datum | 2026-11-10 |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
Dokument
Extrahierter Text
Stadt Steinheim Vorlage Nr.: 2026/092
Der Bürgermeister
Beschlussvorlage
Gremium Termin Beratungsstatus
Stadtrat 10.11.2026 beschließend
x Öffentlich Nichtöffentlich Berichterstatter: Herr Scholle
Haushaltsrelevanz: x ja nein Vorlagedatum: 29.10.2026
x Anlage
Betreff: Sicherung der ärztlichen Versorgung der Stadt Steinheim
Sachverhalt:
Die Sicherung der medizinischen Versorgung ist ein Kernbestandteil der kommunalen
Daseinsvorsorge. Der demografische Wandel führt in der Stadt Steinheim zu einer
doppelten Herausforderung: Während der Behandlungsbedarf einer alternden
Bevölkerung spürbar steigt, liegt bereits heute eine herausfordernde Situation bei der
hiesigen Ärzteschaft vor. Es droht in Zukunft ein akuter Ärztemangel. Arztpraxen sind in
der Vergangenheit geschlossen worden und zahlreiche Praxisübergaben stehen in der
Zukunft aus Altersgründen an.
Da der medizinische Nachwuchs veränderte Ansprüche an die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf stellt und das wirtschaftliche Risiko einer direkten Praxisgründung scheut,
reicht das klassische, isolierte Agieren der verantwortlichen Akteure nicht mehr aus. Ein
nachhaltiger Erfolg bei der Gewinnung und Bindung von jungen Ärztinnen und Ärzten kann
nur über ein koordiniertes, partnerschaftliches Vorgehen gelingen.
Aus diesem Grund war ein entsprechendes Tätigwerden angezeigt.
Zum einen hat die Stadt Steinheim Attraktivitätspakete entwickelt. Hierbei handelt es sich
auf der einen Seite um ein Attraktivitätspaket für Ärztinnen und Ärzte mit
abgeschlossenem Studium und Facharztausbildung. Hier unterstützt die Stadt in
diversen Handlungsfeldern, um sich als attraktiven Arbeits- und Lebensraum zu
platzieren. Ferner stellt sie einen festen Ansprechpartner zur Verfügung und kooperiert
mit entsprechend relevanten Partnern. Auf der anderen handelt es sich um ein weiteres
Attraktivitätspaket für zukünftige Ärztinnen und Ärzte in Studium und Ausbildung. Hier
geht es insbesondere um die aktive Begleitung auf dem Karriereweg, um Organisation und
Kooperation mit relevanten Akteuren und die Einbindung der lokalen Wirtschaft. Neben
den beiden Attraktivitätspaketen ist ein weiteres Paket entwickelt worden. Hier geht es
insbesondere um die Anwerbung und Ausbildung von Physican Assistents (PA) sowie
Primary Care Manager (PCM).
Details werden in der Sitzung vorgetragen.
Zum anderen streben die verantwortlichen Akteure an, eine Kooperationsvereinbarung,
die dieser Beschlussvorlage als Anlage im Entwurf beigefügt ist, abzuschließen. Sie soll
die Kompetenzen aller relevanten Partner (Stadt Steinheim, Ärzteschaft, KHWE und
Kassenärztliche Vereinigung) zu einem verbindlichen Netzwerk bündeln. Kernpunkte der
Vereinbarung sind folgende:
• Stadt Steinheim: Übernimmt das regionale Standortmarketing, bietet
administrative Unterstützung („Welcome Service“ für Familien, Wohnraum-
/Baugrundstückssuche) und stellt kommunale Förderprogramme bereit. Zudem
erfolgt eine direkte Anbindung an das Landarztprogramm der Medizinischen
Fakultät der Universität Bielefeld sowie eine enge Kooperation mit der
Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Höxter mbH (GfW).
• KHWE: Garantiert strukturierte Plätze für das Praktische Jahr (PJ) und
Famulaturen, bietet Rotationsstellen und stellt bei Kapazität infrastrukturelle
Räume zur Verfügung.
• Ärzteschaft der Stadt Steinheim: Verpflichtet sich zu frühzeitigen
Nachfolgeanzeigen (3–5 Jahre vor Ruhestand), übernimmt Patenschaften
(Mentoring) und meldet Praxen als akademische Lehrpraxen (u. a. Uni Bielefeld,
MHH Hannover, UMG Göttingen) an.
• Kassenärztliche Vereinigung (KV): Unterstützt im Rahmen des
Sicherstellungsauftrags (§ 75 SGB V), berät proaktiv zur Vermeidung
wirtschaftlicher Risiken (Regressprävention) und begleitet Zulassungs- und
Nachbesetzungsverfahren prioritär.
Neben diesen konkreten Aufgabenzuweisungen streben die Partner die Gründung und
Etablierung eines „Weiterbildungsverbundes Stadt Steinheim“ an. Dieser soll Ärztinnen
und Ärzten in Weiterbildung (ÄiW) einen lückenlosen, curricularen 5-Jahres-
Rotationsplan zwischen Klinik und ambulanter Praxis – ohne regionalen Wohnortwechsel
ermöglichen. Daneben sollen risikoarme Niederlassungsmodelle („Safe Landing“)
entwickelt werden.
Details werden in der Sitzung vorgetragen.
Insgesamt soll das vorgestellte Projekt einen Pilotcharakter haben, eine Blaupause für
andere Kommunen darstellen und auf Landesebene vorgestellt werden.
Beschlussvorschlag:
1. Der Rat der Stadt Steinheim befürwortet die im Entwurf vorliegende Strategie zur
langfristigen und lückenlosen Sicherung der qualitativ hochwertigen,
wohnortnahen medizinischen Versorgung im ländlichen Raum und in der Stadt
Steinheim. Diese Strategie ist konsequent weiterzuverfolgen.
2. Der Rat der Stadt Steinheim beschließt, für die Umsetzung von kommunalen
Attraktivitäts- und Förderpaketen zur Gewinnung von medizinischem Nachwuchs
entsprechende Haushaltsmittel im Rahmen des kommenden Haushaltsjahres
sowie der mittelfristigen Ergebnis- und Finanzplanung einzuplanen.
3. Der Bürgermeister wird beauftragt und ermächtigt, die als Anlage beigefügte
Kooperationsvereinbarung mit den Partnern final zu verhandeln und zu schließen.
Text aus PDF extrahiert