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Zukunft der Quartiersarbeit

Mitteilung
TypMitteilung
GemeindeStadt Bochum
Datum2026-11-12
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Mitteilung der Verwaltung Nr.: 20262913 Status: öffentlich Datum: 21.10.2026 Verfasser/in: Victoria Wildförster Fachbereich: Referat des Oberbürgermeisters für gesamtstädtische Angelegenheiten Bezeichnung der Vorlage: Zukunft der Quartiersarbeit Bezug: Beratungsfolge: Gremien: Sitzungstermin: Zuständigkeit: Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss 04.11.2026 Kenntnisnahme Rat 12.11.2026 Kenntnisnahme Kurzübersicht: Lebenswerte Quartiere stärken Zusammenhalt, Teilhabe und Lebensqualität. Die Analyse zeigt: Erfolgreiche Quartiersarbeit gelingt nur gemeinsam mit Verwaltung, lokalen Akteur*innen und star- ken Netzwerken. Die Vorlage stellt die Ergebnisse vor und skizziert Perspektiven für den Ausbau lokaler Quartiersallianzen. Wortlaut: Ausgangslage Viele Herausforderungen, die das Zusammenleben prägen, werden auf Quartiersebene unmittelbar sichtbar. Quartiere sind zentrale Orte zur Bewältigung gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Angesichts wachsender Komplexität, vielfältiger Lebenslagen, schwindender finanzieller Hand- lungsspielräume und sich wandelnder Anforderungen an Zusammenleben und Teilhabe kommt der Stärkung lokaler Resilienz und Selbstorganisationsfähigkeit eine zunehmende Bedeutung zu. In der Bochum Strategie werden eindeutige Ziele und Schwerpunkte formuliert, die die Sicherung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in den Quartieren und den Auftrag zur weiteren Ver- besserung von Strukturen in den Blick nehmen. Der Rat der Stadt Bochum hat in diesem Zusammenhang mit dem Beschluss zur Nachhaltigkeitss- trategie im Dezember 2023 verschiedene Aufträge an die Verwaltung formuliert, die die Weiterent- wicklung der Quartiersarbeit und Quartiersentwicklung betreffen. Die damit verbundenen Fragestel- lungen lassen sich nicht isoliert aus der Perspektive einzelner Fachdisziplinen beantworten. Quar- tiersarbeit und Quartiersentwicklung bewegen sich an den Schnittstellen unterschiedlicher kommu- naler Aufgabenfelder und erfordern daher eine fachübergreifende Herangehensweise. Vor diesem Hintergrund, aber auch weil die bisherigen verwaltungsseitigen Prozesse im Kontext der Komplexität Seite 1 von 4 aktueller Herausforderungen an ihre Belastungsgrenzen gestoßen sind, hat der Verwaltungsvor- stand im November 2025 eine verwaltungsinterne und dezernatsübergreifende (Dez. I, IV, V und VI) Projektgruppe eingesetzt. Ziel ist es, alle Fragestellungen zu künftigen konzeptionellen und integrier- ten Handlungsansätzen für die Quartiersarbeit in Bochum zu bearbeiten und dabei die Rolle der Stadtverwaltung zu reflektieren und neu zu bestimmen. Arbeitsprozess zur Neubestimmung Der Verwaltungsvorstand hat sich in mehreren Sitzungen mit den Arbeitsergebnissen befasst, zu denen auch eine erste verwaltungsweite und ressortübergreifende Bestandsaufnahme gehört. Da- bei wurde deutlich, dass bereits heute eine Vielzahl von Fachämtern, Einrichtungen, Netzwerken, Trägern und Initiativen in den Quartieren aktiv sind und wichtige Beiträge zur Lebensqualität vor Ort leisten. Die Kommunalverwaltung ist dabei in sehr unterschiedlicher Rolle und Intensität beteiligt. Gleichzeitig bestehen hohe Abstimmungs- und Koordinierungsbedarfe, um die vorhandenen Res- sourcen und Aktivitäten wirksamer miteinander zu verknüpfen. Für die weitere politische und fachliche Diskussion wird folgendes Arbeitsverständnis zugrunde ge- legt. Die Begriffe beschreiben unterschiedliche, aber miteinander verbundene Ebenen kommunalen Handelns: - Quartier bezeichnet den räumlichen, sozialen und lebensweltlichen Bezugsraum der Menschen vor Ort - Quartiersarbeit umfasst Aktivitäten zur Stärkung von Zusammenhalt, Teilhabe und Vernetzung - Quartiersmanagement ist ein mögliches strategisches Instrument zur Unterstützung und Koordi- nation entsprechender Prozesse - Quartiersentwicklung beschreibt die langfristige Weiterentwicklung eines Quartiers in seinen so- zialen, städtebaulichen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Dimensionen Der Verwaltungsvorstand hat vor dem Hintergrund der Komplexität des Themas eine strategische Neuausrichtung der Quartiersarbeit und Quartiersentwicklung befürwortet. Ziel ist es, die vielfältigen Aktivitäten der Stadtverwaltung stärker in einen gemeinsamen strategischen Zusammenhang zu stellen und die Handlungsfähigkeit auf Quartiersebene nachhaltig zu stärken. Hierfür soll ein gesamtstädtischer Orientierungsrahmen geschaffen werden, der gemeinsame Ziele, Grundsätze, Rollenverständnisse und Handlungsprinzipien definiert. Er bildet die Grundlage für ein verlässliches und nachvollziehbares Handeln in allen Quartieren, ohne deren unterschiedliche Aus- gangslagen, Potenziale und Herausforderungen zu nivellieren. Der Rahmen dient daher nicht der Vereinheitlichung von Maßnahmen oder Organisationsformen, sondern schafft die Voraussetzungen für bedarfsgerechte und quartiersspezifische Lösungen vor Ort. Ausrichtung auf Quartiersallianzen Die Neuausrichtung verfolgt dabei das Ziel, über einzelne Projekte, Programme oder Förderkulissen hinaus wirksam zu werden. Erfahrungen und Erkenntnisse aus unterschiedlichen Quartieren sollen systematisch nutzbar gemacht und in eine dauerhafte gesamtstädtische Handlungslogik überführt werden, ohne erfolgreiche Einzelansätze schematisch auf andere Quartiere zu übertragen. Im Mit- telpunkt stehen gemeinsame Ziele und Wirkungsabsichten, deren konkrete Umsetzung sich an den jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen orientiert. Damit verbunden ist ein Rollenverständnis der Stadtverwaltung, das Quartiersarbeit und Quartier- sentwicklung als gemeinschaftliche Querschnittsaufgabe versteht. Die Stadtverwaltung sieht ihre Rolle nicht allein in der Bereitstellung eigener Angebote oder der bloßen Finanzierung von Angebo- ten, sondern gleichermaßen darin, Kooperationen zu ermöglichen, Akteurinnen und Akteure, Bür- gerinnen und Bürger zu vernetzen sowie lokale Entwicklungsprozesse zu unterstützen und zu be- gleiten. Zur Umsetzung dieses Ansatzes sollen schrittweise Quartiersallianzen als zentrale Kooperations-, Beteiligungs- und Verantwortungsstrukturen aufgebaut werden. Dies wird damit auch einen Beitrag zur Stärkung der Bürgerbeteiligung leisten. Die Weiterentwicklung der Quartiersarbeit ist dabei nicht allein als Veränderungsprozess innerhalb der Verwaltung zu verstehen. Sie beinhaltet zugleich eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit Mitteilung der Verwaltung 20262913 Seite 2 von 4 zwischen Stadtgesellschaft und Verwaltung. Quartiersbezogene Herausforderungen und Entwick- lungsperspektiven sollen künftig stärker in kontinuierlichen Partnerschaften und Verantwortungsge- meinschaften vor Ort bearbeitet werden. Grundlage hierfür sind gemeinsam entwickelte Zielvorstel- lungen, ein transparentes Rollenverständnis sowie die Bereitschaft aller Beteiligten, Verantwortung für die Entwicklung ihres Quartiers zu übernehmen. Die Stadt Bochum versteht sich hierbei als ver- lässliche Partnerin, die Eigeninitiative, Selbstorganisation und kooperative Lösungen unterstützt, för- dert und mitgestaltet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Trägern, Instituti- onen und weiteren Akteurinnen und Akteuren sowie Bürgerinnen und Bürgern stärker an gemeinsa- men Wirkungszielen auszurichten. An die Stelle einer ausschließlich projekt-, maßnahmen- oder förderbezogenen Zusammenarbeit tritt damit zunehmend ein partnerschaftliches Verständnis ge- meinsamer Verantwortung für die Entwicklung des Quartiers (Quartiersallianz). Die Weiterentwicklung der Quartiersarbeit leistet damit einen Beitrag zur Umsetzung der Bochum Strategie. Quartiersarbeit ist damit Strategiearbeit. Voraussetzung hierfür sind abgestimmte lokale Kooperationen sowie das Zusammenwirken von Wohnungswirtschaft, sozialen Trägern, Bildungs- einrichtungen, Gesundheitsakteuren, Unternehmen, Vereinen, Initiativen und Bürgerschaft. Eine be- sondere Rolle kommt dabei den Bezirken und ihren Bezirksverwaltungsstellen zu. Aufgrund ihrer räumlichen und institutionellen Nähe zu den Quartieren verfügen sie über eine hohe Kenntnis lokaler Bedarfe, Entwicklungen und Akteursstrukturen. Als quartiersnahe Anlaufstellen der Stadtverwaltung übernehmen sie eine wichtige Scharnierfunktion zwischen gesamtstädtischen Zielsetzungen, kom- munaler Verwaltung und den Menschen vor Ort. Die Bedeutung dieser Rolle wurde auch im Aus- tausch zwischen dem Oberbürgermeister und den Bezirksbürgermeister*innen hervorgehoben. Da- bei bestand Einigkeit, die Bezirke als wichtige Partner für die Weiterentwicklung der Quartiersarbeit einzubinden und bestehende lokale Strukturen sowie Erfahrungen systematisch zu nutzen. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend für die langfristige Stabilität, Resilienz und Zukunftsfähig- keit der Quartiere. Quartiersallianzen bilden den zentralen organisatorischen Baustein dieses Vorgehens. Sie verfolgen den Ansatz, tragfähige lokale Partnerschaften zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen allen relevanten Partner*innen, einschließlich Bürger*innen, vor Ort verbindlicher zu organisieren. Quar- tiersallianzen sollen dazu beitragen, vorhandene Potenziale, Ressourcen und Ideen besser zu nut- zen, gemeinsame Zielsetzungen zu entwickeln und die Stabilität sowie Zukunftsfähigkeit der Quar- tiere nachhaltig zu stärken. Weitere Vorgehensweise und angestrebte Förderung Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung mit Datum 2.10.2026 einen Förderantrag in der 3. Pro- grammsäule im Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ eingereicht. Ziel des Programms ist die Demokratieförderung vor Ort, die Förderung politischer Bildung und sozialer Teilhabe. Die beantragten Mittel sollen dazu beitragen, ausgewählte Handlungsansätze und Kooperationsformate zur Stärkung von Teilhabe, Zusammenhalt und lokaler Verantwortung in den Quartieren weiterzu- entwickeln und zu erproben. Der Aufbau von mindestens sechs Quartiersallianzen ist im Förderan- trag angestrebt. Dabei soll in jedem Bezirk mindestens eine Quartiersallianz entstehen. Vorbehalt- lich einer Bewilligung des Förderantrags würde das Projekt vom 1. April 2027 bis zum 31. Dezember 2028 umgesetzt. Die Bezirksbürgermeister*innen sind über den Sachstand informiert. Die nächsten Umsetzungsschritte umfassen insbesondere: • die weitere verwaltungsinterne Kommunikation und Umsetzung der abgestimmten Handlungs- ansätze, • Absicherung bereits bestehender Strukturen in der Hustadt, in Westend (Kruppwerke), in Hofs- tede und in WLAB und darüber hinaus eine Prüfung einer Weiterentwicklung des sog. „Versteti- gungstopfes“, um die bisherigen Erfolge in den Fördergebieten nachhaltig zu gewährleisten, • die Weiterentwicklung und Verstetigung der fachbereichs- und dezernatsübergreifenden Zusam- menarbeit, • die Einbindung relevanter Partner*innen aus Zivilgesellschaft, Wohnungswirtschaft, Wirtschaft und Institutionen, Mitteilung der Verwaltung 20262913 Seite 3 von 4 • die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Rollen, Aufgaben und Verantwortlich- keiten in der Quartiersarbeit, • die Vorbereitung und Umsetzung erster Quartiersallianzen, • die Identifizierung konkreter Projekte und Maßnahmen zur Stärkung von Zusammenhalt, Teil- habe und Lebensqualität in den Bochumer Quartieren, • sowie die Ausarbeitung einer gemeinsamen strategischen Perspektive, wie Quartiersarbeit lang- fristig zur Erreichung der Ziele der Bochum Strategie sowie der Nachhaltigkeitsstrategie beitra- gen kann. • Weiterhin ist der Aufbau einer sozialräumlichen Entwicklungsplanung angestrebt. • Angesicht der Haushaltslage ist die konsequente Sichtung, Prüfung und ggf. Antragsstellung weiterer Fördermittel geplant. • Die Verwaltung wird in Abstimmung mit den Bezirksbürgermeister*innen nach Klärung des För- derantrages in den Bezirksvertretungen über das weitere Vorgehen informieren. Zusätzlich wird der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss im Rahmen seiner Zuständigkeit für die Inte- grierte Stadtentwicklung über die weiteren Entwicklungen regelmäßig informiert. Mitteilung der Verwaltung 20262913 Seite 4 von 4

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