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Beratung und Beschlussfassung zum erstellten Wärmekonzept

Sonstiges
TypSonstiges
GemeindeAmt Südtondern
Datum2026-11-04
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0 20.9.2026 REAL Koch Reinstein Erstausgabe Rev Datum Erstellt Geprüft Freigegeben Details der Revision Handhabung Anzahl Anlagen zum Dokument Format öffentlich - A4 Projekt DCC Kommunale Wärmeplanung für die Gemeinde Enge-Sande Teildokumentnummer Datum Name Maßstab -/- Erstellt 15.09.2026 REAL Titel Geprüft 17.09.2026 Koch Schlussbericht Freigegeben 20.09.2026 Reinstein Lieferanten- Dokumentnr. Dokument-Nr. Seite von Revision Seiten 139-69-009 1 37 0 www.realenergie24.de Copyright © REINSTEIN 2026 1 Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis ................................................................................................ 3 Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................... 4 1. Ausgangslage Ziele und Auftrag ........................................................................ 5 1.1 Ausgangslage .................................................................................................... 5 1.2 Ziele und Auftrag ................................................................................................ 7 1.3 Aufbau der Studie .............................................................................................. 8 2. Zusammenfassung der Ergebnisse ..................................................................... 9 3. Bestandsanalyse ............................................................................................... 12 3.1 Grundsätzliche Situation der beteiligten Amtsgemeinden Südtondern ............. 13 3.2 Bestandsanalyse .............................................................................................. 15 3.3 Herleitung Eignungskriterium und Einordnung der Gemeinde ......................... 20 3.4 Zusammenfassung der Situation in der Gemeinde .......................................... 22 3.5 Fazit ................................................................................................................. 23 4. Potentialanalyse ................................................................................................ 24 4.1 Wärmebedarfsreduzierung und Effizienz ......................................................... 24 4.2 Nutzung unvermeidbarer Abwärme .................................................................. 25 4.3 Potenziale zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien .................... 26 4.4 Fazit ................................................................................................................. 26 5. Zielszenario ....................................................................................................... 28 5.1 Kostenbetrachtungen ....................................................................................... 28 5.2 Dezentrale Wärmeversorgung und Zieljahre .................................................... 31 5.3 Zentrale Wärmeversorgung .............................................................................. 32 5.4 Energetische Gebäudesanierung und Effizienz ............................................... 32 5.5 Fazit ................................................................................................................. 32 6. Maßnahmenkatalog ........................................................................................... 33 6.1 Dezentrale Wärmeversorgung (auf Basis von EE / Ökostrom) ........................ 33 6.2 Energetische Sanierung ................................................................................... 34 6.3 Sensibilisierung / Energieberatung / Aufklärung ............................................... 35 7. Controlling- und Monitoringkonzept ................................................................... 36 8. Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Akteursbeteiligung ............................... 36 9. Ausblick ............................................................................................................. 37 2 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Räumliche Lage der Amtsgemeinden Südtondern ................................. 6 Abbildung 2: Gemarkung der beteiligten 26 Amtsgemeinden ..................................... 7 Abbildung 3: Datenarten und Quellen der Bestandsanalyse .................................... 12 Abbildung 4: Übersicht Gemeinden .......................................................................... 13 Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Amt Südtondern ......................... 14 Abbildung 6: räumliche Einordnung der Gemeinde Enge-Sande ............................. 15 Abbildung 7: Gebäude- und Siedlungsstruktur der Gemeinde Enge-Sande ............. 16 Abbildung 8: Anzahl Gebäude mit Wohnraum nach Baualtersklasse ....................... 16 Abbildung 9: Energieträger ....................................................................................... 17 Abbildung 10: Trassenverläufe Arealnetz ................................................................ 18 Abbildung 11: Wärmebedarf / Quelle: Digitaler Atlas Nord (Wärme) ........................ 19 Abbildung 12: Definition der Eignungskriterien ......................................................... 20 Abbildung 13: Wärmeliniendichte der Gemeinde Enge-Sande ................................. 22 Abbildung 14: Wärmeverluste über die Gebäudehülle ............................................ 24 Abbildung 15: Einsparpotenzial Wärmeverbrauch für die Jahre 2025-2040 ............. 25 Abbildung 16: Verteilung Wärmeversorgung in den Zieljahren 2030 - 2040 ............. 31 3 Abkürzungsverzeichnis SI-Einheiten und allgemeinsprachliche Abkürzungen sind nicht erläutert. a Jahr BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Bau GB Baugesetzbuch CO Kohlenstoffdioxid 2 EE Erneuerbare Energien EEG Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare- Energien-Gesetz) el elektrische (Leistung oder Arbeit) GEG Gebäudeenergiengesetz KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KWK Kraft Wärme Kopplung (Verbrennungsmotor + Nutzung der Abwärme) KWP Kommunaler Wärmeplan MWU Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt p.a. pro Jahr PG Potenzialgebiet rd. rund, circa, etwa REAL Name der Arbeitsgemeinschaft (Reinstein, EW-CON, Acontax, Litschke & Gemeinwohlgenossenschaft Nord) th thermische (Leistung oder Arbeit) THG Treibhausgas UBA Umweltbundesamt WE Wohneinheit WPG Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze 4 Gender Aspekte Die Autoren des vorliegenden Berichtes sind sich dessen bewusst, dass es verschiedene Geschlechter gibt. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird im Bericht in der Regel die männliche Form der Begriffe verwendet. Damit sind stets immer alle Geschlechter gemeint und angesprochen. Dies stellt seitens der Autoren keinerlei Bewertung dar. 1. Ausgangslage Ziele und Auftrag 1.1 Ausgangslage Das Amt Südtondern liegt im äußersten Norden des Bundeslandes Schleswig-Holstein und gehört zum Landkreis Nordfriesland. Es grenzt direkt an Dänemark und erstreckt sich zwischen der Nordseeküste im Westen und dem Geestrücken im Osten. Verwaltungssitz des Amtes ist die Stadt Niebüll. Die Landschaft Südtonderns ist durch ihre Lage im nordfriesischen Küstenraum geprägt. Große Teile gehören zur Marsch, einer flachen, fruchtbaren Landschaft, die über Jahrhunderte dem Meer abgerungen wurde. Charakteristisch sind weite Wiesen, Felder und ein dichtes Netz aus Entwässerungsgräben. Im Westen grenzt das Gebiet an das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Die Küstenregion mit ihren Deichen schützt das Hinterland vor Sturmfluten. Das Wattenmeer stellt einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar und ist insbesondere für Zugvögel von internationaler Bedeutung. Eine besondere geografische Eigenart sind die zahlreichen Köge. Dabei handelt es sich um eingedeichte und trockengelegte Flächen, die durch Landgewinnung entstanden sind. Östlich der Marsch geht die Landschaft allmählich in die Geest über. Diese leicht erhöhten Gebiete entstanden während der Eiszeiten und weisen sandigere Böden sowie eine abwechslungsreichere Topografie auf. Das Gebiet Südtondern ist zudem von vielen kleinen Flüssen, Bächen und Sielen durchzogen. Bedeutend sind die Flusssysteme der Wiedau und des Soholmer Au-Gebietes, die zur Entwässerung der Marsch beitragen. Durch seine Grenzlage zu Dänemark besitzt Südtondern eine besondere kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung. Die Region ist von einem engen deutsch-dänischen Austausch geprägt und gehört zum grenzüberschreitenden Lebensraum der deutsch- dänischen Grenzregion. Verkehrstechnisch ist das Amt Südtondern über die Bundesstraße B5 als wichtigste Nord-Süd-Verbindung an die Regionen Nordfrieslands sowie an Hamburg angebunden. Die Bahnstrecke Hamburg–Westerland mit dem zentralen Bahnhof in Niebüll gewährleistet eine gute Anbindung an den Schienenfernverkehr und an die Insel Sylt. Darüber hinaus bestehen grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen 5 nach Dänemark, insbesondere in Richtung Tønder. Die überwiegend ländlich geprägten Gemeinden werden durch ein Netz aus Landes- und Kreisstraßen erschlossen. Die Verwaltung mit Sitz in der Stadt Niebüll ist für 30 Kommunen mit über 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zuständig und bildet somit einwohnermäßig das größte Amt in Schleswig-Holstein. 26 Kommunen werden im Zuge der vom Amt Südtondern ausgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung betrachtet. Abbildung 1: Räumliche Lage der Amtsgemeinden Südtondern 6 Abbildung 2: Gemarkung der beteiligten 26 Amtsgemeinden 1.2 Ziele und Auftrag Die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung sehen einen schrittweisen Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Ressourcen in der Wärmeversorgung vor. Dabei soll der Gebäudebestand bundesweit bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden. Das Bundesland Schleswig-Holstein hat beschlossen bereits 2040 vollständig klimaneutral zu sein. Innovativen Wärmenetzen kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da die Neugestaltung der Wärmebereitstellung weit weniger kleinteilig 7 und kosteneffizienter gegenüber einer Vielzahl von dezentralen Einzelanlagen erfolgen kann. Diese Wärmeplanung soll alle für den Untersuchungsraum zutreffenden Anforderungen des WPG erfüllen. Mit dem kommunalen Wärmeplan wird den Gemeinden des Amtes Südtondern ein strategisches Planungsinstrument an die Hand gegeben. Die Gemeinden erhoffen sich, auf örtlicher Ebene den nationalen und europäischen Klimaschutzzielen soweit möglich gerecht zu werden und vorhandene Potenziale vor Ort zu identifizieren und zu nutzen. 1.3 Aufbau der Studie Der Aufbau dieser Ausarbeitung orientiert sich an den gesetzlichen Vorgaben einer kommunalen Wärmeplanung. In Kapitel 1 sind Ausgangslage, Ziele und Auftrag beschrieben. Kapitel 2 fasst die Kernergebnisse zusammen. Der Status Quo der zu untersuchenden Gemeinde wird in der Bestandsanalyse in Kapitel 3 dargestellt. Potenziale und eine Bewertung der vorhandenen Energieträger werden in Kapitel 4 beschrieben. Kapitel 5 formuliert Zielszenarien möglicher Wärmeversorgungsarten. Kapitel 6 enthält einen Maßnahmenkatalog zur Zielerreichung. Kapitel 7 befasst sich mit dem Controlling der Zielerreichung. Kapitel 8 erläutert die angewandten Methoden und Beteiligungsformate der Öffentlichkeitsarbeit. Die Ausarbeitung endet mit einem Ausblick auf mögliche nächste Schritte im 9. Kapitel. 8 2. Zusammenfassung der Ergebnisse Ausgangssituation Die Gemeinde Enge-Sande liegt rund 14 km südöstlich von Niebüll im Amt Südtondern und ist durch eine typische ländliche, dünne Siedlungsstruktur geprägt. In der Gemeinde leben rund 1.137 Einwohner in etwa 479 Gebäuden. Der Gebäudebestand wird überwiegend durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägt. Ein erheblicher Teil der Wohngebäude wurde vor 1980 errichtet, sodass ein entsprechender energetischer Sanierungsbedarf besteht. Der gesamte Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser wird auf rund 16.000 MWh pro Jahr geschätzt. Die Wärmeversorgung erfolgt heute überwiegend dezentral. Rund 45 % der Gebäude werden mit Heizöl und weitere 31 % mit Erdgas bzw. Flüssiggas beheizt. Wärmepumpen, Solar- bzw. Geothermieanlagen machen zusammen rund 8 % aus. In Enge-Sande bestehen zugleich bereits umfangreiche Erzeugungsanlagen für erneuerbare Energien, darunter Bürgerwindparks und Photovoltaik- Freiflächenanlagen. Diese Ausgangssituation bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine zukünftige Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Bestehende Nahwärmeversorgung und Wärmenetzeignung Für öffentliche Gebäude wie Feuerwehr, Schule, Kindertagesstätte, Sportlerheim sowie ein Freibad existiert ein kleines Arealnahwärmenetz. Dieses wird derzeit mit Erdgas und einem Pelletofen betrieben. Die Untersuchung zeigt, dass die Siedlungsstruktur der Gemeinde für einen flächendeckenden Ausbau eines Wärmenetzes ungünstig ist. Die Wärmeliniendichte liegt im Gemeindegebiet überwiegend unter 1.500 kWh/(m x a) und damit deutlich unter dem für eine weitergehende Betrachtung angesetzten Wert von 2.300 kWh/(m x a). Aufgrund der weit auseinanderliegenden Gebäude und der geringen Wärmedichte wird deshalb kein weiteres Gebiet identifiziert, in dem ein neues leitungsgebundenes Wärmenetz wirtschaftlich betrieben werden könnte. Das bestehende kleine Arealnetz stellt damit eine besondere lokale Situation dar; ein großflächiger Ausbau wird nicht empfohlen. Potenziale erneuerbarer Energien Für Enge-Sande wurden verschiedene erneuerbare Energiequellen untersucht, darunter Biomasse, Solarenergie, Geothermie und Windenergie. Ein relevantes nutzbares Potenzial aus unvermeidbarer Abwärme konnte nicht festgestellt werden. In Soholm gibt es zwar einen Milcherzeugungsbetrieb mit einem Abwärmepotenzial. Die technische Umsetzung ist kostenintensiv und am Ende für nur etwa 4 Häuser zur Versorgung ausreichend. Sollte die bisherige Wärmebereitstellung des bestehenden Arealnetzes perspektivisch verändert werden, könnte lokal erzeugter Windstrom über eine Großwärmepumpe zur Wärmeerzeugung genutzt werden. Damit ließe sich die vorhandene Wärmeinfrastruktur mit erneuerbarer Energie weiter nutzen. Der 9 betreffende Windpark befindet sich jedoch räumlich weit entfernt, sodass die Wirtschaftlichkeit nach Ansicht der Autoren nur schwerlich gegeben sein wird. Wärmepumpen als zentrale Zukunftstechnologie Da ein flächiger Ausbau von Wärmenetzen nicht wirtschaftlich erscheint, kommt der dezentralen Wärmeversorgung eine große Bedeutung zu. Wärmepumpen werden dabei als wesentliche Zukunftstechnologie betrachtet. Der Kostenvergleich der Studie weist für die betrachteten Rahmenbedingungen niedrigere Wärmevollkosten für Wärmepumpen als für Öl- und Gasheizungen aus. Gleichzeitig sind die damit verbundenen Treibhausgasemissionen deutlich geringer. Voraussetzung für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb ist allerdings häufig eine Anpassung des Gebäudes. Insbesondere bei älteren Gebäuden können Maßnahmen an Gebäudehülle und Heizsystem erforderlich sein, um mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten zu können. Die Umstellung auf Wärmepumpen wird daher eng mit der energetischen Sanierung des Gebäudebestands verknüpft. Energetische Sanierung und Energieeinsparung Die Reduzierung des Wärmebedarfs ist ein wesentlicher Bestandteil des Transformationspfades. Durch Maßnahmen an Außenwänden, Dächern, Kellerdecken und Fenstern sowie durch die Optimierung der Heizungsanlagen können erhebliche Energieeinsparungen erreicht werden. Zusätzlich sieht die Studie ein relevantes Potenzial durch verändertes Nutzerverhalten, beispielsweise durch angepasstes Heizen und Lüften, optimierte Heizungsregelungen und hydraulischen Abgleich. Unter den zugrunde gelegten Annahmen wird bis 2040 ein kumuliertes Einsparpotenzial beim Wärmeverbrauch von rund 33 % gegenüber dem Ausgangswert abgeschätzt. Zielszenario bis 2040 Ziel der Wärmeplanung ist eine weitgehend treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis 2040. Die Transformation soll vor allem über drei miteinander verbundene Ansätze erfolgen: • energetische Sanierung und Reduzierung des Wärmebedarfs, • Umstellung fossiler Einzelheizungen auf erneuerbare Wärmeerzeuger, insbesondere Wärmepumpen, • Dekarbonisierung und langfristige Sicherung des bestehenden Arealnahwärmenetzes. Für die dezentrale Wärmeversorgung sieht die Studie einen schrittweisen Rückgang fossiler Heizungen vor. Der Anteil fossiler Wärmeerzeuger soll von derzeit rund 76 % auf etwa 60 % im Jahr 2030, 40 % im Jahr 2035 und 0 % im Jahr 2040 reduziert werden. Eine Versorgung privater Gebäude mit Wasserstoff wird von den Autoren nicht als realistische Option angesehen. 10 Zentrale Maßnahmen Aus der Untersuchung werden insbesondere drei Maßnahmen mit hoher Priorität abgeleitet: 1. Dekarbonisierung der dezentralen Heizungen Öl- und Gasheizungen sollen schrittweise durch erneuerbare Heizsysteme, insbesondere Wärmepumpen, ersetzt werden. Als Ziel wird eine vollständige Dekarbonisierung bis 2040 formuliert. 2. Energetische Sanierung des Gebäudebestands Die energetische Qualität der Gebäudehüllen soll verbessert werden. Die Studie empfiehlt eine deutlich höhere Sanierungsaktivität, um Wärmebedarf und Heizkosten zu reduzieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen effizienten Wärmepumpeneinsatz zu schaffen. 3. Information, Beratung und Sensibilisierung Bürgerinnen und Bürger sollen kontinuierlich über Energieeinsparung, Fördermöglichkeiten, Sanierung und moderne Heiztechnik informiert werden. Energieberatungen, Informationsveranstaltungen sowie Maßnahmen zur Optimierung von Heizungssteuerung und hydraulischem Abgleich sollen die Umsetzung unterstützen. Controlling und Ausblick Für die Umsetzung empfiehlt die Studie ein kontinuierliches Monitoring. Fortschritte sollen etwa alle fünf Jahre anhand aktueller Daten zu Gebäuden, Heizungen, Energieverbräuchen und Emissionen überprüft werden. Ergänzend wird die Einrichtung eines dauerhaft arbeitenden, ehrenamtlichen Arbeitskreises empfohlen, der die Umsetzung begleitet und regelmäßig an die Gemeindevertretung berichtet. Fazit Enge-Sande verfügt durch die vorhandenen erneuerbaren Energieanlagen und das bestehende kleine Arealnahwärmenetz über wichtige Ausgangsvoraussetzungen für die Transformation der Wärmeversorgung. Aufgrund der dünnen Siedlungsstruktur und der geringen Wärmeliniendichten wird ein weiterer flächiger Ausbau von Wärmenetzen jedoch nicht als wirtschaftlich angesehen. Der Schwerpunkt der zukünftigen Wärmeversorgung liegt daher auf der dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere durch Wärmepumpen, sowie auf einer deutlichen Steigerung der energetischen Gebäudesanierung. Das bestehende Arealnetz soll dabei erhalten und perspektivisch möglichst auf eine erneuerbare Wärmeversorgung umgestellt werden. Die Studie sieht bei konsequenter Umsetzung der Maßnahmen grundsätzlich die Möglichkeit, die Wärmeversorgung der Gemeinde bis 2040 treibhausgasneutral zu gestalten. 11 3. Bestandsanalyse Für die Bestandsanalyse wurden im Wesentlichen Gebäude-, Heizungs- und Infrastrukturdaten erhoben, gesichtet und verarbeitet. Um den Datenschutz zu wahren, wurden die Daten von der Gebäudeebene zu Quartieren und Straßenabschnitten zusammengefasst. Kategorie Erhaltene Daten Quellen Gebäude- und • u.a. Adresse Landesamt für Vermessung Grundstücksdaten • Gebäudefunktion und Geoinformation • Flurstücksfläche Schleswig-Holstein (ALKIS • Baualtersklassen Daten); • Energieträger Zensus 2022 Energieverbräuche Blockbezogen: Erdgas: (leitungsgebunden) • Erdgasverbräuche SH Netz • Heizstromverbräuche Heizstrom: SH Netz Wärmeliniendichte Digital Atlas Nord Heizungsdaten Blockbezogen: Schornsteinfegerdaten aus • Brennstoff dem Datenbestand des • Alter statistischen Amtes für Schleswig-Holstein und Hamburg Zensus 2022 KWKG- Anlagenscharf: Marktstammdatenregister Anlagen • Leistung (elektrisch) Abbildung 3: Datenarten und Quellen der Bestandsanalyse Für die Bestandsanalyse im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung mussten die verschiedenen Datensätze aufbereitet und miteinander in Bezug gesetzt werden. Der Datenschutz (DGSVO) erfordert oftmals eine Gruppierung der Primärdaten, die dann für die Datenanalyse zu teils erheblichen Verzerrungen führt. Die Datenlage erwies sich zudem im Segment der Wärmeverbräuche als inhomogen, für den Untersuchungsgegenstand aber als ausreichend plausibel. 12 3.1 Grundsätzliche Situation der beteiligten Amtsgemeinden Südtondern Die Region des Amtsbezirks Südtondern zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass bereits in den 80er Jahren erste Pioniere erfolgreich erneuerbare Energieinfrastruktur aufbauen konnten. Dies begründet warum trotz dünner Besiedlungsdichte eine Vielzahl an erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen in das Energiesystem integriert sind. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick der Situation in den beteiligten Amtsgemeinden Südtonderns. Gemeinde Einwohner Wärmenetz Biogas Windpark PV Park Achtrup 1558 ja ja ja ja Aventoft 416 nein nein nein ja Bosbüll 251 ja nein ja ja Braderup 675 ja ja ja nein Bramstedtlund 211 ja ja ja nein Dagebüll 902 ja ja ja ja Ellhöft 112 nein nein ja ja Emmelsbüll-Horsbüll 884 ja ja ja nein Enge-Sande 1137 ja ja ja ja Galmsbüll 606 nein ja ja nein Holm 94 nein nein nein nein Humptrup 772 nein nein nein ja Karlum 211 nein nein ja nein Klanxbüll 1042 ja nein ja ja Klixbüll 1059 ja ja ja ja Ladelund 1455 ja ja ja ja Lexgaard 54 nein nein nein nein Neukirchen 1107 ja ja nein ja Rodenäs 400 nein nein nein nein Sprakebüll 262 ja ja ja ja Stadum 969 ja ja ja nein Stedesand 883 ja ja ja ja Süderlügum 2424 ja ja ja ja Tinningstedt 224 nein nein ja nein Uphusum 335 ja ja nein ja Westre 361 ja ja ja nein Abbildung 4: Übersicht Gemeinden Die Gemeinden im Untersuchungsraum befinden sich im Kreisgebiet Nordfriesland. Gemäß den Auswertungen von Statistik Nord verzeichnet die Bevölkerung in den Jahren 2002-2022 ein Wachstum von ca. 2 %, der Landesdurchschnitt betrug im gleichen Zeitraum 4,9%. 13 Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Amt Südtondern 1 1 Quelle: Statisk Nord https://www.statistik- nord.de/fileadmin/Dokumente/Presseinformationen/SI24_005.pdf 14 3.2 Bestandsanalyse Die Gemeinde Enge-Sande befindet sich ca. 14 km südöstlich von Niebüll entfernt. Laut amtlicher Information leben 1137 Personen in 444 Wohngebäuden in der Gemeinde. Abbildung 6: räumliche Einordnung der Gemeinde Enge-Sande In der Gemeinde existiert ein Bürgerwindpark, bestehend aus zwei Gesellschaften mit insgesamt 11 Windkraftanlagen. Zudem befinden sich zwei PV-Freiflächenanlagen im Gemeindegebiet. Aktuell versorgt ein gasbefeuertes Arealwärmenetz die öffentlichen Gebäude (Feuerwehr, Schule, KiTa und Sportlerheim) sowie ein Freibad. Als Redundanz bzw. zur Abdeckung von Spitzen wird ein Pelletofen eingesetzt. Laut Aussage der Gemeinde sind die Anlagenverfügbarkeit des gasbefeuerten BHKWs sowie die seit der Erneuerung der Heizung aufgelaufenen Betriebs- und Wartungskosten nicht zufriedenstellend. Nennenswerte Abwärmequellen im Gemeindegebiet konnten nicht identifiziert werden. 15 Die Gebäude- und Siedlungsstruktur in der Gemeinde Enge-Sande stellt sich wie folgt dar: Gebäudekategorie Anzahl Gebäude Anteil Gebäude 479 100% davon Gebäude mit Wohnraum davon EFH 388 81,0% davon ZFH 41 8,6% davon Mehrfamilienhaus ≥ 3 9 1,8% davon andere bewohnte Unterkünfte Büro- und Geschäftsgebäude 41 8,6% Fabriken, Werkstätten, Betriebsgebäude Öffentliche Gebäude Sonstige Gebäude Abbildung 7: Gebäude- und Siedlungsstruktur der Gemeinde Enge-Sande2 Ermittlung der überwiegenden Baualtersklasse Die Gebäude mit Wohnraum wurden den folgenden Baualtersklassen zugeordnet: Baualtersklasse (BAK) Anzahl Anteil BAK Summe aller Gebäude 486 100% bis 1919 85 17,5% 1919 - 1949 47 9,7% 1945 - 1979 135 27,8% 1980 - 1989 53 10,9% 1990 - 1999 71 14,6% 2000 - 2009 48 9,9% 2010 - 2019 21 4,3% 2020 und später 26 5,3% Abbildung 8: Anzahl Gebäude mit Wohnraum nach Baualtersklasse3 Analyse der dezentralen Wärmeerzeuger in Gebäuden Der Ermittlung des Wärmebedarfs ging eine Analyse der bestehenden Wärmeinfrastruktur voran, in der das primäre Heizsystem je Gebäude identifiziert 2 Quelle: Zensus 2022 3 Quelle: Zensus 2022 16 wurde. Als Datengrundlage dienten Daten des Zensus und der Bezirksschornsteinfeger. Energieträger Anzahl Anteil Summe 478 100 % Erdgas, Flüssiggas 150 31,4% Heizöl 215 45,0% Nah-/Fernwärme* 25 5,2% Wärmepumpe, Solar/Geothermie 39 8,3% Holzpellets, Holz stückig 27 5,6% Strom (ohne Wärmepumpe) 16 3,3% Biomasse (ohne Holz), Biogas 3 0,6% Keine Heizung 3 0,6% Abbildung 9: Energieträger4 * zentrale Wärmeerzeugung 4 Quelle: Zensus 2022 17 Analyse des bestehenden Wärmenetzes In der Gemeinde existiert ein Arealnahwärmenetz, welches mittels Erdgas und einem Pelletofen beheizt wird. Die Trassenverläufe sind in der nachfolgenden Abbildung dargestellt: Abbildung 10: Trassenverläufe Arealnetz 5 Bedarfswerte Wärme Die Bestimmung des Wärmebedarfs erfolgte für die leitungsgebundenen Heizsysteme (Erdgas, Wärmenetz, Strom für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen) über die gemessenen Verbrauchsdaten (Endenergieverbräuche), sofern diese verfügbar waren. Mit durchschnittlichen Wirkungsgraden der verschiedenen Heiztechnologien konnte so auf den Wärmebedarf (Nutzenergie) rückgeschlossen werden. Bei nicht- leitungsgebundenen Heizsystemen (Heizöl, Holz, Kohle) und bei beheizten Gebäuden mit fehlenden Informationen zum verwendeten Heizsystem wurde der Wärmebedarf auf Basis der Daten des Digital Atlas Nord und Zensus ermittelt. Der gesamte Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser der Gemeinde beträgt laut Digital Atlas Nord ca. 16.000 MWh/a. 5 Quelle: Quartierskonzept Treurad und Partner, S. 52, 2022 18 Abbildung 11: Wärmebedarf / Quelle: Digitaler Atlas Nord (Wärme) 19 3.3 Herleitung Eignungskriterium und Einordnung der Gemeinde Zur Prüfung der Eignung für Nahwärme der betrachteten Gebiete lehnen sich die Autoren zunächst an den Leitfaden Wärmeplanung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vom Juni 2024 an. Demzufolge ergeben sich die untenstehenden Grenzwerte und entsprechenden Empfehlungen für die Ausweisung von Eignungsgebieten. Abbildung 12: Definition der Eignungskriterien6 Für diese Ausarbeitung werden folgende Bewertungsgrundlagen berücksichtigt: • Wärmeliniendichte wird pro Straßenmeter errechnet • gemäß obiger Tabelle sollte die Wärmeliniendichte für eine weitere Betrachtung mindestens 1.500 kWh / (m x a) betragen • die Autoren empfehlen die Berücksichtigung der Anschlussbereitschaft der Anlieger, da dies die tatsächliche Wärmelieferung im zu planenden Netz reduziert (bspw. bei einer Wärmeliniendichte von 1.500 kWh/ (m x a) und einer Mindestanschlussquote von 65 % die Definition der erforderlichen Mindestwärmeliniendichte mit 1.500 / 0,65 = 2.300 kWh / (m x a) • Da die bundesdurchschnittliche Sanierungsrate pro Jahr seit Jahrzehnten bei 0,7-0,8% liegt und eine Änderung nach Beurteilung der Autoren nicht zu erwarten ist, sind deren Einsparungseffekte sehr gering und haben keinen Einfluss auf die Dimensionierung eines möglichen Netzes. Aus obiger Herleitung wird für die Prüfung der Gebietseignung als Kriterium 2.300 kWh pro Straßenmeter und Jahr zu Grunde gelegt. Bei Verwendung dieses Eignungskriteriums dürfte es in keiner der betrachteten Amtsgemeinden ein Nahwärmenetz geben. Da dies nicht der Fall ist, adaptieren die Autoren die Bewertungsgrundlage wie folgt: 6 vgl. Leitfaden Wärmeplanung ifeu et al; Juni 2024 Seite 54, Tabelle 11 und 12 20 existiert in der betrachteten Gemeinde ein Nahwärmenetz kann dennoch die kommunale Wärmeplanung im vereinfachten Verfahren durchgeführt werden, soweit keine anderen Kriterien dagegensprechen. Die Autoren ergänzen in diesem Fall das entsprechende Fachgutachten um relevante Zusatzinformationen, um die energetische IST-Situation vor Ort umfänglicher beschreiben zu können. Sofern kein Nahwärmenetz vorhanden ist, wird das vereinfachte Verfahren nach dem schleswig- holsteinischem Landesgesetz (Gesetz über die Energiewende, den Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Energiewende- und Klimaschutzgesetz - EWKG) vom 7. März 2017 § 11 Vereinfachtes Verfahren) angewendet. Da vor Ort ein kleines Arealwärmenetz besteht, wird für die Gemeinde Enge- Sande die kommunale Wärmeplanung im vereinfachten Verfahren, ergänzt um Zusatzinformationen durchlaufen. 21 3.4 Zusammenfassung der Situation in der Gemeinde Die folgende Karte stellt die Wärmeliniendichte dar: Abbildung 13: Wärmeliniendichte der Gemeinde Enge-Sande Die Wärmeliniendichte drückt aus, wie viel Wärmeenergie pro Straßenmeter in einem Jahr benötigt wird. Je mehr Wärme verbraucht wird, um so höher ist diese Zahl. In Kapitel 3.3 sind Eignungskriterien abgeleitet, die als Hilfestellung zur Einordnung der Situation dienen. Die Autoren definieren eine minimale Wärmeliniendichte von 2.300 kWh / (m x a) als erforderlich für die weitere Betrachtung einer netzgebundenen Wärmeversorgung. Wie in Abbildung 13 erkennbar, ist die Wärmeliniendichte im Gemeindegebiet überwiegend < 1.500 kWh / (m x a). Wie im ländlichen Raum üblich, stehen die vorhandenen Gebäude vergleichsweise weit auseinander, die Bebaubungsdichte ist als dünn zu bezeichnen. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass in der Gemeinde nach Einschätzung der Autoren unter den aktuellen Rahmenbedingenen kein leitungsgebundes Wärmenetz wirtschaftlich betrieben werden kann. 22 3.5 Fazit Die Analyse des Untersuchungsraums mit Eignungsprüfung ergab: • die Gemeinde weist eine geringe Siedlungsdichte auf • es existiert ein kleines Arealnahwärmenetz • die errechneten Wärmeliniendichten liegen nahezu durchgängig deutlich unter dem für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlichen Grenzwert von mindestens 2.300 kWh / (m x a) • es konnte kein weiteres Fokusgebiet identifiziert werden, das künftig potentiell mit einer netzgebundenen Wärme, erzeugt durch lokale erneuerbare Energien versorgt werden könnte • eine Nutzung von Wasserstoff im privaten Wärmesektor wird von den Autoren als nicht realistisch eingestuft 23 4. Potentialanalyse 4.1 Wärmebedarfsreduzierung und Effizienz Wärmebedarfsreduktion in Gebäuden Die energetische Sanierung des Gebäudebestands stellt ein zentrales Element zur Erreichung der kommunalen Klimaziele dar. Generell können durch energetische Verbesserung der Gebäudehülle signifikante Energieeinsparungen erzielt werden. In Kombination mit dem Einsatz hocheffizienter Heiztechnik bietet dies insbesondere für Gebäude mit Einzelversorgung einen großen Effizienzsteigerungshebel. In der Regel kann bei älteren Gebäudebaualtersklassen durch Wärmedämmmaßnahmen der Energieverbrauch um bis zu der Hälfte reduziert werden. Bei einer umfassenden Modernisierung der Gebäude mit Wärmedämm- Maßnahmen bei den vier wichtigsten Bauteilen Außenwand, Fenster, Dach und Kellerdecke sowie einer Modernisierung der Heizung entsprechend den Vorgaben der Energieeinsparverordnung EnEV ergeben sich für Gebäude bis Baujahr 1979 Energieeinsparungen von bis zu 65 % (Annahme durchschnittlicher Einsparungen 30 %). Da keine Altersangaben für Einzelgebäude vorliegen, kann die Energieeinsparung des Wärmeverbrauchs durch energetische Sanierungen für die Gemeinde nur geschätzt werden. Abbildung 14: Wärmeverluste über die Gebäudehülle 7 Das Sanierungspotenzial bietet nicht nur eine beträchtliche Möglichkeit zur Reduzierung des Energiebedarfs, sondern auch zur Steigerung des Wohnkomforts 7 Quelle energetische Gebäudesanierung 2023, Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH 24 und zur Wertsteigerung der Immobilien. Daher sollten entsprechende Sanierungsprojekte integraler Bestandteil der kommunalen Wärmeplanung sein. Die durchschnittliche Sanierungsquote in der Bundesrepublik liegt zwischen 0,7-0,8 % pro Jahr. Die Autoren sehen trotz eines vorhandenen Sanierungsbedarfes keine Anzeichen dafür, dass sich diese Sanierungsrate in den kommenden Jahren merkbar erhöht. Energetische Sanierung o Jährliche Sanierungsrate 0,75 % pro Jahr o Effizienzgewinne durch Sanierung 37,5 % pro Jahr o Effektive Reduktion des Wärmebedarfs 0,28 % pro Jahr Zusätzlich besteht ein erhebliches Einsparpotenzial durch effizientes Nutzerverhalten: o Effektive Reduktion des Wärmebedarfes 2,25 % jährlich In der Folge bewerten die Autoren die nachfolgend angegebenen Energieeinsparpotenziale als realistisch: Jahr 2025 2030 2035 2040 Einsparpotenzial Sanierung zum 0 1,4 % 2,78 % 4,14 % Jahr 2025 [% / a] Einsparpotenzial Nutzverhalten 0 10,76 % 20,35 % 28,92 % zum Jahr 2025 [% / a] Einsparpotenzial 0 12,16 % 23,13 % 33,06 % in Summe [% / a] Abbildung 15: Einsparpotenzial Wärmeverbrauch für die Jahre 2025-2040 Um diese Potenziale zu heben, ist eine kontinuierliche Sensibilisierung der Bürger erforderlich. 4.2 Nutzung unvermeidbarer Abwärme Nach Auswertung der Gespräche mit relevanten Akteuren und unter zu Hilfenahme öffentlich einsehbarer Daten (Abwärmekataster) ergibt sich ein theoretisch nutzbares Abwärmepotential im Untersuchungsraum. Die Firma Auenmilch GbR mit Sitz in Soholm ist ein Milcherzeuger, der im Durchschnitt täglich 8.300 Liter Milch produziert. 25 Über den erforderlichen Kühlprozess stehen theoretisch bis zu 98 MWh Abwärme pro Jahr zur Verfügung. Der Betrieb nutzt einen Teil dieser Wärme für die Vorerwärmung des Spülwassers. Dabei werden etwa 14 MWh Wärme verbraucht. Nach Wirkungsgradverlusten von angenommenen 10 % verbleiben 75 MWh nutzbare Abwärme mit einer mittleren Temperatur von ca. 22 °C. Um daraus einen Haushalt mit einer Vorlauftemperatur von 65 °C zu versorgen ist der Einsatz einer Wärmepumpe erforderlich. Nach eingehender Analyse der Autoren reicht diese Abwärmemenge für 3 – 4 Haushalte, ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Allein der benötigte Strom für die Wärmepumpe liegt bei 7.500 Euro (30 ct/kWh). Zusätzlich sind Investitions- Wartungskosten für Wärmepumpe, Hydraulik und Leitungen zu berücksichtigen sowie Netzverluste in Höhe von etwa 20 %. Daraus ergibt sich, dass die Realisierung eher eine geringe Chance besitzt. Eine mögliche Umsetzung ist gesondert zu prüfen. 4.3 Potenziale zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien Folgende theoretischen technische Potentiale zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien wurden für die Gemeinde identifiziert: • Abwärme aus Abwasser im Kanalnetz oder Kläranlage • Klärschlamm • Holz / Restholz • Grünschnitt gehäckselt • Wiesenschnitt • Biomasse Biogas • Photovoltaik und Solarthermie (Frei- und Dachflächen) • Tiefengeothermie • oberflächennahe Geothermie • Windkraft Im Zuge der Bearbeitung und Bewertung der kommunalen Wärmeplanung für die betrachtete Gemeinde gelangen die Autoren zum Ergebnis, dass weitere Potentiale genutzt werden können. Dies ist dann der Fall, wenn die aktuelle Biogasanlage künftig als Wärmeerzeuger wegfallen sollte und bspw. stattdessen der lokal erzeugte Windstrom über eine Großwärmepumpe die Wärmeversorgung sicherstellt. 4.4 Fazit Grundsätzlich ist festzuhalten, dass im Gemeindegebiet durch die dünne Besiedelungsdichte an sich keine ausreichend belastbare Grundlage existiert um eine zentrale leitungsgebundene Wärmeversorgung wirtschaftlich umzusetzen. Dies ist lediglich in einem kleinen Arealnetz der Fall, welches mit Erdgas beheizt wird. Im 26 untersuchten Gemeindegebiet sind einige EE Potenziale vorhanden, die durch eine intelligente Verknüpfung der Energieströme eine leitungsgebundene Wärmeversorgung mittels erneuerbarer Energien gewährleisten. Die bisherigen Ausbaumöglichkeiten der Wärmenetzinfrastruktur wurden vollumfänglich genutzt. Eine Erhöhung der Anzahl von Anschlussnehmern an das bestehende Netz ist daher nur möglich, wenn energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden und hierdurch neue Anschlusskapazitäten geschaffen werden. Unabhängig davon, identifizieren die Autoren die energetische Gebäudesanierung und Entwicklung/ Förderung eines effizienten Nutzerverhaltens als künftig zu erschließende Potenziale zur weiteren Senkung des Verbrauchs und der Emissionen. Mit Maßnahmen in diesem Segment können nach eigenen Berechnungen Einsparungen beim Wärmeverbrauch von bis zu 33 % bis 2040 realisiert werden. 27 5. Zielszenario In diesem Kapitel betrachten die Autoren mögliche Szenarien der Wärmeversorgung im Untersuchungsgebiet, um im Jahr 2040 die vom Land Schleswig-Holstein gewünschte Treibhausgasneutralität zu erreichen. Nach §18 WPG sind Wärmeversorgungsarten besonders geeignet, die im Vergleich zu den anderen in Betracht kommenden Wärmeversorgungsarten geringe Wärmegestehungskosten, geringe Realisierungsrisiken, ein hohes Maß an Versorgungssicherheit und geringe kumulierte Treibhausgasemissionen bis zum Zieljahr aufweisen, wobei die Wärmegestehungskosten sowohl Investitionskosten einschließlich Infrastrukturausbaukosten als auch Betriebskosten über die Lebensdauer umfassen. Daher werden zunächst allgemeine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen durchgeführt. In den sich anschließenden Kapiteln erfolgt eine weitere Differenzierung der Zielszenarien für die Stützjahre 2030, 2035 und 2040 in dezentrale und zentrale Wärmeversorgungsbereiche. 5.1 Kostenbetrachtungen In der nachfolgenden Abbildung fassen die Autoren die bestimmenden Kostenfaktoren zusammen, die für die Wärmevollkosten einer dezentralen Wärmeversorgung maßgeblich sind. Zu Grunde gelegt ist ein Primärenergiebedarf i.H.v. 25.000 kWh pro Jahr und Haus. Betrachtet werden die drei Energieträger: Öl, Erdgas und Strom/ Wärmepumpe. Zur realistischen Einordnung wird eine sog. Sensitivitätsanalyse vorgenommen, um drei belastbare Szenarien miteinander zu vergleichen: realistisch, optimistisch und pessimistisch. Die zu Grunde gelegten Primärenergiepreise basieren auf Marktpreisen vom Juni 2026. 28 Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe Wärmevollkosten pro kWh Heizung mit u.g. Rahmenbedingungen 0,251 € 0,201 € 0,193 € (brutto) (netto) 0,211 € 0,169 € 0,162 € Primärenergiebedarf Wärme im Haus p.a. 25.000 25.000 25.000 in kWh Installierte Heizleistung in kW 15 15 15 Brennstoffkosten Öl pro Liter, Gas pro 1,090 € 0,106 € 0,198 € kWh, Strom pro kWh [Gas und Strom inkl. Grundgebührkosten] (Stand 6.2026) Wirkungsgrad der Heizung 65% 65% 99% Heizwert in kWh pro Liter Heizöl, pro m³ 9,80 9,80 3,1 Gas, SCOP der Wärmepumpe Brennstoffbedarf p.a. in Liter und kWh (für 2.551 25.000 8.146 Gas und Wärmep.) Brennstoffkosten p.a. 2.781 € 2.662 € 1.616 € CO Emission in Tonne p.a. (gemäß KfW 13,12 10,15 2,85 2 Berechnung für fossile Energien, dt. Strommix gemäß UBA 2026) CO Abgaben p.a. (45€/Tonne in 2024) 590 € 457 € 0 € 2 Investitionskosten Heizung 15 kW inkl. 18.531,9 € 9.453 € 25.210 € Installation, ohne Finanzierungskosten (netto) Finanzierungskosten (3,75%) 695 € 354 € 945 € Nutzungsdauer Jahre 20 20 20 Investitionsabschreibung p.a. (ohne 1.621,5 € 827 € 2.206 € Förderung, inkl. Finanzierung) Investitionsabschreibungen 30 % 1.544,1 € Förderung Investitionsabschreibungen 50 % 1.102,9 € Förderung Investitionsabschreibungen 70 % 661,8 € Förderung Wartung- und Instandhaltung p.a. (inkl. 275 € 275 € 225 € Schornsteinfeger) 29 Einzelsensitivitäten: Wärmevollkosten Wärmevollkosten Wärmevollkosten pro kWh pro kWh pro kWh Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe Nutzungsdauer: 25 Jahre -0,034 € -0,017 € -0,046 € Nutzungsdauer: 30 Jahre -0,039 € -0,020 € -0,053 € Investitionskosten: + 10 % 0,006 € 0,003 € 0,009 € Investitionskosten: + 20 % 0,013 € 0,007 € 0,018 € Brennstoffkosten: + 10 % 0,011 € 0,011 € 0,006 € Brennstoffkosten: + 20% 0,022 € 0,021 € 0,013 € Brennstoffkosten: + 30% 0,033 € 0,032 € 0,019 € Brennstoffkosten: + 100% 0,111 € 0,106 € 0,065 € (Preisschock) Wartungskosten: +20 % 0,002 € 0,002 € 0,002 € Wartungskosten: +40% 0,004 € 0,004 € 0,004 € CO Abgaben: 60 € / Tonne in 0,036 € 0,028 € 0,000 € 2 2026 (im Mittel) CO Abgaben: 70 € / Tonne in 0,042 € 0,032 € 0,000 € 2 20xx (ab 2028 free floating) Szenariobetrachtungen Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe Wärmevollkosten pro kWh (inkl. MwSt.) Szenario: realistisch -mittlere Nutzungsdauer - 20 Jahre -mittlere Investitionskosten -mittlere Brennstoffkosten 0,267 € 0,226 € 0,138 € -mittlere Wartungskosten -mittlere Förderung bei Wärmepumpe -hohe CO2 Abgabe (ab 2027) Szenario: pessimistisch -mittlere Nutzungsdauer - 20 Jahre -hohe Investitionskosten -hohe Brennstoffkosten 0,287 € 0,244 € 0,165 € -hohe Wartungskosten -geringe Förderung bei Wärmepumpe -hohe CO2 Abgabe (ab 2027) Szenario: optimistisch -hohe Nutzungsdauer - 30 Jahre -geringe Investitionskosten -geringe Brennstoffkosten 0,228 € 0,198 € 0,118 € -geringe Wartungskosten -hohe Förderung bei Wärmepumpe -mittleren CO2 Abgabe (ab 2027) 30 Aus dem Vergleich der drei Szenarien und der drei Energieträger geht hervor, dass eine Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpe mit 0,138 €/ kWh die finanziell günstigste Versorgungsoption darstellt. Die Autoren weisen auf folgenden relevanten Aspekt hin: nicht jedes Haus ist ohne energetische Sanierungsmaßnahmen für den Einsatz einer Wärmepumpe geeignet, da Wärmepumpen bei niedrigen Vorlauftemperaturen ihre höchsten Effizienzwirkungsgrade haben. Daher wird an dieser Stelle der zu erwartende durchschnittliche finanzielle Sanierungsaufwand abgeschätzt. Durchschnittliche Sanierungskosten belaufen sich auf ca. 1.000 € / m². Die durchschnittliche Wohnfläche in Einfamilienhäusern beträgt 150 m². Die Nutzungsdauer der energetischen Sanierungsmaßnahme wird mit 30-40 Jahren bewertet. Hieraus ergeben sich bei einem Wärmebedarf i.H.v. 25.000 kWh Mehrkosten von etwa 0,15-0,20 € / kWh. Sollten erforderliche Sanierungsmaßnahmen finanziell „minimaler“ (bspw. 500 € / m²) ausfallen, würde das zu Mehrkosten von 0,075 bis 0,10 €/ kWh führen. Diese Berechnung erfolgt ohne Berücksichtigung evtl. Fördermaßnahmen. Je nach den tatsächlichen erforderlichen Sanierungsumfängen und Fördergegebenheiten variieren die zu berücksichtigenden Zusatzkosten erheblich. Zur Einschätzung eines wirtschaftlichen Vergleichs (dezentrale vs. zentrale Wärmeversorgung) legen die Autoren einen Wärmevollkostenpreis der dezentralen Wärmeversorgung i.H.v. 0,20 € / kWh fest. 5.2 Dezentrale Wärmeversorgung und Zieljahre Das Bundesland Schleswig-Holstein hat sich als ambitioniertes Ziel die Erreichung der Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2040 gesetzt. Dies gilt insbesondere auch im Wärmebereich, der für insgesamt ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs und damit auch für ca. 1/3 der Emissionen verantwortlich ist. Die Autoren subsummieren eine typische Wachstumskurve (analog zu einer Exponentialfunktion) für den Transformationsprozess. Dies bedeutet, dass die Anfangsgeschwindigkeit eher gering ausgeprägt ist, um dann stetig zuzunehmen. Der Entwicklungspfad wird wie in der folgenden Abbildung dargestellt abgeschätzt: Jahr 2026 2030 2035 2040 Wärmeerzeuger (fossile Brennstoffe) 76,4%8 60% 40% 0% Wärmeerzeuger (EE) 23,6% 40% 60% 100% [Wärmepumpe, Geothermie, andere] Abbildung 16: Verteilung Wärmeversorgung in den Zieljahren 2030 - 2040 8 Quelle: Zensus vom 15.05.2022 31 5.3 Zentrale Wärmeversorgung Die Untersuchungen in der Gemeinde ergaben, dass es ein über Erdgas beheiztes Arealnahwärmenetz gibt, an dem die öffentlichen Gebäude angeschlossen sind. 5.4 Energetische Gebäudesanierung und Effizienz Die Autoren identifizierten im Rahmen der Potenzialanalyse folgende Einsparpotenziale: Energetische Sanierung: o Jährliche Sanierungsrate 0,75 % pro Jahr o Effizienzgewinne durch Sanierung 37,5 % pro Jahr o Daraus ergibt sich eine effektive Reduktion des Wärmebedarfs um 0,28 % pro Jahr Effizientes Nutzerverhalten: o Effektive Reduktion des Wärmebedarfes 2,25 % jährlich Hiervon werden unter Annahme der durchschnittlich Sanierungsrate in der Bundesrepublik (0,75% p.a.) Daher empfehlen die Autoren weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Sanierung, um ein größeres Potenzial im Bereich der energetischen Gebäudesanierung zu erschließen. Diesem Aspekt wird im Maßnahmenkatalog Rechnung getragen. 5.5 Fazit Die Untersuchung der Gemeinde Enge-Sande ergab, dass die Wärmeversorgung fast ausschließlich dezentral erfolgt. Dies bedeutet in Konsequenz, dass eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Wesentlichen durch folgende Maßnahmen erreicht werden kann: • energetische Gebäudesanierung • effizientes Nutzerverhalten • Dekarbonisierung der bisherigen dezentralen fossilen Heizungsanlagen 32 6. Maßnahmenkatalog Der Maßnahmenkatalog soll die erarbeiteten Potenziale für eine möglichst zeitnah realisierbare treibhausgasneutrale Wärmeerzeugung aufzeigen. Zur Zielerreichung sehen die Autoren verschiedene Möglichkeiten, die im Folgenden beschrieben werden. 6.1 Dezentrale Wärmeversorgung (auf Basis von EE / Ökostrom) Maßnahme 01 Beschreibung der Maßnahmen Priorisierung Beratung, Planung und Umsetzungsbegleitung der Hoch Dekarbonisierung der dezentralen Heizungsanlagen. Maßnahmenziele Zeitplan Dekarbonisierung der dezentralen Heizungsanlagen Kurz- und mittelfristig Controlling Parameter Identifikation und Ansprache der betroffenen Haushalte 2026 Dekarbonisierung von 20% dieser betroffenen Haushalte bis 2030 Dekarbonisierung von 50 % dieser betroffenen Haushalte bis 2035 Dekarbonisierung von 100 % dieser betroffenen Haushalte bis 2040 Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten Immobilienbesitzer Mieter Energieberater Heizungsbauer Fördermittelgeber und Finanzierungspartner 33 6.2 Energetische Sanierung Maßnahme 02 Beschreibung der Maßnahme Priorisierung Energetische Ertüchtigung der Gebäudehüllen im Hoch Baubestand. Diese Maßnahme sollte nach Möglichkeit umgehend begonnen werden, da Einspareffekte unmittelbar in einer THG Reduzierung resultieren. Maßnahmenziele Zeitplan Reduzierung des Wärmebedarfs durch geringere kurz-, mittel- und langfristig Wärmeverluste und dadurch CO -Einsparungen. 2 Sanierungsrate von jährlich 2 % der Gebäude im Quartier mit mindestens 37,5 % Wärmeverbrauchsreduzierung zum Status quo 2026. Controlling Parameter Anzahl durchgeführter Öffentlichkeitsveranstaltungen mit Energieberatern Anzahl durchgeführte Energieberatungen bei Immobilienbesitzern Anzahl durchgeführte Sanierungsmaßnahmen Eingesparte CO Emissionen in Tonnen pro Jahr durch entsprechende 2- Wärmeverbrauchsreduzierungen Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten Immobilienbesitzer Energieberater Fördermittelgeber Handwerker Bauamt (falls Genehmigungen erforderlich sind) Gemeinde zur Durchführung von Informationsveranstaltungen + Beratungen 34 6.3 Sensibilisierung / Energieberatung / Aufklärung Maßnahme 03 Nutzerverhalten und Bestandsoptimierung Priorisierung Information, Kommunikation und Wissensvermittlung/ Hoch Sensibilisierung der Bürger Maßnahmenziele Zeitplan Reduktion der Emission angepasstes Nutzerverhalten kurz-, mittel- und langfristig Optimierung von Steuerung/Regelung Hydraulischer Abgleich Controlling Parameter Anzahl Energieberatungen, öffentliche Informationsveranstaltungen Erfassung erfolgter Einsparung Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten Immobilienbesitzer Energieberater Fördermittelgeber Handwerker Gemeinde zur Durchführung von Informationsveranstaltungen + Beratungen 35 7. Controlling- und Monitoringkonzept Im vorangegangenen Kapitel wurden spezifische Maßnahmenpakete identifiziert und beschrieben. Für jede einzelne Maßnahme sind konkrete Controlling-Parameter benannt. Diese sollen eine transparente Überprüfung des Fortschritts sicherstellen. Die Autoren empfehlen, in einem Rhythmus von fünf Jahren Fortschrittserhebungen mittels Befragung und auf Basis verfügbarer aktueller Daten (Schornsteinfeger, Gasnetzversorger, Stromversorger, Zensus, ...) durchzuführen. Daraus ist ein aussagekräftiges Energie- und CO -Monitoring und -Controlling möglich. 2 Für eine zügige und erfolgreiche Umsetzung sowie für eine Nachverfolgung wird empfohlen, einen ehrenamtlich besetzten Arbeitskreis ins Leben zu rufen. Die Gemeindevertretung in Zusammenarbeit mit dem zuvor empfohlenen Arbeitskreis stellen eine kontinuierliche Dokumentation der Arbeiten im Kontext mit den betrachteten Maßnahmen und Empfehlungen sicher. Als Verstetigungsstrategie empfehlen die Autoren der Gemeinde einen dauerhaften Arbeitskreis zu diesem Thema zu etablieren und in regelmäßigen Abständen (bspw. jährlich) an die Gemeindevertretung über relevante Entwicklungen zu berichten. Des Weiteren sollte die Gemeinde auf der Basis des hier entwickelten Maßnahmenkatalogs die darin identifizierten Zielparameter in der Entwicklungsstrategie für die Gemeinde berücksichtigen. Hierdurch wird eine langfristige Verstetigung der Klimastrategie gefördert. 8. Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Akteursbeteiligung In diesem Projekt wurde eine barrierefreie und bürgernahe Kommunikation verfolgt, um möglichst alle Bürger und Beteiligte in den Prozess einzubinden. Mittels unterschiedlicher Kommunikationsformate und -methoden gelang es gemeinsam mit den Bürgermeistern in diesem Projekt die Bürger und andere Schlüsselakteure bedarfsgerecht anzusprechen, einzubinden und alle relevanten Informationen auszutauschen. Die Gemeinde befindet sich im ländlichen Raum, der für privatwirtschaftliche Energieversorgungsunternehmen an sich in Bezug auf Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen wenig attraktiv ist. Im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung fanden Öffentlichkeitsveranstaltungen statt. In diesen informierte der Auftragnehmer REINSTEIN die anwesenden Bürger und Interessierten über die Inhalte, Bearbeitungsschritte und erarbeiteten Untersuchungsergebnisse. Über die Projektabwicklungsphase wurden regelmäßige Abstimmungstermine mit der dem Lenkungskreis durchgeführt. 36 9. Ausblick Das aktuell stark zurückhaltende Stimmungsbild in der Bevölkerung scheint wesentlich geprägt durch die politische Verunsicherung im heutigen Zeitgeschehen. Die langfristigen Herausforderungen jedoch bleiben bestehen: • CO -Reduktionsbedarf 2 • Anpassung an den Klimawandel • Diversifizierung der Energiebeschaffung auf internationaler Ebene • steigender CO -Preis 2 • stark schwankende Energiepreise • hoher energetischer Sanierungsbedarf Zusätzlich führt die ökonomische Gesamtsituation aktuell zu einer allgemeinen Investitionszurückhaltung. Da es sich bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung um ein strategisches Ziel bis 2040 handelt, ist für die Erreichung ein langer Atem unabdingbar. 37

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