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Beratung und Beschlussfassung zum erstellten Wärmekonzept
Sonstiges
| Typ | Sonstiges |
| Gemeinde | Amt Südtondern |
| Datum | 2026-11-04 |
| Quelle | Quelldokument herunterladen → |
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Extrahierter Text
0 20.9.2026 REAL Koch Reinstein Erstausgabe
Rev Datum Erstellt Geprüft Freigegeben Details der Revision
Handhabung Anzahl Anlagen zum Dokument Format
öffentlich - A4
Projekt DCC
Kommunale Wärmeplanung
für die Gemeinde Enge-Sande
Teildokumentnummer
Datum Name Maßstab -/-
Erstellt 15.09.2026 REAL Titel
Geprüft 17.09.2026 Koch Schlussbericht
Freigegeben 20.09.2026 Reinstein
Lieferanten-
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Dokument-Nr. Seite von Revision
Seiten
139-69-009 1 37 0
www.realenergie24.de
Copyright © REINSTEIN 2026
1
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ................................................................................................ 3
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................... 4
1. Ausgangslage Ziele und Auftrag ........................................................................ 5
1.1 Ausgangslage .................................................................................................... 5
1.2 Ziele und Auftrag ................................................................................................ 7
1.3 Aufbau der Studie .............................................................................................. 8
2. Zusammenfassung der Ergebnisse ..................................................................... 9
3. Bestandsanalyse ............................................................................................... 12
3.1 Grundsätzliche Situation der beteiligten Amtsgemeinden Südtondern ............. 13
3.2 Bestandsanalyse .............................................................................................. 15
3.3 Herleitung Eignungskriterium und Einordnung der Gemeinde ......................... 20
3.4 Zusammenfassung der Situation in der Gemeinde .......................................... 22
3.5 Fazit ................................................................................................................. 23
4. Potentialanalyse ................................................................................................ 24
4.1 Wärmebedarfsreduzierung und Effizienz ......................................................... 24
4.2 Nutzung unvermeidbarer Abwärme .................................................................. 25
4.3 Potenziale zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien .................... 26
4.4 Fazit ................................................................................................................. 26
5. Zielszenario ....................................................................................................... 28
5.1 Kostenbetrachtungen ....................................................................................... 28
5.2 Dezentrale Wärmeversorgung und Zieljahre .................................................... 31
5.3 Zentrale Wärmeversorgung .............................................................................. 32
5.4 Energetische Gebäudesanierung und Effizienz ............................................... 32
5.5 Fazit ................................................................................................................. 32
6. Maßnahmenkatalog ........................................................................................... 33
6.1 Dezentrale Wärmeversorgung (auf Basis von EE / Ökostrom) ........................ 33
6.2 Energetische Sanierung ................................................................................... 34
6.3 Sensibilisierung / Energieberatung / Aufklärung ............................................... 35
7. Controlling- und Monitoringkonzept ................................................................... 36
8. Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Akteursbeteiligung ............................... 36
9. Ausblick ............................................................................................................. 37
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Räumliche Lage der Amtsgemeinden Südtondern ................................. 6
Abbildung 2: Gemarkung der beteiligten 26 Amtsgemeinden ..................................... 7
Abbildung 3: Datenarten und Quellen der Bestandsanalyse .................................... 12
Abbildung 4: Übersicht Gemeinden .......................................................................... 13
Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Amt Südtondern ......................... 14
Abbildung 6: räumliche Einordnung der Gemeinde Enge-Sande ............................. 15
Abbildung 7: Gebäude- und Siedlungsstruktur der Gemeinde Enge-Sande ............. 16
Abbildung 8: Anzahl Gebäude mit Wohnraum nach Baualtersklasse ....................... 16
Abbildung 9: Energieträger ....................................................................................... 17
Abbildung 10: Trassenverläufe Arealnetz ................................................................ 18
Abbildung 11: Wärmebedarf / Quelle: Digitaler Atlas Nord (Wärme) ........................ 19
Abbildung 12: Definition der Eignungskriterien ......................................................... 20
Abbildung 13: Wärmeliniendichte der Gemeinde Enge-Sande ................................. 22
Abbildung 14: Wärmeverluste über die Gebäudehülle ............................................ 24
Abbildung 15: Einsparpotenzial Wärmeverbrauch für die Jahre 2025-2040 ............. 25
Abbildung 16: Verteilung Wärmeversorgung in den Zieljahren 2030 - 2040 ............. 31
3
Abkürzungsverzeichnis
SI-Einheiten und allgemeinsprachliche Abkürzungen sind nicht erläutert.
a Jahr
BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Bau GB Baugesetzbuch
CO Kohlenstoffdioxid
2
EE Erneuerbare Energien
EEG Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-
Energien-Gesetz)
el elektrische (Leistung oder Arbeit)
GEG Gebäudeenergiengesetz
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KWK Kraft Wärme Kopplung (Verbrennungsmotor + Nutzung der
Abwärme)
KWP Kommunaler Wärmeplan
MWU Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt
des Landes Sachsen-Anhalt
p.a. pro Jahr
PG Potenzialgebiet
rd. rund, circa, etwa
REAL Name der Arbeitsgemeinschaft (Reinstein, EW-CON, Acontax,
Litschke & Gemeinwohlgenossenschaft Nord)
th thermische (Leistung oder Arbeit)
THG Treibhausgas
UBA Umweltbundesamt
WE Wohneinheit
WPG Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der
Wärmenetze
4
Gender Aspekte
Die Autoren des vorliegenden Berichtes sind sich dessen bewusst, dass es
verschiedene Geschlechter gibt. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird im
Bericht in der Regel die männliche Form der Begriffe verwendet. Damit sind stets
immer alle Geschlechter gemeint und angesprochen. Dies stellt seitens der Autoren
keinerlei Bewertung dar.
1. Ausgangslage Ziele und Auftrag
1.1 Ausgangslage
Das Amt Südtondern liegt im äußersten Norden des Bundeslandes Schleswig-Holstein
und gehört zum Landkreis Nordfriesland. Es grenzt direkt an Dänemark und erstreckt
sich zwischen der Nordseeküste im Westen und dem Geestrücken im Osten.
Verwaltungssitz des Amtes ist die Stadt Niebüll.
Die Landschaft Südtonderns ist durch ihre Lage im nordfriesischen Küstenraum
geprägt. Große Teile gehören zur Marsch, einer flachen, fruchtbaren Landschaft, die
über Jahrhunderte dem Meer abgerungen wurde. Charakteristisch sind weite Wiesen,
Felder und ein dichtes Netz aus Entwässerungsgräben. Im Westen grenzt das Gebiet
an das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Die Küstenregion mit ihren Deichen
schützt das Hinterland vor Sturmfluten. Das Wattenmeer stellt einen bedeutenden
Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar und ist insbesondere für
Zugvögel von internationaler Bedeutung. Eine besondere geografische Eigenart sind
die zahlreichen Köge. Dabei handelt es sich um eingedeichte und trockengelegte
Flächen, die durch Landgewinnung entstanden sind. Östlich der Marsch geht die
Landschaft allmählich in die Geest über. Diese leicht erhöhten Gebiete entstanden
während der Eiszeiten und weisen sandigere Böden sowie eine abwechslungsreichere
Topografie auf. Das Gebiet Südtondern ist zudem von vielen kleinen Flüssen, Bächen
und Sielen durchzogen. Bedeutend sind die Flusssysteme der Wiedau und des
Soholmer Au-Gebietes, die zur Entwässerung der Marsch beitragen.
Durch seine Grenzlage zu Dänemark besitzt Südtondern eine besondere kulturelle und
wirtschaftliche Bedeutung. Die Region ist von einem engen deutsch-dänischen
Austausch geprägt und gehört zum grenzüberschreitenden Lebensraum der deutsch-
dänischen Grenzregion.
Verkehrstechnisch ist das Amt Südtondern über die Bundesstraße B5 als wichtigste
Nord-Süd-Verbindung an die Regionen Nordfrieslands sowie an Hamburg
angebunden. Die Bahnstrecke Hamburg–Westerland mit dem zentralen Bahnhof in
Niebüll gewährleistet eine gute Anbindung an den Schienenfernverkehr und an die
Insel Sylt. Darüber hinaus bestehen grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen
5
nach Dänemark, insbesondere in Richtung Tønder. Die überwiegend ländlich
geprägten Gemeinden werden durch ein Netz aus Landes- und Kreisstraßen
erschlossen.
Die Verwaltung mit Sitz in der Stadt Niebüll ist für 30 Kommunen mit über 40.000
Einwohnerinnen und Einwohnern zuständig und bildet somit einwohnermäßig das
größte Amt in Schleswig-Holstein. 26 Kommunen werden im Zuge der vom Amt
Südtondern ausgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung betrachtet.
Abbildung 1: Räumliche Lage der Amtsgemeinden Südtondern
6
Abbildung 2: Gemarkung der beteiligten 26 Amtsgemeinden
1.2 Ziele und Auftrag
Die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung sehen einen schrittweisen Ersatz
fossiler Energieträger durch erneuerbare Ressourcen in der Wärmeversorgung vor.
Dabei soll der Gebäudebestand bundesweit bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden.
Das Bundesland Schleswig-Holstein hat beschlossen bereits 2040 vollständig
klimaneutral zu sein. Innovativen Wärmenetzen kommt hierbei eine besondere
Bedeutung zu, da die Neugestaltung der Wärmebereitstellung weit weniger kleinteilig
7
und kosteneffizienter gegenüber einer Vielzahl von dezentralen Einzelanlagen
erfolgen kann.
Diese Wärmeplanung soll alle für den Untersuchungsraum zutreffenden
Anforderungen des WPG erfüllen.
Mit dem kommunalen Wärmeplan wird den Gemeinden des Amtes Südtondern ein
strategisches Planungsinstrument an die Hand gegeben. Die Gemeinden erhoffen
sich, auf örtlicher Ebene den nationalen und europäischen Klimaschutzzielen soweit
möglich gerecht zu werden und vorhandene Potenziale vor Ort zu identifizieren und zu
nutzen.
1.3 Aufbau der Studie
Der Aufbau dieser Ausarbeitung orientiert sich an den gesetzlichen Vorgaben einer
kommunalen Wärmeplanung.
In Kapitel 1 sind Ausgangslage, Ziele und Auftrag beschrieben. Kapitel 2 fasst die
Kernergebnisse zusammen. Der Status Quo der zu untersuchenden Gemeinde wird
in der Bestandsanalyse in Kapitel 3 dargestellt. Potenziale und eine Bewertung der
vorhandenen Energieträger werden in Kapitel 4 beschrieben. Kapitel 5 formuliert
Zielszenarien möglicher Wärmeversorgungsarten. Kapitel 6 enthält einen
Maßnahmenkatalog zur Zielerreichung. Kapitel 7 befasst sich mit dem Controlling der
Zielerreichung. Kapitel 8 erläutert die angewandten Methoden und
Beteiligungsformate der Öffentlichkeitsarbeit. Die Ausarbeitung endet mit einem
Ausblick auf mögliche nächste Schritte im 9. Kapitel.
8
2. Zusammenfassung der Ergebnisse
Ausgangssituation
Die Gemeinde Enge-Sande liegt rund 14 km südöstlich von Niebüll im Amt Südtondern
und ist durch eine typische ländliche, dünne Siedlungsstruktur geprägt. In der
Gemeinde leben rund 1.137 Einwohner in etwa 479 Gebäuden. Der Gebäudebestand
wird überwiegend durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägt. Ein erheblicher Teil der
Wohngebäude wurde vor 1980 errichtet, sodass ein entsprechender energetischer
Sanierungsbedarf besteht.
Der gesamte Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser wird auf rund 16.000
MWh pro Jahr geschätzt. Die Wärmeversorgung erfolgt heute überwiegend dezentral.
Rund 45 % der Gebäude werden mit Heizöl und weitere 31 % mit Erdgas bzw.
Flüssiggas beheizt. Wärmepumpen, Solar- bzw. Geothermieanlagen machen
zusammen rund 8 % aus.
In Enge-Sande bestehen zugleich bereits umfangreiche Erzeugungsanlagen für
erneuerbare Energien, darunter Bürgerwindparks und Photovoltaik-
Freiflächenanlagen. Diese Ausgangssituation bietet grundsätzlich gute
Voraussetzungen für eine zukünftige Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer
Energien.
Bestehende Nahwärmeversorgung und Wärmenetzeignung
Für öffentliche Gebäude wie Feuerwehr, Schule, Kindertagesstätte, Sportlerheim
sowie ein Freibad existiert ein kleines Arealnahwärmenetz. Dieses wird derzeit mit
Erdgas und einem Pelletofen betrieben. Die Untersuchung zeigt, dass die
Siedlungsstruktur der Gemeinde für einen flächendeckenden Ausbau eines
Wärmenetzes ungünstig ist. Die Wärmeliniendichte liegt im Gemeindegebiet
überwiegend unter 1.500 kWh/(m x a) und damit deutlich unter dem für eine
weitergehende Betrachtung angesetzten Wert von 2.300 kWh/(m x a). Aufgrund der
weit auseinanderliegenden Gebäude und der geringen Wärmedichte wird deshalb kein
weiteres Gebiet identifiziert, in dem ein neues leitungsgebundenes Wärmenetz
wirtschaftlich betrieben werden könnte. Das bestehende kleine Arealnetz stellt damit
eine besondere lokale Situation dar; ein großflächiger Ausbau wird nicht empfohlen.
Potenziale erneuerbarer Energien
Für Enge-Sande wurden verschiedene erneuerbare Energiequellen untersucht,
darunter Biomasse, Solarenergie, Geothermie und Windenergie. Ein relevantes
nutzbares Potenzial aus unvermeidbarer Abwärme konnte nicht festgestellt werden. In
Soholm gibt es zwar einen Milcherzeugungsbetrieb mit einem Abwärmepotenzial. Die
technische Umsetzung ist kostenintensiv und am Ende für nur etwa 4 Häuser zur
Versorgung ausreichend. Sollte die bisherige Wärmebereitstellung des bestehenden
Arealnetzes perspektivisch verändert werden, könnte lokal erzeugter Windstrom über
eine Großwärmepumpe zur Wärmeerzeugung genutzt werden. Damit ließe sich die
vorhandene Wärmeinfrastruktur mit erneuerbarer Energie weiter nutzen. Der
9
betreffende Windpark befindet sich jedoch räumlich weit entfernt, sodass die
Wirtschaftlichkeit nach Ansicht der Autoren nur schwerlich gegeben sein wird.
Wärmepumpen als zentrale Zukunftstechnologie
Da ein flächiger Ausbau von Wärmenetzen nicht wirtschaftlich erscheint, kommt der
dezentralen Wärmeversorgung eine große Bedeutung zu. Wärmepumpen werden
dabei als wesentliche Zukunftstechnologie betrachtet. Der Kostenvergleich der Studie
weist für die betrachteten Rahmenbedingungen niedrigere Wärmevollkosten für
Wärmepumpen als für Öl- und Gasheizungen aus. Gleichzeitig sind die damit
verbundenen Treibhausgasemissionen deutlich geringer. Voraussetzung für einen
effizienten Wärmepumpenbetrieb ist allerdings häufig eine Anpassung des Gebäudes.
Insbesondere bei älteren Gebäuden können Maßnahmen an Gebäudehülle und
Heizsystem erforderlich sein, um mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten zu
können. Die Umstellung auf Wärmepumpen wird daher eng mit der energetischen
Sanierung des Gebäudebestands verknüpft.
Energetische Sanierung und Energieeinsparung
Die Reduzierung des Wärmebedarfs ist ein wesentlicher Bestandteil des
Transformationspfades. Durch Maßnahmen an Außenwänden, Dächern, Kellerdecken
und Fenstern sowie durch die Optimierung der Heizungsanlagen können erhebliche
Energieeinsparungen erreicht werden. Zusätzlich sieht die Studie ein relevantes
Potenzial durch verändertes Nutzerverhalten, beispielsweise durch angepasstes
Heizen und Lüften, optimierte Heizungsregelungen und hydraulischen Abgleich. Unter
den zugrunde gelegten Annahmen wird bis 2040 ein kumuliertes Einsparpotenzial
beim Wärmeverbrauch von rund 33 % gegenüber dem Ausgangswert abgeschätzt.
Zielszenario bis 2040
Ziel der Wärmeplanung ist eine weitgehend treibhausgasneutrale Wärmeversorgung
bis 2040. Die Transformation soll vor allem über drei miteinander verbundene Ansätze
erfolgen:
• energetische Sanierung und Reduzierung des Wärmebedarfs,
• Umstellung fossiler Einzelheizungen auf erneuerbare Wärmeerzeuger,
insbesondere Wärmepumpen,
• Dekarbonisierung und langfristige Sicherung des bestehenden
Arealnahwärmenetzes.
Für die dezentrale Wärmeversorgung sieht die Studie einen schrittweisen Rückgang
fossiler Heizungen vor. Der Anteil fossiler Wärmeerzeuger soll von derzeit rund 76 %
auf etwa 60 % im Jahr 2030, 40 % im Jahr 2035 und 0 % im Jahr 2040 reduziert
werden.
Eine Versorgung privater Gebäude mit Wasserstoff wird von den Autoren nicht als
realistische Option angesehen.
10
Zentrale Maßnahmen
Aus der Untersuchung werden insbesondere drei Maßnahmen mit hoher Priorität
abgeleitet:
1. Dekarbonisierung der dezentralen Heizungen
Öl- und Gasheizungen sollen schrittweise durch erneuerbare Heizsysteme,
insbesondere Wärmepumpen, ersetzt werden. Als Ziel wird eine vollständige
Dekarbonisierung bis 2040 formuliert.
2. Energetische Sanierung des Gebäudebestands
Die energetische Qualität der Gebäudehüllen soll verbessert werden. Die
Studie empfiehlt eine deutlich höhere Sanierungsaktivität, um Wärmebedarf
und Heizkosten zu reduzieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen
effizienten Wärmepumpeneinsatz zu schaffen.
3. Information, Beratung und Sensibilisierung
Bürgerinnen und Bürger sollen kontinuierlich über Energieeinsparung,
Fördermöglichkeiten, Sanierung und moderne Heiztechnik informiert werden.
Energieberatungen, Informationsveranstaltungen sowie Maßnahmen zur
Optimierung von Heizungssteuerung und hydraulischem Abgleich sollen die
Umsetzung unterstützen.
Controlling und Ausblick
Für die Umsetzung empfiehlt die Studie ein kontinuierliches Monitoring. Fortschritte
sollen etwa alle fünf Jahre anhand aktueller Daten zu Gebäuden, Heizungen,
Energieverbräuchen und Emissionen überprüft werden. Ergänzend wird die
Einrichtung eines dauerhaft arbeitenden, ehrenamtlichen Arbeitskreises empfohlen,
der die Umsetzung begleitet und regelmäßig an die Gemeindevertretung berichtet.
Fazit
Enge-Sande verfügt durch die vorhandenen erneuerbaren Energieanlagen und das
bestehende kleine Arealnahwärmenetz über wichtige Ausgangsvoraussetzungen für
die Transformation der Wärmeversorgung. Aufgrund der dünnen Siedlungsstruktur
und der geringen Wärmeliniendichten wird ein weiterer flächiger Ausbau von
Wärmenetzen jedoch nicht als wirtschaftlich angesehen. Der Schwerpunkt der
zukünftigen Wärmeversorgung liegt daher auf der dezentralen Nutzung erneuerbarer
Energien, insbesondere durch Wärmepumpen, sowie auf einer deutlichen Steigerung
der energetischen Gebäudesanierung. Das bestehende Arealnetz soll dabei erhalten
und perspektivisch möglichst auf eine erneuerbare Wärmeversorgung umgestellt
werden.
Die Studie sieht bei konsequenter Umsetzung der Maßnahmen grundsätzlich die
Möglichkeit, die Wärmeversorgung der Gemeinde bis 2040 treibhausgasneutral zu
gestalten.
11
3. Bestandsanalyse
Für die Bestandsanalyse wurden im Wesentlichen Gebäude-, Heizungs- und
Infrastrukturdaten erhoben, gesichtet und verarbeitet. Um den Datenschutz zu wahren,
wurden die Daten von der Gebäudeebene zu Quartieren und Straßenabschnitten
zusammengefasst.
Kategorie Erhaltene Daten Quellen
Gebäude- und • u.a. Adresse Landesamt für Vermessung
Grundstücksdaten • Gebäudefunktion und Geoinformation
• Flurstücksfläche Schleswig-Holstein (ALKIS
• Baualtersklassen Daten);
• Energieträger Zensus 2022
Energieverbräuche Blockbezogen: Erdgas:
(leitungsgebunden) • Erdgasverbräuche SH Netz
• Heizstromverbräuche Heizstrom: SH Netz
Wärmeliniendichte Digital Atlas Nord
Heizungsdaten Blockbezogen: Schornsteinfegerdaten aus
• Brennstoff dem Datenbestand des
• Alter statistischen Amtes für
Schleswig-Holstein und
Hamburg
Zensus 2022
KWKG- Anlagenscharf: Marktstammdatenregister
Anlagen • Leistung (elektrisch)
Abbildung 3: Datenarten und Quellen der Bestandsanalyse
Für die Bestandsanalyse im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung mussten die
verschiedenen Datensätze aufbereitet und miteinander in Bezug gesetzt werden. Der
Datenschutz (DGSVO) erfordert oftmals eine Gruppierung der Primärdaten, die dann
für die Datenanalyse zu teils erheblichen Verzerrungen führt. Die Datenlage erwies
sich zudem im Segment der Wärmeverbräuche als inhomogen, für den
Untersuchungsgegenstand aber als ausreichend plausibel.
12
3.1 Grundsätzliche Situation der beteiligten Amtsgemeinden Südtondern
Die Region des Amtsbezirks Südtondern zeichnet sich insbesondere dadurch aus,
dass bereits in den 80er Jahren erste Pioniere erfolgreich erneuerbare
Energieinfrastruktur aufbauen konnten. Dies begründet warum trotz dünner
Besiedlungsdichte eine Vielzahl an erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen in das
Energiesystem integriert sind. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick der
Situation in den beteiligten Amtsgemeinden Südtonderns.
Gemeinde Einwohner Wärmenetz Biogas Windpark PV Park
Achtrup 1558 ja ja ja ja
Aventoft 416 nein nein nein ja
Bosbüll 251 ja nein ja ja
Braderup 675 ja ja ja nein
Bramstedtlund 211 ja ja ja nein
Dagebüll 902 ja ja ja ja
Ellhöft 112 nein nein ja ja
Emmelsbüll-Horsbüll 884 ja ja ja nein
Enge-Sande 1137 ja ja ja ja
Galmsbüll 606 nein ja ja nein
Holm 94 nein nein nein nein
Humptrup 772 nein nein nein ja
Karlum 211 nein nein ja nein
Klanxbüll 1042 ja nein ja ja
Klixbüll 1059 ja ja ja ja
Ladelund 1455 ja ja ja ja
Lexgaard 54 nein nein nein nein
Neukirchen 1107 ja ja nein ja
Rodenäs 400 nein nein nein nein
Sprakebüll 262 ja ja ja ja
Stadum 969 ja ja ja nein
Stedesand 883 ja ja ja ja
Süderlügum 2424 ja ja ja ja
Tinningstedt 224 nein nein ja nein
Uphusum 335 ja ja nein ja
Westre 361 ja ja ja nein
Abbildung 4: Übersicht Gemeinden
Die Gemeinden im Untersuchungsraum befinden sich im Kreisgebiet Nordfriesland.
Gemäß den Auswertungen von Statistik Nord verzeichnet die Bevölkerung in den
Jahren 2002-2022 ein Wachstum von ca. 2 %, der Landesdurchschnitt betrug im
gleichen Zeitraum 4,9%.
13
Abbildung 5: Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Amt Südtondern 1
1 Quelle: Statisk Nord https://www.statistik-
nord.de/fileadmin/Dokumente/Presseinformationen/SI24_005.pdf
14
3.2 Bestandsanalyse
Die Gemeinde Enge-Sande befindet sich ca. 14 km südöstlich von Niebüll entfernt.
Laut amtlicher Information leben 1137 Personen in 444 Wohngebäuden in der
Gemeinde.
Abbildung 6: räumliche Einordnung der Gemeinde Enge-Sande
In der Gemeinde existiert ein Bürgerwindpark, bestehend aus zwei Gesellschaften mit
insgesamt 11 Windkraftanlagen. Zudem befinden sich zwei PV-Freiflächenanlagen im
Gemeindegebiet.
Aktuell versorgt ein gasbefeuertes Arealwärmenetz die öffentlichen Gebäude
(Feuerwehr, Schule, KiTa und Sportlerheim) sowie ein Freibad. Als Redundanz bzw.
zur Abdeckung von Spitzen wird ein Pelletofen eingesetzt. Laut Aussage der
Gemeinde sind die Anlagenverfügbarkeit des gasbefeuerten BHKWs sowie die seit der
Erneuerung der Heizung aufgelaufenen Betriebs- und Wartungskosten nicht
zufriedenstellend.
Nennenswerte Abwärmequellen im Gemeindegebiet konnten nicht identifiziert werden.
15
Die Gebäude- und Siedlungsstruktur in der Gemeinde Enge-Sande stellt sich wie
folgt dar:
Gebäudekategorie Anzahl Gebäude Anteil
Gebäude 479 100%
davon Gebäude mit Wohnraum
davon EFH 388 81,0%
davon ZFH 41 8,6%
davon Mehrfamilienhaus ≥ 3 9 1,8%
davon andere bewohnte Unterkünfte
Büro- und Geschäftsgebäude 41 8,6%
Fabriken, Werkstätten,
Betriebsgebäude
Öffentliche Gebäude
Sonstige Gebäude
Abbildung 7: Gebäude- und Siedlungsstruktur der Gemeinde Enge-Sande2
Ermittlung der überwiegenden Baualtersklasse
Die Gebäude mit Wohnraum wurden den folgenden Baualtersklassen zugeordnet:
Baualtersklasse (BAK) Anzahl Anteil BAK
Summe aller Gebäude 486 100%
bis 1919 85 17,5%
1919 - 1949 47 9,7%
1945 - 1979 135 27,8%
1980 - 1989 53 10,9%
1990 - 1999 71 14,6%
2000 - 2009 48 9,9%
2010 - 2019 21 4,3%
2020 und später 26 5,3%
Abbildung 8: Anzahl Gebäude mit Wohnraum nach Baualtersklasse3
Analyse der dezentralen Wärmeerzeuger in Gebäuden
Der Ermittlung des Wärmebedarfs ging eine Analyse der bestehenden
Wärmeinfrastruktur voran, in der das primäre Heizsystem je Gebäude identifiziert
2 Quelle: Zensus 2022
3 Quelle: Zensus 2022
16
wurde. Als Datengrundlage dienten Daten des Zensus und der
Bezirksschornsteinfeger.
Energieträger Anzahl Anteil
Summe 478 100 %
Erdgas, Flüssiggas 150 31,4%
Heizöl 215 45,0%
Nah-/Fernwärme* 25 5,2%
Wärmepumpe, Solar/Geothermie 39 8,3%
Holzpellets, Holz stückig 27 5,6%
Strom (ohne Wärmepumpe) 16 3,3%
Biomasse (ohne Holz), Biogas 3 0,6%
Keine Heizung 3 0,6%
Abbildung 9: Energieträger4
* zentrale Wärmeerzeugung
4 Quelle: Zensus 2022
17
Analyse des bestehenden Wärmenetzes
In der Gemeinde existiert ein Arealnahwärmenetz, welches mittels Erdgas und einem
Pelletofen beheizt wird. Die Trassenverläufe sind in der nachfolgenden Abbildung
dargestellt:
Abbildung 10: Trassenverläufe Arealnetz 5
Bedarfswerte Wärme
Die Bestimmung des Wärmebedarfs erfolgte für die leitungsgebundenen Heizsysteme
(Erdgas, Wärmenetz, Strom für Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen) über
die gemessenen Verbrauchsdaten (Endenergieverbräuche), sofern diese verfügbar
waren. Mit durchschnittlichen Wirkungsgraden der verschiedenen Heiztechnologien
konnte so auf den Wärmebedarf (Nutzenergie) rückgeschlossen werden. Bei nicht-
leitungsgebundenen Heizsystemen (Heizöl, Holz, Kohle) und bei beheizten Gebäuden
mit fehlenden Informationen zum verwendeten Heizsystem wurde der Wärmebedarf
auf Basis der Daten des Digital Atlas Nord und Zensus ermittelt.
Der gesamte Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser der Gemeinde beträgt
laut Digital Atlas Nord ca. 16.000 MWh/a.
5 Quelle: Quartierskonzept Treurad und Partner, S. 52, 2022
18
Abbildung 11: Wärmebedarf / Quelle: Digitaler Atlas Nord (Wärme)
19
3.3 Herleitung Eignungskriterium und Einordnung der Gemeinde
Zur Prüfung der Eignung für Nahwärme der betrachteten Gebiete lehnen sich die
Autoren zunächst an den Leitfaden Wärmeplanung des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und Bundesministeriums für Wohnen,
Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vom Juni 2024 an.
Demzufolge ergeben sich die untenstehenden Grenzwerte und entsprechenden
Empfehlungen für die Ausweisung von Eignungsgebieten.
Abbildung 12: Definition der Eignungskriterien6
Für diese Ausarbeitung werden folgende Bewertungsgrundlagen berücksichtigt:
• Wärmeliniendichte wird pro Straßenmeter errechnet
• gemäß obiger Tabelle sollte die Wärmeliniendichte für eine weitere Betrachtung
mindestens 1.500 kWh / (m x a) betragen
• die Autoren empfehlen die Berücksichtigung der Anschlussbereitschaft der
Anlieger, da dies die tatsächliche Wärmelieferung im zu planenden Netz
reduziert (bspw. bei einer Wärmeliniendichte von 1.500 kWh/ (m x a) und einer
Mindestanschlussquote von 65 % die Definition der erforderlichen
Mindestwärmeliniendichte mit 1.500 / 0,65 = 2.300 kWh / (m x a)
• Da die bundesdurchschnittliche Sanierungsrate pro Jahr seit Jahrzehnten bei
0,7-0,8% liegt und eine Änderung nach Beurteilung der Autoren nicht zu
erwarten ist, sind deren Einsparungseffekte sehr gering und haben keinen
Einfluss auf die Dimensionierung eines möglichen Netzes.
Aus obiger Herleitung wird für die Prüfung der Gebietseignung als Kriterium 2.300 kWh
pro Straßenmeter und Jahr zu Grunde gelegt.
Bei Verwendung dieses Eignungskriteriums dürfte es in keiner der betrachteten
Amtsgemeinden ein Nahwärmenetz geben. Da dies nicht der Fall ist, adaptieren die
Autoren die Bewertungsgrundlage wie folgt:
6 vgl. Leitfaden Wärmeplanung ifeu et al; Juni 2024 Seite 54, Tabelle 11 und 12
20
existiert in der betrachteten Gemeinde ein Nahwärmenetz kann dennoch die
kommunale Wärmeplanung im vereinfachten Verfahren durchgeführt werden, soweit
keine anderen Kriterien dagegensprechen. Die Autoren ergänzen in diesem Fall das
entsprechende Fachgutachten um relevante Zusatzinformationen, um die
energetische IST-Situation vor Ort umfänglicher beschreiben zu können. Sofern kein
Nahwärmenetz vorhanden ist, wird das vereinfachte Verfahren nach dem schleswig-
holsteinischem Landesgesetz (Gesetz über die Energiewende, den Klimaschutz und
die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (Energiewende- und
Klimaschutzgesetz - EWKG) vom 7. März 2017 § 11 Vereinfachtes Verfahren)
angewendet.
Da vor Ort ein kleines Arealwärmenetz besteht, wird für die Gemeinde Enge-
Sande die kommunale Wärmeplanung im vereinfachten Verfahren, ergänzt um
Zusatzinformationen durchlaufen.
21
3.4 Zusammenfassung der Situation in der Gemeinde
Die folgende Karte stellt die Wärmeliniendichte dar:
Abbildung 13: Wärmeliniendichte der Gemeinde Enge-Sande
Die Wärmeliniendichte drückt aus, wie viel Wärmeenergie pro Straßenmeter in einem
Jahr benötigt wird. Je mehr Wärme verbraucht wird, um so höher ist diese Zahl. In
Kapitel 3.3 sind Eignungskriterien abgeleitet, die als Hilfestellung zur Einordnung der
Situation dienen. Die Autoren definieren eine minimale Wärmeliniendichte von 2.300
kWh / (m x a) als erforderlich für die weitere Betrachtung einer netzgebundenen
Wärmeversorgung. Wie in Abbildung 13 erkennbar, ist die Wärmeliniendichte im
Gemeindegebiet überwiegend < 1.500 kWh / (m x a). Wie im ländlichen Raum üblich,
stehen die vorhandenen Gebäude vergleichsweise weit auseinander, die
Bebaubungsdichte ist als dünn zu bezeichnen. Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass
in der Gemeinde nach Einschätzung der Autoren unter den aktuellen
Rahmenbedingenen kein leitungsgebundes Wärmenetz wirtschaftlich betrieben
werden kann.
22
3.5 Fazit
Die Analyse des Untersuchungsraums mit Eignungsprüfung ergab:
• die Gemeinde weist eine geringe Siedlungsdichte auf
• es existiert ein kleines Arealnahwärmenetz
• die errechneten Wärmeliniendichten liegen nahezu durchgängig deutlich unter
dem für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlichen Grenzwert von mindestens
2.300 kWh / (m x a)
• es konnte kein weiteres Fokusgebiet identifiziert werden, das künftig potentiell
mit einer netzgebundenen Wärme, erzeugt durch lokale erneuerbare Energien
versorgt werden könnte
• eine Nutzung von Wasserstoff im privaten Wärmesektor wird von den Autoren
als nicht realistisch eingestuft
23
4. Potentialanalyse
4.1 Wärmebedarfsreduzierung und Effizienz
Wärmebedarfsreduktion in Gebäuden
Die energetische Sanierung des Gebäudebestands stellt ein zentrales Element zur
Erreichung der kommunalen Klimaziele dar.
Generell können durch energetische Verbesserung der Gebäudehülle signifikante
Energieeinsparungen erzielt werden. In Kombination mit dem Einsatz hocheffizienter
Heiztechnik bietet dies insbesondere für Gebäude mit Einzelversorgung einen großen
Effizienzsteigerungshebel.
In der Regel kann bei älteren Gebäudebaualtersklassen durch
Wärmedämmmaßnahmen der Energieverbrauch um bis zu der Hälfte reduziert
werden. Bei einer umfassenden Modernisierung der Gebäude mit Wärmedämm-
Maßnahmen bei den vier wichtigsten Bauteilen Außenwand, Fenster, Dach und
Kellerdecke sowie einer Modernisierung der Heizung entsprechend den Vorgaben der
Energieeinsparverordnung EnEV ergeben sich für Gebäude bis Baujahr 1979
Energieeinsparungen von bis zu 65 % (Annahme durchschnittlicher Einsparungen 30
%). Da keine Altersangaben für Einzelgebäude vorliegen, kann die Energieeinsparung
des Wärmeverbrauchs durch energetische Sanierungen für die Gemeinde nur
geschätzt werden.
Abbildung 14: Wärmeverluste über die Gebäudehülle 7
Das Sanierungspotenzial bietet nicht nur eine beträchtliche Möglichkeit zur
Reduzierung des Energiebedarfs, sondern auch zur Steigerung des Wohnkomforts
7 Quelle energetische Gebäudesanierung 2023, Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen
GmbH
24
und zur Wertsteigerung der Immobilien. Daher sollten entsprechende
Sanierungsprojekte integraler Bestandteil der kommunalen Wärmeplanung sein.
Die durchschnittliche Sanierungsquote in der Bundesrepublik liegt zwischen 0,7-0,8 %
pro Jahr. Die Autoren sehen trotz eines vorhandenen Sanierungsbedarfes keine
Anzeichen dafür, dass sich diese Sanierungsrate in den kommenden Jahren merkbar
erhöht.
Energetische Sanierung
o Jährliche Sanierungsrate 0,75 % pro Jahr
o Effizienzgewinne durch Sanierung 37,5 % pro Jahr
o Effektive Reduktion des Wärmebedarfs 0,28 % pro Jahr
Zusätzlich besteht ein erhebliches Einsparpotenzial durch effizientes
Nutzerverhalten:
o Effektive Reduktion des Wärmebedarfes 2,25 % jährlich
In der Folge bewerten die Autoren die nachfolgend angegebenen
Energieeinsparpotenziale als realistisch:
Jahr 2025 2030 2035 2040
Einsparpotenzial
Sanierung zum
0 1,4 % 2,78 % 4,14 %
Jahr 2025
[% / a]
Einsparpotenzial
Nutzverhalten
0 10,76 % 20,35 % 28,92 %
zum Jahr 2025
[% / a]
Einsparpotenzial
0 12,16 % 23,13 % 33,06 %
in Summe [% / a]
Abbildung 15: Einsparpotenzial Wärmeverbrauch für die Jahre 2025-2040
Um diese Potenziale zu heben, ist eine kontinuierliche Sensibilisierung der Bürger
erforderlich.
4.2 Nutzung unvermeidbarer Abwärme
Nach Auswertung der Gespräche mit relevanten Akteuren und unter zu Hilfenahme
öffentlich einsehbarer Daten (Abwärmekataster) ergibt sich ein theoretisch nutzbares
Abwärmepotential im Untersuchungsraum. Die Firma Auenmilch GbR mit Sitz in
Soholm ist ein Milcherzeuger, der im Durchschnitt täglich 8.300 Liter Milch produziert.
25
Über den erforderlichen Kühlprozess stehen theoretisch bis zu 98 MWh Abwärme pro
Jahr zur Verfügung. Der Betrieb nutzt einen Teil dieser Wärme für die Vorerwärmung
des Spülwassers. Dabei werden etwa 14 MWh Wärme verbraucht. Nach
Wirkungsgradverlusten von angenommenen 10 % verbleiben 75 MWh nutzbare
Abwärme mit einer mittleren Temperatur von ca. 22 °C. Um daraus einen Haushalt mit
einer Vorlauftemperatur von 65 °C zu versorgen ist der Einsatz einer Wärmepumpe
erforderlich. Nach eingehender Analyse der Autoren reicht diese Abwärmemenge für
3 – 4 Haushalte, ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Allein der benötigte
Strom für die Wärmepumpe liegt bei 7.500 Euro (30 ct/kWh). Zusätzlich sind
Investitions- Wartungskosten für Wärmepumpe, Hydraulik und Leitungen zu
berücksichtigen sowie Netzverluste in Höhe von etwa 20 %. Daraus ergibt sich, dass
die Realisierung eher eine geringe Chance besitzt. Eine mögliche Umsetzung ist
gesondert zu prüfen.
4.3 Potenziale zur Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien
Folgende theoretischen technische Potentiale zur Nutzung von Wärme aus
erneuerbaren Energien wurden für die Gemeinde identifiziert:
• Abwärme aus Abwasser im Kanalnetz oder Kläranlage
• Klärschlamm
• Holz / Restholz
• Grünschnitt gehäckselt
• Wiesenschnitt
• Biomasse Biogas
• Photovoltaik und Solarthermie (Frei- und Dachflächen)
• Tiefengeothermie
• oberflächennahe Geothermie
• Windkraft
Im Zuge der Bearbeitung und Bewertung der kommunalen Wärmeplanung für die
betrachtete Gemeinde gelangen die Autoren zum Ergebnis, dass weitere Potentiale
genutzt werden können. Dies ist dann der Fall, wenn die aktuelle Biogasanlage künftig
als Wärmeerzeuger wegfallen sollte und bspw. stattdessen der lokal erzeugte
Windstrom über eine Großwärmepumpe die Wärmeversorgung sicherstellt.
4.4 Fazit
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass im Gemeindegebiet durch die dünne
Besiedelungsdichte an sich keine ausreichend belastbare Grundlage existiert um eine
zentrale leitungsgebundene Wärmeversorgung wirtschaftlich umzusetzen. Dies ist
lediglich in einem kleinen Arealnetz der Fall, welches mit Erdgas beheizt wird. Im
26
untersuchten Gemeindegebiet sind einige EE Potenziale vorhanden, die durch eine
intelligente Verknüpfung der Energieströme eine leitungsgebundene
Wärmeversorgung mittels erneuerbarer Energien gewährleisten. Die bisherigen
Ausbaumöglichkeiten der Wärmenetzinfrastruktur wurden vollumfänglich genutzt. Eine
Erhöhung der Anzahl von Anschlussnehmern an das bestehende Netz ist daher nur
möglich, wenn energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden und hierdurch
neue Anschlusskapazitäten geschaffen werden.
Unabhängig davon, identifizieren die Autoren die energetische Gebäudesanierung und
Entwicklung/ Förderung eines effizienten Nutzerverhaltens als künftig zu
erschließende Potenziale zur weiteren Senkung des Verbrauchs und der Emissionen.
Mit Maßnahmen in diesem Segment können nach eigenen Berechnungen
Einsparungen beim Wärmeverbrauch von bis zu 33 % bis 2040 realisiert werden.
27
5. Zielszenario
In diesem Kapitel betrachten die Autoren mögliche Szenarien der Wärmeversorgung
im Untersuchungsgebiet, um im Jahr 2040 die vom Land Schleswig-Holstein
gewünschte Treibhausgasneutralität zu erreichen.
Nach §18 WPG sind Wärmeversorgungsarten besonders geeignet, die im Vergleich
zu den anderen in Betracht kommenden Wärmeversorgungsarten geringe
Wärmegestehungskosten, geringe Realisierungsrisiken, ein hohes Maß an
Versorgungssicherheit und geringe kumulierte Treibhausgasemissionen bis zum
Zieljahr aufweisen, wobei die Wärmegestehungskosten sowohl Investitionskosten
einschließlich Infrastrukturausbaukosten als auch Betriebskosten über die
Lebensdauer umfassen.
Daher werden zunächst allgemeine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen durchgeführt. In
den sich anschließenden Kapiteln erfolgt eine weitere Differenzierung der
Zielszenarien für die Stützjahre 2030, 2035 und 2040 in dezentrale und zentrale
Wärmeversorgungsbereiche.
5.1 Kostenbetrachtungen
In der nachfolgenden Abbildung fassen die Autoren die bestimmenden Kostenfaktoren
zusammen, die für die Wärmevollkosten einer dezentralen Wärmeversorgung
maßgeblich sind. Zu Grunde gelegt ist ein Primärenergiebedarf i.H.v. 25.000 kWh pro
Jahr und Haus. Betrachtet werden die drei Energieträger: Öl, Erdgas und Strom/
Wärmepumpe. Zur realistischen Einordnung wird eine sog. Sensitivitätsanalyse
vorgenommen, um drei belastbare Szenarien miteinander zu vergleichen: realistisch,
optimistisch und pessimistisch. Die zu Grunde gelegten Primärenergiepreise basieren
auf Marktpreisen vom Juni 2026.
28
Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe
Wärmevollkosten pro kWh
Heizung mit u.g. Rahmenbedingungen 0,251 € 0,201 € 0,193 €
(brutto)
(netto) 0,211 € 0,169 € 0,162 €
Primärenergiebedarf Wärme im Haus p.a. 25.000 25.000 25.000
in kWh
Installierte Heizleistung in kW 15 15 15
Brennstoffkosten Öl pro Liter, Gas pro 1,090 € 0,106 € 0,198 €
kWh, Strom pro kWh
[Gas und Strom inkl. Grundgebührkosten]
(Stand 6.2026)
Wirkungsgrad der Heizung 65% 65% 99%
Heizwert in kWh pro Liter Heizöl, pro m³ 9,80 9,80 3,1
Gas, SCOP der Wärmepumpe
Brennstoffbedarf p.a. in Liter und kWh (für 2.551 25.000 8.146
Gas und Wärmep.)
Brennstoffkosten p.a. 2.781 € 2.662 € 1.616 €
CO Emission in Tonne p.a. (gemäß KfW 13,12 10,15 2,85
2
Berechnung für fossile Energien, dt.
Strommix gemäß UBA 2026)
CO Abgaben p.a. (45€/Tonne in 2024) 590 € 457 € 0 €
2
Investitionskosten Heizung 15 kW inkl. 18.531,9 € 9.453 € 25.210 €
Installation, ohne Finanzierungskosten
(netto)
Finanzierungskosten (3,75%) 695 € 354 € 945 €
Nutzungsdauer Jahre 20 20 20
Investitionsabschreibung p.a. (ohne 1.621,5 € 827 € 2.206 €
Förderung, inkl. Finanzierung)
Investitionsabschreibungen 30 % 1.544,1 €
Förderung
Investitionsabschreibungen 50 % 1.102,9 €
Förderung
Investitionsabschreibungen 70 % 661,8 €
Förderung
Wartung- und Instandhaltung p.a. (inkl. 275 € 275 € 225 €
Schornsteinfeger)
29
Einzelsensitivitäten: Wärmevollkosten Wärmevollkosten Wärmevollkosten
pro kWh pro kWh pro kWh
Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe
Nutzungsdauer: 25 Jahre -0,034 € -0,017 € -0,046 €
Nutzungsdauer: 30 Jahre -0,039 € -0,020 € -0,053 €
Investitionskosten: + 10 % 0,006 € 0,003 € 0,009 €
Investitionskosten: + 20 % 0,013 € 0,007 € 0,018 €
Brennstoffkosten: + 10 % 0,011 € 0,011 € 0,006 €
Brennstoffkosten: + 20% 0,022 € 0,021 € 0,013 €
Brennstoffkosten: + 30% 0,033 € 0,032 € 0,019 €
Brennstoffkosten: + 100% 0,111 € 0,106 € 0,065 €
(Preisschock)
Wartungskosten: +20 % 0,002 € 0,002 € 0,002 €
Wartungskosten: +40% 0,004 € 0,004 € 0,004 €
CO Abgaben: 60 € / Tonne in 0,036 € 0,028 € 0,000 €
2
2026 (im Mittel)
CO Abgaben: 70 € / Tonne in 0,042 € 0,032 € 0,000 €
2
20xx (ab 2028 free floating)
Szenariobetrachtungen Ölheizung Gasheizung Wärmepumpe
Wärmevollkosten pro kWh (inkl. MwSt.)
Szenario: realistisch
-mittlere Nutzungsdauer - 20 Jahre
-mittlere Investitionskosten
-mittlere Brennstoffkosten
0,267 € 0,226 € 0,138 €
-mittlere Wartungskosten
-mittlere Förderung bei Wärmepumpe
-hohe CO2 Abgabe (ab 2027)
Szenario: pessimistisch
-mittlere Nutzungsdauer - 20 Jahre
-hohe Investitionskosten
-hohe Brennstoffkosten
0,287 € 0,244 € 0,165 €
-hohe Wartungskosten
-geringe Förderung bei Wärmepumpe
-hohe CO2 Abgabe (ab 2027)
Szenario: optimistisch
-hohe Nutzungsdauer - 30 Jahre
-geringe Investitionskosten
-geringe Brennstoffkosten
0,228 € 0,198 € 0,118 €
-geringe Wartungskosten
-hohe Förderung bei Wärmepumpe
-mittleren CO2 Abgabe (ab 2027)
30
Aus dem Vergleich der drei Szenarien und der drei Energieträger geht hervor, dass
eine Wärmeerzeugung mittels Wärmepumpe mit 0,138 €/ kWh die finanziell günstigste
Versorgungsoption darstellt. Die Autoren weisen auf folgenden relevanten Aspekt hin:
nicht jedes Haus ist ohne energetische Sanierungsmaßnahmen für den Einsatz einer
Wärmepumpe geeignet, da Wärmepumpen bei niedrigen Vorlauftemperaturen ihre
höchsten Effizienzwirkungsgrade haben.
Daher wird an dieser Stelle der zu erwartende durchschnittliche finanzielle
Sanierungsaufwand abgeschätzt. Durchschnittliche Sanierungskosten belaufen sich
auf ca. 1.000 € / m². Die durchschnittliche Wohnfläche in Einfamilienhäusern beträgt
150 m². Die Nutzungsdauer der energetischen Sanierungsmaßnahme wird mit 30-40
Jahren bewertet. Hieraus ergeben sich bei einem Wärmebedarf i.H.v. 25.000 kWh
Mehrkosten von etwa 0,15-0,20 € / kWh. Sollten erforderliche Sanierungsmaßnahmen
finanziell „minimaler“ (bspw. 500 € / m²) ausfallen, würde das zu Mehrkosten von 0,075
bis 0,10 €/ kWh führen. Diese Berechnung erfolgt ohne Berücksichtigung evtl.
Fördermaßnahmen.
Je nach den tatsächlichen erforderlichen Sanierungsumfängen und
Fördergegebenheiten variieren die zu berücksichtigenden Zusatzkosten erheblich. Zur
Einschätzung eines wirtschaftlichen Vergleichs (dezentrale vs. zentrale
Wärmeversorgung) legen die Autoren einen Wärmevollkostenpreis der dezentralen
Wärmeversorgung i.H.v. 0,20 € / kWh fest.
5.2 Dezentrale Wärmeversorgung und Zieljahre
Das Bundesland Schleswig-Holstein hat sich als ambitioniertes Ziel die Erreichung der
Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2040 gesetzt. Dies gilt insbesondere auch im
Wärmebereich, der für insgesamt ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs und damit
auch für ca. 1/3 der Emissionen verantwortlich ist.
Die Autoren subsummieren eine typische Wachstumskurve (analog zu einer
Exponentialfunktion) für den Transformationsprozess. Dies bedeutet, dass die
Anfangsgeschwindigkeit eher gering ausgeprägt ist, um dann stetig zuzunehmen. Der
Entwicklungspfad wird wie in der folgenden Abbildung dargestellt abgeschätzt:
Jahr 2026 2030 2035 2040
Wärmeerzeuger (fossile Brennstoffe) 76,4%8 60% 40% 0%
Wärmeerzeuger (EE) 23,6% 40% 60% 100%
[Wärmepumpe, Geothermie, andere]
Abbildung 16: Verteilung Wärmeversorgung in den Zieljahren 2030 - 2040
8 Quelle: Zensus vom 15.05.2022
31
5.3 Zentrale Wärmeversorgung
Die Untersuchungen in der Gemeinde ergaben, dass es ein über Erdgas beheiztes
Arealnahwärmenetz gibt, an dem die öffentlichen Gebäude angeschlossen sind.
5.4 Energetische Gebäudesanierung und Effizienz
Die Autoren identifizierten im Rahmen der Potenzialanalyse folgende
Einsparpotenziale:
Energetische Sanierung:
o Jährliche Sanierungsrate 0,75 % pro Jahr
o Effizienzgewinne durch Sanierung 37,5 % pro Jahr
o Daraus ergibt sich eine effektive Reduktion des Wärmebedarfs um
0,28 % pro Jahr
Effizientes Nutzerverhalten:
o Effektive Reduktion des Wärmebedarfes 2,25 % jährlich
Hiervon werden unter Annahme der durchschnittlich Sanierungsrate in der
Bundesrepublik (0,75% p.a.)
Daher empfehlen die Autoren weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Sanierung,
um ein größeres Potenzial im Bereich der energetischen Gebäudesanierung zu
erschließen. Diesem Aspekt wird im Maßnahmenkatalog Rechnung getragen.
5.5 Fazit
Die Untersuchung der Gemeinde Enge-Sande ergab, dass die Wärmeversorgung fast
ausschließlich dezentral erfolgt. Dies bedeutet in Konsequenz, dass eine Reduzierung
der Treibhausgasemissionen im Wesentlichen durch folgende Maßnahmen erreicht
werden kann:
• energetische Gebäudesanierung
• effizientes Nutzerverhalten
• Dekarbonisierung der bisherigen dezentralen fossilen Heizungsanlagen
32
6. Maßnahmenkatalog
Der Maßnahmenkatalog soll die erarbeiteten Potenziale für eine möglichst zeitnah
realisierbare treibhausgasneutrale Wärmeerzeugung aufzeigen. Zur Zielerreichung
sehen die Autoren verschiedene Möglichkeiten, die im Folgenden beschrieben
werden.
6.1 Dezentrale Wärmeversorgung (auf Basis von EE / Ökostrom)
Maßnahme 01
Beschreibung der Maßnahmen Priorisierung
Beratung, Planung und Umsetzungsbegleitung der Hoch
Dekarbonisierung der dezentralen Heizungsanlagen.
Maßnahmenziele Zeitplan
Dekarbonisierung der dezentralen Heizungsanlagen Kurz- und mittelfristig
Controlling Parameter
Identifikation und Ansprache der betroffenen Haushalte 2026
Dekarbonisierung von 20% dieser betroffenen Haushalte bis 2030
Dekarbonisierung von 50 % dieser betroffenen Haushalte bis 2035
Dekarbonisierung von 100 % dieser betroffenen Haushalte bis 2040
Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten
Immobilienbesitzer
Mieter
Energieberater
Heizungsbauer
Fördermittelgeber und Finanzierungspartner
33
6.2 Energetische Sanierung
Maßnahme 02
Beschreibung der Maßnahme Priorisierung
Energetische Ertüchtigung der Gebäudehüllen im Hoch
Baubestand. Diese Maßnahme sollte nach Möglichkeit
umgehend begonnen werden, da Einspareffekte
unmittelbar in einer THG Reduzierung resultieren.
Maßnahmenziele Zeitplan
Reduzierung des Wärmebedarfs durch geringere kurz-, mittel- und langfristig
Wärmeverluste und dadurch CO -Einsparungen.
2
Sanierungsrate von jährlich 2 % der Gebäude im
Quartier mit mindestens 37,5 %
Wärmeverbrauchsreduzierung zum Status quo 2026.
Controlling Parameter
Anzahl durchgeführter Öffentlichkeitsveranstaltungen mit Energieberatern
Anzahl durchgeführte Energieberatungen bei Immobilienbesitzern
Anzahl durchgeführte Sanierungsmaßnahmen
Eingesparte CO Emissionen in Tonnen pro Jahr durch entsprechende
2-
Wärmeverbrauchsreduzierungen
Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten
Immobilienbesitzer
Energieberater
Fördermittelgeber
Handwerker
Bauamt (falls Genehmigungen erforderlich sind)
Gemeinde zur Durchführung von Informationsveranstaltungen + Beratungen
34
6.3 Sensibilisierung / Energieberatung / Aufklärung
Maßnahme 03
Nutzerverhalten und Bestandsoptimierung Priorisierung
Information, Kommunikation und Wissensvermittlung/ Hoch
Sensibilisierung der Bürger
Maßnahmenziele Zeitplan
Reduktion der Emission angepasstes Nutzerverhalten kurz-, mittel- und langfristig
Optimierung von Steuerung/Regelung
Hydraulischer Abgleich
Controlling Parameter
Anzahl Energieberatungen, öffentliche Informationsveranstaltungen
Erfassung erfolgter Einsparung
Akteure, Ressourcen und Verantwortlichkeiten
Immobilienbesitzer
Energieberater
Fördermittelgeber
Handwerker
Gemeinde zur Durchführung von Informationsveranstaltungen + Beratungen
35
7. Controlling- und Monitoringkonzept
Im vorangegangenen Kapitel wurden spezifische Maßnahmenpakete identifiziert und
beschrieben. Für jede einzelne Maßnahme sind konkrete Controlling-Parameter
benannt. Diese sollen eine transparente Überprüfung des Fortschritts sicherstellen.
Die Autoren empfehlen, in einem Rhythmus von fünf Jahren Fortschrittserhebungen
mittels Befragung und auf Basis verfügbarer aktueller Daten (Schornsteinfeger,
Gasnetzversorger, Stromversorger, Zensus, ...) durchzuführen. Daraus ist ein
aussagekräftiges Energie- und CO -Monitoring und -Controlling möglich.
2
Für eine zügige und erfolgreiche Umsetzung sowie für eine Nachverfolgung wird
empfohlen, einen ehrenamtlich besetzten Arbeitskreis ins Leben zu rufen.
Die Gemeindevertretung in Zusammenarbeit mit dem zuvor empfohlenen Arbeitskreis
stellen eine kontinuierliche Dokumentation der Arbeiten im Kontext mit den
betrachteten Maßnahmen und Empfehlungen sicher.
Als Verstetigungsstrategie empfehlen die Autoren der Gemeinde einen dauerhaften
Arbeitskreis zu diesem Thema zu etablieren und in regelmäßigen Abständen (bspw.
jährlich) an die Gemeindevertretung über relevante Entwicklungen zu berichten. Des
Weiteren sollte die Gemeinde auf der Basis des hier entwickelten Maßnahmenkatalogs
die darin identifizierten Zielparameter in der Entwicklungsstrategie für die Gemeinde
berücksichtigen. Hierdurch wird eine langfristige Verstetigung der Klimastrategie
gefördert.
8. Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit & Akteursbeteiligung
In diesem Projekt wurde eine barrierefreie und bürgernahe Kommunikation verfolgt,
um möglichst alle Bürger und Beteiligte in den Prozess einzubinden. Mittels
unterschiedlicher Kommunikationsformate und -methoden gelang es gemeinsam mit
den Bürgermeistern in diesem Projekt die Bürger und andere Schlüsselakteure
bedarfsgerecht anzusprechen, einzubinden und alle relevanten Informationen
auszutauschen.
Die Gemeinde befindet sich im ländlichen Raum, der für privatwirtschaftliche
Energieversorgungsunternehmen an sich in Bezug auf Bau und Betrieb von
Nahwärmenetzen wenig attraktiv ist.
Im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung fanden
Öffentlichkeitsveranstaltungen statt. In diesen informierte der Auftragnehmer
REINSTEIN die anwesenden Bürger und Interessierten über die Inhalte,
Bearbeitungsschritte und erarbeiteten Untersuchungsergebnisse.
Über die Projektabwicklungsphase wurden regelmäßige Abstimmungstermine mit der
dem Lenkungskreis durchgeführt.
36
9. Ausblick
Das aktuell stark zurückhaltende Stimmungsbild in der Bevölkerung scheint wesentlich
geprägt durch die politische Verunsicherung im heutigen Zeitgeschehen. Die
langfristigen Herausforderungen jedoch bleiben bestehen:
• CO -Reduktionsbedarf
2
• Anpassung an den Klimawandel
• Diversifizierung der Energiebeschaffung auf internationaler Ebene
• steigender CO -Preis
2
• stark schwankende Energiepreise
• hoher energetischer Sanierungsbedarf
Zusätzlich führt die ökonomische Gesamtsituation aktuell zu einer allgemeinen
Investitionszurückhaltung.
Da es sich bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung um ein strategisches Ziel
bis 2040 handelt, ist für die Erreichung ein langer Atem unabdingbar.
37
Text aus PDF extrahiert