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Arbeitsmigration in Rheda-Wiedenbrück: Entwicklungen, kommunale Strukturen und Perspektiven

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GemeindeStadt Rheda-Wiedenbrück
Datum2026-09-24
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Stadt Rheda-Wiedenbrück Vorlagen-Nr . V-225/2026 1. Erg. Der Bürgermeister öffentliche V O R L A G E Fachbereich/Abteilung: FB Soziales und Bürgerservice Erstellt durch: Frau Dr. de Moraes-Barros Erstellt am: 07.09.2026 5  Beratungsfolge  Sitzungstermin Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration 15.09.2026 Ausschuss für Soziales und Migration 24.09.2026 10 Tagesordnungspunkt: Arbeitsmigration in Rheda-Wiedenbrück: Entwicklungen, kommunale Struktu- ren und Perspektiven 15 1 Finanzielle Auswirkungen X Nein ￿ Ja, ￿ Mitzeichnung Käm- dann auch: merer / FBL Finanzen erforderlich 20 Beschlussvorschlag: Kein Beschluss, nur Kenntnisnahme 25 30 Sachverhalt: Seite 1 35 Arbeitsmigration prägt seit vielen Jahren die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Rheda-Wiedenbrücks und berührt unterschiedliche kommunale Handlungsfelder. Kennzeich- nend sind insbesondere die starke Zuwanderung aus Mittel- und Südosteuropa (MSOE), die Bedeutung der Fleischindustrie als Beschäftigungsbereich sowie eine hohe Mobilität der Ziel- 40 gruppe. Zugleich zeigen die Entwicklungen der vergangenen Jahre eine zunehmende Diver- sifizierung der Herkunftsländer und eine wachsende Bedeutung der Zuwanderung aus Dritt- staaten. Arbeitsmigration trägt zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt bei, ist zugleich je- doch mit kommunalen Herausforderungen insbesondere in den Bereichen Wohnen, Beratung, Integration und soziale Teilhabe verbunden. Nicht alle zugrunde liegenden Rahmenbedingun- 45 gen können auf kommunaler Ebene beeinflusst werden; ihre sozialen Auswirkungen und dar- aus entstehende Unterstützungsbedarfe berühren jedoch unmittelbar kommunale Aufgaben. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hat ihre Strukturen und Handlungsansätze daher in den ver- gangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Neben den spezialisierten Angeboten der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen bestehen fachbereichsübergreifende Schnittstellen 50 sowie Kooperationen mit dem Kreis Gütersloh, Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen, beispielsweise mit der VHS Reckenberg-Ems oder der Caritas, Unternehmen und weiteren lokalen Akteuren. Die Vorlage gibt einen Überblick über die wesentlichen Entwicklungen der Arbeitsmigration, die bestehenden kommunalen Strukturen und Kooperationen sowie aktuelle Handlungs- und Entwicklungsperspektiven. 55 1. Arbeitsmigration als strukturelles Merkmal der Stadtentwicklung Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Rheda-Wiedenbrücks ist seit vielen Jah- ren eng mit der Zuwanderung internationaler Arbeitskräfte verbunden. Eine besondere quan- 60 titative Bedeutung kommt dabei Menschen aus Mittel- und Südosteuropa (MSOE) zu: Aktuell leben 6.475 Personen der betrachteten MSOE-Staatsangehörigkeiten in Rheda-Wiedenbrück. Dies entspricht 12,90 % der Gesamtbevölkerung; die größte Gruppe bilden rumänische Staatsangehörige. Damit weist Rheda-Wiedenbrück unter den Kommunen des Kreises Gü- tersloh den höchsten Anteil auf und liegt deutlich über dem Kreisdurchschnitt von 6,13 % 65 (23.180 Personen). Zum Vergleich beträgt der Anteil in der Stadt Gütersloh 7,02 % (7.375 Personen). Die Daten unterstreichen die besondere kommunale Bedeutung dieser Zielgruppe für Rheda-Wiedenbrück. Die nachfolgenden Zahlen der Clearingstelle sind davon zu unterscheiden: Sie zeigen nicht, 70 wie viele dieser Personen heute in Rheda-Wiedenbrück leben, sondern wie viele Personen im Zeitraum Oktober 2020 bis Juni 2026 insgesamt in der Clearingstelle erfasst wurden. Von ins- gesamt 8.661 Personen waren 5.832 (rund 67 %) der Premium Food Group (PFG, ehemals Tönnies) einschließlich Tilmanns und Besselmann zuzuordnen und 1.919 (rund 22 %) bei an- deren Arbeitgebern beschäftigt. Hinzu kamen 530 Personen (rund 6 %) ohne Beschäftigungs- 75 verhältnis sowie 380 Minderjährige (rund 4 %) ohne eigenes Beschäftigungsverhältnis, insbe- sondere im Zusammenhang mit Familienzuzug. Die Daten verdeutlichen damit die weiterhin besondere Bedeutung der Fleischindustrie für die arbeitsmarktbezogene Zuwanderung nach Rheda-Wiedenbrück. 80 Die Herkunftsstruktur der im Clearingverfahren erfassten Personen wird weiterhin deutlich durch EU-Staatsangehörige aus Mittel- und Südosteuropa geprägt. Von insgesamt 7.703 er- fassten EU-Bürgern stammen 5.755 aus Rumänien, 944 aus Bulgarien und 782 aus Polen. Damit entfallen allein auf diese drei Herkunftsländer rund 97 % der erfassten EU-Bürger. Wei- tere Personen stammen insbesondere aus Ungarn (47), Kroatien (39), Griechenland (28), der 85 Slowakei (27), Italien (24), Litauen (18), Tschechien (14) und Spanien (11); auf weitere EU- Staaten entfallen insgesamt 14 Personen. Die Daten verdeutlichen, dass die arbeitsmarktbe- zogene Zuwanderung aus der Europäischen Union nach Rheda-Wiedenbrück weiterhin in be- sonderem Maße durch Rumänien, Bulgarien und Polen geprägt ist. Seite 2 Ein weiteres Merkmal der Arbeitsmigration ist die hohe Mobilität der Zielgruppe. Im Zeitraum 90 2021 bis Juni 2026 wurden insgesamt 10.438 Wegzüge von Personen aus den für die Arbeits- migration besonders relevanten Herkunftsländern registriert. Die Daten verdeutlichen eine erhebliche Fluktuation innerhalb der Zielgruppe. Welche Faktoren die Zu-, Fort- und Umzüge im Einzelnen beeinflussen, lässt sich aus den kommunalen Meldedaten nicht ableiten. 95 Auch bei den im Clearing erfassten Drittstaatsangehörigen, also Personen ohne Staatsange- hörigkeit eines EU-/EWR-Staates oder der Schweiz, zeigt sich im Zeitraum 2021 bis 2025 weiterhin eine starke Prägung durch Mittel- und Südosteuropa. Für die Einreise benötigen sie in der Regel ein Visum und für einen längerfristigen Aufenthalt einen Aufenthaltstitel der zu- ständigen Ausländerbehörde. Die größten Gruppen unter den Drittstaatsangehörigen bilden 100 Nordmazedonien (330 Personen), die Republik Moldau (139), die Ukraine (93), die Türkei (91) und der Kosovo (83), wobei Personen aus der Ukraine aufgrund der EU-Massenzustromricht- linie kein Visum für die Einreise oder die Arbeitsaufnahme benötigen. Gleichzeitig wird eine zunehmende geografische Diversifizierung sichtbar: Die Zahl der Erstanmeldungen von Dritt- staatsangehörigen stieg von 57 im Jahr 2021 über 63 im Jahr 2022 und 81 im Jahr 2023 auf 105 138 im Jahr 2024 und 263 im Jahr 2025 und hat sich damit mehr als vervierfacht. Hier ist zu berücksichtigen, dass Personen, die im Fluchtkontext aus der Ukraine nach Rheda-Wieden- brück genkommen sind in diesen Zahlen nicht erfasst sind. Insbesondere seit 2024 gewinnen auch Herkunftsländer wie Indien, Usbekistan und Vietnam an Bedeutung. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei indischen Staatsangehörigen: Insgesamt wurden 80 Erstanmeldungen 110 zwischen 2021 und 2025 registriert, davon allein 51 im Jahr 2025. Erkenntnisse aus dem Clea- ringverfahren weisen darauf hin, dass ein Teil dieser Zuwanderung mit der Gewinnung junger Menschen für eine berufliche Ausbildung zusammenhängt. Die Entwicklung deutet damit nicht auf eine Ablösung der weiterhin prägenden Zuwanderung 115 aus Mittel- und Südosteuropa hin, sondern auf eine zunehmende Erweiterung des Herkunfts- spektrums der Arbeitsmigration. Für die kommunale Arbeit bedeutet dies, neben den etablier- ten Zielgruppen auch neue Herkunftsgruppen und damit möglicherweise veränderte sprachli- che, aufenthaltsrechtliche und beratungsbezogene Bedarfe stärker in den Blick zu nehmen. 120 2. Angebote und Aufgaben der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen Seit dem 01.01.2025 sind die Clearingstelle, das KIM-Case Management und die Wohnraum- kontrolle in der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen gebündelt. Damit werden unterschied- liche Aspekte der Arbeitsmigration – von der ersten Orientierung und Beratung über länger- 125 fristige Integrationsprozesse bis zur Wohnsituation – miteinander verknüpft. Die breite sprach- liche Aufstellung der Abteilung, insbesondere in Rumänisch, Bulgarisch, Mazedonisch und Serbokroatisch, erleichtert vielen Arbeitsmigranten den Zugang zur Beratung; ergänzend kann die Kommunikation häufig auf Englisch erfolgen. 130 Clearingstelle Die im Jahr 2020 gegründete Clearingstelle ist eine zentrale Anlaufstelle für Arbeitsmigranten, insbesondere aus Mittel- und Südosteuropa (MSOE). Ihre Aufgabe umfasst das Clearingver- fahren bei der Anmeldung von neu Zugewanderten sowie die aufsuchende Sozialarbeit. Im 135 Clearingverfahren werden neben melderechtlichen Fragen insbesondere Informationen zur Wohn-, Arbeits- und sozialen Situation erfasst. Die dabei erhobenen Daten bilden zugleich eine wichtige kommunale Datengrundlage zur Entwicklung der Arbeitsmigration und ermögli- chen es, Veränderungen und Handlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen. Zwischen Oktober 2020 und dem Juni 2026 wurden insgesamt 8.661 Clearinggespräche mit neu Zugezogenen 140 geführt. Dabei erhalten die Zugewanderten zudem eine erste Orientierung über bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote. Bei weitergehenden Bedarfen erfolgt eine Weiterlei- tung an die aufsuchende Sozialarbeit, das KIM-Case Management oder andere zuständige Stellen. Die Verbindung mit dem Meldewesen ermöglicht darüber hinaus, Hinweise auf Abwei- chungen zwischen Meldedaten und tatsächlicher Wohn- bzw. Belegungssituation aufzugreifen Seite 3 145 und bei Bedarf weitere Prüfungen anzustoßen. Die Clearingstelle bietet über die aufsuchende Sozialarbeit niedrigschwellige Beratung und Unterstützung vor Ort, insbesondere in Krisen- und Konfliktsituationen. Seit 2023 führt sie im Werk der PFG/Tönnies in Rheda-Wiedenbrück eine wöchentliche Sprechstunde durch, die bislang von 124 Beschäftigten mit mindestens ei- nem Beratungstermin genutzt wurde. Darüber hinaus begleitet die aufsuchende Sozialarbeit 150 Wohnraumkontrollen, um soziale Problemlagen und Unterstützungsbedarfe zu erkennen und bei Bedarf an geeignete Hilfsangebote weiterzuleiten. KIM-Case Management 155 Das Kommunale Integrationsmanagement Nordrhein-Westfalen (KIM) unterstützt Menschen mit Einwanderungsgeschichte und komplexen, längerfristigen Unterstützungsbedarfen durch ein rechtskreisübergreifendes Case Management. In Rheda-Wiedenbrück besteht das Ange- bot seit April 2022 und umfasst eine individuelle und längerfristige Beratung und Begleitung, insbesondere in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Sprache und Bildung, Gesundheit, Familie 160 sowie aufenthaltsrechtliche Fragen. Bei komplexen Problemlagen koordiniert das Case Ma- nagement unterschiedliche Unterstützungsangebote und vermittelt zu zuständigen Behörden, Beratungsstellen und weiteren Hilfesystemen. Bis Ende Juni 2026 wurden insgesamt 2.000 Beratungen durchgeführt (2022 ab April: 240; 2023: 585; 2024: 553; 2025: 402; bis Juni 2026: 220). Die Fallzahlen sind als Momentaufnahmen zu verstehen, da Ratsuchende teilweise über 165 mehrere Jahre begleitet werden. Aktuell werden 30 Fälle betreut; aufgrund von Familienkon- stellationen beziehen sich die Unterstützungsprozesse teilweise auf ganze Familiensysteme. Wiederkehrende Problemlagen und strukturelle Lücken können dabei zugleich erkannt und für die Weiterentwicklung kommunaler Strukturen genutzt werden. 170 Ursprünglich standen in Rheda-Wiedenbrück zwei Stellen für das KIM-Case Management zur Verfügung. Im Verlauf der praktischen Umsetzung zeigte sich jedoch, dass ein erheblicher Teil der Ratsuchenden vorrangig niedrigschwellige Unterstützungsangebote benötigt, für die das KIM-Case Management konzeptionell nicht ausgelegt ist. Vor diesem Hintergrund wurde eine der beiden Stellen umgewidmet, um sie künftig im Rahmen des Pilotprojekts Quartiersmana- 175 gement einzusetzen. Wohnraumkontrolle Die Wohnraumkontrolle dient der Sicherstellung angemessener Wohnverhältnisse für Arbeits- 180 migranten und der frühzeitigen Erkennung problematischer Entwicklungen. Kontrolliert werden insbesondere Belegung, Wohn- und Ausstattungsverhältnisse sowie die Einhaltung der ein- schlägigen gesetzlichen Vorgaben. Festgestellte Missstände werden dokumentiert und erfor- derliche Maßnahmen bei Bedarf durch Nachkontrollen begleitet. Im Zeitraum 2021 bis Juni 2026 wurden insgesamt 2.123 Wohnraumkontrollen erfasst, davon 526 in Unterkünften der 185 ONE Immobilien Service (OIS) und 1.597 in privaten Unterkünften und Wohnobjekten. Die jährliche Verteilung betrug: 2021: 539 (71 OIS/468 privat), 2022: 313 (86/227), 2023: 362 (83/279), 2024: 348 (140/208), 2025: 327 (91/236) und bis Juni 2026: 234 (55/179). Bei den Kontrollen wurden unterschiedliche Auffälligkeiten und Mängel festgestellt. Diese be- 190 treffen sowohl die Meldesituation, Belegung und Nutzung der Wohnobjekte als auch bauliche, sicherheitsbezogene und hygienische Aspekte. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die erfassten Feststellungen seit 2021: Seite 4 Art der Mängel 2021 2022 2023 2024 2025 bis Jun. 2026 Meldesituation 30 10 20 19 30 4 Überbelegung 27 4 20 2 11 3 Illegales Wohnen 8 7 3 4 9 0 Fehlende Rauchmelder 71 23 44 48 55 40 Müll im Außenbereich 68 14 26 30 2 8 Verwahrlosung Außenbereich 23 7 17 37 22 15 Offene Stromkabel 22 5 6 6 13 7 Marode Bausubstanz 4 3 12 8 11 3 Defekte Brandschutztüren 12 4 9 7 3 2 Brandlasten 5 4 1 1 6 0 Schädlingsbefall 21 4 3 3 8 4 Schimmelbefall 19 3 3 0 5 0 195 Bei einer Kontrolle können mehrere Auffälligkeiten bzw. Mängel gleichzeitig festgestellt wer- den. Insgesamt wurden seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2015 bis zum Juni 2026 3.986 Wohnraumkontrollen durchgeführt. Eine Differenzierung zwischen OIS-Unterkünften und pri- vaten Unterkünften bzw. Wohnobjekten ist für die Jahre vor 2021 aufgrund der damaligen Er- fassungssystematik nachträglich nicht zuverlässig möglich. Die Kontrollplanung richtet sich 200 nach den jeweiligen Objektstrukturen und Auffälligkeiten. OIS-Unterkünfte werden im Rahmen der bestehenden Zusammenarbeit mit der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen wöchent- lich durch einen Mitarbeiter der Wohnraumkontrolle kontrolliert. Andere bereits auffällig gewor- dene Wohnobjekte werden grundsätzlich jährlich erneut überprüft und anschließend hinsicht- lich des weiteren Kontrollbedarfs bewertet. Gleichzeitig werden fortlaufend neue kontrollrele- 205 vante Objekte in die Planung aufgenommen. Koordiniertes Zusammenwirken der Aufgabenbereiche Die Aufgabenbereiche der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen arbeiten eng und koordi- 210 niert zusammen. Clearingstelle, KIM-Case Management und Wohnraumkontrolle greifen in ih- rer jeweiligen Funktion ineinander und leiten festgestellte Beratungs-, Unterstützungs- oder Prüfbedarfe bedarfsgerecht weiter. So können beispielsweise im Clearinggespräch Hinweise auf komplexere Unterstützungsbedarfe oder problematische Wohnsituationen erkannt und an das KIM-Case Management, die Wohnraumkontrolle oder andere zuständige Stellen weiter- 215 geleitet werden. Umgekehrt können auch bei Wohnraumkontrollen soziale Unterstützungsbe- darfe sichtbar werden. Zur Arbeitsweise der Abteilung gehört zugleich, Schnittstellen zu anderen Bereichen der Stadt- verwaltung aktiv aufzugreifen und die Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Stellen zu 220 koordinieren. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Wohnraumkontrolle, da aufgrund un- terschiedlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten regelmäßig weitere Bereiche wie Bauordnung, Bürgerbüro, Ordnungsamt, Feuerwehr und Jugendamt einzubezie- hen sind. Auch Eigentümer und Vermieter werden je nach Sachverhalt in die Klärung erforder- licher Maßnahmen einbezogen. 225 Die koordinierte Arbeitsweise erstreckt sich auch auf externe Akteure. Ein Beispiel hierfür ist die langjährige Zusammenarbeit mit der Premium Food Group (PFG) und der ONE Immobilien Service (OIS), die insbesondere das Clearing neu zuziehender Arbeitsmigranten, die aufsu- chende Sozialarbeit sowie Fragen im Zusammenhang mit den Unterkünften von Beschäftigten 230 umfasst. Aufbauend auf den dabei gewonnenen Erfahrungen soll die Wohnraumkontrolle von Unterkünften anderer Arbeitgeber sowie privaten Unterkünften und Wohnobjekten künftig sys- tematischer in den Blick genommen und die entsprechende Kontrollplanung weiterentwickelt werden. Seite 5 Grundsätzlich verfolgt die Abteilung damit den Ansatz, bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben 235 relevante interne und externe Schnittstellen frühzeitig zu erkennen, die jeweils zuständigen Akteure einzubeziehen und die Zusammenarbeit zu koordinieren. Durch dieses abgestimmte Vorgehen sollen vorhandene Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten gebündelt und mög- lichst wirksame Ergebnisse erzielt werden. 240 3. Kommunale Kooperations- und Netzwerkstrukturen im Bereich Arbeitsmigration Die mit Arbeitsmigration verbundenen Herausforderungen berühren unterschiedliche kommu- nale und gesellschaftliche Handlungsfelder und erfordern daher das koordinierte Zusammen- wirken verschiedener Akteure. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück setzt dabei sowohl auf die Zu- 245 sammenarbeit innerhalb der Verwaltung als auch auf Kooperationen mit Beratungs- und Un- terstützungsangeboten, Wirtschaft, Kreis Gütersloh und weiteren externen Partnern. Im The- menfeld Arbeitsmigration ist diese koordinierende Arbeitsweise heute insbesondere mit den Aufgaben der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen verbunden. 250 Eine besonders enge und historisch gewachsene Schnittstelle besteht zwischen den Abteilun- gen Arbeitsmigration und Wohnen sowie Integration und Unterbringung. Die heute organisa- torisch getrennten Aufgabenbereiche waren vor der Einrichtung der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen in einer gemeinsamen Organisationseinheit gebündelt. Mit der organisatorischen Trennung wurden die jeweiligen Zuständigkeiten klarer zugeordnet; zugleich bestehen auf- 255 grund der engen fachlichen Bezüge weiterhin unmittelbare Kooperationsbedarfe. Dies zeigt sich insbesondere bei Arbeitsmigranten aus der Zielgruppe MSOE, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind, etwa wenn mit dem Verlust eines Beschäftigungsverhältnisses zugleich eine beschäftigungsgebundene Unterkunft entfällt. Je nach Unterstützungsbedarf er- folgt eine gegenseitige Weiterleitung und Abstimmung, insbesondere wenn weitergehende Be- 260 ratung oder eine vorübergehende Unterbringung erforderlich ist. Eine weitere fachbereichsübergreifende Schnittstelle besteht zum Multiprofessionellen Team (MPT) der Jugendförderung, insbesondere bei Familien aus Südosteuropa mit komplexen Pro- blemlagen. Für das zweite Halbjahr 2026 ist ein vertiefter fachlicher Austausch vorgesehen, 265 um Zuständigkeiten sowie Informations- und Weiterleitungswege weiter abzustimmen. Auch bei der Bearbeitung von Problemimmobilien ist eine fachbereichsübergreifende Zusam- menarbeit erforderlich. Hierfür besteht innerhalb der Stadtverwaltung eine sogenannte Task Force, an der insbesondere Wohnraumkontrolle und Wohnungsaufsicht der Abteilung Arbeits- 270 migration und Wohnen sowie – abhängig von der jeweiligen Fallkonstellation – Bauordnung, Ordnungsamt bzw. Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) und weitere zuständige – auch ex- terne - Stellen beteiligt sind. Die Zusammenarbeit umfasst den Informationsaustausch, die Ab- stimmung erforderlicher Maßnahmen und teilweise gemeinsame Außentermine. 275 Neben diesen verwaltungsinternen Strukturen bestehen enge Schnittstellen zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten außerhalb der Verwaltung. Von besonderer Bedeutung ist die Willkommensagentur, ein von der Stadt gefördertes Beratungsangebot in Kooperation mit der VHS Reckenberg-Ems. Sie bietet niedrigschwellige und mehrsprachige Beratung für südost- europäische Arbeitnehmer und ihre Familien und unterstützt insbesondere auch bei Antrags- 280 tellungen im sozialen Bereich, beispielsweise bei Wohngeld, Kindergeld oder Kinderzuschlag. Zwischen der Willkommensagentur und der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen findet ein regelmäßiger fachlicher Austausch statt: Ratsuchende werden bedarfsgerecht weitergeleitet, während die Erfahrungen aus der Beratung zugleich Hinweise auf Entwicklungen und Unter- stützungsbedarfe der Zielgruppe liefern. Seit 2016 wurden insgesamt 16.017 Beratungs- und 285 Begleitungskontakte dokumentiert, davon 2.131 im Jahr 2025. (s. Vorlage V-132/2025). Schnittstellen bestehen darüber hinaus zu Angeboten anderer Fachbereiche. Hierzu gehört das im Fachbereich Jugend und Familie angesiedelte ESF-Förderprogramm „ElternChanceN – mit Elternbegleitung Familien stärken“. Aufgrund der gemeinsamen Berührungspunkte mit Seite 6 290 Familien aus Mittel- und Südosteuropa bestehen insbesondere bei familienbezogenen Unter- stützungsbedarfen Möglichkeiten zur Weiterleitung und fachlichen Abstimmung. Mit dem „Fa- milientreff WIR“ steht dabei ein niedrigschwelliger und sozialräumlich ausgerichteter Anlauf- punkt für Familien zur Verfügung. Ergänzend unterstützt die Premium Food Group über den OWL Corona Sozialfonds die Sprachförderung in Kitas und Grundschulen (2026–2028: 295 270.000 € bzw. 165.000 €). Die Förderung ist in die „Allianz für Bildung und Chancen Rheda- Wiedenbrück“ eingebunden und wird durch Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote er- gänzt, um Synergien zu nutzen und bestehende Expertise zu bündeln. Die Förderung richtet sich grundsätzlich an alle Kinder mit entsprechendem Bedarf, kommt angesichts des hohen Anteils von Kindern aus Mittel- und Südosteuropa jedoch auch dieser Zielgruppe in besonde- 300 rem Maße zugute. Über die kommunale Ebene hinaus besteht eine wichtige Zusammenarbeit mit dem Kreis Gü- tersloh, insbesondere über das Kommunale Integrationszentrum (KI). Das KI übernimmt auf Kreisebene Koordinierungs- und Vernetzungsaufgaben im Bereich Integration und bildet eine 305 Schnittstelle zwischen den Kommunen, kreisweiten Strukturen und Landesprogrammen. Be- rührungspunkte mit der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen bestehen insbesondere über das Kommunale Integrationsmanagement (KIM) und bei der Weiterentwicklung von Angebo- ten für die MSOE-Zielgruppe. Dadurch können Erkenntnisse und Bedarfe aus Rheda-Wieden- brück in kreisweite Prozesse eingebracht und zugleich kreisweit entwickelte Ansätze für die 310 kommunale Arbeit genutzt werden. Aus dieser Zusammenarbeit ist auch die kreisweite MSOE-Zielgruppenerhebung hervorge- gangen. Die Ergebnisse zeigen insbesondere Handlungsbedarfe bei der Erreichbarkeit der Zielgruppe: Bestehende Angebote sind teilweise nicht bekannt oder aufgrund von Arbeitszei- 315 ten und anderen Zugangshürden schwer erreichbar. Gewünscht werden vor allem niedrig- schwellige und wohnortnahe Angebote, möglichst ohne vorherige Anmeldung sowie eine stär- kere Berücksichtigung sprachlicher Bedarfe. Ein besonderer Bedarf zeigt sich zudem im Be- reich der Sprachförderung. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für das gemeinsam mit dem Kreis Gütersloh und der Stadt Gütersloh entwickelte Pilotprojekt „Mein Quartier – Teil- 320 habe von Menschen aus Mittel- und Südosteuropa im Kreis Gütersloh stärken“. Das bis zum 31.12.2027 laufende und durch das Land NRW geförderte Quartiersmanagement verfolgt ei- nen sozialraumorientierten Ansatz, um den Zugang der Zielgruppe zu bestehenden Bera- tungs- und Unterstützungsangeboten zu verbessern und die Vernetzung vor Ort zu stärken. In Rheda-Wiedenbrück ist hierzu die Einrichtung eines Quartiersbüros vorgesehen. Rund 4.250 325 Personen der MSOE-Zielgruppe, darunter 3.430 Volljährige, leben in einer fußläufigen Entfer- nung von maximal 20 Minuten zum vorgesehenen Standort. Damit kann ein großer Teil der Zielgruppe wohnortnah und niedrigschwellig erreicht werden. Das Quartiersbüro soll an beste- hende kommunale und lokale Strukturen anknüpfen soll. (s. Vorlage V-183/2026). 330 Eine weitere wichtige Kooperationsbeziehung besteht mit der Premium Food Group (PFG) und der ONE Immobilien Service (OIS). Die konkrete Zusammenarbeit im Rahmen der Clearing- stelle, der aufsuchenden Sozialarbeit und der Wohnraumkontrollen ist im Abschnitt 3 darge- stellt. 335 Die dargestellten Kooperationen verdeutlichen die unterschiedlichen internen und externen Schnittstellen im Themenfeld Arbeitsmigration. Ihre bedarfsgerechte Einbeziehung und Koor- dinierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeitsweise der Abteilung Arbeitsmigration und Wohnen. 340 4. Ausblick Die dargestellten Entwicklungen zeigen, dass Arbeitsmigration unterschiedliche Lebensberei- che und kommunale Zuständigkeiten berührt und das Zusammenwirken verschiedener Ak- teure erfordert. Rheda-Wiedenbrück verfügt hierfür über gewachsene Strukturen und Koope- 345 rationen, die eine gute Grundlage für die weitere Arbeit bilden. Eine wesentliche Perspektive Seite 7 besteht darin, bestehende kommunale Angebote und Kooperationen stärker miteinander zu verknüpfen und durch regelmäßige Austauschrunden weiterzuentwickeln. Dabei sollen auch relevante externe Beratungsangebote wie die VHS Reckenberg-Ems und die Caritas einbe- zogen werden. 350 Eine konkrete Entwicklungsperspektive bietet dabei das geplante Quartiersmanagement. Durch seinen sozialräumlichen Ansatz kann es zu einem wichtigen Knotenpunkt für die stär- kere Vernetzung bestehender Beratungs-, Unterstützungs- und Kooperationsstrukturen wer- den. Dabei sollen keine parallelen Strukturen geschaffen, sondern vorhandene Angebote und 355 Kompetenzen vor Ort besser miteinander verbunden und für die Zielgruppe leichter zugänglich gemacht werden. Insbesondere die Anknüpfung an etablierte niedrigschwellige Angebote wie den „Familientreff WIR“ bietet hierfür gute Voraussetzungen. Die Ergebnisse der MSOE-Erhe- bung bestätigen diesen Ansatz und sollen bei der Ausgestaltung des Quartiersbüros berück- sichtigt werden. Ziel ist es insbesondere, die Zielgruppe durch wohnortnahe, niedrigschwellige 360 Zugänge besser zu erreichen und Angebote stärker an ihrem Alltag auszurichten. Dies betrifft auch die Sprachförderung für Erwachsene, für die die MSOE-Erhebung einen deutlichen Be- darf an besser zugänglichen und mit dem Arbeitsalltag vereinbaren Formaten zeigt. Darüber hinaus soll der direkte Austausch mit der Zielgruppe verstärkt werden. Als ein kon- 365 kretes Format ist beispielsweise ein Austausch mit Gewerbetreibenden aus der MSOE-Ziel- gruppe vorgesehen, um deren Erfahrungen und Perspektiven stärker in die weitere Arbeit ein- zubeziehen. Im Bereich Wohnen soll insbesondere die systematische Wohnraumkontrolle bei privaten Un- 370 terkünften und Wohnobjekten weiterentwickelt und fortgeführt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sprachförderung der jungen Generation in Kitas und Schulen. Dabei soll an die bereits bestehenden Strukturen und Kooperationen, insbesondere im Rahmen der „Allianz für Bildung und Chancen“, angeknüpft werden. Unabhängig von der 375 MSOE-Erhebung soll zugleich die zunehmende Anwerbung von Arbeitskräften und Auszubil- denden aus Drittstaaten weiter beobachtet werden. Ziel ist es, die damit verbundenen Chan- cen und neuen Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und die bestehenden kommunalen Strukturen bei Bedarf entsprechend weiterzuentwickeln. 380 Die weitere Entwicklung knüpft damit an einen Ansatz an, der soziale Teilhabe, tragfähige Kooperationsstrukturen und eine nachhaltige kommunale Entwicklung miteinander verbindet. In Vertretung 385 Dr. Ina Epkenhans-Behr Beigeordnete Geschäftsbereich II 390 Seite 8

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